Dragon Quest Heroes 2 im Test: Musou-Klassiker auf neuen Wegen

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Wem Musou gar nichts sagt, hat es entweder noch nie gespielt, es unbewusst gespielt oder gehört zu den wahren Fans da draußen, die sich für das Genre begeistern und Games wie Dynasty Warriors, Samurai Warriors oder das vor einigen Jahren aus dem Zelda Franchise geborene Hyrule Warriors in Freudentaumel versetzt. Musous, nach Muso benannt, eine Figur aus der Warrior Titelreihe der Entwickler Koei Tecmo, sind Massenprügler, in welchen der Spieler in einem weitläufigen Areal zugleich auf hunderte Gegner stößt und gleich eine 1-Mann-Armee mit überdimensionalen Kampffertigkeiten niederwalzt. Koei Tecmos Studio Omega Force liefert seit Jahrzehnten Nachschub für diese actiongeladene J-RPG-Reihe und hat nun mit Dragon Quest Heroes 2 den neuesten Ableger des Massen-Hack’n’Slays herausgebracht. Da es selbst für eingeschworene Gamer in den letzten Titeln an Innovationen gefehlt hat, ist die Hoffnung groß, dass Omega Force auf die Fans gehört hat und abseits bekannter Pfade Neues wagt.

RPG-Einerlei: Zwei Völker im Krieg

Während in Japan jedem Gamer die Dragon Quest Reihe ein Begriff ist und gleichauf Bekanntheit mit Final Fantasy genießt, gibt es hierzulande weniger Gamer, denen die Schlachtserie im gleichen Maße bekannt ist. Doch noch weniger als an den Titel können die meisten sich an die Story in den bereits erschienenen Titeln erinnern. Allein die Masse an Dragon Quest Games macht es schwierig, dran zu bleiben, zudem begünstigt die Open World Schlachtbank mit hunderten von Monstern, in denen oftmals kleine Storyfäden eingewoben werden, sodass man recht schnell Charaktere und deren Geschichte vergessen kann. Omega Force ist dem „Rollenspiel“ in den letzten Jahren mehr und mehr gerechter geworden. Die Erzählungen dienen nicht mehr allein nur als unsichtbarer Rahmen, um ein stilistisch hochwertiges Actionfeuerwerk zu starten. Ebenso erhalten die Charaktere mehr Substanz und im Laufe des Spiels eine Entwicklung, sodass mehr Verbundenheit zum Spieler entsteht als in früheren Titeln, in denen die Helden eher nur Schablonen für verschiedene Angriffsstile waren. Trotz der zu begrüßenden Entwicklung kann man auch im neuesten Teil der Serie nicht von einem narrativen Spannungserlebnis sprechen.

Gängige Rollenspielmuster begleiten einem auf den Heldenalltag: Ein tausendjähriger Frieden droht durch einen Krieg zweier Völker zu zerbrechen. Das alles kündet eine uralte Prophezeiung an, was wiederum eine Heldentruppe bestehend aus allen Nationen nicht auf sich sitzen lässt, diese zieht los, um das letztendlich zu verhindern. Ein Geschwisterpaar namens Teresa und Lazarel, die sich beide in der Ausbildung zum Krieger befinden, werden Zeuge der ersten Kämpfe und landen mitten im kampfgeschwängerten Abenteuer. Kurz darauf schließt sich ihnen die rothaarige Kriegsaxt-Amazone Desmodera an, die als Gesandte des Königreichs Arcadia versucht, die anderen Königreiche zu einer friedlichen Lösung zu bewegen. Doch dies, welch Überraschung, gestaltet sich schwieriger als gedacht. Die Rahmenhandlung ist sicher nicht preisverdächtig, doch nutzt das J-RPG diese als Grundlage, um viele teils spaßige und spannende Quests zu integrieren. Besonderes Schmankerl bieten dabei die durch animierten Zwischensequenzen eingeleiteten Episoden, die zumeist vor und nach Ende eines Schlachtfeldes mit einem größeren Endgegner eingeblendet werden, aber auch stets mitten im Spiel die Story vorantreiben. Diese Anime-Filmschnipsel, in der wir auch Einblicke in die verschiedenen Charaktere erhalten, beinhalten einen deutlichen Atmosphären-Bonus und können Fanherzen des Genres sicher begeistern. Fraglich erscheint dennoch, ob diese Filmchen die zum Teil eintönige Erzählweise im Spiel ausgleichen können, die nur über unvertonte Dialoge erfolgt. Da der Spieler zudem von Schlachtfeld zu Schlachtfeld geworfen wird und sich im stetig gleichen Massenkampfmodus befindet, der mit einem Endgegner abschließt, kann es schnell geschehen, dass man im ständigen Rummel die Story aus den Augen verliert.

Ausgereiftes Kampfsystem

Man sollte jedoch mit Bedacht wegen fehlender Story-Qualität meckern, schließlich ist dies nicht das Herzstück des Spiels sowie allgemein bei allen Musou-Games. Es ist das Kampfsystem. Und die Faustregel ist da: Einfach zu handhaben, schwer zu meistern. Dies wiederum ist oft ein gutes Zeichen für ausgewogenes Balancing. Aufgrund dessen, dass Omega Force in der Hinsicht mit ihren Titeln Jahrzehnte Erfahrung hat, ist man, was das Gameplay angeht, auf der sicheren Seite. Zwei Angriffe besitzt der Spieler, einen schwachen und einen starken, die sich je nach Tastenfolge zu intensiven und effektreichen Kombos zusammenstellen lassen. Neben einer Blockfunktion, Sprung und Seitwärtsrolle ist es das auch schon mit Bewegungsmöglichkeiten gewesen. Beim Aufleveln schaltet man Skills und Fertigkeiten frei, die auf die Buttons gelegt werden können. Und natürlich gibt es auch die Spezialangriffe, ein typisches Kennzeichen für Musou-Games. Hat man ordentlich durch Gegnerhorden geschnetzelt und den Hitbalken aufgeladen, besitzt der Held im sogenannten „Hochspannungs-Modus“ erst einmal eine kurze Zeitspanne Energie und Unverwundbarkeit, ehe er in der Lage ist, mit einem vernichtenden, zumeist flächendeckenden Superangriff alles niederzumähen.

Wahre taktische Vielfalt erfährt das Spiel neben der entsprechenden Skillung von Fertigkeiten und Aufrüsten von Gegenständen in der Angriffsmethodik der einzelnen Teamkameraden, zu denen man jederzeit überspringen kann. Unter 15 Gefährten kann man wählen und ein jeder hat seine Vor- und Nachteile, natürlich spielen hier auch persönliche Präferenzen eine Rolle. Grundsätzlich kann jedoch zwischen rollenspiel-typischen Klassen unterschieden werden: Schneller Zweihandschwertkämpfer ohne Schutz, ein eher langsamer Tank mit riesiger Axt, der Supporter alias Heiler oder die Einschwert-Einschildvariante. Diese Klassenkombo steht dem Spieler beispielsweise zu Beginn des Spiels zu Verfügung. Im weiteren Spielverlauf kommen jedoch sowohl Fernkämpfer als auch Zauberer dazu, was der Vielfalt kaum Grenzen setzt. Im Zuge des ansteigenden Schwierigkeitsgrades ist es auch nötig, seine Heldentruppe, ihre Fähigkeiten und die Kombinationen zu verfeinern, um erfolgreich zu sein. Wem das alles noch zu wenig ist, der kann später auch die Berufung seines Helden ändern, was dazu führt, dass Teresa oder Lazarel zukünftig als Magier, Dieb oder auch als Martial Artist auftreten können. Hier zeigt Dragon Quest Heroes 2 seine Stärken, das Austüfteln und Experimentieren mit den Charakteren und ihren Fähigkeiten, um verschiedene Ideen im Kampf auszuprobieren, gehört mit zum Highlight des Spiels. Als Bonus obendrein kommen die Monster-Medaillen dazu, die eine weitere strategische Komponente bedeuten. Fast alle der getöteten Monster lassen eine Münze zurück, die wir benutzen können, um dieses heraufzubeschwören oder selbst für eine kurze Zeitspanne zu dem einstigen Unhold zu werden. Da die Monster mächtige Gesellen sind, ist es eine taktisch kluge Entscheidung gute Münzen beispielsweise für Bosskämpfe aufzubewahren.

Und dennoch beschleicht einem das Gefühl, ob das ausgeklügelte Kampfsystem ausreichen kann, um das Spiel auf Dauer spannend zu halten. Leider wird aus der Vorahnung nach einigen Spielstunden mehr schnell Gewissheit. Die Missionen versuchen zwar Abwechslung zu suggerieren mit verschiedenen Vorgaben, doch letztlich geht es immer ums Grinden. Omega Force ist erkennbar bemüht, mit spannungsversprechender Kulisse, den frech-fröhlichen Zwischensequenzen sowie stets neuen Gegenden und Monstern das Gefühl zu erzeugen, für Abwechslung zu sorgen und so auch genre-fremde Spieler zu gewinnen. Das mag mitunter funktionieren, doch letztlich werden diejenigen, die Musou-Games mögen, hier eh ihre Freude finden und Spieler, denen das Monster-Dauerkloppen schnell eintönig wird, nach kurzer Zeit andere Beschäftigung suchen.

Schön animiertes Action-Feuerwerk

Grafik-Fetischisten könnten bei Dragon Quest Heroes 2 durchaus die Meinung vertreten, dass das Game im Vergleich aktueller Titel altbacken aussieht; und dass obwohl man zur Verteidigung anbringen kann, dass das Spiel seinen eigenen Anime-Stil verfolgt. Dieser ist jedoch maßgeblich und verleiht dem Spiel mit seinem kunterbunten Ambiente sein eigenes Erkennungsmerkmal. Zumal es durchaus einmal angenehm sein kann, ein Spiel zu spielen, dessen Frame-Rate bei den großen Arealen und Massenschlachten nicht gleich in den Keller geht, sondern im Gegenteil, ständig flüssiges Spielen garantiert. Allerdings kann dies auch daran liegen, dass die großen Gebiete stellenweise zu eintönig sind und man ihnen ihre Baukasten-Erstellung anmerkt. Für Landschaftsbetrachungen hat man jedoch eh keine Zeit. Die Kämpfe der Vier-Helden-Gruppe füllen den Bildschirm dermaßen aus, dass man schnell den Überblick verlieren kann. Wenn dazu noch Spezialangriffe, Feuerexplosionen und Weiteres auf einem Flecken stattfinden, kann es vorkommen, dass man einfach Button Mashing betreibt, in der Gewissheit schon irgendein Monster zu treffen. Erwischt man aber einen guten Moment und erkennt einen der exzellent in Szene gesetzten Angriffe, allen voran Spezialangriffe, erweisen sich diese schon als Augenweide.  Soundtechnisch runden die Samples und Melodien das Geschehen sehr gut ab, wer auf die japanische Sprachausgabe verzichten möchte, erhält eine wirklich erstklassig vertonte englische Version. Dank deutscher Untertitel ist es möglich beide Sprachausgaben zu hören, die Übersetzung der Dialoge als auch Waffen, Monster und Münzen ist ebenso sehr gut gelungen.

Ein Musou-Spieler kommt selten allein

Was Mehrspieler angeht, glänzt Dragon Quest Heroes 2 auf voller Linie. Mit bis zu vier Freunden kann man in die Schlacht ziehen, diese sind bequem und schnell online zu finden. Allerdings geht dies leider nur in bestimmten Situationen oder wenn man sich in die Arenen begibt, in welcher man sich der Prügelei hingeben kann. Netterweise kann man die Einstellung so konfigurieren, dass sie nur auf die eigenen Freunde beschränkt bleibt oder die Arena gleich per Passwort schützt. Hilfreich ist das Einladen von Spielern in Story-Missionen, insofern man mal etwas Schwierigkeiten bei einem Endgegner hat, da findet sich schnell ein erfahrener Kollege oder eine Kollegin, die einem aushelfen. Schnell wird klar, dass die taktische Vielfalt des Kampfsystems im Koop-Modus erst richtig zur Geltung kommt. Rollenverteilung und Planung sowie Kombinationen von Angriffen machen Spaß und führen auch zum entsprechenden Ergebnis. Es dauert nicht lange, da kommt ein Diablo-Flow auf, mit seinen Freunden oder online gefundenen Kameraden nach einem abgeschlossenem Areal, das nächste und übernächste anzugehen.

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Dragon Quest Heroes 2
PRÄSENTATION (GRAFIK, SOUND) 82%
GAMEPLAY 88%
ATMOSPHÄRE/STORY 72%
SPIELSPASS 85%
MULTIPLAYER 88%
83%
Readers Rating 0%
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Omega Force aus dem Hause Koei Tecmo hat mit ihrem neuesten Musou-Ableger einen Vorteil, den vielen Entwicklern fehlt: Erfahrung. Diese spürt man durchgehend, wenn man sich an Dragon Quest Heroes 2 wagt, einer Reihe, die mit diesem Titel auch ihren 30. Geburtstag feiert. Das Konzept Musou, Massenschlachten auf weitläufigen Arealen mit steigenden Hit-Counter, der sich in einer Super-Attacke entlädt, funktioniert immer noch, erzeugt Flow und lässt einen vom Spiel gefangen nehmen. Das Kampfsystem mit all seinen taktischen Möglichkeiten der Verfeinerung seiner Helden lädt zum Experimentieren ein, ist ausbalanciert und kann einem schnell schlaflose Nächte bereiten. Obwohl man sicher kein Story-Wunder erwarten darf, wagt sich Omega Force durchaus hervor und beweist, dass sie ihre Massenkämpfe mit quirlig-lebendigen Anime-Szenen und Storyhäppchen verfeinern können. Wem das reicht, wird glücklich sein, wer mehr Abwechslung sucht, wird auf Dauer jedoch enttäuscht werden. Denn Dragon Quest Heroes 2 setzt bewusst auf seine Action-Stärken, wer hier mehr ein Witcher oder Skyrim sucht, der ist fehl am Platze. Aber auch Musou-Liebhaber kann nach dem schönen Glanz der ersten Stunden beim eintönigen Leveldesign und gleicher Monsterhatz die Frage aufkommen, ob das schon alles gewesen ist. Herausstechen kann das Spiel im Multiplayer, hier kommt das Musou vollends zur Geltung, da gemeinsames Monster metzeln immer noch eine Spur mehr Vergnügen bereitet, als alleine in Klickorgien zu verfallen.

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About The Author

Passionierter Gamer seit ich mich erinnern kann. Angefangen hat die Videospiel-Reise mit NES und Gameboy, seither der Gameswelt verfallen und bis heute alle Genres auf verschiedensten Plattformen ausprobiert. Affinität zu allen neuen Technologien und Gaming-Innovationen. Beschäftigt sich mit Games auch auf wissenschaftlicher Basis (Game Studies), hält Vorträge, macht Tagungen und arbeitet in einem Mobile Games Unternehmen.

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