Minecraft: Story Mode – Episode 5 im Test

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Mit dem fünften Teil erfüllt Telltale Games nun seinen zu Beginn angekündigten Soll des 25 Euro kostenden Hauptspiels. Da die Geschichte, die bereits mit der ersten Episode Einzug hielt, bereits zum Ende der vierten Episode abgehandelt war, konnte man nur spekulieren, was den Spieler im fünften und somit letzten im Kaufpreis enthaltenen Episodenteil des Storymodes erwartet. Lediglich die Info, dass es sich dabei um eine weitere Geschichte rund um Jesse und seine (bzw. ihre, wenn ihr mit einem weiblichen Charakter spielt) Freunde handelt, wurde enthüllt. Damit hat man den Nagel definitiv auf den Kopf getroffen. Wie üblich möchte ich auch hier vorwarnen, dass der folgende Abschnitt natürlich Storyspoiler beinhaltet. Wer sich auf keinen Fall etwas vorwegnehmen möchte, der sollte unter „Gewohnte Spielmechanik“ weiterlesen.

Die Story im Überblick

Minecraft Storymode Ep04 im Test für GamingNerd.net_05Wem bereits die ersten vier Teile des Storymodes gefallen haben, der wird auch beim fünften auf seine Kosten kommen. Das Intro zeigt den „neuen Orden des Steins“, namentlich Jesse, Axel, Olivia und Petra, allesamt bis an die Zähne bewaffnet, wie sie einen tief im Dschungel liegenden Tempel infiltrieren, der von Kreaturen umzingelt ist. In gewohnter Quicktime-Manier bahnen wir unseren Weg durch Zombies und können dabei immer auf die Mithilfe der restlichen Teammitglieder vertrauen. Im Tempelinneren folgt auch schon das erste kleine Rätsel in Form von Wandhebeln, die in der richtigen Reihenfolge gedrückt werden müssen. Telltale bleibt der bisherigen Linie treu und hält den Storymode weiterhin kindgerecht – mit den fragwürdigen Ausnahmen in der zweiten Episode, deren Sinnhaftigkeit mir bis heute negativ aufstößt.

Nach einem kleinen Exkurs durch den Tempel kehrt die Gruppe mit den erbeuteten Schätzen in die Stadt zurück, wo die Einwohner sie bereits feiernd erwarten. Scheinbar ist es zum Alltag geworden, dass die vier Freunde auf Beutestreifzug in der Wildnis gehen und in der Stadt dafür verehrt werden. Dieses Verhalten bringt jedoch auch Neider mit sich. Wer erinnert sich noch an Lukas und seine Ozelots Minecraft Storymode Ep04 im Test für GamingNerd.net_09aus der ersten Episode? Auch Lukas ist seitdem ein gern gesehener Geselle der Gruppe geworden, seine anderen Ozelot-Anhänger hingegen haben sich abgekapselt und führen in der fünften Episode mehr als nur einen Kleinkrieg gegen uns. Wie sich herausstellt, sind sie nun unsere Hauptantagonisten, die durch Einschüchterung und Diebstahl versuchen, an unsere hart erbeuteten Schätze des Tempels zu gelangen.

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Auch Ivor, der eigentliche Bösewicht der ersten vier Episoden, ist wieder mit von der Partie. Wie sich zuvor herausstellte, ist er zwar ein durchaus komischer Kauz, jedoch nicht bösartig, lediglich „mißverstanden“. Somit wohnt auch er mittlerweile in der Stadt und fällt den Einwohnern nur noch durch die eher fragwürdige Bauweise seines Unterschlupfs auf. Er ist es jedoch, der dem neuen Orden des Steins den Standpunkt des Dschungeltempels offenbarte. Einer Sage nach sollte dort der Schlüssel zur „Ever-Source“, der unerschöpflichen Quelle allen Lebens verborgen sein. Tatsächlich begeben sich Jesse, Petra, Lukas und Ivor zurück zum Tempel und betreten gemeinsam ein gut verstecktes Portal. Auf der anderen Seite befindet sich eine große, schwebende Stadt, womit wieder einmal ein gewisses Stil-Element aus dem eigentlichen Minecraft aufgegriffen wird, die sogenannten „Floating Islands“. Die Bewohner dieser phantastischen Inselstadt sind davon überzeugt, dass man ins Nichts, das sogenannte „Void“ (ebenfalls aus Minecraft entliehen, ein „ungültiger“ Bereich unterhalb der Spielwelt) fällt und tatsächlich blickt man nur ins Leere, wenn man über den Rand nach unten schaut.

Minecraft Storymode Ep04 im Test für GamingNerd.net_14Weil auf dieser schwebenden Insel Rohstoffe Mangelware sind, hat die Regierung ein striktes Bauverbot erteilt. Ressourcen werden knapp bemessen verteilt und Bauvorhaben müssen im Vorfeld beantragt und bewilligt werden. Alles wird von Wachen kontrolliert und das Wissen über „Crafting“ scheint unter allen Einwohnern lediglich rudimentär vorhanden zu sein. All das hängt mehr oder weniger direkt mit der Ever-Source zusammen, welche im Inneren des Palasts gehütet wird. Ein Wettrennen mit den Ozelots beginnt, die sich jedoch bereits zusammen mit der Erbauerin und Oberhäuptin der Stadt, Mila, gegen uns verschworen haben.

Gewohnte Spielmechanik

Wie bereits erwähnt, bedient sich auch der fünfte Teil des Minecraft Story Modes wieder bekannter Elemente, die zum Beispiel die Multiple Choice-Antworten oder aber Quicktime-Events beinhalten. Kleinere Rätseleien und das sorgfältige Untersuchen der Umgebung gehören ebenfalls zum guten Ton. Auch ein wenig Crafting ist wieder mit von der Partie und – entschuldigt den Ausdruck – selbst der vielen Spielern aus Minecraft sicherlich bekannte „Kackstift aus Erde“ kommt zum Einsatz, der mir persönlich doch ein deutliches Schmunzeln abgewinnen konnte. Die Parallelen zwischen dem eigentlichen Minecraft und dem Storymode bleiben aber weiterhin eher subtil, womit man auch für den fünften Teil keinesfalls den eigentlichen geistigen Urvater kennen muss. Es bleiben zwei grundverschiedene Spiele, die lediglich im selben Spiele-Universum angesiedelt sind.

Minecraft Storymode Ep04 im Test für GamingNerd.net_17Grafisch bietet die fünfte Episode einen guten Mix aus düsteren Gewölben, Gewitterfeeling, saftig-grünen und sonnenreichen Biomen sowie der im strahlenden Glanze erscheinenden schwebenden Stadt. Auch, wenn es gerade in letzterer im Verlauf der Episode heiß hergehen wird, so wirkt diese Episode auf mich weitestgehend fröhlich und hübsch gestaltet – ganz im Gegensatz zur zweiten Episode, die hauptsächlich grau-braun und trist wirkte. Tonal gibt es nichts neues zu berichten. Der Story Mode bleibt weiterhin durchweg gut synchronisiert, die Charaktere wirken glaubhaft und haben ihre gewohnten Stimmen. Musikalisch kommen bekannte Stücke aus den Vorgängern zum Einsatz und sind stets passend zum Spielgeschehen platziert, was das Feeling positiv untermalt.

Drei weitere Episoden in Planung

Auch diese Info ließ Telltale Games bereits vor einiger Zeit durchsickern. Unklar ist weiterhin, was jede einzelne Episode kosten wird. Wenn man die aktuelle Preisgestaltung als Grundlage heranzieht, kommt man auf 5 Euro pro Episode, denn neben der ursprünglich erschienenen Disc-Version des Spiels existiert nun auch ein komplett digitaler Download, der alle acht Teile beinhalten soll und mit 40 Euro zu Buche schlägt. Somit entstehen 15 Euro Differenz für die fehlenden drei Episoden. Unklar ist auch, ob die drei fehlenden Episoden einzeln oder als 3er-Pack und somit eventuell noch vergünstigt für Besitzer des Hauptspiels erscheinen werden. Das Ende der fünften Episode ist jedoch offen gehalten und macht mich durchaus neugierig, wie Telltale die Geschichte weiterführen wird. Normalerweise bin ich – mit Ausnahme des 1993 erschienenen Day of the Tentacle (unser Test der Remastered-Version auf der PS4)- kein allzu großer Fan von Adventure-Spielen. Auch die Tatsache, dass ich ein großer Minecraft-Fan bin, sorgt nicht zwingend dafür, dass ich so sehr Gefallen am Story-Mode gefunden habe. Die Geschichte ist hübsch erzählt und die Freunde rund um Jesse muss man einfach liebhaben. Selten findet man heute noch eine so hübsche Aufmachung im kindgerechten Gewand, das durchaus auch in der Lage ist, Erwachsene bei Laune zu halten.

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Minecraft: Story Mode
Präsentation (Grafik, Sound) 85%
Gameplay 78%
Atmosphäre/Story 82%
Spielspaß 80%
81%
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Telltale hat sein Soll erfüllt und alle fünf Episoden des Minecraft Story Modes veröffentlicht. Eher beiläufig haben sie im Laufe der Entwicklung erwähnt, dass noch drei weitere Episoden erscheinen werden, die auch schon im Ingame-Menü auftauchen, aber selbstverständlich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht erschienen sind. Dieses Fazit richtet sich somit an die ersten fünf Teile des Spiels. Mit den vielen Höhen und im Großen und Ganzen doch eher kleineren Tiefen hat es Telltale geschafft, eine kindgerechte und schön erzählte Geschichte im Minecraft-Universum zu verpacken, das optisch sowie auch akustisch keine wirklichen Punkte zur Kritik bietet. Die Story geht auf und ab, hält den Spieler aber durchweg bei Laune und bietet in diesem Umfang zwischen 6-7 Stunden Spielzeit, womit auch die 25 Euro gut bemessen sind, mehr dürfte es hierfür nicht sein. Die Tatsache, dass man als männlicher, sowie auch wahlweise als weiblicher Hauptcharakter spielen und im Laufe des Spiels verschiedene Entscheidungen treffen kann, hebt den Wiederspielwert durchaus an. Ob der optionale Erwerb der fehlenden und noch erscheinenden drei Episoden gerechtfertigt ist, das muss jeder Interessent für sich selbst abwägen. Die Tatsache, dass die fünfte Episode mit einem offenen Ende daherkommt, zwingt einen nahezu schon zum Kauf, was ein schlauer Schachzug von Telltale Games ist. Davon abgesehen ist mir eine etwas umfangreichere Geschichte verteilt auf mehrere Episoden aber lieber, als womöglich noch zusammenhanglose Kurzgeschichten. Ich bin jedenfalls gespannt, wie's weiter gehen wird.

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About The Author

Ob Konsole oder PC - solange es Spaß macht, darf das Spiel gern über meinen Bildschirm flimmern. Seit 1989, als mein Vater seinen C64 bekam, bin ich aus der digitalen Spielwelt nicht mehr wegzudenken. Mein Spezialgebiet sind dabei hauptsächlich Retro-Spiele und die zugehörige Hardware. Neben Videospielen höre ich leidenschaftlich gern Musik.

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