Viele schöne und aufregende Erlebnisse mit Videospielen lassen sich nur schwer wiedererleben. Das liegt zum einen an der sich immer weiterentwickelnden Spielelandschaft in Sachen wie Technik und Gameplay, aber auch an dem Wissens- und Erfahrungsschatz der im Laufe einer Zockerkarriere bei jedem von uns Nerds anwächst. So erinnere ich mich beispielsweise gerne an endlos lange Pro Evo – Saisons mit Freunden zurück oder welch inszenatorische Faszination ein Metal Gear Solid anno 1998 in mir auslöste. Doch wie das bei vielen Spielen so ist, verfliegt der Zauber mit den Jahren. Ein Pro Evolution Soccer oder Fifa aus den frühen 2000er Jahren würde im Vergleich zu aktuellen Produkten auf so gut wie allen Ebenen kein Land mehr sehen und Metal Gear Solid hat mir vor Kurzem nochmal vor Augen geführt, dass die Steuerung unter heutigen Gesichtspunkten mit „hakelig“ noch wohlwollend umschrieben wäre.

Es gibt allerdings auch Spiele welche sich standhaft gegen den Wandel der Zeit stellen und selbst heute noch für freudige Spieleabende sorgen. Eins dieser Spiele ist für mich Soul Calibur 2 aus dem Jahre 2003. Dieser Titel aus dem Hause Namco hat vor allem im Versus-Modus für lange Zockerabende vor dem Fernseher gesorgt und als Multiplayer-Titel für eine Fluchdichte unter meinen Freunden wie ich sie sonst nur von Mario Kart oder aktuellen Fußballsimulationen kenne. Für viele Fans der Reihe stellt dieser Teil, trotz seiner Nachfolger und stetig technischer und grafischer Verbesserungen, den besten Teil des 3D-Prüglers dar. Nun, fast sieben Jahre nach dem 5. Teil, wollen es die Entwickler von Namco Bandai nochmal wissen und schicken ihr einstiges Prügelflagschiff (neben Tekken) in den Ring. Ob das Spiel rund um die magische Klinge Soul Edge mit aktuellen Prügelspielen wie Street Fighter 5 oder Injustice 2 mithalten kann, erfahrt ihr im folgenden Test.

Spannende Geschichten in langweiliger Verpackung

Wem eine gute Geschichte in Beat-em up’s wichtig ist, wird sich über die Tatsache freuen, dass Soul Calibur 6 neben dem klassischen Arcade-Modus gleich zwei Story-Modi aufweist.

In der Seelen Chronik folgen wir den Geschichten rund um die namensgebende Seelenklinge mit allen Charakteren des Spiels. Das Besondere an diesem Modus: Wir können die Zeit- bzw. Storylines der einzelnen Spielfiguren jederzeit wechseln. Sollten wir also mal keine Lust mehr darauf haben, die tragische Geschichte des stockschwingenden Kiliks zu folgen, können wir uns einer anderen Geschichte zuwenden und zum Beispiel herausfinden, was der Meister des Samurai Schwerts Mitsurugi so treibt. Die Zeitlinien deuten dabei an, wann die einzelnen Ereignisse stattfinden und wann es zu Überschneidungen der Charaktere kommt. Das sorgt für Abwechslung im Gameplay, da sich die einzelnen Charaktere gewohnt serientypisch sehr von einander Unterscheiden und die einzelnen Storylines teilweise auch durchaus spannend sind. Leider kann die Präsentation diese, für Beat-em up-Verhältnisse interessante Geschichte, nicht durchgehend rüberbringen. Denn alle Geschichten werden zum größten Teil in starren und meist sehr trist-langweiligen Erzählsequenzen dargestellt. Selbst der ein oder andere Kampf wird lediglich in Textform präsentiert, was in einem Prügelspiel schon für die eine oder andere Verwunderung sorgt. Immerhin hat man sich hier die Mühe gemacht alle Dialoge komplett zu vertonen.

Ähnlich verhält es sich auch mit dem Mission Modus. Hier spielt man mit einem eigens erstellten Charakter die Geschichte „Waage der Seelen“. Wir erkunden auf einer Weltkarte verschiedene Orte, folgen Wegen oder starten Expeditionen, welche allerdings Gold kosten. Überall lauern Gefahren, kämpfe bringen Erfahrungspunkte ein, womit wir unsere Lebensleiste verlängern können oder Gold verdienen, um uns bessere Ausrüstung zu kaufen. Wir können sogar Gespräche führen und in bester RPG-Manier Entscheidungen fällen, welche den weiteren Verlauf der Geschichte beeinflussen.

Das klingt alles sehr spannend und abwechslungsreich, was es tatsächlich auch ist, jedoch hat es mich oft eine gewisse Überwindung gekostet, mich voll auf den Mission Modus einzulassen, was in der Seelenchronik auch an der drögen Präsentation liegt. Nicht mal die Textpassagen sind hier vertont und auch die etwas detailarme Oberfläche so wie die schnell wiederkehrenden Kampfarenen tragen nicht gerade zu der eigentlich gut erzählten Geschichte bei. Es ist in etwa so, als müsste man einen Großteil des Martial Arts-Klassikers „Der Mann mit der Todeskralle“ als Roman beziehungsweise Actionfilme wie „Ip Man“ als Hörbuch konsumieren. Hier zeigt ein Injustice 2 mit toll inszenierten Sequenzen zwischen den Kämpfen wie eine temporeiche und gut inszenierte Story in einem Beat em up aussehen sollte.

Entscheidend ist im Ring

Auch wenn Soul Calibur zu den ältesten 3D-Prüglern der Videospielgeschichte zählt, so hat sich die Grundmechanik in all den Jahren kaum geändert. Es gibt die Aktionen vertikaler Angriff, horizontaler Angriff, Block und Tritt. Durch Bewegung in den Raum, zum Gegner zu oder weg, ergeben sich durch die 3 Angriffsmöglichkeiten eine Vielzahl verschiedener Stich- und Schlagmanöver. Die Kombination zweier Tasten wie beispielsweise Tritt und Block für einen Wurf runden das oberflächlich simple aber in der Tiefe sehr ausgeklügelte Grundsystem hervorragend ab. Entscheidend ist hierbei natürlich auch die Wahl des Kämpfers. Große Kämpfer wie Astaroth profitieren von einer langen Reichweite ihrer Waffen und hohen Schaden durch ihre Schläge, sind aber aufgrund ihrer eingeschränkten Agilität anfällig für schnelle Tritt- und Schlagkombos auf kurzer Distanz. Mitsurugi verfügt über sehr schnelle und verheerende Katanakombos auf mittlerer Distanz während die pfeilschnelle Taki erst eine gewisse Distanz überbrücken muss, um dann ihre Gegner mit einem Hagel aus Schlägen und Tritten einzudecken.

Über die Serienteile hinweg fügten sich noch eine Reihe von Sondermechaniken hinzu, die dem Gameplay die letzte nötige Würze verliehen.  Neben den bereits bekannten Soul Charge oder dem Critical Edge findet sich im sechsten Teil mit dem Reversal-Edge-System eine neue Mechanik. Löst man diese Aktion aus, findet im Prinzip ein Papier-Schere-Stein-Spiel auf Zeit zwischen den Kontrahenten statt. Man kann sich zwischen einem Horizontal- Vertikal- oder Tritt-Angriff entscheiden, wobei je eine gewählte Aktion die andere besiegt oder im Falle derselben Entscheidung neutralisiert. Eine auf jeden Fall bereichernde Funktion, die den ohnehin schon schweißtreibenden Kämpfen gerade in Multiplayer-Matches für ein Höchstmaß an Spannung sorgt.

Zweischneidige Technik und gewohnt scharfe Kurven

Auf Technischer Seite kann Soul Calibur trotz der potenten Unreal-Engine nicht auf ganzer Linie überzeugen. Viele der Charaktere wirken oft wie „Plastikfiguren“ und auch die Arenen sehen oft etwas karg und lieblos aus. Dafür überzeugen die butterweichen Animationen und auch die Spielgeschwindigkeit hat im Vergleich zu den etwas behäbigeren Teilen 4 und 5 wieder deutlich an Zug gewonnen, was dem Gameplay merklich gut tut.

Der geneigte Fan wird sich auch wieder über die weiblichen Charaktere freuen, die in teils sehr freizügigen Anzügen in den Ring steigen. Dank des obligatorischen Armour Break können wir den Kontrahenten auch wieder Rüstungsteile abschlagen, die vor allem bei Frauen zusätzlich reizvolle An- und Einblicke in ihre Dessous-Kollektion erhaschen lassen. Eine zumindest fragwürdige Designentscheidung die zumindest mir nun doch etwas ausgelutscht und zu voyeuristisch wirkt.

Um aber mit etwas Positiven abzuschließen: Als serientypischer Gastcharakter finden wir unter den 18 wählbaren Kämpfern und Kämpferinnen keinen geringeren, als den Helden der Witcher-Reihe Gerald von Riva. Dieser fügt sich sogar überraschend gut in die Storymissionen ein und überzeugt auch im Ring auf ganzer Linie ohne dabei jedoch übermächtig zu sein.

Fazit

Der sechste Teil der Soul Calibur-Reihe konnte mich in den wichtigen Punkten Gameplay und Spielmechanik vollends überzeugen. Die Steuerung präsentiert sich gewohnt intuitiv, das Kampfsystem ist leicht zu erlernen und bietet gleichzeitig eine Vielfalt und Abwechslung in den Matches, wie ich es von einem guten Beat em up erwarten würde. Schade, dass die Entwickler von Project Soul bei der Präsentation und Optik so viel Potential lieblos verschenken. Ein gut inszenierter Story-Modus und etwas mehr Feinschliff bei Optik der Figuren und Arenen und ich wäre sicherlich geneigt noch mehr Zeit als Solist mit Soul Calibur 6 zu verbringen. Es bleiben die herausragenden und spannenden Duelle gegen menschliche Gegner die dieses Prügelspiel zu etwas besonderen machen.

Soul Calibur 6
Tolle SpielmechanikGutes Balancing aller KämpferUmfangreiche Story- und Multiplayermodi
Langweilige Präsentation der StoryOptik überzeugt nicht immerFragwürdige Darstellung der weiblichen Charaktere
84%Gesamtpunktzahl
Präsentation/Grafik77%
Story/Atmosphäre 79%
Gameplay90%
Spielspaß86%
Multiplayer89%
Leser Bewertung 0 Stimmen
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