Pikmin 3 Deluxe im Test – Mehrwert mit weniger Pikmin

Wenn ich ehrlich sein soll, ich war nie ein Fan der Wii. Die ‚Fuchtelsteuerung‘ ging in meinen Augen bei sehr vielen Spielen nicht auf, es gab extrem wenige Spiele, die mich begeistert hätten und ja, die Technik überzeugte mich seinerzeit auch nicht mehr so wirklich. Nintendos erfolgreichste Heimkonsole war für mich auf persönlicher Ebene also eher ein Flop. So ganz anders sieht das ausgerechnet mit dem Nachfolger aus. Die Wii U ist Nintendos erfolgloseste Heimkonsole, aber auch wenn ein paar große Marken erst sehr spät dran waren oder ganz fern blieben, mit Nintendos erster HD-Konsole hatte ich richtig viel Spaß. Und eines der großartigen Wii U Spiele war Pikmin 3. Was also bringt die fast schon unvermeidliche Deluxe Neuauflage für die Switch?

300 geteilt durch drei

Auf der Suche nach dringend benötigten Lebensmitteln für ihren Heimatplaneten Koppai stürzen die drei Astronauten Charlie (übrigens Kapitän des Schiffes), Aleph und Britanny auf dem Planet der Pikmin, PNF-404, ab. Dabei werden unsere drei Protagonisten voneinander getrennt. Erstes Spielziel ist also wenig überraschend, die drei wieder zu vereinen, außerdem brauchen wir dringend genug Ressourcen, um die Reise zurück nach Koppai zu schaffen. Praktisch also, dass wir ziemlich schnell auf die ersten Pikmin treffen. Die niedlichen, kleinen Pflanzenwesen, von denen man im normalen Modus ganze hundert Stück ins Feld führen kann, können uns nämlich nicht nur beim Besiegen von Gegnern helfen, sondern unter anderem beim Einsammeln von Proviant, Beseitigen von Hindernissen oder beim Brückenbau. Sind Gegner einmal besiegt oder alternativ Blütenstände spezieller Blumen eingesammelt, dann können Pikmin sie zu ihrer Zwiebel tragen, wo dann neue Pikmin entstehen. Während ein kleiner Gegner hier vielleicht nur für einen neuen Pikmin reicht, können bei großen Gegnern auch locker zweistellige Pikmin Zahlen heraus springen.

Gesteuert wird immer ein Protagonist, allerdings können wir im Spielverlauf zwischen den einzelnen Figuren wechseln, was stellenweise auch dringend nötig ist. Pikmin, oder die anderen Astronauten, können geworfen werden. Beispielsweise um ein kleineres Hindernis zu überwinden. Aber nur die Pikmin greifen beispielsweise Gegner an oder beseitigen Hindernisse, auf die sie geworfen werden. Auf Kommando pfeifen wir unsere Pikmin auch zurück, was beispielsweise nötig sein kann, damit sie nicht von einem ‚Monster‘ im Hosentaschenformat gefressen werden. Gelegentlich treffen wir dabei auch auf Bossgegner.

Einzelne Pikmin Arten haben auch unterschiedliche Fähigkeiten. Die roten sind zum Beispiel feuerfest, die besonders harten Felspikmin können unter anderem die Kristallschale des ersten Bosses oder Glashindernisse zertrümmern, die gelben Pikmin haben keine Probleme mit Elektrizität und sind sogar leitend, blaue können als einzige Pikmin schwimmen und Flügel-Pikmin können gewisse Hindernisse anheben und sind effektiv gegen Fluggegner. Durch die zusätzlichen Fähigkeiten lassen sich übrigens auch neue Wege in bereits besuchten Arealen finden, denn auf die einzelnen Pikmin Arten treffen wir nach und nach.

Da einzelne Tage zwanzig Minuten dauern und wir immer unsere Ressourcen auf Vordermann halten müssen, bedarf es auch gewisser Planung. Wer einfach sorglos durch die Gegend rennt, der verplempert bei Pikmin nicht nur Zeit sondern steht irgendwann ohne Essen dar. Allerdings ist Pikmin 3 auf dem normalen Schwierigkeitsgrad wirklich nicht schwer. Im Gegenteil, hier ist es ziemlich schnell möglich, mit minimalen Verlusten durch das Spiel zu kommen.

Neu Deluxe

Natürlich hat die Deluxe Fassung so einige Neuerungen. Da wären beispielsweise neue Schwierigkeitsgrade. Im höchsten Modus, den man erst freischalten muss, ist die Anzahl der gleichzeitig kommandierbaren Pikmin beispielsweise auf 60 beschränkt. Ganz neu ist außerdem ein Koop Modus, der wirklich gelungen ist, aber zwecks Übersicht schon nach einem großen Fernseher schreit. Außerdem gibt es einen neuen Pro- und Epilog mit Captain Olimar und Louie aus den Vorgängerspielen, die im eigentlich Pikmin 3 ja nur Nebenfiguren sind. Bingo und Missionsmodus sind dagegen alte Bekannte. Wobei gerade der Missionsmodus davon profitiert, dass er alle DLC’s der Wii U Fassung beinhaltet. Im Bingo-Duell müssen bestimmte Items oder Gegner gesammelt werden, wobei wir hier schon früher gegen menschliche Spieler antreten durften.

Auch im Missionsmodus gab es schon früher Splitscreen. Ziel ist es hier beispielsweise, in einer vorgegebenen Zeit Früchte zu sammeln oder Gegner respektive Bossgegner zu besiegen.

Den größten Mehrwert bieten dabei klar die Neuerungen der Kampagne. Der Splitscreen Koop funktioniert nicht nur gut (falls man sich nicht gerade gegenseitig die Pikmin klaut), er bietet auch schlicht und ergreifend klassischen Couch-Koop-Spaß. Die neuen Missionen erweitern das Geschehen noch mal auf gelungene Weise und fügen sich gleichzeitig sehr gut ins Spiel ein. Von den neuen Schwierigkeitsgraden wiederum profitieren vor allem Serienveteranen noch mal deutlich. Denn gerade verglichen mit den Vorgängern war Pikmin 3 ziemlich leicht. Auf Wii U hab ich das Spiel zwei mal durchgespielt und durch die Übung im zweiten Durchgang gerade mal etwas über 30 Pikmin verloren, Unmengen an Saft als Reisevorrat gehabt und ca. 1500 Pikmin ‚auf Halde‘. Warum das Ganze? Um den besseren Abspann zu erspielen, denn auch wenn die Unterschiede minimal sind. Abgesehen davon, wie viele Früchte ihr sammelt gibt es drei Abspannvarianten in Pikmin 3.

Technik, die nicht mehr begeistert

Grafisch hat Pikmin 3 durchaus seine Stärken. Die liegen allerdings fast alle im Artdesign. Die Garten-Perspektive hat von sich aus schon reichlich Charme, die Pikmin haben davon aber noch deutlich mehr, und das auch bei jeder ihrer Animationen. Ob sie gerade Scherben durch die Gegend tragen, um eine Brücke zu bauen, sich mit Gegnern abmühen oder einfach hinter uns her rennen, ist dabei absolut nebensächlich. Und auch die mal amphibienartigen, mal insektoiden, aber immer skurrilen Gegner können mit ihrem Look deutlich punkten. Gartenumgebungen, Früchte und in der Landschaft verteilte Gegenstände haben dagegen einen Look, der eigentlich den Fotorealismus bemüht. Und hier muss Pikmin 3 mittlerweile Federn lassen. Denn während manche Objekte immer noch ganz gut aussehen sind manche Texturen, die vor sieben Jahren schon nicht so toll waren mittlerweile einfach nicht mehr zeitgemäß. Objekte könnten mehr Polygone vertragen und so weiter. Dank Techniken wie Physics Based Rendering ist man, auch auf Nintendo Plattformen, mittlerweile anderes gewohnt. Dazu kommt leider, dass Pikmin 3 Deluxe, anders als die anderen Wii U Ports, auch auf der Switch maximal in 720p läuft, im Handheld Modus sogar nur in 576p, das ganze bei 30fps.

In gewisser Hinsicht enttäuscht auch die Akustik ein wenig, denn die gelungenen Kompositionen bleiben weiter auf Midi Gedudel beschränkt. Klar darf man an der Stelle fragen, ob man einen neu eingespielten Soundtrack überhaupt erwarten sollte. Und davon ab passt der Rest der Soundkulisse auch nach sieben Jahren perfekt zum Spiel. Ich hoffe hier aber spätestens bei Pikmin 4 auf echte Instrumente.

Fazit:

Lohnt sich Pikmin 3? Falls ihr es nicht auf Wii U gespielt habt auf jeden Fall. Die Reihe ist einfach ganz anders als andere Echtzeitstrategietitel. Kleine Puzzles in der Umgebung zu lösen und eben jene zu erkunden ist hier unterm Strich deutlich wichtiger als der sonst so obligatorische Kampf. Bei Auseinandersetzungen wiederum ist das Konzept von vornherein auf Controllersteuerung ausgelegt und funktioniert entsprechend gut. Dazu kommen Couch-Koop, der lokale Multiplayer und sehr viel Charme. Einzig Besitzer der Wii U Fassung müssen vielleicht überlegen, ob die paar Neuerungen den Kauf zum Vollpreis noch mal rechtfertigen. Enttäuschend ist jedenfalls nur die Technik. Zwar läuft Pikmin 3 nicht schlechter als auf Wii U, aber leider auch kein bisschen besser.

Pikmin 3 Deluxe
Präsentation (Grafik, Sound)
78
Story, Atmosphäre
84
Gameplay
87
Multiplayer
86
Spielspaß
88
Leserwertung1 Bewertung
100
Einzigartiges Spielgefühl
Die Pikmin sind einfach niedlich
Sinnvolle Verbesserungen
Gelungener Couch Koop
Keine technischen Verbesserungen gegenüber Wii U
Keine optionale Touchscreen Steuerung mehr
Soundtrack immer noch Midi Gedudel
85