Mega Man Legacy Collection 2 im Test – Der Nerd und der Blaue Bomber

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Ich erinnere mich gerne an meine anfänglichen Zeiten, mit Pad in der Hand vor dem Fernseher sitzend, zurück. Damals war alles neu, aufregend und nicht so alltäglich wie heute, wo es neue Spiele wie am Fließband gibt. Damals bekam man vielleicht vier bis sechs Spiele im Jahr zusammen und war damit (zwangsweise) zufrieden. Wieso ich das alles erzähle, fragt ihr euch sicher. Im heutigen Test geht es um die zweite Collection eines der absoluten Helden der Achtziger und Neunziger. Mega Man – der blaue Bomber. Auch wenn es für ihn heute kaum zu mehr als einem amiibo hier oder einem Gastauftritt da reicht, der Kult um den knuffigen Roboter ist nach wie vor unheimlich greifbar, was man unter anderem an den vielen Merchandise-Artikeln merkt. Wohl auch deshalb entschloss man sich bei Capcom, seine alten Abenteuer abermals auf unseren Bildschirm zu zaubern. Beim Anzocken für den Test fragte ich mich dann einfach öfter, wie ich und meine Freunde das damals gemeistert haben. Mit bis dahin lediglich sieben oder acht Kerzen auf der Torte. Die Antwort liegt eben auch in der Spieleauswahl von damals. Wir hatten nix anderes und haben die Mega Man-Spiele einfach verdammt oft gespielt. Wirklich, verdammt oft.

Zweiter Teil einer Collection?

Als Fan der alten Mega Man-Teile verstand ich die Release-Politik bei der ersten Legacy Collection auch nicht ganz. Mit der Entscheidung, ein Sammelsurium aus alten Mega Man-Spielen nur bis Teil 6 zu veröffentlichen, sorgte man bei vielen Fans für Nackenschmerzen vom Kopfschütteln. Jetzt, ein gutes Jahr später, schiebt man ohne großartige Erklärung noch die restlichen vier Teile nach – Gegen neuerliche Bezahlung versteht sich. Ich bin zwar der Meinung, dass dieses Gebaren keine Auswirkungen auf die Wertung haben sollte, kritiklos unkommentiert möchte ich den Sachverhalt dennoch nicht lassen, auch wenn ich jemand bin, der so manche Kritik im Internet für überzogen erachte. Hier hätte sich Capcom einen größeren Gefallen getan, wenn sie direkt alle Teile des klassischen Mega Man auf die erste Collection gepresst hätten. Zumal sie das damals 2004 bei der Mega Man Anniversary Collection bereits getan haben.

Mega Man 7

Der siebte Teil basiert, anders als zuvor, storytechnisch ausnahmsweise im Ansatz auf dem Ende des sechsten Robo-Abenteuers. Dort konnte Mega Man den permanenten Stressmacher Dr. Wily endlich gefangen nehmen und ihn zu Brot und Wasser in einer Zelle verdonnern. Dieser ist jedoch nicht umsonst mit einem Doktortitel gesegnet und hat in weiser Voraussicht einige Maßnahmen für Fälle wie diesen getroffen. Gut versteckt in unterirdischen Laboren hat der Gute nämlich wieder einmal genau acht Robot-Master gebunkert, die ihm kurz nach Einzug hinter die schwedischen Gardinen spontan zur Flucht verhelfen. Ursprünglich erschien der siebte klassische Mega Man-Titel 1995 nach den drei Mega Man X-Episoden ebenfalls auf dem Super Nintendo. 8-Bit-Muffel können sich also zumindest nicht über altbackene Optik beschweren, da Mega Man 7 mit 16-Bit-Power deutlich aufgehübscht über den Bildschirm flitzt. Das Spielkonzept orientiert sich stark an den NES-Teilen. So muss man sich nach den X-Ausflügen erst wieder damit abfinden, dass unser elektrischer Held das Dashen und die Wandsprünge von X leider nicht beherrscht. Dadurch kommt einem das Gameplay etwas träge und weniger dynamisch vor, was einige Fans der ersten Mega Man-Spiele sicher nicht stören wird. Da ihr zu Beginn nur die Auswahl von vier Bossen habt, erhöht sich eure Chance den korrekten Start-Robot-Master zu erwischen. Traditionell gibt es unter allen Boss-Blechschädeln immer einen, der besonders allergisch auf eure Standard-Waffe, den Mega Buster, reagiert. Seid ihr erfolgreich, winkt euch als Belohnung die entsprechende Hauptwaffe eures Widersachers, die der Schwachpunkt eines anderen Robot-Masters darstellt. Nachdem ihr das erste Robo-Quartett heruntergefahren habt, präsentiert euch das Spiel abermals vier Stages samt Bossgegnern. Erleichtert wird euch das Leben durch die neue Schnellspeicherfunktion, mit der sich frustrierende Stellen deutlich entspannter absolvieren lassen. Mega Man 7 kommt nicht ganz an das kreative Leveldesign der NES-Meilensteine heran und lässt eine Menge Federn beim sonstigen Aushängeschild, dem Soundtrack. Dafür punktet das SNES-Abenteuer mit famoser Optik und besserer Steuerung.

Mega Man 8

Mit Mega Man 8 hat unser kleiner blauer Lieblingsroboter mittlerweile den Sprung vom NES zur ersten PlayStation geschafft. Optisch und technisch liegen zwischen diesen Generationen natürlich Welten und man merkt sofort, dass die Handschrift generell eine andere ist. An der Story hat sich selbstverständlich nicht wirklich viel geändert. In einem (für PlayStation damals Standard) längeren Intro-Anime sieht man wie lange vor unserer menschlichen Zivilisation zwei mächtige Roboter-Wesen gegeneinander kämpfen und in einer Art Urknall leblos auf die Erde geschleudert werden. Dr. Light und Mega Man entdecken eines Tages nach starken tektonischen Aktivitäten eine aus dem Meer aufgetauchte Insel. Just auf dieser hat unser Erzrivale Dr. Wily eine Basis errichtet und wir bemerken, wie er einen auffällig lila schimmernden Gegenstand aus einem Krater birgt. Der fiese Schnurrbart-Schurke plant also, sich diese alte Macht anzueignen und sich zum achten Mal gegen die Menschheit zu wenden. Man braucht es eigentlich kaum zu erwähnen, aber natürlich hat der aggressive Doktor auch auf der PlayStation erneut acht Robotmaster kreiert, die Mega Man das Leben schwer machen sollen. Sonst gibt es einige Änderungen im Leveldesign zu verbuchen: In bestimmten Abschnitten jeder Welt gibt es nun Aufgaben, die sich vom sonstigen Run and Gun-Gameplay unterscheiden. Mal müsst ihr Schwimm-Abschnitte überstehen oder es verschlägt euch auf ein stylisches Snowboard mit dem ihr fiese Sprungpassagen überleben müsst. Über Bord geworfen wurde das Passwort-System, welches durch ein wesentlich angenehmeres Ingame-Speicher-System ersetzt wurde.

Mega Man 9 und 10

Mega Man 9 und 10 stellen besondere Kandidaten im Universum des blauen Bombers dar. Capcom reagierte im September 2008 auf die jahrelange Fan-Forderung doch endlich wieder einen neuen klassischen Mega Man Titel zu veröffentlichen. Unter der Federführung der Director-Altmeister Keiji Inafune und Hironobu Takeshita, sowie der Hilfe des erfahrenen Sound-Komponisten Ippo Yamada (Bei Capcom als Sound-Designer seit 1994 und Mega Man X2) erschuf man ein neues klassisches Mega Man Abenteuer im 8-Bit-Look. Das Entwicklerteam war dabei recht jung und verhalf unserem blauen Roboter unter den Argusaugen der erfahrenen Legenden zu einem guten Comeback. Mega Man 9 orientiert sich am ehesten am zweiten Teil der Serie und brachte 20 Jahre später viele Elemente aus dem Klassiker von 1988 wieder zurück. In Punkto Level-Design übertraf man die Vorgänger und konnte sich unter allen Mega Man-Spielen recht gut im vorderen Mittelfeld platzieren. Die Steuerung fühlt sich zudem super flüssig an und man merkt schnell, dass diese Spiele in diesem Punkt nicht mehr viel mit den NES-Originalen gemein haben. Für viele jüngere Zocker saß jedoch der Schock des Original-Schwierigkeitsgrad wohl ziemlich tief. Denn Mega Man 9 und auch 10 geizen nicht mit wirklich  knallharten und fiesen Sprungpassagen über die gefürchteten auftauchenden Blöcke. Wer bei diesen Titeln das Ende zu Gesicht bekommen wollte, der kam nicht drumherum die Spiele wie damals immer wieder einzustudieren und sich auf diese Weise immer ein Stück weiter vorzuarbeiten. Nach dem kommerziellen Erfolg schoben die selben Beteiligten im Jahre 2010 den vorerst letzten Teil, Mega Man 10, hinterher, der sich qualitativ nicht hinter dem neunten Teil verstecken muss. Beide Teile lassen sich übrigens alternativ auch mit Proto Man erleben.

Einstellungen und Speichern

Die Legacy Collection kommt derweil ebenfalls etwas weichgespülter daher. Ihr verfügt über einen praktischen Schnellspeicher-Punkt, der euch zwar nicht exakt an die Position zurücksetzt an der ihr ihn aktiviert, aber zumindest in einen nahen Levelabschnitt (Nicht wie bei der Disney Afternoon Collection). Diese Maßnahme macht die Spiele für Neueinsteiger und aus der Übung gekommene Veteranen deutlich erträglicher und frustfreier. Leuten mit einem Knallhart-Ego steht es natürlich frei, auf dieses Feature zu verzichten. Sonst gibt es zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten wie Grafikfilter, Bildschirmanzeigen oder Steuerungsvarianten. Für Fans ist das Museum interessant, in dem euch Konzeptzeichnungen und Artworks ansehen könnt. Ebenfalls aus der ersten Collection wurden die Herausforderungsmodi übernommen, in denen ihr fleißig Medaillen sammelt. Hier gilt es, entweder alle Bosse hintereinander oder bestimmte Level-Parts möglichst schnell zu absolvieren. Mega Man 9 und 10 kommen zusätzlich noch mit einem wählbaren Casual-Easy-Mode daher, welcher die Welten deutlich vereinfacht.

 

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Mega Man Legacy Collection 2
Präsentation (Grafik, Sound) 78%
Gameplay 84%
Atmosphäre/Story 80%
Spielspaß 83%
81%
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Da ist er also, der zweite Teil der Mega Man Legacy Collection. Unabhängig von der unschönen Veröffentlichungspolitik stecken im Gesamtpaket immer noch vier wunderbare Klassiker und Fans freuen sich darauf, ihre Lieblinge nochmals in neuem Gewand zu erleben, Normalos haben die Chance ausgelassene Titel zu komplettieren und Neueinsteiger können ihre eigene Frust-Toleranz-Grenze erkunden. Mit der Schnellspeicherfunktion und den Easy-Modi bei Mega Man 9 und 10 sorgt man bei Capcom außerdem dafür, dass man die Titel auch heute recht bequem nach der Arbeit spielen kann ohne allzu sehr gefrustet zu werden oder viel Zeit in Übungsdurchgänge zu investieren. Die Herausforderungen und das Museum sind ein netter Fan-Bonus und die reichlichen Anpassungsmöglichkeiten runden das Paket angenehm ab. Dennoch bietet die erste Collection in der Summe nicht nur mehr, sondern darüber hinaus auch die besseren Mega Man-Spiele. Grade als 2D-Liebhaber ist ein Kauf trotzdem reizvoll, da man Mega Man 7 und Mega Man 8 aktuell nur recht schwer im Original bekommen wird. Die 14,99 Euro sind in den blauen Bomber also gut investiert.

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About The Author

Einen großen Teil meines Lebens verbringe ich nun an den Pads von allerlei Konsolen. Angefangen hat damals alles mit dem NES und zieht sich bis heute zur Xbox One. Gespielt habe ich in der Zeit auf allen gängigen Nintendo, Sony und Microsoft Konsolen. Am liebsten spiele ich Shooter, Rennspiele, Action-Adventures und Rollenspiele. Einmal im Monat werden aber auch die alten Kisten ausgepackt und es ist Retro-Abend in geselliger Runde.

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