Letzte Woche hat uns Sony nach langem warten endlich einen ersten Blick auf das gewährt, was wir von der kommenden PlayStation 5 erwarten können. Die Konsole selbst und allerhand Spiele waren darunter. Für das größte Aufhorchen hat bei mir allerdings ein Indiespiel mit dem wohlklingenden Namen Little Devil Inside gesorgt. Irgendwie kam mir das Spiel direkt bekannt vor, besonders der Grafikstil war unverkennbar. Das war doch dieses Spiel, welches ich vor fünf Jahren bei Kickstarter unterstützt habe? Wofür ich mich extra bei der Plattform angemeldet hatte? Ja, ist es.

Mai 2015: Eine Kickstarter Story

Damals war Kickstarter für mich noch relativ neu. Es gab schon einige Erfolgsgeschichten, die mich neugierig gemacht haben und so habe ich mich mal durch den Katalog geklickt auf der Suche nach etwas passenden für mich. Vielleicht ist ja auch für mich etwas dabei, was ich unterstützen kann. Relativ schnell bin ich dabei auf Little Devil Inside gestoßen, was mich besonders durch den unverkennbaren und irgendwie ganz niedlichen minimalistischen Grafikstil begeistern konnte. Da das Spiel neben Steam und der PlayStation 4 auch für die Xbox One erscheinen sollte, waren die 27 australischen Dollar schnell investiert. Ich wollte das Spiel ja auch spielen, wenn die Kickstarter Kampagne erfolgreich ist. Eine PlayStation 4 hatte ich zu dem Zeitpunkt nicht und einen Spiele-PC ebenso wenig. Der Release für die Xbox One war für meine Entscheidung also ausschlaggebend.

Die Kampagne war letztendlich ein Erfolg und statt den anvisierten 250.000 AU$, kamen ganze 305.000 AU$ zusammen. Sogar das Stretch Goal für die WiiU wurde erreicht. Das Geld wurde eingezogen und jetzt begann das Warten auf das Spiel. Anfangs gaben die Entwickler noch regelmäßig Updates zum Entwicklungsstand, was aber auch nach und nach weniger wurde. Anvisiert wurde damals, dass die Unterstützer im Juni 2016 ihr Spiel bekommen. Dass das nicht zu halten war, war mir allerdings relativ schnell klar.

Als es dann aber sehr ruhig um das Spiel wurde und die Monate und Jahre ins Land zogen, begannen die ersten Backer kritisch nachzufragen. Auch Updates von den Entwicklern waren absolut Mangelware. Im Jahr 2018 gab es bei Kickstarter beispielsweise nur ein einziges. Auch auf der Facebook-Seite zum Spiel war es ähnlich ruhig. Ich hatte mich von meinem Geld schon verabschiedet und habe nicht mehr daran geglaubt, jemals ein fertiges Spiel zu erhalten. Immerhin geht man dieses Risiko bei Kickstarter immer ein, denn die Ersteller der jeweiligen Kampagnen sind nicht dazu verpflichtet am Ende ein fertiges Produkt zu liefern.

Mai – Dezember 2019: Ein Lichtblick

Mitte 2019 gab es dann doch einen Lichtblick, lebt das Projekt tatsächlich noch? Die erbosten Kommentare der Unterstützer häuften sich bis zum Himmel und fast ein Jahr nach dem letzten Update, gab es tatsächlich ein Lebenszeichen. Es war eine Entschuldigung, viele schwierige Entscheidungen mussten während der Entwicklung getroffen werden, aber das Projekt sei nun wieder zum Rollen gekommen. Nun gut, dachte ich. Das Geld ist schon so lange weg, ob da jetzt was bei rumkommt oder nicht ist auch egal. Vielleicht wird es ja doch noch was.

Die Updates wurden auch wieder häufiger und die Entwickler bestätigten, dass aus der WiiU eine Nintendo Switch Version werden wird. Alles andere wäre ja auch quatsch gewesen und vielleicht Wechsel ich dann einfach auf die Switch Version, denn von der Optik passt es hervorragend auf die Konsole und ich verbringe eh viel Zeit im Zug. Wie praktisch.

Die Zeit verging, es kamen tatsächlich ein paar Updates, wo neue Bestandteile des Spiels in Form von Screenshots, GIFs oder Trailern gezeigt wurden. Sah toll aus, ich hatte wieder Hoffnung, dass ich das Spiel irgendwann spielen werde.

Juni 2020: Zeitexklusiv für die PlayStation 5

Als das Spiel dann plötzlich in dem Konsolen Reveal für die PlayStation 5 auftauchte, war ich doch sehr überrascht. Das Spiel hatte eine bewegte Geschichte hinter sich und ich war mittlerweile einfach froh, dass es überhaupt noch lebt. Es war zwischenzeitlich mausetot. Nach mehr als fünf Jahren warten, Unterstützer der ersten Stunde, wird mir jetzt aus dem Nichts vor den Latz geknallt, dass ich noch länger zu warten habe. Sofern ich mir keine PlayStation 5 kaufe. Das Spiel ist zeitexklusiv für Sonys neue Konsole, wie lange ist allerdings nicht bekannt. Vermutlich mindestens ein halbes Jahr, eher ein ganzes. Immerhin werden Xbox One und auch die Nintendo Switch auf der offiziellen Seite weiterhin als Plattform genannt. Eine PlayStation 4 wäre zwar auch möglich, aber die habe ich mittlerweile nicht mehr.

Nach der langen Zeit und der katastrophalen Kommunikation seitens der Entwickler gegenüber der Unterstützer auf Kickstarter, setzt der Deal mit Sony dem Ganzen die Krone auf. Es sei ihnen gegönnt, vielleicht wäre ohne diesen Deal das Spiel tatsächlich vor dem Ende gewesen. Aber dennoch fühlt es sich so an, als wenn mir damals mit falschen Versprechungen das Geld aus der Tasche gezogen worden wäre. Diese Unzufriedenheit, die jetzt auch wieder vermehrt auf Kickstarter zu lesen ist, wäre leicht zu vermeiden gewesen.

Ich klammere mich jetzt einfach an den Strohhalm, dass das Spiel doch noch für die Xbox oder Nintendo Switch kommt, denn genau wie vor fünf Jahren finde ich das Spiel immer noch wunderschön und der neue Trailer während des PlayStation 5 Reveal macht, trotz des Ärgers, trotzdem Lust auf mehr. Ich freue mich drauf, auf irgendwann. Eventuell spiele ich es doch zuerst auf dem PC, denn mittlerweile habe ich auch einen für Spiele geeigneten Rechner zuhause stehen.