Metroid Dread im Test – Don’t fear the E.M.M.I.

Die Spielereihen mit dem besten Ruf sind nicht immer die, die sich auch am besten verkaufen. Ein passendes Beispiel ist ausgerechnet eine Spielereihe, die Namenspate für ein ganzes Genre war: Metroid. Auch wenn die meisten Teile sich ausreichend verkauft haben, an die Erfolge eines Mario oder Link konnte Samus Aran bis heute nicht anknüpfen. Vielleicht mit ein Grund dafür, warum Fans schon seit 2002 auf eine Fortsetzung von Fusion warteten, dem letzten wirklich neuen 2D Metroid. Und nein, Other M ist keine Fortsetzung und nach Meinung des Autors nicht mal ein Metroid. Nur zur Klarstellung, natürlich beziehe ich mich hier nur auf die 2D Teile. Und ja, mit Zero Mission sowie Samus Returns gab es im Lauf (zu) vieler Jahre zwei erstklassige Remakes. Gerade letzteres war vor ziemlich genau vier Jahren ein erstklassiges Abschiedsgeschenk für den 3DS, das bei uns im Test stolze 88% abgreifen konnte. Kann Mercury Steam mit einer komplett neuen Episode an den Erfolg anknüpfen? Ok, Metacritic sagt an der Stelle mittlerweile natürlich ja.

Im Westen nix neues?

Über die gar nicht mal so schlechte Story wollen wir hier gar nicht mal so viel verraten. Belassen wir es also bei der bekannten Einleitung: Nachdem eine Videoaufnahme die aus Fusion bekannten X-Parasiten auf dem Planeten ZDR zeigt entsendet die galaktische Föderation nahezu unkaputtbare Roboter um besagte Welt zu untersuchen. Natürlich bricht der Kontakt ab und Samus Aran als einzige immune Person der Galaxis macht sich auf den Weg, den Dingen auf den Grund zu gehen. Das geht, wenig überraschend, direkt prompt in die Hose und wir verlieren erstmal fast all unsere tollen Fähigkeiten, die wir nach und nach freispielen müssen.

Metroidvania-typisch heißt das natürlich, dass wir in die einzelnen, nichtlinearen Levels immer wieder zurückkehren und sie erst nach und nach Stück für Stück, mit neuen Fertigkeiten komplett erkunden. So finden wir etwa ziemlich schnell die Missiles, während es den serientypischen Morphball erst später gibt. Praktischerweise kann Samus mittlerweile auch so mehr. Ohne Morphball kann sie nämlich einfach durch kleine Engstellen sliden, um mal ein Beispiel zu nennen. Zur besseren Ausrüstung gehören auch Dinge wie der Varia Suit, der uns in heiße Umgebungen vordringen lässt. Für Serienkenner ist das alles nicht neu und das Konzept ist mittlerweile auch von unzähligen anderen Metroidvanias bekannt. Also gar nix neues?

Doch, hier kommen nämlich die fast unzerstörbaren E.M.M.I.s auf den Plan. Die sind uns nämlich plötzlich auf den Fersen, lassen sich kaum kontern (ja, der Konter aus Samus Returns ist wieder dabei) und machen uns in bestimmten Arealen das Leben zur Hölle. Denn sobald die E.M.M.I.s uns registriert haben verfolgen sie uns hartnäckig durch ihre Zone. Abhilfe schafft nur ein energiezehrender Tarnumhang. Oder das Besiegen einer Zentraleinheit, die eine seltsame Energie enthält. Mit jener können wir einem E.M.M.I. nämlich doch die Birne wegpusten. Wobei das selten so trivial ist wie es sich vielleicht anhört.

Natürlich gibt es auch noch klassische Metroid Bosse. Wobei zumindest die meisten keine alten Bekannten sind. Und jene Bosse sind gar nicht leicht.

Alt aber gut, und schwer

Tatsächlich folgt Dread weitestgehend bekannten Serienpfaden. Auch wenn Samus mittlerweile deutlich schneller unterwegs ist und der Controller ziemlich voll belegt, Metroid ist und bleibt letztlich Metroid. Das kann man vielleicht kritisieren, aber das Konzept ist nun mal gut und zeitlos. Obendrein gehört Samus’ neuestes Abenteuer definitiv zu den besten Genrevertretern der letzten Jahre. Zumindest, solange man mit dem teilweise sehr ordentlichen Schwierigkeitsgrad klarkommt. Viele Bosse und Minibosse verlangen euch alles ab. Gleichzeitig kann man die (Mini) Bossfights auch ein Stück weit kritisieren, denn so mancher Zwischengegner kommt immer wieder und ein Teil der Bosse hätte gerne einfallsreicher sein können. Das ist aber gleichzeitig Meckern auf hohem Niveau. Denn mehrheitlich sind die Levelbosse sehr gut inszeniert und auch wenn der Schwierigkeitsgrad hier immer wieder hoch ist, die Kämpfe haben allesamt auch eine gute Lernkurve und faire Rücksetzpunkte.

Serientypisch gibt es unter anderem reichlich Missiles und Energietanks in der Umgebung zu entdecken, sogar eine völlig optionale Fähigkeit steckt hinter einem ebenso optionalen Bossfight. Neu sind dabei Viertel von Energietanks. Das erinnert natürlich eindeutig an die klassischen Viertelherzen aus Zelda. Alte Areale noch mal nach versteckten oder bisher unerreichbaren Items zu durchkämmen macht auch nach wie vor einen Teil des Spielerlebnisses aus. Hier wiederum ist die klassische Metroid Formel regelrecht zur Perfektion gebracht, immer wieder gibt es das große Aha-Erlebnis, wenn man rausfindet, wie man ein Item erreicht oder einen scheinbar unerreichbaren Teil der Karte endlich erschließen kann.

Gleichzeitig hat mich Dread oft mehr gefordert als Fusion, Zero Mission oder Samus Returns. Super Metroid liegt für einen fairen Vergleich zwar zu weit zurück, aber ja, Metroid Dread fühlt sich für mich nach dem bisher schwersten Serienteil an. Der eine oder andere Spieler dürfte sich da glatt einen Easy Mode wünschen.

Gut schaust du aus, Samus

Tatsache, live sieht das Spiel deutlich besser aus als in Youtube Videos, Gerade auf dem OLED TV und dem Vernehmen nach auf der neuen OLED Switch. Es gibt viele kleine Umgebungsdetails, toll animierte Hintergründe und ja, auch Samus sowie ihre Gegner sind einfach großartig animiert. So ganz nebenbei sind die Umgebungen mehr als abwechslungsreich, von kühl-technoid über unterirdischen Wald bis zur aquatischen Umgebung ist alles mögliche im grafischen Aufgebot. Und auch wenn das Spiel mit Cutscenes nicht gerade um sich schmeißt, entsprechende Passagen sehen nicht nur gut aus, das Storytelling ist ziemlich gelungen. Nicht, dass das wahnsinnig viel Spielzeit in Anspruch nehmen würde. Ein gar nicht so kleiner Teil der Handlung ergibt sich auch weitgehend und ganz klassisch durch den Spielverlauf.

Dazu kommt eine ziemlich dichte Soundkulisse. Zumindest, solange man die Musik außer Acht lässt. Denn so gut die Umgebung in den Sound integriert ist, Metroids Ambient Musik erklingt auch 2021 nach wie vor als MIDI Gedudel. In Zeiten, in denen manches Indie Game mit orchestralem Soundtrack aufwarten darf hätte ich in Punkto Musik einfach mehr erwartet.

An Ori kommt die Optik zwar nicht heran, aber eventuell befinden wir uns hier teilweise auch schon im Bereich der persönlichen Geschmäcker. Vom nicht wirklich reproduzierbaren Ruckler Problem, von dem manche Spieler berichten waren übrigens gleich zwei Personen im Haushalt nicht betroffen. Bestenfalls die Ladeanimationen laufen nicht immer ganz rund. Dafür lädt das Spiel zwischen zwei Levels ganz schön lang.

Fazit:

Für manche Spieler wird Dread vielleicht eine zu harte Nuss sein. Casual ist jedenfalls anders. Innovativ ist es auch nicht wirklich. Daran ändern auch die E.M.M.I.s nix, schon alleine weil vergleichbare Konzepte schon seit Alien Isolation von einigen Spielen bekannt sind. Allerdings macht Mercury Steams zweite Serientat extrem vieles richtig. Und das ist manchmal auch einfach genug. Frustresistente Spieler oder Skillbros bekommen hier das beste 2D Metroid seit sehr langer Zeit. Das übrigens nach einer Fortsetzung verlangt. Und nach Samus Returns HD für die Switch. Ein Testmuster vom Hersteller gab es in diesem Fall übrigens nicht.

Präsentation
89
Story/Atmosphäre
86
Gameplay
89
Spielspaß
90
Leserwertung1 Bewertung
95
Pros
Live wirklich schicke Grafik
Perfektioniertes Spieldesign
Kleine aber gelungene Neuerungen
Cons
Teilweise repetitive und einfallslose Bosse
Schwächen beim Soundtrack
Für manche Spieler vielleicht zu hart
89