Super Mario Maker 3DS – Mobiles Basteln im Test

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Kreativspiele aller Art erfreuen sich schon lange großer Beliebtheit. Die letzten Jahre ganz vorne dabei war natürlich Minecraft. Der ein oder andere Konsolenbesitzer schaute vermutlich auch neidisch ins PC-Lager, da die Bastlerszene nicht nur fleißig Mods produziert, sondern auch den ein oder anderen ROM-Hack. Editoren auf Konsolen fristen dagegen eher ein Schattendasein. Der ein oder andere erinnert sich vielleicht noch an TimeSplitters und dessen Leveleditor. Der simple aber sehr variable Baukasten ließ eine Menge zu, hatte aber auch gewisse Grenzen. Gleichzeitig war er so enorm zugänglich. Auch bekannt dürfte die Schmiede oder Forge sein. Klar, gemeint ist natürlich Halo. Eigentlich nur ein Editor für vordefinierte Karten wurde die Schmiede über die Jahre immer fähiger, das ist aber eine andere Geschichte. Was hätten wir denn noch im Angebot? Den Far Cry Editor natürlich, mittlerweile aber auch schon alt. Außerdem ist das Ganze doch recht ballerlastig. Wer weniger auf Schießereien steht, aber spielerisch kreativ sein wollte, dem blieb lange Zeit vor allem Little Big Planet. Das kann seit Serienanbeginn mit vielschichtigen Möglichkeiten überzeugen, die Spielbarkeit der eigenen Konstruktionen stand aber immer wieder in der Kritik. Ausgerechnet Nintendo fehlte allerdings im Reigen der Kreativspiel Anbieter. Vielleicht lag das auch daran, dass viele Editoren die Bedienung nicht sonderlich einfach machen. Entsprechend positiv wurde 2014 die Ankündigung des Mario Makers aufgenommen, der um ein Super bereichert, seit letztem Jahr auf der Wii U sein Unwesen treibt und sich innerhalb kurzer Zeit zu einem der zehn erfolgreichsten Wii U Spiele zählen durfte. Ein Jahr später findet Nintendos Bastelspiel nun endlich seinen Weg auf den Handheld und die lange Einleitung ihr Ende. Was taugt der 3DS Ableger?

Du hast doch nen Vogel

Vorweg, Super Mario Maker 3DS verlangt von euch einen Amiibo, sollte keiner vorhanden sein, verlangt das Spiel von euch, erstmal einen zu erstellen. Ist das geschehen, muss noch Speicherplatz auf der SD Karte frei sein. Beim ersten Spielstart pickt eine Taube erstmal, auf Standard 3DS recht langsam, einen Haufen Körner auf. Die wird sich uns sehr bald als Herr Yamamura vorstellen und zusammen mit Assistentin Mashiko bei unseren ersten Levelkreationen helfen. Herr Yamamura steht Neulingen aber auch mit kleinen Tipps beim Spielen zur Seite, zumindest während der Super Mario Herausforderungen. In jenen lassen sich auch weitere Items für den Editor freispielen. Da die einzelnen Level kurz sind, ist das eigentlich fix erledigt. Obendrein sind aber Medaillen freispielbar, für die bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein wollen. Etwa den Level abzuschließen, ohne nach hinten zu drücken. Das klingt erstmal einfach, in der Praxis muss aber jeder Sprung sitzen. Da der Modus bereits beim kurzen 8-Bit ‚Peach wurde entführt‘ Intro, dezent selbstironisch, Spaß in der Präsentation macht, sollte auch hierfür ausreichend Motivation vorhanden sein, zumindest um nach und nach Medaillen einzusammeln.

Weiter geht es mit 100 Mario-Herausforderung, die uns exakt 100 Leben gibt, um Peach zu retten und natürlich stehen uns Level aus aller Welt zur Verfügung. Beide Modi setzen, anders als die Super Mario-Herausforderung, auf nutzererstellte Level der Wii U Fassung. Die 100 Mario-Herausforderung bietet allerdings auch eher kurze Stages, während sich unter dem zweitem Menüpunkt viele längere Passagen und auch Rätsellevel finden lassen.

Insgesamt weiß die Auswahl zu überzeugen, die zeitweise sehr beliebten ‚Selbstfahrer‘, in denen man bisweilen überhaupt keine Taste zum Absolvieren drücken kann, glänzen dagegen eher durch Abwesenheit. Kurzum, wer einfach spielen will, der ist mit Super Mario Maker 3DS schon ganz gut bedient. Gleichzeitig kann er aber einen sehr guten Eindruck bekommen, was sich abseits klassischer Mario Mechaniken mit dem Editor anstellen lässt.-  Eben eine ganze Menge.

Betreten der Baustelle erlaubt

Der eigentliche Editor gestaltet sich, wie bereits auf der Wii U, einfach in der Handhabung. Rechts finden wir Icons wie Speicherbot, natürlich zum Speichern, Radiergummi, um kleine Fehler zu korrigieren, alles löschen, kurzum grundlegende Funktionen. Auf der linken Seite können wir unter anderem den Stil und den Hintergrund wechseln. Ersteres hat dabei auch Einfluss auf bestimmte Items. Das Blatt Item ist zum Beispiel, na klar, nur im Super Mario Bros. 3 Stil verfügbar.

Auf der Oberkante des Touchscreens finden wir wiederum die Items. Weil das so viele sind, wird immer nur ein Teil angezeigt, die Reiter lassen sich aber zu jeder Zeit durchwechseln. Wie gehabt gibt es manche Variationen per Schütteln des Items, so ist die Rosa Münze ebenso erschüttelbar wie der Schlüssel. Ein alter Hut für Kenner der Wii U Fassung, in Super Mario Maker können eine ganze Reihe Gegner vergrößert werden, sei es nun Gumba, Koopa oder Bowser höchstpersönlich.

Dem Bastelspaß sind dabei kaum Grenzen gesetzt, auch weil die 3DS-Fassung alle aktuellen Updates beinhaltet. Es sind in großen Leveln bau- und Checkpoints setzbar. Das ging auf der Wii U anfangs nicht. Ihr wollt einen reinen Geschicklichkeitsparcours bauen? – Kein Problem. Radiert einfach gleich den ganzen Boden zwischen Start und Ziel aus, setzt Plattformen in der Form und Größe, die ihr wollt oder doch lieber ein knackiges Rätsellevel samt Schaltern und anderem Schabernack? Auch das ist kein Problem. Praktisch jede Passage kann zu jeder Zeit ausprobiert werden. Die Aufzählung der Möglichkeiten würde letzten Endes jeglichen Testrahmen sprengen. Tatsache ist jedenfalls, mit etwas Ideenreichtum lässt sich auch ein Shoot ‚Em Up Level erstellen.

Natürlich lassen sich, wie bereits auf der Wii U, die einzelnen Stages zu Welten zusammenfassen, so gesehen kann man sich also tatsächlich sein persönliches Super Mario erstellen.

Kinder haften für ihre Eltern

Teile und herrsche, so hieß es mal. Teile und spiele müsste es heute heißen. Leider ist genau das, nämlich teilen, auf dem 3DS nicht ansatzweise so gut und komfortabel gelöst. Man kann Level mit Freunden per WLAN teilen, dann sogar gemeinsam fertigstellen oder per StreetPass austauschen. Die komfortablen Funktionen der Wii U Fassung zum Teilen ebenso wie zum Runterladen fehlen hier einfach. Den Unterschied merkt man deutlich, sofern man beide Versionen besitzt. 3DS Besitzer sind dadurch deutlich eingeschränkt, denn teilen per StreetPass ist in der Praxis viel eingeschränkter.

Nach wie vor fehlt leider auch der Mehrspielermodus. Gerade Super Mario Maker würde sich dafür anbieten, außer der Möglichkeit, Level gemeinsam zu vollenden, gibt es hier aber immer noch nichts. Wer darauf gehofft hatte, muss wohl oder übel auf die nächste Ausgabe des Do-it-yourself Mario warten.

Der letzte Kritikpunkt ist systembedingt die fummeligere Bedienung. Ein Stylus ist hier wirklich Pflicht, der wesentlich größere Touchscreen der Wii U macht sich hier in der Praxis doch sehr stark bemerkbar. Vermutlich fällt das nicht allzu sehr ins Gewicht, wenn man die Heimkonsolenfassung nicht kennt. Dennoch bastelt es sich mit dem Gamepad einfach entspannter. Insgesamt ist auch die Hosentaschenfassung hier gut gelöst, es bleibt aber eben alles deutlich fummeliger.

Passt, wackelt und hat Luft

Technisch macht Super Mario Maker 3DS eine ganz gute Figur. Her Yamamura pickt, wenn das Spiel beim Starten die SD Karte überprüft, Bohnen, Samen oder sonstiges auf, lange dauert das aber nur beim erstmaligen Start. Der Titelbildschirm begrüßt auf dem 3DS unter anderem je nach Wochentag, in jedem Fall aber anders als auf der Wii U. Der Wechsel zwischen den einzelnen Super Mario Stilen klappt gewohnt gut und die können wie gewohnt überzeugen. Berichte über Probleme mit einzelnen Downloadlevels auf dem Standard 3DS kann ich zwar nicht bestätigen, aber auch nicht ausschließen. Besitzer des New 3DS sollten aber generell auf der sicheren Seite sein.

So ganz kritikfrei kommt die 3DS Auflage nicht davon. Die Erklärungen von Mashiko und Herr Yamamura dürften für Kenner der Vorlage eher nervig sein, die Freischaltung einiger Items ist aber dummerweise an Lektionen gebunden. Wenn es um das Teilen von Inhalten geht, macht sich die veraltete Onlinestruktur des 3DS leider auch allzu deutlich bemerkbar. Mit dem Schwerpunkt auf Sharing ist die Wii U Fassung einfach die bessere. Auf der anderen Seite bietet der Mario Maker auf dem 3DS die besseren Demolevel und ein umfangreiches wie auch sehr rundes Gesamtpaket. Wer mit den Einschränkungen beim Teilen leben kann, der darf bedenkenlos zugreifen.

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Präsentation (Grafik, Sound) 81%
Gameplay 84%
Spielspaß 81%
82%

Schon schade. Der Sharingaspekt zieht die 3DS Ausgabe des Super Mario Maker letztlich runter. An sich kann der Editor nämlich überraschend viel und ist tatsächlich kinderleicht in der Bedienung. Und die 3DS Fassung bringt auch sonst reichlich viel Spiel mit. Das mag nicht so poliert und stimmig sein wie ein richtiges Mario, ist aber unterhaltsam. Der Super Mario Maker lebt aber vom Prinzip 'teile und spiele' und genau hier ist die Wii U Fassung einfach deutlich besser. Ebenso schade, nach wie vor fehlt ein Mehrspielermodus. Wer vor allem selbst basteln will, ist in jedem Fall mit der Handheldausgabe gut bedient, wer primär teilen und fremde Kreationen spielen möchte, für den kommt die Heimkonsolenfassung eher in Frage.

About The Author

1986, ein strahlender Sommer, ein Freund mit VCS, Schwarzweißfernseher, Space Invaders und Pacman. Seitdem lässt mich das Thema Telespiele nicht mehr los, egal ob Game Boy, Amiga, PlayStation, Xbox oder Wii U. Nicht mal vor dem PC hab ich halt gemacht. Einzig von Sportspielen lass ich generell die Finger.

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