2020 war ein bewegendes Jahr oder vielleicht, für mich ganz persönlich, eher ein extrem ausbremsendes Jahr. Die Kombination aus Pandemie und dem Durchleben eben dieser als Risikopatient hat letztlich so ziemlich jede soziale Interaktion und Dinge meiner alltäglichen Freizeit auf Null reduziert. Natürlich bin ich das selber schuld, weil es ja meine freie Entscheidung war und weiterhin ist, wie ich für mich persönlich mit der Zeit umgehe. Andererseits kann ich mich glücklich schätzen, da Gaming als Hobby dann doch viel Beschäftigung verspricht und mein Umfeld meine Sorgen teilt und akzeptiert. So habe ich dieses Jahr eine ganze Menge mehr Spielzeit zur Verfügung gehabt und blicke nun an dieser Stelle zurück.

Top 1: Journey to the Savage Planet – Knallbunt & die Sonne scheint!

Klingt komisch, ist aber so: nach den ersten wenigen Screenshots und einem Minitrailer habe ich mich im Forum geradezu überschlagen, dieses Journey to the Savage Planet testen zu dürfen. Es war mein erster Test in 2020 und gleichzeitig eine Mordsgaudi! Kruder Humor, abgefahrene Viecher und noch dazu das, was ich gerne „gute Laune Grafik“ nenne. Ein bisschen so, wie es mir auch bei Fenyx ergangen ist: helle, knallig bunte Farben und das Gefühl, dass ständig die Sonne scheint. Die Optik kombiniert mit dem Ansprechen meines Entdeckerdrangs, klaren Missionszielen zum „Durchspielen“ und dem Humor (Pupsvogel!) haben Journey to the Savage Planet für mich zu einem „Feel Good“ Titel gemacht. Und das, obwohl ich zum Release noch gar nicht wusste, dass ich davon 2020 durchaus etwas mehr gebrauchen kann. Und ein paar Koop-Ausflüge mit Markus waren auch, wie immer, sehr unterhaltsam! Und ich glaube ich nutze die Winter-Weihnachtspause, um mir den DLC anzuschauen.

Top 2: Maneater – Der Haifisch, der hat Zähne!

Ich schäme mich ja fast schon dafür, wie viel Spaß ich mit dem Spiel hatte. Es hat sogar mit meinem kleinen Video seinen Weg in ein Glückwunschvideo für die Familie meiner Freundin in die USA geschafft. Als Hai an Land springen und Menschen auffressen, während immer wieder das ineinander schlagen des Kiefers und der Zähne zu hören ist, macht einfach Spaß. Ähnlich Spaß wie Irrsinn in GTA 5 anzustellen. Technisch zwar nicht auf der Höhe und mit einem wenig abwechslungsreichen Gameplay ist da zwar Luft nach oben, aber für zwischendurch oder ganz bewusst auch länger am Stück – Hirn aus, Zähne an – macht Maneater einfach Spaß. Ich habe mir sogar alle Erfolge erspielt, weil es einfach Spaß gemacht hat. Und das Rüstungssystem! JA, es hat ein Rüstungssystem und neben der eigentlich ernsten Rahmenhandlung einen stupiden und simplen, gar kruden, schwarzen Humor, der mich total anspricht. Auch hier ist die Welt voll mit Anspielungen auf die Popkultur. So gibt es unter anderem am Meeresboden auch eine Stelle, an der die drei Muscheln zu finden sind. Die gibt es sogar in Cyberpunk. Weißt Du etwas nicht wie die drei Muscheln funktionieren?

Top 3: Wasteland 3 – Mit Honigdachs und Cyberhuhn zum Sieg!

Wasteland 3 ist das Fallout 3, dass ich mir nach Fallout 1 und Fallout 2 seinerzeit am PC gewünscht habe! Zwar fand ich die Steuerung auf der Xbox Series X ein wenig fummelig und es gab auch hier den einen oder anderen Bug und Absturz, aber in Summe war es ein spannendes, sehr umfangreiches Abenteuer bei dem es immer mehrere Wege zum Ziel gab und ich stets das Gefühl hatte, dass sich meine Entscheidungen auswirken. Und es hat so oft auf absolut herrliche Art und Weise die Pop- und Gamingkultur zitiert. Ich sag nur Hongidachs als Begleiter. Aber aus Spoilergründen will ich zu dem gar nicht mehr sagen. Aber wenn ich mit meiner Truppe aus Ödland-Rangern, einem Kannibalen, einem alkoholkranken Charakter (der Serienfans sicherlich bekannt vorkommt) sowie einer rauchenden Katze mit Hut und einem Cyborg-Hühnchen für das Gute einstehe, macht das einfach Spaß. Überall gibt es etwas zu entdecken und ich kann viele Aufgaben auch über Dialoge lösen und sogar Kämpfe verhindern oder vereinfachen. Meine Fertigkeiten wirken sich stets aktiv auf meine Gameplaymöglichkeiten aus und der Humor im Ziel trifft einfach genau mein Spaßzentrum. Danke! Und wer jetzt Lust auf Wasteland 3 hat schaut einfach mal per GamePass vorbei.

Flop 1: Nextgen – Geräte sind da aber Games fehlen?

Ja, ich weiß. Nextgen besteht natürlich nicht nur aus Halo Infinite, dessen Verschiebung mir echt in der Seele weh getan hat. Wie gerne wäre ich doch im Koop in der angekündigten Open-World bzw. auf den noch größeren Maps als in anderen Serienablegern, geradezu verloren gegangen. Das Microsoft den Master Chief prominent auf dem Series X Karton untergebracht hat und sogar meine Lieblingssorte Energy Drinks für Halo Infinite Werbung macht, hat das nicht gerade verbessert. Aber letztlich sind mir Verschiebungen natürlich viel lieber, als ein unfertiges Spiel zu bekommen.

Doch auch bei Sony konnte ich meinen Nextgen-Hunger nicht stillen. Warum? Weil es auf beiden Konsolen aus meiner Sicht keine Systemseller gab, welche gekonnt gezeigt haben, was die neue Hardware kann. OK, super kurze Ladezeiten. Das ist eine enorme Verbesserung und verlängert für uns alle plattformübergreifend die effektive Spielzeit. Sorry Spider-Man: Miles Morales, Demons Souls und Gears 5 DLC: Hivebusters. Aber es gab keinen Titel der mir wirklich ein echtes Nextgen-Gefühl gegeben hat, bei dem mir die Kinnlade runtergeklappt ist. Dabei hatte ich großes Glück, beide Konsolen am jeweiligen Releasetag bei mir daheim empfangen zu dürfen.

Klar, gerade Openworld Games wie Spidey und Assassins Creed Valhalla profitieren enorm von den Ladezeiten, genauso wie ein The Outer Worlds, wo ich den DLC genutzt habe, um die Xbox Series X warm laufen zu lassen. Ich bin aber eher mit Einzelspielerfokus unterwegs und da bringen mir persönlich 120 fps im Gears Mehrspielerpart einfach gar nichts. Godfall blieb auch irgendwie hinter den Erwartungen zurück. Was bleibt ist eine NextGen, die für viele Gamer aufgrund der pandemiebedingten unterbrochenen Lieferketten aus Asien, wo die Konsolen nun mal produziert und aufs Schiff verladen werden, noch gar nicht angefangen hat. Gut so! Denn ihr könnt euch noch auf etwas freuen, etwas entgegenfiebern. Ihr bekommt die Konsolen zwar später, dafür bereits mit zahlreichen Updates, auch für die Games, und somit vermutlich eine deutlich rundere Erfahrung. Wochen auf das Nextgen Grafikupdate für Destiny 2 zu warten war auch irgendwie doof. Der PS5 Controller wagt in Astros Playroom tatsächlich etwas Neues und ich hoffe sehr, dass kommende PS5-Exclusives diese Features auch ausnutzen. Nur müsste da irgendwie noch etwas an der Effektivität des im Controller integrierten Akkus getan werden.

Wenn ich jetzt in das Jahr 2021 blicke, sehe ich da keine große Änderung. Entwickler wie Ubisoft, haben ihre großen Titel in das wichtige Weihnachtsgeschäft gepresst. Da kommt, abseits von Far Cry 6, erstmal eine ganze Zeit lang nichts Neues und wenn doch, dann eher Lastgen Titel, die vielleicht auf Nextgen etwas hübscher sind. Ich bin echt etwas enthyped. Nein. Ehrlich gesagt bin ich richtig enttäuscht. 2013 war irgendwie alles besser. Vielleicht ist das aber auch der verklärte Blick in die Vergangenheit?

Flop 2: Assassins Creed Valhalla – Seelenlos & verbugged

Was habe ich mich auf dieses Spiel gefreut! Was ich bekommen habe ist ein Spiel, dass einfach nicht fertig ist bzw. innerhalb meines 65 h Spieldurchgangs auch nicht fertig wurde. Die Isu-Geschichte ist beinahe gar nicht mit der Hauptgeschichte verwoben, bzw. im Grunde erst im letzten Drittel. Das Ende ist so offen, dass man die fortsetzenden DLCs schon förmlich riechen kann. Und das Spiel hat so viele und unglaublich heftige Bugs und Glitches, vollkommene KI-Aussetzer und unfassbar fragwürdige Design-Entscheidungen. Oh, toll! Du bist also heimlich im Schleichgang durch ein ganzes Dorf spaziert, durch Schatten und Winkel und mit Kletterpassagen ungesehen an allen Wachen vorbeigekommen. Abgesehen von ein paar nun auf ewig schlafenden Augenzeugen und Du möchtest nun die Truhe mit dem wertvollen Loot öffnen? Kein Problem! Leider ist der Deckel zu schwer, Du musst per Kriegshorn Deine brandschatzende Schiffscrew rufen, die Dir dann hilft den Deckel wegzuschieben. Und dabei mehr Lärm und Getöse von sich geben, als ein Karnevalszug am Rosenmontag in Köln. Warum nur?

Oder das Angelfeature, dass nicht erklärt wird. Bau die Fischerhütte hat das Spiel gesagt. Dann kannst du angeln, hat das Spiel gesagt. Hütte gebaut, Fischer ist da und ich kann nicht angeln. Warum nicht? Weil das Spiel mich nicht drauf hinweist, wie und wo die Angel sich versteckt. Ja, im Kreismenü, wo man das Pferd rufen, das Horn blasen oder pfeifen kann, gibt es nun einen neuen Eintrag. Na klasse! Wie kann man denn eine mit optionalen Nebenaufgaben verbundene Gameplay-Mechanik einführen, ohne den Spieler dorthin zu führen? Da fehlt doch was!

Davon könnte ich zig weitere Beispiele nennen aber am Ende kommt immer das gleiche dabei heraus: Assassins Creed Valhalla ist für mich der belangloseste, seelenloseste und storyseitig unspannendste Eintrag in die Serie. 60 fps und native 4K mit Mini-Ladezeiten waren nett, aber eben auch nur nett. Das konnte das ständig am Boden festhängen, durch Wände glitchen, aus der Welt fallen und die total bescheuerte Art die Assassinen in die Story reinzuquetschen, nicht ausgleichen.

Flop 3: Cyberpunk 2077 – Legendäres Scheitern!

Cyberpunk ist ganz klar Nextgen! Sieht man doch! Also, sieht nicht jeder. Ich jetzt halt schon, weil ich es einerseits auf PS4 und Xbox One gar nicht probiert habe und meinen Ausflug auf Xbox Series X schnell zu Gunsten der PC-Fassung gestoppt habe. Denn Dank kurzfristig ergatterter neuer Grafikkarte auf Basis der Nvidia 3070 GPU, habe ich am PC nun tatsächlich das, was mir optisch die Kinnlade runterklappen lässt und auch storyseitig in seinen Bann zieht.

Auf Konsolen ist das natürlich ein anderes Thema. Sony hat das Spiel aus dem eigenen Store geschmissen und bietet allen Käufern der digitalen Fassung eine Umtauschmöglichkeit. Microsoft bietet ebenfalls eine Umtauschmöglichkeit an, es werden angeblich schon Klagen von Investoren vorbereitet und der Aktienkurs vom polnischen Entwicklerstudio CD Project Red ist in kürzester Zeit um fast 30% gefallen. Microsoft spricht im eigenen Store auf ihren Xbox Konsolen sogar eine Performance-Warnung aus! Und Gamer mit Xbox One und auf PS4 trauen ihren Augen nicht, während von Nextgen auf Xbox Series X und PS5 rein gar nichts zu sehen ist. Denn dort läuft es einfach nur weniger schlimm als auf der Lastgen.

OK, ich habe Witcher 1 zu Release am PC gespielt und es war ein absolutes Bugfest und es hat richtig lange gedauert, an den ganzen Bugs „vorbei“ zu spielen. Mit Teil 2 und Teil 3 war es ähnlich, es waren aber deutliche Verbesserungen in der Technikqualität zum Release zu erkennen. Auch wenn Pferd Plötze in der Vanilla Version von Witcher 3 gerne in und auf Bäumen, Zäunen und Straßenschildern spawnte.

Aber was hier passiert ist, ist einfach nicht zu glauben. Da wird eine Konsolenversion der Öffentlichkeit vorenthalten, dennoch beworben und ist dann ein technisches Desaster, in der ersten Woche regelrecht unspielbar und bestraft nach 8 Jahren Entwicklungszeit alle Fans und knapp 8 Millionen Vorbesteller. Trotz GOG im Rücken mache ich mir Sorgen, dass sich CDPR von dem finanziellen sowie dem Imageschaden vielleicht langfristig doch nicht mehr wird erholen können. Aber immerhin war es vielleicht für eine Sache gut: wenn Sony einen so großen Titel aus dem Store schmeißt, nehmen sich andere Entwicklerstudios nun deshalb vielleicht vor, qualitative bessere Spiele zu veröffentlichen, als bislang. Denn wenn sowas einem Cyberpunk passieren kann, dann ist niemand vor so einer Reaktion von Sony sicher. Ich drücke allen Konsolenspielern von Cyberpunk die Daumen, dass sie schnellstmöglich eine auf ihrer jeweiligen Plattform spielbare Version bekommen. Immerhin gibt es The Wichter 3 doch nun auch für die Switch.