Ratchet & Clank: Rift Apart im Test – Ein Nerd springt durch die Dimensionen

Da ist es! Das wohl erst exklusive AAA Spiel für die PlayStation 5, welches noch dazu dem Mainstream zuzuordnen ist. Zumindest mehr Mainstream als Returnal und Demons Souls. Doch was taugt der Auftritt von Weltraumfuchs Ratchet und seinem Robokumpel Clank denn, nun wo sie sich sogar auf der dritten Konsolengeneration von Sony wiederfinden mit ihrer Reihe? Technik die begeistert, abwechslungsreiches Actiongameplay und eine toll erzählte Geschichte bringen sie mit. Doch es gibt auch den einen oder anderen kleinen Kratzer auf Clanks, dank Ray-Tracing schimmernden, Roboterkörper.

Die Farbe Lila

Das Sony zugehörige Entwicklerstudio Insomniac Games hat es schon wieder getan. Nicht nur, dass sie tatsächlich auf dem bereits phantastischen Ratchet & Clank Reboot, welches 2016 für die PlayStation 4 erschien, eine ordentliche Schüppe bei allen Elementen draufgesetzt haben. Nein, sie haben sogar in kurzer Zeit, nach der Portierung von Spider-Man für die PS5 und zeitgleicher Veröffentlichung vom Stand-alone Addon Spider-Man: Miles Morales erneut gezeigt, was die PlayStation 5 technisch leisten kann. Was immer die Mitarbeitenden des Studios zu Essen bekommen, davon sollten sich andere Studios eine Scheibe abschneiden!

Denn das Team hat ein ca. 14-stündiges Abenteuer erschaffen, bei dem man im vorgegebenen Wechsel in den Rollen von Ratchet und anderen Charakteren neun verschiedene Planeten erkundet. Wer abseits der Hauptmissionen noch optionalen Aufgaben und der Suche nach Sammelgegenständen nachgehen möchte, darf bei der Spielzeit gerne nochmal sechs Stunden oben draufschlagen.

Schlagen muss übrigens auch Ratchet, denn sein aus dem Vorgänger bekanntes Werkzeug ist als Nahkampfwaffe erneut an Bord. Und zur Wehr setzen müssen sich Ratchet und Clank schon kurze Zeit nach dem Intro. Denn eigentlich wollen sie nur einer Parade zu ihren Ehren beiwohnen und sich vielleicht sogar zur Ruhe setzen. Schließlich haben sie oft genug die Galaxie vor ihrem Erzfeind Dr. Nefarius gerettet. Hier setzt der neue Teil der Reihe auch direkt am Vorgänger aus 2016 an, ohne dass man etwas verpasst, wenn man den Titel auf der PlayStation 4 nicht gespielt haben sollte. Denn der offensichtlich böse Dr. Nefarius stört mit seinen Schergen die Parade, kurz nach dem Clank seinem Kumpel Ratchet ein tolles Geschenk gemacht hat. Denn Ratchet ist zwar der einzige Lombax im Universum aber Dank des von Clank gebauten Dimensionators können die beiden sich auf den Weg machen, Ratchets Familie in anderen Dimensionen zu suchen. Schade nur, dass Nefarius den beiden zuvorkommt.

Er stiehlt den Dimensionator, reißt Löcher in alle Dimensionen und prompt landen Ratchet und Clank getrennt voneinander in einer anderen Dimension. Keine Sorge, dass ist nur der Storyeinstieg, der schon in den ersten Spielminuten seinen Lauf nimmt und auch schon in diversen Trailern gezeigt wurde. Ratchet und Clank sind nun auf der Suche nacheinander, landen in einer Dimension, in der Nefarius gewonnen hat und die bekannte Galaxie beherrscht und werden schnell damit konfrontiert, dass nun das Schicksal aller Dimensionen auf ihren Schultern lastet.

Dimensionen? Kein neues Thema für alle, die TV-Serien wie Sliders, die Serien des Arrowverse mit Supergirl, Flash und Green Arrow kennen oder schon mal die Nase in die DC Comics Flashpoint gesteckt haben. Oder entsprechende Animationsfilme. Im Grunde geht es nur darum, dass es unser bekanntes Universum in allen nur möglichen Abwandlungen auch gibt und zwar parallel zu der uns bekannten Realität. Also gibt es eine Dimension, in der Nefarius gewonnen hat, weil der Nefarius dieser für uns neuen Dimension eben schlichtweg erfolgreicher war. Auch das „böse“ Spiegeluniversum aus Star Trek fällt unter den Begriff der anderen Dimension. Und im Grunde auch die verschiedenen parallel verlaufenden Zeitlinien aus der neuen Marvel Serie Loki.

Während sich unsere beiden Helden erstmal orientieren müssen, trifft Clank schon im Intro auf Rivet, quasi Ratchets weibliches Lombax Gegenstück dieser Dimension. Sie nimmt sich schnell dem kleinen Roboter Clank an, bleibt zunächst aber skeptisch. Einem Roboter vertrauen, der noch dazu von Nefarius erbaut wurde? Ein weiterer Lombax? Sie ist doch die einzige Lombax in ihrem Universum!

Was folgt ist eine spannende, abwechslungsreiche und von vielen Wendungen durchgezogene Geschichte. Dabei begegnen wir immer wieder bekannten Charakteren, aber eben in ihrer anderen Version aus Rivets Dimension. Schnell geht es um mehr, als nur unsere beiden Freunde wieder zu vereinen. Denn Nefarius Missbrauch des Dimensionators hat überall Dimensionsrisse erzeugt und die werden häufiger, stärker und drohen damit alle Dimensionen zu vernichten und in die ewige Leere zu ziehen.

Pixar? Dreamworks? Insomniac Games!

Vielleicht passiert euch ja das Gleiche wie mir: ich habe den nahtlosen Übergang einer toll vertonten, auf Kinofilm Niveau befindlichen Cutscene, hin zum Gameplay, schlichtweg verpasst. Warum? Weil die Qualität der eigentlichen Spielgrafik auf dem nahezu identischen Niveau der Zwischensequenzen ist. Wobei letztere auch direkt aus einem Film aus dem Hause Pixar oder Dreamworks stammen könnten. Ich präsentiere: echte, absolute, vollkommene Next-Gen AAA Grafikpracht! Noch nie war Fell so flauschig, waren Animationen so weich und die Kombination aus durch Ray-Tracing unterstützen Lichteffekten, Weitblick, Detailreichtum und Partikeleffekten so nah an Hollywood. OK, zumindest bis ich meine ersten Schritte durch Nefarius-City zurückgelegt habe. Es fühlte sich alles absolut weich und nach stabiler Framerate an. Doch dann habe ich vom Wiedergabetreuemodus, mit 4K und 30 Bildern pro Sekunde und allen Grafikeffekten auf Anschlag auf den „Performance-Modus mit Ray-Tracing“ gewechselt. Dieser Modus hat es mir dann absolut angetan! Zwar wird die Auflösung zu Gunsten der stabilen 60 Bilder pro Sekunde etwas reduziert, aber Dank diesem flüssigeren Spielgefühl und aktiviertem Ray-Tracing ist das für mich persönlich der beste Weg, Ratchet & Clank: Rift Apart zu erleben. Aber das muss natürlich jeder selbst entscheiden.

Wer Ratchet & Clank (2016) auf der PlayStation 4 schon gespielt hat wird sich im Gameplay sofort zurechtfinden. Alle anderen sollten das Spiel, welches auch Teil der PlayStation Plus Collection ist, ruhig erst auf der PlayStation 5 nachholen.

Im Grunde ist es ein schneller Third-Person-Shooter, der immer wieder durch lustige Zwischensequenzen, tolle ingame Dialoge und die eine oder andere Hüpfpassage ergänzt wird. Dabei feuern Ratchet und Rivet, je nachdem auf welchem Planeten wir unterwegs sind, aus allerlei unterschiedlichen Rohren. Denn auch 2021 dürfen natürlich abgedrehte und aufrüst- sowie auflevelbare Waffen nicht fehlen. Ihr braucht eine kurze Verschnaufpause auf dem Schlachtfeld? Warum überzieht ihre Gegner nicht mit einem dichten Pflanzenteppich, der zwar keinen Schaden verursacht aber Gegner eine Zeit lang bewegungsunfähig gemacht? Natürlich darf der niedlich animierte Rasensprenger nicht fehlen, der eure Gegner währenddessen gießt. Oder ihr lasst eine Horde kleiner Roboter los, die sich im Nahkampf auf eure Gegner stoßen. Aber auch klassischere Schießprügel, wie Minigun und Raketenwerfer, dürfen nicht im Arsenal fehlen. Und auch Ratchet und Rivet leveln mit und steigern so dauerhaft ihre maximalen Lebenspunkte. Das hilft vor allem auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad und ist auf dem untersten schlichtweg egal. Dort kann man nämlich nicht verletzt werden. Und für alle Trophäenjäger: der Schwierigkeitsgrad wirkt sich nicht auf die Trophäen aus.

Und abseits der Kämpfe gibt es immer wieder andere Actioneinlagen, nämlich mit Blick auf die Fortbewegung. Wir rasen über Monorails in wahnsinniger Geschwindigkeit, müssen Hindernissen ausweichen und die Rails immer wieder wechseln, während z. B. ein Riesenroboter nicht nur Jagd auf uns macht, sondern dabei auch beinahe die gesamte Welt In Schutt und Asche legt. Herrlich! Oder wir reiten auf einer verrückten Schnecke über die Karte oder mithilfe unserer Raketenschuhe. Oder fliegen auf dem Rücken einer Art Flugdino über die Karte. Die Schauplätze und verschiedenen Gameplaymechaniken wechseln sich so schnell ab, dass nie Langeweile oder Übersättigung einer Spielmechanik eintritt. Man könnte es fast schon als zu hektisch beschreiben. Aber eben nur fast.

Später im Spiel gilt es auch immer wieder als Clank Rätsel zu lösen, die ein wenig an den Klassiker Lemmings erinnern: wir müssen in drei aufeinanderfolgende Meta-Dimensionen unendliche Schwärme von Figuren durch Manipulation der Umgebung an bestimmte Ziele lenken, um das nächste Tor zu öffnen. Da ist die eine oder andere Kopfnuss zwar bei, letztlich zeigt sich aber auch hier, dass Ratchet & Clank: Rift Apart ein Spiel für die ganze Familie ist. Zulange bleibt man bei den Rätseln nicht hängen.

Aber auch Actionabwechslung gibt es. Nämlich immer dann, wenn Ratchet auf ein Computerterminal trifft, dass mit einem Computervirus infiziert ist. Hier übernehmen wir die Steuerung der kleinen, süßen Robospinne Glitch. Die treibt sich dann im System unter unserer Führung herum, klettert an Böden und Decken entlang und erledigt nervige Viren mit Raketen und Schnellfeuergeschütz. Dabei gilt es die Bodenschalter zu finden, die die Schutzschilde der Virenknoten ausschalten, um letztere dann aus dem Weg zu räumen.

Schwarze Löcher im sonst funkelnden Universum

Doch so ganz ohne Kritik komme ich in diesem Review dann auch nicht aus. Aber wie ihr schon gemerkt habt, ist das hier Jammern auf absolut hohem Niveau.

Einerseits ist es toll und spannend zu erfahren, was für einen Charakter Rivet hat, wie ihr Leben in ihrer Dimension verlaufen ist und wo die, Durchaus deutlichen, Unterschiede zu Ratchet zu finden sind. Es ist auch echt cool mal in ihre, mal im Fell von Ratchet unterwegs zu sein. Nur leider hat Imsoniac hier verpasst, beiden auch die Möglichkeiten zu geben sich mit unterschiedlichen Gameplayoptionen voneinander abzuheben. Denn beide teilen sich das gleiche Waffenarsenal. Was einerseits gut ist, weil man so Waffen nicht doppelt kaufen oder an Shops aufleveln und verbessern muss. Andererseits schafft eben genau das die Situation, dass sich, abseits von Story Ereignissen, Rivet wie ein anderer Skin für Ratchet anfühlt. Schade! Und auch wenn es kurzeitig mal neue Bewegungsmöglichkeiten im Rahmen des leichten Metroidvania Ansatzes gibt, so folgt schnell das Gegenstück beim anderen „Skin“.

Deutlich negativer aufgefallen ist mir das permanente Boss-Recycling. Denn die bösen Dinos von Rivets Heimatwelt und der große Bossroboter aus den Reihen von Nefarius Armee wiederholen sich immer wieder. Mal in optionalen Nebenaufgaben auf den Planeten, dann in der Arena aber auch immer wieder in Storymissionen. Der Gipfel des Recyclings war gekommen, als dann eben zwei statt nur einem Bossroboter auf mich warteten. Das die Kampfeinlagen immer nur Arenakämpfe sind, die überwunden werden wollen bevor es weitergeht, ist dabei gar nicht so schlimm. Denn die riesigen Welten nutzen ihre Größe, Weitsicht und Unterschiedlichkeit so gut aus, dass sich die Kämpfe nie langweilig anfühlen. Und immer, wenn man denkt, die neue Lieblingswaffe entdeckt zu haben, bekommt man eine neue Waffe oder andere Waffen, die Dank Munitionsknappheit auch regelmäßig eingesetzt werden wollen, verändert ihre Eigenschaften dank eines Stufenaufstieges.

Trophäenjäger und 100% Enthusiasten müssen übrigens bei der Suche nach den Collectables, genauer goldenen Bolzen, Rüstungssets und Spionbots nicht verzweifeln. Denn in einer Nebenmissionen bekommen wir ein Gerät, welches diese Items künftig auf allen Planetenkarten anzeigt. Wie man konkret zu diesen Gegenständen kommt, ist dann nochmal eine andere Sache. Die Bären, wovon es insgesamt neun Stück gibt, also einen Bären pro Planeten, werden leider nicht angezeigt.

Dabei lohnt sich vor allem die Jagd nach den stets dreiteiligen Rüstungssets, da sie diverse Boni bieten. Z. B. mehr Bolzen von erledigten Gegnern oder das bestimmte Gegnertypen weniger Schaden verursachen oder Ratchet und Rivet ihnen mehr Schaden verursachen. Und optisch cool aussehen tun sie noch dazu!

Fazit

Ratchet & Clank: Rift Apart ziert schon auf dem Cover der Retailfassung eine der bahnbrechendsten Neuerungen der Reihe. Denn unser pelziger Freund trifft auf sein weibliches Gegenstück aus einer anderen Dimension! Leider spielen sich die lila farbene Rivet und unser gelber Ratchet nahezu identisch. Dafür stellen sie sehr unterschiedliche Charaktere dar. Und was Writing im Spiel ist wirklich gelungen, dreht sich die Geschichte doch um durchaus erwachsene Themen, wie Vertrauen, Verlustängste, Freundschaft, zweite Chancen und Selbstbewusstsein. Aber eben genauso familienfreundlich verpackt, wie es Disneys Pixarfilmen und auch Dreamworks Animationsfilmen bisher gelungen ist. Das dieser Ausflug von Ratchet und Clank ein technisches Brett ist und zeigt, was wir in Zukunft noch alles von der Next-Gen oder „neuen“ Current-Gen am Konsolenmarkt erwarten dürfen, habe ich im Test ja schon beschrieben. Und das geht weit über die gefühlt nicht existenten Ladezeiten hinaus. Diese Bildqualität gepaart mit einem neuen Leben ohne spürbare Ladezeiten und gleichzeitig absolut stabiler Bildrate machen Rachet & Clank erstes und hoffentlich nicht letztes PS5-Abenteuer zum Must-Have für alle Besitzer einer Playstation 5. Dies hier könnte tatsächlich der erste Systemseller sein, den ich zuletzt in meinem Magazinartikel noch vermisst habe. Schade nur, dass man aus den Dimensionswechseln abseits von zwei Planeten, in denen man quasi zwei Dimensionen der gleichen Umgebung parallel und unter ständigem Wechsel erkundet, nicht weiter genutzt wurde. Aber es darf ja auch noch Luft für den nächsten Teil bleiben. Die Geschichte deutet schon an, wo es für unsere Lombaxe als nächstes hingehen können.

Grafik/Präsentation
93
Story/Atmossphäre
91
Gameplay
90
Spielspaß
88
Leserwertung1 Bewertung
92
Pros
motivierende, abwechlungsreiche Geschichte
Grafik auf Animationsfilmniveau
hohe Spielzeit von ca. 14 Stunden
viele optionale Inhalte
abgedrehte Waffen
Cons
Boss-Recycling
Ratchet & Rivet unterscheiden sich spielerisch nahezu gar nicht
Dimensionswechsel zu wenig eingesetzt
91