Als Einwohner des Kreises Heinsberg trifft mich das leidige Thema SARS-CoV-2, besser bekannt als Coronavirus, mittlerweile schon etwas länger als den Durchschnittsdeutschen. Die Schulen und Kindergärten, Schwimmbäder und Bibliotheken sind schon seit über vier Wochen geschlossen, Verwaltungssachen kann man nur noch per Termin erledigen und vieles mehr. Gleichzeitig haben wir natürlich viele Corona-Fälle und deswegen auch gut ausgelastete Krankenhäuser. Seit kurzem sind wir nun in guter Gesellschaft, Restdeutschland geht es genau so wie uns und wir alle sind mit völlig neuen Situationen konfrontiert. Apokalyptische Zustände wie in Italien scheinen bei uns Gott sei Dank sehr weit entfernt, aber trotzdem macht sich Corona überall bemerkbar. Sogar beim Hobby. Kein Wunder, wenn aktuelle Nachrichtenbilder aus New York fast schon als Vorspann für Tom Clancy’s The Division herhalten könnten.

Spiele kaufen mal anders

Meine Tochter durfte das letzte Woche erfahren. Sie freut sich schon seit einer Ewigkeit auf Animal Crossing: New Horizons. Ohne Schule und aktuell weitgehend ohne Live-Sozialkontakte sogar noch mehr als ohnehin schon. Der Kauf beim Media Markt im Ort war praktisch schon fest geplant. Vielleicht könnte man ja Donnerstag kurz vor Schluss schon Glück haben? Daraus wurde dank geschlossener Läden schlagartig nix mehr. Kurzerhand hat sie sich zur Digitalversion entschieden, womöglich eine weise Entscheidung, weil der Onlinehandel bestimmte Sachen plötzlich auch nicht mehr so schnell liefert, wie gewohnt. Überhaupt, wie sieht das nächste oder übernächste Woche aus? Liefern Amazon, Media Markt und Co. Weiterhin ‚unnützes‘ Zeug wie Videospiele? Oder muss ich mich auf Wochen gefasst machen, in denen ich nur noch das nötigste bekomme?

Das nächste Spiel auf meiner eigenen Liste ist wohl Resident Evil 3. Aber bekomme ich das demnächst noch ganz normal? Haben die Geschäfte zum Trials of Mana Release, Ende April, wieder offen? Plötzlich gilt, wie im gesamten Alltag, man muss sich darauf einstellen, dass es jeden Tag plötzlich anders sein kann. Was nun wie und vor allem wie lange das alles sein wird, das weiß man dummerweise auch nicht. Sicher, irgendwann muss der Shutdown auch wieder zu Ende gehen und alles wieder hochfahren. Aber selbst dann könnte es dauern, bis sich unser Alltag normalsiert hat.

Presse zu, Retail tot

Unsere Welt ist globalisiert. Das heißt unter anderem, dass irgendwo die Rohlinge für eine Blu Ray produziert werden, ganz woanders das Presswerk sitzt und der ganze Kram natürlich über Europa verteilt werden muss. Ganz zu schweigen von Nintendos Switch-Modulen. Alles, was aktuell schon produziert ist, wird davon natürlich nicht getroffen. Bereits beim Final Fantaty VII Remake deutet Square Enix allerdings an, dass es zumindest regional am Releasetag nicht überall als Disc verfügbar ist. Für andere Releases der nächsten Zeit sieht das sicher nicht besser aus. Letztendlich muss man aber wohl von Spiel zu Spiel schauen, was passiert. Glücklich darf sich schätzen, wer sowieso digital kauft. Der kann rechtzeitig runterladen.

Aber je nach Plattform nur noch mit gedrosselter Geschwindigkeit. Macht das überhaupt Sinn? In Deutschland wohl eher nicht. Unsere Netz-Infrastruktur scheint gar keine Probleme zu machen. Es sind meist eher die Endkundenleitungen und überlastete Firmennetzwerke, die Probleme machen.

Apropos Endkundenleitung. Wie sieht es überhaupt bei den Spieleentwicklern aus? Tatsächlich wird man bei dem einen oder anderen Titel wohl mit Verzögerungen rechnen müssen. Tatsächlich kann man nicht abschätzen, welche Titel und Studios das in nächster Zeit alles treffen kann. Wenn es gut klappt, dann kann ein Großteil der Belegschaft sicher effizient im Home Office arbeiten. Das wird aber nicht immer funktionieren. Und im schlimmsten Fall könnte das eine oder andere Studio auch durch Corona-Fälle, Quarantänen und so weiter deutlich in Verzug kommen. Gut denkbar jedenfalls, dass sich dieses Jahr so einige Spiele verschieben.

16:50 ab Köln-Deutz

Die nächstbeste, wichtige Gaming Messe? Gamescom 2020. Die E3 ist plötzlich Geschichte. Sicher, es wird eine ganze Reihe Digital Events geben und Nintendo macht eh seine Direct, aber die bisher wichtigste Gamingmesse überhaupt fällt ganz plötzlich flach. Und ob die Gamescom am Ende wirklich so stattfindet wie immer, das muss man wohl einfach abwarten. Wie so vieles zur Zeit. Game Developers Conference und Co. sind auch verschoben oder abgesagt.

Gerade die Sache mit der GDC war ja auch der Grund für Sonys erste, etwas krude PlayStation 5 Präsentation. Interessanter für uns Spieler dürfte sein, wie es im Juni, ohne E3 und irgendwie doch mit verschiedenen Events aussehen wird.

Natürlich sind da auch Gamescom, Tokyo Gameshow und Paris Games Week, die uns normalerweise die zweite Jahreshälfte versüßen und bisher nicht gecancelt wurden. Ob es aber dabei bleibt? Ich schreibe es jetzt erst gar nicht aus, aber da werden wir wohl einige Tassen Tee brauchen.

The worst Case: keine Kohle für Konsole?

Die schlimmste Frage stelle ich mir tatsächlich verdammt ungern. Aber was ist eigentlich, wenn es jetzt wirtschaftlich doch so richtig knallt? Leider ist das zumindest denkbar. Denn Corona legt gerade nicht nur Deutschland lahm, sondern gleich große Teile der Welt. Mein Alltagsjob ist zwar ziemlich krisensicher, aber unsere Familie braucht zwei Gehälter. Erst Recht, wenn man sich zwischendurch was leisten können will. Leider kenne ich aber plötzlich ganz viele Leute, denen Kurzarbeit und auf längere Sicht schlimmeres droht, wenn der Wirtschaftsmotor nicht bald wieder anspringt.

Und damit stellt sich plötzlich die Frage, hab ich im November überhaupt noch Geld für eine neue Konsole? Von beiden mal ganz zu schweigen. Ganz plötzlich ist es vorstellbar, dass ich demnächst in meinem Hobby einen harten Sparkurs fahren muss. Dabei will ich gerade die Series X direkt zum Release haben. Die Mid Gen Upgrades in Form von Pro und X hab ich ja auch hartnäckig ignoriert und in alter Konsolentradition an meiner Fatbox One festgehalten.

Spiele sind allerdings eh nicht mal die halbe Miete. Was passiert denn überhaupt mit Publishern und Entwicklern, wenn eine richtige Krise auf Corona folgt? Nicht nur die Verkäufe würden massiv einbrechen, es dürfte auch unendlich viel schwieriger werden, eine Finanzierung für seine Spiele zu bekommen. Und dabei dürften es gerade Indies und kleine Entwickler noch sehr viel schwerer haben, als die großen Publisher. Das will man sich gar nicht ausmalen.

Geh spielen

Persönlich hab ich leider gerade kein bisschen mehr freie Zeit als ohne Corona. Eher sogar weniger als sonst. Die Zeit, die ich habe verwende ich aber definitiv weiter auf meine Spiele. Die können in der aktuellen Situation doch deutlich die Stimmung verbessern. Meiner Tochter scheint unter anderem Animal Crossing auch zu helfen. Und das eine oder andere abendliche Mario Kart Rennen geht zwar nicht ganz geräuschlos an einem vorbei, klappt aber ohne Scheidung oder andere Unannehmlichkeiten und macht auch in der Familie Spaß. Besser als ständig den Liveticker zu aktualisieren ist es sowieso und im Zweifelsfall könnten Ring Fit Adventure, Fitness Boxing und Co. sogar durch die Zeit ohne Fitness Studio, Schwimmbad und so weiter bringen.