COD 2020, oder ausgeschrieben Call of Duty Black Ops Cold War, ist der neue Serienableger, der auch auf Playstation 5 und Xbox Series X|S die Gewehrkolben zum Glühen bringt. Im Test müssen sich Kampagne, Multiplayermodus und der Zombiemodus bewähren. Während sich Raven Software in erster Linie verantwortlich zeichnet für die Kampagne, haben insgesamt vier Entwicklerteams (Treyarch, Raven Software, Beenox, High Moon Studios) an diesem Call of Duty für Publisher Activision gewerkelt.

So geht Actionkino!

Ja, ich gebe es zu. Ich gehöre ja eigentlich zu der Sorte Spieler, die sich jedes Jahr mehr auf die Einzelspielerstory des neuen Call of Duty freuen und weniger zu denen, die sämtliche Ränge, Waffenmods, Skins und Co. im Onlinemodus freischalten. Natürlich verbringe ich sehr gerne meine Zeit auch im Onlinemodus, aber meine Ausflüge dorthin unterbreche ich auch immer wieder mal, bis es wieder neue Karten als Nachschub gibt.

Dieses Jahr hat mich die Kampagne aber tatsächlich überrascht! Ja sogar ein wenig an längst vergangene Zeiten erinnert! Dabei spielt die Kampagne zu Beginn der 80er Jahre und damit mitten im Kalten Krieg. Musik aus dieser Ära, die Kleidung und Frisuren der Charakter, ein Treffen mit US Präsident Ronald Reagan und sogar verschiedene Missionen in Ost-Berlin machen diese kleine Zeitreise sehr überzeugend.

Überall sind Spione, Überläufer und Verräter unterwegs, während uns die Jagd nach dem Terroristen Perseus rund um den Globus und sogar durch die Zeit reisen lässt. Also, keine Sorge! Die Kampagne enthält jetzt keine aberwitzigen Science Fiction Elemente, sondern bringt uns beispielsweise in einer spielbaren Rückblende auch zurück in den Vietnamkrieg. Monster, Zombies und wirre Maschinen und Dimensionswechsel sind auch 2020 weiterhin im Zombiemodus zu finden.

Die Kampagne ist dieses Jahr aber so viel mehr als lineare Schießbude, in der wird hunderte auf uns zustürmende Gegner niedermähen, während Optik und Klangkulisse mit zahlreichen Explosionen garniert werden. Ok, sie ist mit ca. 4-5 Stunden Spielzeit gewohnt kurz. Aber erinnert mit ihren zahlreichen Gadgets und Schleicheinlagen auch ein bisschen an GoldenEye. Auch wenn es mich einige Missionen gekostet hat, bis ich verstanden habe, woran genau es mich erinnert.

Natürlich kommen die Schießbudenpassagen trotzdem nicht zu kurz: haufenweise Gegnerwellen niedermähen, Türen öffnen und per Zeitlupe dahinter Feinde mit gezielten Schüssen ausschalten oder einen Kampfhubschrauber steuern und Feinde mit Raketen eindecken. All das steckt auch drin.

Oder im Nahkampf Gegner ergreifen und als Körperschild missbrauchen oder sie mit dem alten „scharfe Granate in Jacke stecken und wegschubsen Trick“ an ihre Kollegen zurückschicken. Fallout lässt grüßen! Oder bin ich der einzige, der bei Fallout per Taschendiebstahl Granaten in die Taschen seiner Gegner geschmuggelt hat?

Neuerdings führen wir auch Dialoge, treffen Entscheidungen und es gibt sogar optionale Nebenmissionen und optionale Ziele, die wir in den Missionen angehen können. Noch dazu gibt es sogar mehrere Enden der Kampagne! Ganz ehrlich: ich finde Raven Software sollte die Chance bekommen mal wieder einen reinen Einzelspielershooter zu entwickeln, der dann gerne deutlich länger gehen darf! Denn die haben es offensichtlich immer noch drauf, auch wenn Spiele wie Jedi Knight II: Jedi Outcast, Soldiers of Fortune und Star Trek Voyager: Elite Force schon einige Jahre auf dem Buckel haben.

Ist wirklich alles Nextgen was hier glänzt?

Call of Duty Black Ops: Cold War hat auf der Xbox Series X ein großes technische Problem in der Kampagne. Hier stürzt das Spiel immer wieder regelmäßig ab und zwar so, dass nicht nur das Spiel beendet wird sondern, dass sich die Konsole ausschaltet. Hierüber haben auch die Kollegen der Gamepro berichtet. Die Support-Foren von Microsoft sind ebenfalls voll mit Spielern, die von diesem Problem berichten. Ein Wechsel auf eine von drei verschiedenen Versionen der Konsolenfirmware, über den Xbox Insider Hub, haben das Problem nicht lösen können. In der letzten Mission tritt dieses Problem sogar bei mir immer an der gleichen Stelle auf. Wer also seinen Fokus auf das Spielen der Kampagne setzt, sollte vielleicht noch etwas warten und die allgemeine Berichterstattung hierzu abwarten.

Gespielt habe ich Call of Duty Black Ops: Cold War auf der brandneuen Series X und die Nextgen Version des Spiels kommt mit Raytracing Effekten daher. Und ja, die Lichtstimmung, die stabilen 60 Bilder kommen nicht nur bei Missionen zur Geltung, die nachts oder am späten Abend spielen, sondern auch bei gleißendem und sich im Schneematsch spiegelnden Sonnenlicht. Nur irgendwie ist die Optik in der Kampagne verglichen mit der im herkömmlichen Mehrspielerpart ein Vergleich zwischen Licht und Schatten. Denn wo die Kampagne optisch, im Verhältnis zur technisch in der Vergangenheit manchmal etwas veralteten Call of Duty Geschichte im Allgemeinen, wirklich überzeugt, tut das der Mehrspielerpart nicht. Denn der ist im direkten Vergleich zu Modern Warfare aus dem letzten Jahr irgendwie optisch ein Rückschritt.

Hölzerne, abgehakte Animationen der Spielfiguren aus dem Jahr 2012 sind nicht nur weit von der Qualität des letzten Serienablegers entfernt sondern sogar soweit heruntergefahren, dass man kaum noch erkennen kann, was der Gegner eigentlich gerade tut. Das bringt also sogar eine taktische Schwäche ins Gameplay. Entweder ging hier die Entwicklungszeit aus oder es ist den immensen fps-Zahlen geschuldet, die Call of Duty im Mehrspielerpart erreichen will. Dank der angesprochenen Animation ist das Bunnyhoping wieder möglich. Ärgerlich!

Abseits davon und auch trotz des deutlich schlechteren Waffengefühls aufgrund der zurückgefahrenen Animationen auch in der eigenen Egoperspektive, fühlt sich alles recht vertraut an. Crossplay und das sogar Cross-Generation ist ebenso mit an Board wie die Integration der Waffenfreischaltungen in den Stand-Alone Mehrspieler Ableger Call of Duty Warzone. Was übrigens in beide Richtungen funktioniert. Patches liefern weitere Spielmodi und Maps. So kam im Laufe des Tests sowohl Gunfight per Patch ins Spiel als auch Nuketown als neue (alte) Karte. Wahlweise spielen wir hier nun sechs gegen sechs, zwölf gegen zwölf oder mit insgesamt bis zu vierzig Spielern im Fireteam genannten Spielmodus. Hier treten vier Teams mit je zehn Spielern im Wettlauf um schmutzige Bomben an und das auf entsprechend größeren Karten und Respawn. Erfolgreich gezündete Bomben verkleinern die Spielwelt durch Strahlungswolken. Es ist also eine Art Mini-Battle-Royal mit Loot.

Natürlich ist auch das Fortschrittssystem wieder mit dabei und so schalten wir Waffen, Zubehör, Perks und Anhänge frei, umso länger und erfolgreicher wir online antreten. Dabei ist das Erstellen einer Klasse dann doch recht nah an Modern Warfare, wobei Feldaufrüstungen nun zu den Klassenladevorgängen gehören. Dafür hat aber jede Klasse nun per Wildcard mehr primäre Anhänge und Granatenupgrades. Hier kann richtig viel angepasst werden, wodurch eine bunte Mischung aus verschiedensten Waffen und Perks pro Slot möglich wird.

Vermisst gemeldet sind übrigens auch noch ein paar andere Gameplay-Funktion: das Auflegen und damit Stabilisieren von Waffen auf Fensterbänken, die interaktiven Türen, Nachtsichtgeräte und die Minimap haben sich unerlaubt vom Dienst entfernt. Die stecken nämlich noch in Modern Warfare, also im Jahr 2019 fest.

Die erste Season ist bereits gestartet und alle DLCs, inkl. neuer Karten, sollen kostenlos erscheinen.

Ein Zombie hing am Glockenseil

Da ist er wieder, der Zombiemodus! Toll im Koop mit Freunden, wie gehabt natürlich oftmals dann problematisch, wenn man sich online mit bisher unbekannten Spielern zusammentut. Dann verstreuen sich die Spieler oftmals zu weit über die Map, das Wiederbeleben wird oft ignoriert und durch das fehlende Teamspiel kann man froh sein, wenn man die ersten fünf Wellen an Zombie- und Monsterhorden übersteht. Dabei gibt es gewohnt viel zu entdecken: überall liegen Kisten, stehen Automaten, sprengbare Wände und Waffen, die man von den Wänden aufklauben kann. Doch das alles kostet Punkte! Punkte werden u. a. durch das Ausschalten von Gegnern gesammelt. Der Schwierigkeitsgrade des Zombiemodus ist tatsächlich sehr hoch aber hat man mal ein paar Freunde zusammen und zieht mit Party-Chat in den Kampf, steigen die Erfolgsaussichten immens. Denn dann gibt es auch mal genug Erfahrungspunkte, um den eigenen Charakter mit dauerhaften Perks weiterzuentwickeln. Der Koopmodus ist und bleibt eine nette Abwechslung für Zwischendurch und überrascht immer wieder mit weiteren Geheimräumen, neuen Gegnertypen und einer eigentlich recht interessanten B-Movie-Geschichte, die sich ganz, ganz lose sogar an die Kampagne anhängt.

Fazit

Call of Duty Black Ops Cold War hat eine bahnbrechend spannende Kampagne, die erstmals in der Serie auch Entscheidungsmöglichkeiten mitbringt. Basierend auf unseren Entscheidungen bekommen wir dann auch unterschiedliche Enden zu sehen. Lichtstimmung, Gesichtsanimationen, Spiegelungen in Pfützen und absolut stabile Bildraten versprühen einen kleinen Hauch Nextgen. Nur warum gibt es schon in der ersten Mission keine Spiegelungen im Badezimmerspiegel des Terroristenunterschlupfes? Beim Blick in den Spiegel gibt es nur die Wandtextur von gegenüber zu sehen. Dynamik oder eigener Spielcharakter? Fehlanzeige! Und so ähnlich ist CoD 2020 an vielen Stellen: auf den ersten Blick hui und bei Detailansicht dann eher so meh. Zumindest wenn man sich die fehlenden Funktionen im Mehrspielerpart ansieht, die Modern Warfare letztes Jahr noch etabliert hat. Nachtsichtgeräte, Waffen auflegen und Minimap sucht man hier nun vergebens. Dazu diese hakeligen Animationen die Bunnyhoping zurückbringen. Auf der PS5 werden übrigens, auch wenn wir das selbst nicht testen konnten, die adaptive Trigger des neuen Controllers unterstützt, so dass sich die Waffen unterschiedlich anfühlen sollen. Sicherlich immersiv für die Kampagne, aber ein Nachteil im Mehrspielerpart. Playstation Spieler haben auch einige weitere Vorteile, wie früheren Zugriff auf Spielmodi, mehr Erfahrungsboni etc. Sogar einen Loadoutslot mehr haben Shooterfans auf der PlayStation. Das geht irgendwie einen Schritt zu weit, wenn man gleichzeitig mit Crossplay und Crossgeneration wirbt, was ja beides tolle Features sind! Wer eine tolle Kampagne erleben und anschließend mit Freunden gegen Zombies antreten will, kann auch dieses Jahr zuschlagen. Spieler mit Multiplayerfokus sollten sich überlegen, ob sie nicht lieber bei Modern Warfare bleiben wollen.

Call of Duty Cold War
Grafik in der Kampagne versprüht Nextgen-Charme spannende, wendungsreiche Kampagne mit abwechslungsreichen Missionenumfangreicher Mehrspielerpart und Zombiemodusspitzen Soundkulisse
Abstürze in der Kampagnegrafischer Rückschritt bei den Animationen im MehrspielerpartRückkehr des BunnyhopingRückschritt gegenüber Modern Warfare durch Wegfall von in 2019 etablierten Gameplayfeatures
77%Gesamtpunktzahl
Grafik/Präsentation83%
Story/Atmosphäre84%
Gameplay77%
Spielspaß73%
Multiplayer70%
Leser Bewertung 5 Stimmen
67%