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Trials – Neben TrackMania ein Name der mir vor allem ein Motto ins Bewusstsein ruft: “Easy to play, hard to master”. Eine Reihe so simpel von der Steuerung und doch so schwer zu meistern. Mit Trials Rising hat das Entwicklerstudio RedLynx gemeinsam mit Ubisoft den neuesten Teil getauft und nach Trials Fusion und Trials Blood Dragon bin ich schon heiß auf mehr. Was der neuste Ableger so kann, erzähle ich euch im Test.

Nur noch ein Versuch

Trials ist einfach in allen Dingen. Story sucht man in einem Spiel dieser Art vergebens, wenn es nicht gerade Blood Dragons im Namen hat. Wir wollen einfach nur in den Olymp aufsteigen. Champion der hiesigen Motocross Welt werden. Dieses Ziel führt uns um die ganze Welt. Mal fahren wir auf der Chinesischen Mauer, mal am Eiffelturm vorbei, mal durch Filmsets und sogar in die Lüfte. Die kulinarische Weltreise des Scheiterns. Am Ende eines jeden Cups müssen wir uns in einem Stadionkampf noch einmal beweisen, um den nächsten Cup freizuschalten. Das Finale fährt man zu Beginn mit 8 Fahrern, bei denen wir uns immer unter die Top 50 Prozent platzieren müssen. Schlussendlich muss aber das letzte der drei Rennen gewonnen werden. Die Strecken selbst werden von Cup zu Cup aber sukzessive anspruchsvoller.

Konnte man im ersten Cup als etwas geübterer Fahrer schon mit dem ersten oder zweiten Versuch fehlerfrei durch die komplette Strecke, braucht es im späteren Verlauf deutlich mehr, wenn man den Ehrgeiz hat, die komplette Strecke ohne Fehler zu meistern. Die Steuerung ist dabei wie bei allen Teilen auf das Simpelste reduziert. Gas, Bremse via Analogtrigger und Vor- bzw. Zurücklehnen via Stick. Zum letzten Checkpoint oder die komplette Strecke neustarten, geht ebenfalls mit einem einfachen Knopfdruck. Und das war es dann auch schon. Lenken ist nicht nötig, denn Die Zweiräder bleiben automatisch in der Spur. Ein etwas angestaubtes Verhalten und der ein oder andere wird sicherlich denken, dass er bevormundet wird. Aber genau das macht das Spiel so einsteigerfreundlich und lässt dem Entwickler im späteren Verlauf die wirklich schweren Dinge wie Sprünge in die Schräge, bei denen wir uns vor allem auf die Landung konzentrieren müssen, integrieren. In Trials Rising kommt positiv hinzu, dass es hier erstmals eine Akademie gibt, in der die wirklich wichtigen Grundlagen für ein erfolgreiches Vorankommen auf den Strecken bis ins Detail erklärt wird und man üben kann.

GG – Easy

Wer neben den eigentlichen Strecken dann noch zusätzliche Herausforderungen sucht, der kann sich entweder an den Sponsorenverträgen versuchen, bestimmte Herausforderungen auf Strecken widmen oder die Zeiten von Freunden schlagen. Bei Ersterem gilt es bestimmte Dinge während der Strecke zu tun. Wie zum Beispiel 12 Backflips und 4 Frontflips oder einen Wheelie über 30m zu fahren. Wer die Herausforderungen annimmt, muss drei Fahrer auf einer Strecke hintereinander besiegen, darf die gesamte Strecke aber auch maximal nur 3-mal neustarten. Schafft ihr es euch durchzusetzen, gibt es dafür eine Lootbox, zu denen ich später noch mehr sagen werde. Für alles was wir machen, bekommen wir Erfahrungspunkte, mit denen wir im Level aufsteigen. Jedes erreichte Level schaltet eine Lootbox frei und Zahnräder. Zahnräder sind eine von zwei Ingame Währungen, mit denen wir uns zwei Funbikes oder neue kosmetische Teile im Store kaufen können. Die drei normalen Bikes werden durch Hochleveln freigeschaltet. Die zweite Ingame Währung sind Diamanteicheln, mit denen sich exklusive Skin Sets freischalten lassen. Alles in allem also lediglich nur Gegenstände zur Individualisierung, welche sich mit Geld kaufen lassen. Kein EP-Boost, kein schnellerer Fortschritt ist mit Geld zur erlangen. Ob sich das für den Publisher lohnt, sei dahingestellt, ich empfinde es aber als nicht störend, da ich keinen Wert auf eine Individualisierung lege.

Nichts desto trotz, werde ich auch ein wenig auf das Thema eingehen. Wie erwähnt gibt es Lootboxen. Diese enthalten immer drei zufällige Items aus dem Designshop. Neue Klamotte für den Fahrer, wie Helme, Handschuhe, Jacken, Hosen etc., optische Highlights für unsere Motorräder, wie Schutzbleche oder Felgen und allen voran Sticker. Sticker gibt es in Trials Rising so inflationär in allen erdenklichen Formen, dass man sein ganzes Zimmer damit voll kleistern könnte, ohne auch nur einen doppelt verwenden zu müssen. Jeden Künstler und Freund des Extravaganten, lässt es vermutlich das Herz höher schlagen. Ich für meinen Teil bin es einfach nur müde und hätte gerne endlich die pinken Cowboy Stiefel. Aber damit möchte ich die Kreativität nicht kleinreden. Hier wäre es aber doch tatsächlich cool, wenn man die mühevoll erschaffenen Designs auch anderen zur Verfügung stellen könnte. Auch wenn es mäkeln auf hohem Niveau ist, hat man hier aus meiner Sicht geschlampt.

I want to ride my Bicycle

Neben den erwähnten normalen Herausforderungen gibt es aber auch noch die Möglichkeit einen Großteil der Strecken mit dem Tandem zu fahren. Die Funktion ist für die Trials-Reihe zwar gänzlich neu, man konnte aber auch schon in Ubisofts TrackMania Turbo Bekanntschaft mit dem Feature machen. Zwei Fahrer steuern gemeinsam das Vehikel und haben 50 Prozent Auswirkung auf die Aktionen. Lehnt der eine Fahrer sich nach links und der andere nach rechts gleicht es sich also aus. Gute Koordination und Zusammenspiel ist hier also gefragt. Meine Freundin und ich haben schnell Spaß an dem Feature gefunden. Wer lieber gegeneinander Fahren will, kann das im Party Modus machen. Hier können bis zu vier Fahrer an einer Konsole gleichzeitig gegeneinander fahren.

Allerdings mit der Einschränkung, dass man nur die Arena Strecken fahren kann. Zusätzlich kommt als etwas fieser Designfehler, dass der vordere Fahrer, also in der Regel Spieler 1, die beste Sicht auf sein Vehikel hat. Zwar wird die Kamera angehoben, um eine etwas bessere Übersicht auf die einzelnen Fahrer zu haben, ist dies dennoch sehr gewöhnungsbedürftig. Witzig ist die Bestrafung die dem Verlierer erteilt werden kann. So kann man zu Beginn entweder eine Bestrafung aus einer Liste auswählen oder sie am Ende zufällig bestimmen lassen. Die Bestrafungen sind auf Party und Spaß ausgelegt, wie zum Beispiel: Drehe dich 10 mal schnell im Kreis oder lass dir vom Gewinner gegen das Ohr schnippen. Durchaus auch auf andere Partygewohnheiten ausbaubar. Wer aber doch den ernsteren Wettkampf sucht, wird wohl im Online Multiplayer fündig. Da die Zeiten und Versuche, die Dinge sind, die zählen, hat auch eine schnelle Verbindung keinen Einfluss. Jeder fährt hier im Grunde für sich und man sieht lediglich die Geister der anderen.

Schraube locker?

Trials Rising ist mit der aktuellen Technik wirklich das schönste und umfangreichste Trials, welches ich bisher auf der Xbox One oder PlayStation 4 spielen konnte. Eine flüssige Darstellung in Full HD oder 4K ist hier ohne weiteres möglich. Anders sieht das, laut anderer Quellen, auf der Nintendo Switch aus. So sind hier nur 720p mit 30 Bildern die Sekunde im Dockedmodus machbar. In der Handheld Version fällt die Auflösung noch etwas niedriger aus. Es ist fast schade um die so liebevoll designten Streckenumgebungen, da diese bei all der Konzentration auf die Strecke selbst völlig untergehen. Ob nun durch ein Filmstudio, was uns kurzerhand via Greenscreen zwischen riesigen Spinnenrobotern auf dem Mond fahren lässt, oder auf dem Platz vor dem Eiffelturm unsere Backflips drehen lässt, Trials Rising überzeugt. Auch in der etwas detailverliebten Darstellung der Fahrer. Wasser wird noch etwas hinterher gezogen oder Schnee bleibt am Fahrer und Bike haften. Alles in allem macht die Präsentation für die Art von Spiel und für das Preissegment von 25 € alles richtig. Auch der Soundtrack kann mich im aktuellem Teil deutlich besser mitnehmen. Härtere und flottere Gitarrenriffs bringen halt einfach ein Crossfeeling. Billy Talent, Arch Enemy, Airbourne, Stone Temple Pilots sind nur ein paar der Bands aus dem Trials Rising Soundtrack. Gepaart mit dem dröhnenden Sound der motorisierten Zweiräder und einem Füllhorn an Explosionen kommt richtig Spaß auf. Wem die Playlist mit Rund 35 Songs aber auf lange Sicht zu eintönig wird, verpasst nichts, wenn er sich eine alternative Beschallung anmacht.

Fazit

Die ganzen Lootboxen und die Monetarisierung auf die schlichte Eleganz von Trials Rising geben dem Gesamtpaket einen etwas faden Beigeschmack. Nichts desto trotz ist Trials Rising eines der umfangreichsten und für mich der beste Ableger der Reihe bisher. Mit dem Season Pass und dem Streckeneditor kommen ständig neue Herausforderungen hinzu. Ob der Titel allerdings seitens Ubisoft über den aktuellen Season Pass hinaus mit beispielsweise einem Season 2 Pass gefüttert werden soll, ist unklar. Features wie die Individualisierungsmöglichkeiten hätte man aber getrost unter den Tisch fallen lassen können. Das habe ich nämlich auch mit dem Strecken Editor gemacht, der einfach nur hakelig mit dem Controller zu nutzen ist und ohne große Erklärung daher kommt. Nichts desto Trotz: Trials Rising für 25 € ein absoluter Schnapper. Wer allerdings nicht auf eine Retailfassung verzichten will, muss mit 40 € etwas tiefer in die Tasche greifen, bekommt aber gleich den Season Pass mit dazu. Klare Kaufempfehlung für Fans und die, welche Fans werden wollen.

Trials Rising
Riesige Anzahl an StreckenStimmiges TutorialSteuerung auf dem Punkt
LootboxenHakeliger StreckeneditorUnnötiger Ballast mit Individualisierbarkeit
83%Gesamtpunktzahl
Grafik/Präsentation82%
Story/Atmosphäre78%
Gameplay84%
Multiplayer84%
Spielspaß85%
Leser Bewertung 0 Stimmen
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