Manchmal ist es ganz gut, Dinge mit etwas Abstand zu analysieren. Zumindest mir ging das mit dem PS5 Reveal Event so. Schließlich werden einige Dinge selbst jetzt noch fleißig diskutiert, während andere irgendwie noch gar keine Rolle spielen. Die eine oder andere Website war sogar schon schnell dabei, die PlayStation 5 direkt mal zum Gewinner der Generation zu erklären. Auch wenn ich fest davon ausgehe, dass sich Sonys Konsole wieder mal besser verkaufen wird, für solche Thesen reicht es mir noch lange nicht. Im Gegenteil, rückblickend lässt Sonys Event sogar sehr viele Fragen auf.

Kein Klotz aber ein Klotz

Nein, Sony hat sich beim Design deutlich weniger am klassischen 4×2 LEGO Stein orientiert als Microsoft. Wobei an der Stelle der Einwurf erlaubt sei, MS‘ unauffälliges Design gefällt mir persönlich deutlich besser. Sony geht da deutlich auffälliger vor. Dazu kommt bei der Variante mit Laufwerk der seltsame Discdrive-Bauch. Das wirkt optisch eher wie ein unfreiwilliges Anhängsel.

Die PS5 wird dafür allerdings auch riesig. Mit kolportierten 40cm Breite, 10cm Höhe und 22cm Tiefe, wenn die Konsole liegt natürlich, würde ich sie zwar noch in meinem Lowboard untergebracht bekommen, wäre mir aber nicht sicher, wie gut der Airflow dann zu den Seiten hin noch ist. So oder so, wer die Series X vorher fleißig mit Desktop PC’s verglichen hat, weil sie ja so groß sei, der muss von den PS5 Ausmaßen fast schon geschockt sein. Dafür darf man dieses Mal allerdings wirklich auf eine leise Konsole hoffen. Schließlich verweist Sony bereits darauf, dass das Gehäusekonzept sich auch aus der Kühlung ergibt. Es könnte also ziemlich spannend werden, welche Konsole nun die leisere ist.

Davon ab fällt beim Zubehör vor allem auf, dass es eine neue Kamera gibt, VR aber erstmal fehlt. An der Stelle frage ich mich aktuell vor allem, ob PSVR nun zur neuen Konsole kompatibel ist oder nicht. PSVR2, das ja schon seit Monaten als Gerücht gehandelt wird, war aber auch nirgends zu sehen. Genau genommen fehlt aktuell jedes Zeichen von VR. Dabei war es bisher gerade PSVR, das Virtual Reality Gaming mainstreamtauglich gemacht hat. Allerdings ist gut denkbar, dass Sony hier in den nächsten Monaten noch etwas zeigen wird.

Alles was zählt: Die Spiele

Eines vorweg, es gab schon einige Sachen zu sehen, die mich begeistern konnten. Wenn der folgende Abschnitt also zu negativ erscheinen sollte, dann liegt das nicht an mangelnder Begeisterung. Und trotzdem folgt direkt das große Aber: Wann kommen die echten Exklusivtitel eigentlich? Dazu muss man natürlich auch bedenken, dass Corona und die Folgen auf absehbare Zeit Spuren in den Release-Kalendern hinterlassen werden. Allerdings waren selbst grobe Termine Mangelware. Das kann natürlich zweierlei heißen. Einerseits ist man womöglich einfach unsicher, ob Spiele rechtzeitig fertig werden. Andererseits sind Titel vielleicht noch sehr weit weg. Meine persönliche Vermutung wäre schlicht und ergreifend, beides ist der Fall.

Meine einzige echte Enttäuschung war dabei, abseits vom GTA V Einstieg, Gran Turismo 7. Zumindest optisch. Sah der erste Teil des Trailers noch richtig schick aus, samt erstklassiger Replay Szenen, kann das Ingame Material in der zweiten Trailerhälfte mich einfach nicht wirklich beeindrucken. Es sieht schon alles gut aus, setzt sich aber nicht wirklich von Rennsims ab, die man aktuell am PC spielen kann und zeigt auch mehr LoD Sprünge, als andere Titel. Vielleicht liegt die persönliche Enttäuschung auch daran, dass GT früher für mich auch immer ein Technikhighlight war. Gerade GT3 war in den ersten Jahren einer der PS2 Showcase Titel schlechthin. Immerhin könnte Gran Turismo 7 allerdings auch sehr früh kommen. Und vielleicht liegt der Detailgrad ja auch an einer höheren Bildrate als bisher. Denn Polyphony Chef Kazunori Yamauchi hatte bereits vor Monaten Interesse an höheren Bildraten geäußert.

Ratchet & Clank: Rift Apart scheint sowas wie der perfekte Demotitel für die schnelle SSD zu sein. Schneller Weltenwechsel auf der Stelle, eine Optik, die auch aus einem Animationsfilm stammen könnte, viel besser kann es für Fans der Reihe wohl nicht kommen. Nur ein Releasedatum könnte es noch weiter versüßen.

Dummerweise schlagen Demon’s Souls Remake und Horizon Zero Dawn 2: Forbidden West 2 in die gleiche Kerbe. Dabei sieht letzteres schlicht fantastsisch aus und mit Demon’s Souls hat Sony eines der heißesten Remake-Eisen überhaupt im Feuer. Immerhin weiß man von Horizon Zero Dawn 2 nun, dass ein 2021er Release angepeilt ist.

Sind Sonys Studios vielleicht noch nicht so weit? Das ist natürlich eine steile These. Zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten schon weniger. Denn außer Spider-Man: Miles Morales, das anscheinend ein Standalone Add On zu Sonys sehr gutem Spider-Man Game ist, scheint vieles doch noch ziemlich weit weg zu sein. Die Frage ist womöglich auch eher, ist das so verwunderlich?

Viele Sony Studios sind noch gar nicht so lange frei. Santa Monica hat God of War vor gerade mal zwei Jahren abgeliefert. Naughty Dog war quasi bis gerade eben mit The Last of Us beschäftigt. Obendrein müssen die Entwickler auch an neuen Engines und passenden Tools für die neuen Hardware arbeiten. So gesehen wäre es also gut denkbar, dass die meisten Exklusivspiele noch geraume Zeit brauchen werden.

Ironischerweise spricht dafür auch die Menge der Timed Console Exclusives. Längst nicht jedes davon ist so ein strittiger Fall wie Little Devil Inside. Im Gegenteil, Entwickler von Titeln wie Kena: Bridge of Spirits können von zeitlichen Exklusivdeals sogar profitieren. So ganz nebenbei war das für mich übrigens einer der interessantesten Titel des Events und ich frage mich, wie die PS4 Fassung da am Ende aussehen wird. Aber zurück zum Thema, mit den zeitexklusiven Titeln, die praktisch alle diesen Winter kommen sollen, könnte Sony gerade Lücken bei echten Exklusivtiteln auffüllen. So ganz nebenbei konnte Sony sich für die erste Vorstellung auch die interessanteren Multiplattform Spiele reservieren. Resident Evil VIII oder Pragmata waren doch eine Ecke interessanter als Cutscenes zum nächsten Assassins Creed.

Es wird gerade erst interessant

Klar, was die Umsetzung des Reveals angeht hat Sony seine Hausaufgaben gemacht. Microsoft hat da in den nächsten Wochen einiges an Nachholbedarf. Gleichzeitig bleiben noch viele Fragen offen. Ob der Preis beispielsweise am Ende wirklich die 499,-€ aus dem französischen Amazon Leak sind oder die neuen Konsolen vielleicht sogar teurer werden, was nun wirklich an (exklusiven) Spielen zum Release kommt und wie es auf absehbare Zeit dann weitergeht, all die Fragen und viele mehr sind immer noch offen. Dabei finde ich die neue Generation bisher um einiges spannender als seinerzeit PS4 und One.