Hot Wheels Unleashed im Test: Mit Vollgas über die Plastikbahn

Mit Hot Wheels Unleashed werden die kleinen Spielzeugautos von Spielzeugriese Mattel endlich wieder ins Rampenlicht eines Videospiels gerückt, nachdem sie zumindest mit dem DLC zu Forza Horizon 3 ihr kleines Revival feiern konnten. Zuletzt Ende der 90er und Anfang der 2000er gab es mehrere Spiele mit der Hot Wheels Lizenz. Dass diese Durststrecke nun ein Ende hat haben wir den Rennspielspezialisten Milestone aus Italien zu verdanken, die vor allem bekannt für ihre Zweirad-Rennsimulationen wie MXGP, Ride oder MotoGP sind. Aber auch mit vierrädrigen Fortbewegungsmitteln haben sie schon ihre Erfahrungen sammeln können. So kam mit Gravel 2018 ein Offroad-Spiel auf dem Markt. Die älteren unter uns werden aber vermutlich bei dem Namen Bleifuß hellhörig werden. Die beliebte Arcade-Rennspielreihe wurde damals noch unter anderem Namen auch von Milestone entwickelt.

Lasst die Reifen auf dem Plastik quietschen

Wenn man von Hot Wheels Unleashed einen actionreichen Arcaderacer erwartet, dann liegt man damit ziemlich richtig. Denn genau das bekommt man in an Micro Machines und ReVolt erinnernde Miniaturoptik geboten. Auf den ikonischen Plastik Streckenteilen können wir mit 60 Autos aus dem Hot Wheels Sortiment, welche übrigens aussehen wie echte kleine Spielzeugautos, die Reifen quietschen lassen. Vom Koenigsegg, über den kultigen Rodger Dodger Musclecar, über den Fiat 500 bis hin zum Burger Truck oder Müllwagen. Die Eigenschaften Geschwindigkeit, Bremskraft, Beschleunigung und Handling, die auf jedes dieser Fahrzeuge angewendet werden, sorgen für erstaunlich unterschiedliches Fahrverhalten, so dass hier viel Abwechslung geboten ist. Zusätzlich lassen sich auch die Lackierungen nach Herzenslust anpassen. Farbe, Muster, Art der Lackierung wie Matt, mit Glitter oder Metallic lassen sich ebenso verändern. Hat man keine Lust ein eigenes Design zu entwerfen und die Standard Lackierung trotzdem zu langweilig ist, kann man sich auch an denen der Community bedienen.

Kommen wir aber zum wichtigsten. Denn wichtiger als die Unterschiede bei den Fahreigenschaften oder Optik ist, ob das Fahrverhalten überhaupt brauchbar ist und Spaß macht. Hier trennt sich oft die Spreu vom Weizen und Rennspiele, die wunderschön aussehen, können mit einem schlechten Fahrverhalten trotzdem vor die Wand fahren. Hier kann ich aber alle beruhigen, das haben die Jungs von Milestone gut hinbekommen. Auch der eher ungeübte Rennspieler findet sich schnell zurecht und steuert beziehungsweise driftet sein Auto sicher um den Kurs. Wie viele Fehler man sich dabei erlauben darf, um trotzdem auf den vorderen Plätzen zu landen, bestimmt hierbei eher der Schwierigkeitsgrad.

Während man auf der leichtesten Stufe den Gegnern noch sehr einfach davonfahren kann, ist das auf Mittel schon deutlich schwerer. Hier bemerkt man auch recht schnell, dass ein starkes sogenanntes Gummiband-System vorhanden ist. Das heißt, wenn man hinten ist kommt man relativ schnell wieder an die Gegner heran, ist man aber vorne ist es ungleich schwerer sie abzuschütteln. Dieses System ist zwar nicht unfair und nimmt einem auch nicht den Spaß, hätte aber ein wenig besser ausbalanciert sein dürfen.

Der Star des Spiels: Die Strecken

Der eigentliche Star des Spiels sind aber nicht die kleinen Flitzer, sondern die Strecken. Halsbrecherische Kursführungen sind hier an der Tagesordnung und die Strecken zusätzliche noch mit zahlreichen Extras gespickt. Könnte man nun noch Items einsammeln, um den Gegnern das Leben schwer zu machen, hätte hier auch ein veritabler Mario Kart-Klon draus werden können. So haben wir uns lediglich mit Beschleunigungsstreifen zu tun und Hindernissen wie riesige Spinnen, die Spinnweben auf die Strecke spucken oder Skorpione, die eine ätzende Flüssigkeit auf der Strecke verteilen und unseren Boost stehlen. Dieser Boost ist nämlich ungemein wichtig, um auf der Strecke Land zu gewinnen. Man bekommt ihn entweder durch entsprechende Streifen auf der Strecke welche die Booster wieder aufladen oder durchs Driften, was die Anzeige schneller wieder anwachsen lässt.

Viele dieser Strecken wird man im Singleplayer Modus kennenlernen und freispielen. Im Hot Wheels City Rumble genannten Kampagnen-Modus bewegen wir uns über eine Stadtkarte, auf der zahlreiche Rennen, Zeitfahr-Herausforderungen, Bossrennen und Geheimnisse verteilt sind. Je nachdem wie gut man diese absolviert, schaltet man verschiedene Belohnungen frei wie Zahnräder mit denen man seine Autos aufwerten, Geld mit denen man sogenannte Überraschungskisten kaufen oder auch ganze Überraschungskisten, mit denen ihr eure Auto-Sammlung erweitern könnt. Die Aufmachung der Karte soll wohl an einen dieser Autoteppiche erinnern, die man früher hatte, aber irgendwie fehlt hier etwas der Pepp. Es macht zwar Spaß weitere Strecken in den fünf Umgebungen Keller, Skatepark, Wolkenkratzer, Universität oder Werkstatt kennenzulernen, aber etwas aufregender hätte der Modus schon inszeniert werden dürfen.

Mehr Spaß macht es auf Dauer auf jeden Fall im Online-Multiplayer. Vor allem weil man hier gegen menschliche Gegner spielt und auch weil man Strecken wählen kann, die andere Spieler im Strecken-Editor selber gebaut haben. Aber dazu komme ich gleich noch etwas ausführlicher. Auch wenn hier nur ein Rennen nach dem anderen kommt und man gemeinsam zwischendurch über die nächste Strecke abstimmt, ist sowohl die Motivation als auch die Diversität der Strecken höher.

Etwas kompliziert, aber trotzdem sehr cool

So in etwa kann man den Streckeneditor beschreiben. Zuerst muss man sich überlegen in welcher Umgebung man seine Strecke bauen möchte. Zusätzlich zu den bereits in City Rumble zu findenden fünf Umgebungen gibt es hier noch eine zusätzliche eher sterile und leere Halle. Besser nimmt man eine der bereits bekannten Umgebungen, denn diese bieten deutlich mehr Details. Hier lohnt es sich auch, erstmal das Level zu erkunden, um sich vielleicht noch Ideen für eine mögliche Streckenführung zu überlegen. Denn dadurch, dass auch die Umgebung in die Strecke mit eingebaut werden kann, ist es auch möglich Holzbalken, Lüftungsrohre oder ähnliches zu befahren.

Kommt es zum eigentlichen Streckenbau, ist auf jeden Fall Geduld und auch eine nicht zu niedrige Frustrationsgrenze nötig, um wirklich coole Strecken zu bauen. Das ist zweifelsohne möglich, aber wirklich gut geht das nicht von der Hand. Dazu fehlt einerseits ein Tutorial, aber auch die Hilfestellung in Form von eingeblendeter Steuerungs-Legende ist nicht immer eindeutig und manchmal unverständlich. Man sollte also nicht davon ausgehen, dass man gleich beim ersten Versuch eine durchdachte und ausgewogene Strecke hinbekommt. Erstmal sollte man sich die Zeit nehmen, um den Track Builder richtig kennen zu lernen mit seinen ganzen Funktionen wie zum Beispiel Streckenteile zu transformieren oder auch die ganzen Extras einzubauen, welche das Hot Wheels Universum zu bieten hat. Weitere davon schaltet ihr übrigens auch im Hot Wheels City Rumble frei.

Fazit

Auch wenn Hot Wheels Unleashed hier und da Potenzial liegen lässt, hat uns Milestone ein spaßiges Spiel für zwischendurch serviert, welches sein Potential vor allem im Multiplayer entfaltet. Optisches sieht es auf unserem Testgerät der Xbox Series X richtig gut aus und lief auch butterweich ohne merkliche oder störende Framerate-Einbrüche. Auch wenn die Kampagne eher unspektakuläre inszeniert ist, macht es Spaß die verschiedenen Strecken zu erkunden und kennenzulernen. Wenn einem das nicht reicht, lohnt es auf jeden Fall sich in den Track Builder einzuarbeiten, auch wenn man aufgrund seiner Komplexität etwas Geduld mitbringen sollte.

Hot Wheels Unleashed
Grafik/Präsentation
75
Gameplay
74
Spielspaß
70
Multiplayer
78
Leserwertung1 Bewertung
0
Pros
Schöne Grafik
Abgefahrene Strecken
Hot Wheels Feeling
Umfangreicher Streckeneditor
Cons
Kampagne unspektakulär
Streckeneditor schwer zu erlernen
74