Pokémon Tekken im Test: Prügler für Einsteiger

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Die kleinen Monster aus dem Pokémon-Universum sind eine reine Erfolgsgeschichte für Nintendo und begleiten nunmehr seit 20 Jahren fast alle der seitdem auf dem Markt erhältlichen Nintendo-Konsolen. Von Pokémon Rumble U mal abgesehen, welches ausschließlich im Nintendo eShop erschienen ist, kam mit Pokémon Tekken tatsächlich erst jetzt das erste neue Spiel mit den Pokémon auf die Wii U.

Pokémon meets Tekken = Pokken

screenshot-pokemon-tekken-pokken-tournament-08Mal ganz ehrlich, welche Videospiele-Reihe könnte sich denn besser für ein Prügel-Spiel eignen als Pokémon? Nach 20 Jahren ist nun endlich auch Nintendo auf den Trichter gekommen und hat sich als immerhin den Tekken-Entwickler Bandai Namco rund um Produzenten Katsuhiro Harada mit ins Boot geholt. Nachdem das Spiel bereits seit Juli 2015 in japanischen Spielhallen steht, dürfen jetzt auch WiiU-Besitzer mit Pikachu und 14 weiteren Pokémon durch die Gegend Prügeln.

Doch taugt das Spiel auch was? Immerhin ist die WiiU bereits angezählt und die Zeichen verdichten sich, dass noch in diesen Jahren mit der Nintendo NX eine neue Konsole vom japanischen Traditionsunternehmen auf den Markt kommt. Spiele wie Mario Tennis Ultra Smash beispielsweise wirkten halbgar mit guten Ansätzen. Pokémon Tekken (heisst in Japan und den USA übrigens Pokkén Tournament) bleibt von diesem Schicksal aber weitestgehend verschont. Das Spiel ist für die immer noch große japanische Spielhallen-Kultur entwickelt worden und dementsprechend wenige Fehler durfte man sich erlauben, wenn man den kritischen Spielern die Münzen entlocken wollte.

Willkommen in der Ferrum-Region

screenshot-pokemon-tekken-pokken-tournament-05Dass Pokken – ich nenne das Spiel jetzt einfach immer so, da es kürzer ist – nicht wie jeder x-beliebige Prügler ist, merkt man bereits nach dem Intro. Denn da begrüßt einen die penetrante Kampftrainerin Nia in der Ferrum-Region und erklärt einem das Spiel. Glücklicherweise kann man ihr in den Optionen direkt das Maul stopfen, denn sonst redet sie wirklich viel und immer. Zuallererst gibt man seinem virtuellen Pokémon-Trainer-Ich einen Namen, legt das Geschlecht fest und wählt anschließend das Partner-Pokémon aus, welches einen von nun an durch das Spiel begleiten wird. Aber keine Angst, das kann man später auch wieder wechseln. Nachdem einen auch das Hauptmenü erklärt wurde, welches wie eine Karte aus den Pokémon-RPGs aufgebaut ist und jeder Punkt eine Stadt in der angesprochenen Ferrum-Region darstellt, kann es auch losgehen.

Gegen menschliche Gegner macht es doch immer noch am meisten Spaß

Der Umfang des Spiels überrascht wenig, versucht aber im Singleplayer etwas andere Wege zu gehen als seine Genre-Vertreter. Wie die meisten Spiele bietet auch Pokken einen Trainingsmodus, in dem man seinen Fähigkeiten verfeinern oder die grundlegende Mechanik überhaupt erst erlernen kann.

Wenn man gerne Computer gesteuerten Pokémon einen auf die Mütze geben möchte, dann gibt es gleich zwei Spielmodi in Pokken. Zum einen den normalen Einzelspieler-Kampf bei dem man grundlegende Regeln wie die Kampf-Dauer oder die nötigen Gewinn-Runden anpassen kann, aber auch die „Ferrum Liga“. Dabei handelt es sich um ein Ligensystem, bei dem man sich mit seinem Partner-Pokémon von der untersten „Grünen Liga“, bis zur „Chroma Liga“ hochkämpfen kann. Im Prinzip handelt es sich dabei zwar auch nur um eine aneinander-Reihung von Einzelkämpfen, aber die Inszenierung und der ansteigende Schwierigkeitsgrad sorgt für ein wenig mehr Spannung. Hat man es in der „Ferrum Liga“ unter die ersten acht geschafft, kann man an einem Turnier im Ferrum-Stadion teilnehmen, bei dem es letztendlich um den Aufstieg in die nächst höhere Liga geht. So könnt ihr im übrigen weitere Hilfs-Paare, dazu später mehr, und Arenen freischalten.

Aber wie bei eigentlich jeden Prügler ist der Kampf gegen einen Gegner aus Fleisch und Blut doch viel interessanter. Dazu gibt es neben den lokalen auch einen online Multiplayer. Im Gegensatz zu beispielsweise Mario Tennis Ultra Smash ist der Onlinemodus auch ordentlich umgesetzt worden. Ein Spieler ist beim Matchmaking schnell gefunden und im Gegensatz zu der Jagd nach dem gelben Filzball, kann man auch gezielt gegen Freunde online antreten. Diese Möglichkeit bot Mario Tennis Ultra Smash zu meiner Überraschung nicht und man musste immer gegen einen zufälligen Online-Gegner antreten. Bei Pokken tritt dieses Ärgernis zum Glück nicht auf.

Insgesamt ist der Umfang von Pokken also ordentlich und bewegt sich im selben Rahmen wie seine Genre-Vertreter. Zwar fehlt der oft vorhandene Arcade-Modus, bei dem man meist gegen 10 andere Kämpfer antritt, dafür gehen screenshot-pokemon-tekken-pokken-tournament-03Bandai Namco und Nintendo mit der „Ferrum Liga“ etwas andere Wege. Mir persönlich gefällt diese Lösung besser, da der sportliche Wettkampf besser übermittelt wird und es zusätzlich auch noch nahe an den bekannten Rollenspielen und authentischer ist.

Optisch macht Pokken dabei einen wirklich guten Eindruck. Es mischen sich in den Menüs, der Darstellung des Avatars und der Kampftrainerin Nia die übliche Anime-Optik mit klaren und übersichtlichen, an Sport-Events erinnernde Infografiken und Menüstrukturen. Auch die kleinen Taschen Monster selbst sind mit ihren flüssigen Animationen und scharfer Optik gut anzusehen. Auch schnelle Kämpfe und der damit verbundene übermäßige Gebrauch von Effekten ist actionreich, manchmal etwas überladen, dafür aber flüssig dargestellt. Dies geht aber ein wenig zu Lasten der Arenen-Hintergründe, welche man sich nicht zu lange und genau angucken sollte. Versteht mich nicht falsch, sie sind nicht hässlich und sehr wohl detailliert und abwechslungsreich gestaltet. Allerdings wirken diese manchmal etwas leblos, da hätte sich ruhig ein wenig mehr bewegen können. Ein ab und zu vorbeifahrendes Auto und die sich immer wieder etwas stauchenden 2D-Zuschauer, die einem so hüpfen und jubeln vorgaukeln wollen, sind etwas dünn. Glücklicherweise fällt einem das im normalen Kampf nicht wirklich auf, da in der Arena selbst genug los ist.

Prügler für Einsteiger

Durch die Kooperation mit Bandai Namco sind die Erwartungen der großen Pokémon Fangemeinde besonders im spielerischen Bereich natürlich nicht geringer geworden, ganz im Gegenteil. Immerhin kreierte man mit Tekken eines der bekanntesten und beliebtesten Beat’em’Ups, welches besonders durch die Schnelligkeit und das Kombosystem für Furore sorgte. Wer jetzt ein Tekken im Pokémon-Gewandt erwartet, der dürfte aber ein wenig enttäuscht sein.

Denn ganz so schnell und komplex wie Tekken ist Pokémon Tekken nicht, auch wenn es den großen Bruder mit im Namen trägt. Eher wirkt es wie eine abgespeckte Version mit ähnlichen Ansätzen, das aber immerhin ohne dabei schlecht zu sein. Es scheint als wenn Pokémon Tekken wie eine Art Einstieg in das Beat’Em’Up-Genre sei. Auch möchten die vielleicht nicht so versierten Fans der Pokémon abgeholt werden.

In meinen Augen gelingt dies den Machern relativ gut. Die Steuerung ist eingängig und wird in einem Tutorial von der bereits erwähnten Nia erklärt und kann in weiteren Trainingsmissionen verfeinert werden. Nach und nach kann so auch aus einem Anfänger eine wahre Kampfmaschine unter den Pokémon-Trainern werden. Echte Fans des Genres können sich zwar auch auf einen soliden Prügler freuen, trotzdem wird echten Beat’em’Up-Fans der Schwierigkeitsgrad vermutlich zu gering sein. Besonders in den Einzelspieler-Modi wirkt es manchmal ein wenig zu leicht, beim Onlinemodus hängt es natürlich vom jeweiligen Gegner ab. Man kann da auch ordentlich auf den Sack bekommen und kaum eine Attacke des Gegners abwehren oder kontern.

Die Kämpfe selbst sind dabei in zwei Phasen unterteilt. Bevor diese starten kann, muss aber noch ein Duo von Hilfs-Pokémon ausgewählt werden. In der Feldphase könnt ihr euch mit eurem Pokémon frei in der Arena bewegen und Attacken auf euren Gegner starten. Hat man es geschafft den Gegner mit einer Reihe von Kombos zu traktieren, wechselt der Kampf in die Duellphase, in der man sich nur noch vor und zurückbewegen kann und einen genaueren Blick auf das Geschehen hat. In dieser Phase gilt es mehr auszuteilen, als einzustecken, denn in dieser Phase können größere Schäden als in der Feldphase ausgeteilt werden.

Ist man mal ganz besonders in Bedrängnis, hat man aber noch zwei Optionen, um sich ein wenig Luft zu verschaffen. screenshot-pokemon-tekken-pokken-tournament-09Da wären zum einen die bereits erwähnten Hilfs-Pokémon, die man, sobald die zugehörige Anzeige aufgeladen ist, herbeirufen kann. Diese haben verschiedenste Fähigkeiten, daher sollte man diese auch nicht wahllos, sondern auch mit einem etwaigen taktischen Hintergrund auswählen. Manche greifen den Gegner direkt an, andere halten diese aber auch eher von einem Fern und sorgen so für eine kleine Verschnaufpause oder geben Zeit eine eigene Attacke zu starten.

Zusätzlich gibt es noch die Resonanz-Attacken, welche besonders viel Schaden verursachen und mit Bedacht gestartet werden sollten. Während des Kampfes füllt sich dazu das sogenannte Resonanzmeter und sobald es voll ist und die entsprechenden Tasten gedrückt werden, verwandelt sich das Pokémon in eine ganz besonders mächtige Version, die Kenner als Mega Entwicklung aus Pokemon X und Y kennen. In diesem Zustand ist es um ein vielfaches stärker und zusätzlich kann ein Limitschlag ausgelöst werden. Als Angreifer sollte man diesen unbedingt landen, da man die Chance dazu meistens nicht mehr als einmal in der Runde bekommt.

Leveln und Avatar Individualisierung für die persönliche Note

screenshot-pokemon-tekken-pokken-tournament-07Nach jedem Kampf, egal ob online oder lokal, bekommt ihr Erfahrungspunkte und PokéGold gutgeschrieben. Mit den Erfahrungspunkten könnt ihr euer gerade genutztes Pokémon in den Bereichen Angriff, Verteidigung, Resonanz oder Strategie aufwerten und verbessern. Das gilt dann natürlich nur für die Einzelspieler-Modi, im direkten Gegeneinander haben alle Pokémon-Trainer die selben Voraussetzungen.

Mit dem verdienten PokéGold dagegen könnt ihr den anfangs erstellten Avatar, also euch selber, umgestalten. Neue Kleidung, Accessoires oder beispielsweise eine neue Frisur könnt ihr eurem virtuellen ich verpassen. Im Grunde nur eine kleine Spielerei, welche keine wirkliche Auswirkung auf das Spiel selbst hat. Lediglich könnt ihr euch so von anderen Pokémon-Trainern in online Kämpfen abgrenzen.

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Pokémon Tekken (WiiU)
PRÄSENTATION (GRAFIK, SOUND) 78%
GAMEPLAY 82%
SPIELSPASS 82%
MULTIPLAYER 82%
81%
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Ich muss zugeben, so sehr wie ich mich auf das Spiel gefreut hatte, genau so skeptisch war ich auch. Leider hatten mich in der jüngsten Vergangenheit einige WiiU-Titel enttäuscht, mit Pokémon Tekken machen Nintendo und Bandai Namco aber einiges richtig. Das Spiel macht einfach Spaß und das Pokémon-Universum eignet sich sehr gut für diese Art von Spiel. Präsentation und Umsetzung stimmen, lediglich der etwas zu geringe Schwierigkeitsgrad für Hardcore Genre-Fans und das nicht ganz so komplexe Kombosystem sorgen für ein paar Wehrmutstropfen. Pokémon-Anhänger und Prügel-Einsteiger können aber bedenkenlos zugreifen.

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About The Author

Videospiele-Fan seit vielen Jahren. Alles hat damals mit dem guten alten Game Boy angefangen. Seitdem begleitet mich das Thema, was in einer in meinen Augen ansehnlichen Nintendo Retro-Sammlung endete. Neben dem alten Nintendo-Kram bin ich aber auch seit der ersten Generation der Xbox treu.

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