Ubisoft Montreal dreht die Uhren im neuen Far Cry Primal mal gehörig zurück. Um satte 12.000 Jahre versetzen uns die Kanadier zurück in die Vergangenheit und versuchen die Serie damit etwas neu zu erfinden. Ubisoft wird oft vorgeworfen, ihre Spielereihen nicht weiter zu entwickeln und mehr oder minder teilweise lediglich „Upgrades“ des Vorgängers auf den Markt zu werfen. Dazu kommt öfter der Ruf nach der „Ubisoft-Formel“, die auf die ähnlichen Ideen in verschiedenen Ubisoft-Titeln anspielt. Bereits am Tag der ersten Präsentation von Far Cry Primal in Köln scherzte ich darüber mit einem Marketingleiter der französischen Software-Schmiede. Mich persönlich stört es auch nicht, dass einige Elemente der Ubisoft-Spiele fröhlich untereinander gemischt werden. Doch wie schlägt sich das neueste Werk der Egoshooter-Reihe denn nun wirklich? Wir begleiteten den Helden des Spiels Takkar auf seinem großen Abenteuer und plagten uns mit Mammuts, Säbelzahntigern und Kannibalen herum. Ob die Höhlenmenschen das Feuer in uns entfachten oder gar das Rad neu erfinden, lest ihr in unserem prähistorischen Test.

Oros – Land der Träume

Screenshot_Far_Cry_Primal_06Far Cry Primal fackelt gar nicht lange herum und schickt euch mit einer Handvoll Stammesangehöriger der friedlebenden Wenja gleich zu Beginn des Spiels auf Mammutjagd. Durch eine überraschende Wendung seid ihr jedoch recht bald auf euch alleine gestellt und trefft auf die adrette Wenja-Femme-Fatale Sayla, die euch durch ein Höhlensystem ins Land Oros führt. Oros war das ursprüngliche Reiseziel von Takkar und seinen Freunden, da es dort reichlich Platz zum Leben geben soll. Dieser Platz wurde jedoch primär von den Stämmen der Udam und Izila gewaltsam für sich beansprucht. Den Wenja bleibt nur die Rolle des unterdrückten Underdogs, die überall in kleineren Gruppen ums Überleben kämpfen. Takkar will dieses Schicksal nicht akzeptieren und schwört Sayla, die Wenja zu vereinen und die Kannibalen der Udam und dem Stamm der Izila wieder aus Oros zu vertreiben.

Werdet Bürgermeister von Wenja-City

Screenshot_Far_Cry_Primal_05Doch alleine ist dieses Unterfangen zum Scheitern verurteilt. Deshalb ist es euer erstes Ziel die zahlreichen und ohne Heimat schutzlosen Wenja in euer Dorf zu führen. Auf eurer Karte bekommt ihr dazu reichlich Gelegenheit: Um euch herum tauchen regelmäßig verschiedene Events auf, die nach erfolgreichem Abschluss eure Einwohnerzahl erhöht. So könnt ihr Wenja-Angehörige bei einer Eskorte unterstützen, ihre kleinen Lager vor Angriffen der Udam schützen oder mit ihnen besonders große und angst einflößende Bestien jagen. Zum Dank schließen sich die Überlebenden eurer Gemeinschaft an und beziehen ein frisches Steinzeit-Domizil in eurer Siedlung.

Haustiere dressieren mal anders

Screenshot_Far_Cry_Primal_19Schon bald findet Takkar jedoch heraus, dass er mehr auf dem Kasten hat, als nur verstreute Nomaden für sein Dorf zu gewinnen. Nachdem ihr zum ersten Mal auf den Schamanen Tensay trefft, erlangt ihr die Fähigkeit, wilde Tiere zu zähmen. Diese unterstützen euch fortan tatkräftig im Kampf gegen die Menschenfressenden Udam. Mit eurer Eule spioniert ihr aus luftiger Höhe feindliche Lager aus. Euer Wolf zieht mit euch gemeinsam in den Kampf und Wildkatzen aller Art führen für euch lautlose Stealthkills aus. Eure lieben vierbeinigen Freunde nehmen dabei eine nicht unerhebliche Rolle des Gameplay ein und man fühlt sich schon irgendwie erhaben, wenn man die Gegend mit seinem Säbelzahntiger unsicher macht, auf dem man später sogar stilecht in die Schlacht reiten kann. Battlecat anyone?

Ihr seht den Wald vor lauter Skillbäumen nicht

Screenshot_Far_Cry_Primal_01Als nun gefeierter Bestienmeister gewinnt Takkar ordentlich an Einfluss und soll bald mehr große Persönlichkeiten mit entsprechendem Mehrwert für die Wenja finden und davon überzeugen, sich eurer Sache anzuschließen. Schon bald schließen sich eurer Gemeinde beispielsweise die taffe Jägerin Jayma, der Krieger Karoosh oder der witzige Werkzeugmeister Wogah an. Spielerisch erweitern diese speziellen Wenja-Charaktere eure lernbaren Talente im Skillbaum. Auch in Far Cry Primal erhaltet ihr für Missionen und Feindbekämpfung wieder reichlich Erfahrungspunkte, mit denen sich Takkar nach eurer bevorzugten Spielweise skillen lässt. So gibt es zahlreiche Themen wie Sammeln, Jagd, Kampf oder Überleben. In diesen Kategorien lassen sich dann jeweilige Fertigkeiten des Bereichs freischalten. So baut ihr aus einem Stück Zedernholz in absehbarer Zeit gleich vier Pfeile, statt nur einem oder erhaltet mehr Pflanzen bei der Ernte. Bei Far Cry Primal gibt es übrigens so viele Skillbäume wie in keinem anderen Far Cry zuvor.

Su wan, brashtar – Gute Jagd, mein Bruder

Screenshot_Far_Cry_Primal_07Apropos Pflanzen sammeln. Wie schon in den Vorgängern, kommt es besonders in der Steinzeit auf gutes Ressourcen-Management an. Für die Herstellung von Waffen und Heilungsmitteln, benötigt ihr allerhand Material, welches in ganz Oros verstreut zu finden ist und daher regelmäßig in eure Taschen wandern sollte. Zahlreiche verschiedene Pflanzengattungen, Hölzer und verschiedene Gesteine laden zum munteren Sammeln ein. Doch ihr sammelt die wichtigen und begehrten Rohstoffe nicht nur für euch selber. Die Wenja, die sich euch anschließen, haben ebenfalls Bedürfnisse und fordern frei nach Tine Wittler ein komfortables und schönes Heim für sich. Mit Hölzern, Schieferstein und Schilf baut ihr ihnen schicke Unterkünfte und schaltet dadurch wiederum neue Fertigkeiten, Waffen und Missionen frei. Die Häuser lassen sich im Laufe des Spiels zudem in mehreren Stufen ausbauen.

Die Far Cry-Formel

Screenshot_Far_Cry_Primal_12Die Basis-Elemente des Gameplay bleiben beim neuesten Far Cry-Titel weitestgehend unberührt. Statt mit Pistolen und Sturmgewehren macht ihr euch jetzt mit Keule und Bogen in Ego-Perspektive auf, um den Vormarsch der feindlichen Stämme zu stoppen. Dabei ist der Spielfluss wieder wunderbar unkompliziert und eure Aktionen gehen herrlich leichtgängig von der Hand. Ob das Zielen mit Pfeil und Bogen oder die brachialen Haudrauf-Hiebe mit eurer Keule – Alles funktioniert ohne Probleme. Natürlich findet ihr ansonsten weitere klassische Far Cry-Zutaten auch in der Steinzeit wieder. Schon bald lernt ihr die Herstellung von Splitter -und Giftbomben oder legt Fallen für Mensch und Tier aus und erklimmt Schluchten mit eurem Kletterhaken. Gelingt es Takkar, feindliche Lager von allen Wachen zu befreien, dient euch der eroberte Stützpunkt von da an auch in Primal als Schnellreiseziel. Die Wachen sind auch wieder in verschiedene Kategorien aufgeteilt und verfügen somit über unterschiedliche Fertigkeiten und Angriffsmuster. Bogenschützen beharken euch aus der Ferne, während die Keulen-schwingenden Nahkämpfer (auch in der Variante „schwer gepanzert“) nur stupide auf euch zuhalten.

Schick in die Steinzeit

Screenshot_Far_Cry_Primal_08Oros erstrahlt optisch in seiner ganzen Pracht und liefert euch tolle visuelle Momente der Großfauna im Spiel. Satte Farben prägen das Bild durch die saftig-grünen Wälder, die feuchten Taiga-Sümpfe und die verwinkelten Flussläufe mit ihren tollen Felsformationen. Überall grasen friedliche Pflanzenfresser wie Ziegen, Hirsche oder Wildschweine und schrecken auf, wenn sie Raubtiere entdecken oder ihr auf dem Weg zur nächsten Mission lauthals durch die Landschaft prescht. Soundtechnisch gibt es ebenfalls kein Grund, sich zu beklagen. Die Musikuntermalung passt jeweils zum Geschehen, sie begleitet euch dezent bei ruhigen Abschnitten und wird bedrohlich, wenn ihr stressige Situation bewältigen müsst. Die Musikrichtung selbst erinnert am ehesten vom Stil her an Klänge und Gesänge der Urvölker Afrikas. Zusätzlich hat es sich die Kreativ-Abteilung von Ubisoft nicht nehmen lassen, jedem der drei Stämme eine eigene Sprache zu verpassen. Dazu erfand ein eigenes Team aus Linguisten eine simple Grammatik mit ca. 40.000 Wörtern. Audiovisuell macht das Steinzeit-Abenteuer also einiges her und toppt den direkten Vorgänger damit noch einmal.

Fazit

Nach Erscheinen des Spiels am 23. Februar werden sicher wieder Kritiker aus ihren Höhlen kommen und sich beschweren, dass Far Cry Primal sich nicht genug von Teil 3 oder 4 unterscheidet. Far Cry Primal ist halt ein Far Cry in der Steinzeit, wer also eine Revolution bzw. ein anderes Spiel erwartet, wird hier nicht zufrieden gestellt. Wer sich jedoch von solchen, meiner Meinung nach, haltlosen Vorwürfen nicht beeinflussen lässt, den erwartet ein tolles und stimmiges Spielerlebnis. Besonders das Setting kommt einem einfach frisch und unverbraucht vor. Auch die Geschichte nimmt mit der Zeit Fahrt auf und offenbart die eine oder andere überraschende Wendung innerhalb der Welt um Oros. Beim Umfang bekommt man als Käufer die gewohnt spendable Ubisoft-Kost serviert. Befreit Außenposten (24), entdeckt zahlreiche unbekannte Orte, zähmt dutzende Tiere, absolviert allerhand Haupt –und Nebenmissionen oder sammelt fleißig Ressourcen und Erfahrungspunkte. Die Präsentation des Steinzeit-Spektakels kann sich darüber hinaus sehen und auch hören lassen. Freunde gepflegter First Person-Action mit Hang zum frischen Setting und vertrautem Gameplay werden mit Far Cry Primal sicher auf ihre Kosten kommen. Ab dem 23. Februar könnt ihr Far Cry Primal für eure Xbox One oder PlayStation 4 kaufen und Takkar und seine Wenja im Kampf gegen die Udam und die Izila unterstützen.

 

Far Cry Primal
86%Gesamtpunktzahl
Grafik/Präsentation86%
Gameplay86%
Spielspaß86%
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