Zugegeben, die Frage klingt fast schon zu dramatisch. Haben klassische Singleplayer Spiele eine Zukunft? Und wenn ja, in welchem Bereich? Tatsache ist aber, dass sich in immer mehr Spielen ausgeprägte Online Elemente breitmachen. Das muss natürlich nicht immer schlecht sein, es ist aber auch nicht immer gut. Und ja, auch Games as a Service (GaaS) Anleihen finden sich, auch in Titeln, die primär Einzelspielererlebnisse sind, immer häufiger. Auf der anderen Seite gibt es aber auch einen Bereich, in dem sich spannende Singlepayer-Titel immer häufiger tummeln. Und da sind natürlich Spiele wie Cyberpunkt 2077, die die klassische Kampagne gerne auf das nächste Level heben wollen.

Neue Horizonte?

Zusammen mit vielen anderen Reihen ist Forza Horizon vielleicht Synonym für die Entwicklung der letzten Jahre, die es in sehr vielen Spielen gab und auch weiterhin gibt. Vieles, was die Reihe bis heute ausmacht, wurde bereits 2012 definiert, die offene Spielwelt und das Festivalkonzept etwa. Gleichzeitig hat sich aber auch viel im Laufe der Zeit geändert. Die klare Unterscheidung zwischen Mehrspieler und Singleplayer etwa ist spätestens im vierten Teil einem deutlich fließenderen Übergang gewichen. Genau genommen ist man eigentlich immer online und müsste so ganz offline sogar auf vieles verzichten, was das Spiel mittlerweile ausmacht. Selbst wenn man nicht gegen menschliche Kontrahenten fährt, oder auch mit ihnen. So ganz nebenbei ist, wie in vielen Spielen, mittlerweile auch deutlich mehr gegen Echtgeld erwerbbar. Damit natürlich nicht genug, immer neue Seasons, Events und so weiter sollen uns auf Jahre hinaus am Ball halten.

Natürlich hatte der Mehrspieler Modus bei Forza Horizon schon immer eine gewisse Bedeutung und grundsätzlich kann man auch alles mögliche freispielen, was kein kostenpflichtiger DLC ist. Bei Assassin’s Creed Odyssey sieht das in manchen Punkten schon anders aus. Teilweise macht der Einsatz von Bargeld hier Dinge deutlich leichter und bei manchen Elementen, die eher in die GaaS und F2P Ecke gehören, fragt man sich zumindest ein wenig, was das in einem Volllpreis-Titel mit kostenpflichtigen DLCs zu tun hat. Dabei gehört Odyssey bei weitem nicht zu den Vollpreistiteln, die den Vogel abschießen. Das sind oftmals reine Online Titel wie Fallout 76, das mittlerweile in mehr als grenzwertige Bereiche vorgestoßen ist. Aber auch Ghost Recon Breakpoint geht hier einen ziemlich zweifelhaften Weg. Was man dabei gerne mal übersieht, eigentlich haben wir uns an viele Games as a Service Elemente schon längst gewöhnt, an die „Veronlinung“ bisheriger Einzelspieler Erlebnisse sowieso. Und dabei wird mittlerweile ohnehin viel Geld mit reinen Online Titeln gemacht, wo bleibt denn da noch Raum für die klassischen Einzelspieler Titel?

Die goldene Mitte?

Wenn ich mir meine Spielerfahrungen der letzten Zeit so angucke, dann lautet die simple Antwort vielleicht ganz einfach, in den unteren und mittleren Budget Bereichen. Aktuell beschäftigt The Outer Worlds mich zum Beispiel ganz gut. Das liegt nicht nur daran, dass wir etwas verspätet doch noch ein Testmuster bekommen haben, sondern auch am schon als klassisch zu bezeichnenden Gameplay. Sicher, die Animationen sind nicht gerade State of the Art, eine richtige Open World gibt es (Gott sei Dank) nicht und eine optionale Third Person Sicht leider auch nicht. Dafür steht The Outer Worlds praktisch vom Spielbeginn an in der Tradition von Black Isle, Obsidian und ja, auch ein wenig Bethesda. Kurzum, westliches Rollenspiel mit teils schrägen Figuren, durchaus schwarzem Humor und interessanter Story, das nicht in allen Punkten auf die möglichst große Zielgruppe optimiert ist.

Dabei steht Outer Worlds nicht gerade alleine. Wie so viele Castlevania Fans hatte ich ziemlich lange auf Bloodstained gewartet. Und trotz mancher Bugs, was Konami nicht hinbekommen wollte, war für ArtPlay offensichtlich kein Problem, ein richtig gutes Castlevania. Budgetseitig vermutlich ein paar Nummern darüber, aber anscheinend immer noch eine ganze Ecke günstiger als so mancher digitale Blockbuster war Metro Exodus. Praktischerweise wollten es 4A Games anscheinend auch nicht jedem Recht machen, weswegen Metro einfach Metro bleibt, immer noch gar keinen Mehrspieler hat und sich einfach immer noch angenehm anders anfühlt als viele andere Shooter. Das muss nicht jeder mögen. Mit ganz großem Budget wäre es aber womöglich auch gar nicht machbar gewesen. Zumindest gefühlt gilt das gleiche übrigens für Remedy’s Control. Das mag nicht die Produktionswerte von Quantum Break haben und auch nicht die mancher aktueller Triple-A Titel, war für mich aber ein ganz großartiges Spielerlebnis. Für mich als langjährigen Battletech Fan war es natürlich auch großartig, dass mit dem gleichnamigen Rundentaktik-Titel endlich wieder mal ein rundum gelungenes Mech-Spiel erschien. Wenn auch bis heute leider nur für PC. Mich wollte auch so gar nicht stören, dass die gelungene Geschichte mit Standbildern statt teureren Animationen erzählt wurde. Mehr noch, mit MechWarrior 5: Mercenaries darf ich mich sogar demnächst auf eine Singleplayer Mech-Sim im gleichen Universum freuen, die es vielleicht auch noch auf die Konsolen schaffen könnte. Detail am Rande, die Lizenz für Battletech und MechWarrior Spiele liegt eigentlich seit fast 20 Jahren bei Microsoft, nur lag sie dort seit 2005 brach, bis man sich dazu entschied, sie unterzulizensieren.

Think Big?

Natürlich gibt es auch noch die andere Seite. The Last of Us 2 oder Cyberpunk 2077. Die ganz großen und sicher auch ganz teuren Singleplayer Erfahrungen. Nicht zuletzt diese beiden Titel werden im nächsten Mai auch zeigen, ob die klassische Kampagne in Triple-A Form noch eine wirkliche Zukunft hat. Andere Titel wie Gears 5 oder nächstes Jahr auch Halo Infinite setzen ohnehin mindestens so sehr auf den Mehrspieler Modus wie auf die Kampagne. Natürlich ist da auch noch Nintendo. Deren Spiele dürften aber in den meisten Fällen von vornherein nicht die allergrößten Budgets aufweisen. Stattdessen wirken die Spiele des Konzerns aus Kyoto fast immer mehr nach viel Feinschiff als nach möglichst viel Geld. Das mag natürlich täuschen. Und natürlich setzt auch Nintendo mittlerweile unter anderem auf Online, DLC und sogar auf Free to Play. Gleichzeitig schafft Nintendo aber immer noch den Spagat, für traditionellere Spielerfahrungen zu stehen. Andere Publisher, wie THQ Nordic, scheinen geradezu auf die Mittelspiele und damit auch auf die klassischeren Einzelspieler Erfahrungen zu setzen. Und natürlich gibt es auch eine ganze Reihe Indie Entwickler, die auf solche Spiele setzen. Ich freu mich jedenfalls unter anderem schon mal auf Spintires: Snowrunner, Everspace 2 und so einige andere Titel. Natürlich ist dabei längst nicht alles Gold, was glänzt. Decay of Logos beispielsweise war für mich dank ziemlich langer Mängelliste unterm Strich leider eine Enttäuschung, vielleicht ändert sich das mit dem Switch Release ja noch. Insgesamt sind die Mittelspiele für mich mittlerweile aber, gerade für Singleplayer Titel, der deutlich spannendere Bereich. Und wenn man sich die letzten Zukäufe von Microsoft oder die Entwicklung von THQ Nordic in den letzten Jahren so ansieht, dann scheinen das mittlerweile doch einige so zu sehen.