Bayonetta 2 im Test – Hexen im Doppelpack

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Dante oder Bayonetta? Für Fans von ‘Stylish Hard Action‘ Hack & Slays dürfte eines von Hideki Kamiyas geistigen Kindern ziemlich sicher auf dem Genrethron sitzen. Während die Dante-Fraktion sich erstmal nur auf ein erneutes HD-Remaster der PlayStation 2 Trilogie freuen darf, bekommt Bayonetta auf der Switch beides; einen dritten Teil und die Umsetzung der ersten beiden Episoden. Lohnt sich der Neukauf für Hexen-Fans oder wartet man besser auf den guten, alten Dante?

Witch on a Switch

Da Kollege Christoph Bayonetta 2 seinerzeit bereits ausführlich getestet hatte fällt unser Test dieses Mal leicht anders aus als gewohnt. Spannender ist dieses Mal wohl, wie Platinum Games die beiden Spiele auf die Switch gezaubert haben. Die erste, kleine Hiobsbotschaft vorweg, wer das Modul kauft muss Bayonetta trotzdem runterladen, wenn er es spielen will. Auf der Cartridge findet tatsächlich nur der zweite Teil des Hexen-Abenteuers Platz.  Der Serieneinstand verlangt zwar immerhin ‚nur‘ nach 8,5GB Speicherplatz, dennoch wäre es schöner gewesen, beide Titel auf dem Modul zu haben.

Unbedingt gezockt haben muss man Teil eins wegen der Story nicht, rein spielerisch macht man damit jedoch nichts falsch. Serienfans streiten sowieso schon seit langem, welcher Teil eigentlich der bessere ist, aber dazu später mehr.

Habt ihr einen der beiden Teile bereits früher gespielt, fallen die kurzen Ladezeiten sofort auf. Selten wartet man länger als fünf Sekunden, der Muspelheim Challengeroom in Bayonetta 2 ist sogar nach etwa zwei Sekunden geladen. Die optionale Touchscreen Steuerung der Wii U Versionen findet sich auf der Switch ebenfalls wieder. Auch wenn die traditionelle Controllereingabe hier um Längen besser und responsiver ist, Bayonetta ist per Touchsteuerung überraschend spielbar.

Diffiziler ist da der Unterschied zwischen Handheld, respektive Joycons und Pro Controller. Gut kontrollierbar ist unsere Hexe in allen drei Varianten. Ich habe sogar einen großen Teil der Zeit im Handheldmodus gespielt. Die schnellen Kombos und Ausweichmanöver profitieren aber definitiv vom Pro Controller, mit dem sich Bayonetta noch mal etwas runder gibt.

Eher subtil sind grafische Verbesserungen. Die Auflösung bleibt auch auf dem TV bei 720p. Mangels Anti Aliasing kommt es hier auch immer wieder zu Treppchenbildung. Schade, denn von 1080p oder zumindest 900p hätten beide Spiele profitieren können. Immerhin, im Handheld Modus bleibt es dafür auch bei 720p, die Optik wirkt hier gleich knackiger.

Gerade im TV-Modus profitieren Texturfilterung, Schatten und verschiedene Effekte von der Mehrleistung der Switch. Die Unterschiede sind oft subtil, gerade im direkten Vergleich aber bemerkbar. Gerade manche höher aufgelösten Texturen zeigen Details, die man auf Wii U nie so richtig erkennen konnte. Man sollte hier allerdings nicht zu viel erwarten, die Differenzen sind so gering, dass sie in komprimierten Videos völlig untergehen  und am ehesten im direkten Vergleich auffallen. In der obligatorischen Action geht das wohl ohnehin unter.

Hier ist die Bildrate entscheidend. Und genau hier kann die Switch definitiv punkten. Bereits im Handheld Modus laufen beide Titel ziemlich rund. Am ehesten kommt die Bildrate hier noch beim zweiten Teil aus dem Tritt. Die Performance ist aber praktisch durch die Bank besser als auf Wii U.

Im TV-Modus können beide Titel noch mal zulegen. Gefühlt läuft Bayonetta hier besser als auf einer Standard Xbox One und deutlich besser als auf 360 und Wii U, obendrein, wie bei der Abwärtskompatiblität der One, ohne Tearing. Bayonetta 2 hält seine 60fps wohl auch im TV-Modus nicht so ganz, kann hier aber trotzdem noch mal zulegen und fühlt sich insgesamt sehr rund an.

Unterm Strich gibt es auf Switch die beste Bayonetta 2 Version. Etwas schwieriger ist es beim ersten Teil. Hier liegt die Switch definitiv über Xbox 360 und Wii U und auf einem ähnlichen Level wie die Xbox One im abwärtskompatiblen Modus. Auf der Xbox One X dürfte Bayonetta sich am Ende aber noch etwas besser spielen.

Guns, Gore, Grind

Wer sich bisher so gar nicht mit Bayonetta beschäftigt hat, der will vielleicht wissen, worum es hier eigentlich geht. Trotz relativ interessanter und ziemlich abgedrehter Charaktere ist die Story oft chaotisch erzählt. Das Adjektiv verwirrend wollen wir hier einfach mal nicht in den Mund nehmen. Bayonetta startet nach einem kurzen Prolog Gemetzel damit, dass wir als Nonne verkleidet Dämonenkumpel Rodin auferstehen lassen wollen, der gerade im Sarg auf dem Friedhof rumgammelt. Die himmlischen Scharen, unsere gar nicht netten Gegenspieler, sind davon nicht unbedingt begeistert und würden unser Vorhaben gerne verhindern. Mangels Kompetenz sind die ersten Gegner aber noch flugs erledigt. Ziemlich schnell wird klar, Himmel und Hölle sind in Bewegung, es taucht eine mysteriöse Fremde mit Hexenkräften auf die uns kennt und überhaupt geht es ziemlich drunter und drüber.

Die Fortsetzung ist nicht weniger chaotisch, knüpft aber an die Geschehnisse aus Teil eins an und erweitert unter anderem Bayonettas Familienhintergrund mehr oder weniger sinnvoll. Möchtegernmafioso Enzo und spätestens in Bayonetta 2 unser chronischer Verfolger Luka sorgen dabei für Comic Relief in klassischer Form. Wirklich ernst nehmen lässt sich aber eigentlich nichts. Dafür ist Bayonetta einfach viel zu sehr over the top.

Auf spielerischer Seite gibt es vor allem geradlinige, kombolastige Action. Rätsel treten eher in den Hintergrund und sind, wenn sie überhaupt mal vorkommen, eher minimalistisch und simpel. Serienfans streiten gerne darüber, welcher Teil denn nun der bessere sei. Nach erneutem Spielen würde ich hier tatsächlich zur Fortsetzung tendieren. Die hat auch so ihre Negativpunkte. Sie ist zum Beispiel schneller durch, hat mit Loki ein nerviges, pseudocooles Kiddie als wichtigen Nebencharakter und fühlt sich oft leichter an. Was vielleicht mit ein Grund für die kürzere Spieldauer ist.

Es gibt aber auch viele Pluspunkte. Etwa weniger Backtracking, in sich stimmigeres Balancing des Schwierigkeitsgrades und abwechslungsreichere Schauplätze. Ein ganz elementarer Punkt ist aber auch das vielschichtigere Waffen-Arsenal, durch das sich unterschiedliche Waffensets sehr abwechslungsreich spielen können. Eher eine nette Dreingabe ist der Koop Modus, der jetzt auch mit zwei Switch im lokalen Netzwerk gespielt werden kann und nicht nur Online. Hier kann man nach wie vor nur bestimmte Passagen wie Bossfights miteinander spielen, leider nicht das ganze Spiel.

Hot or not?

Wer hat längere Beine als Barbie? Genau, Bayonetta. Daran ändert sich auch weiterhin nix. Das heißt aber auch, dass man besonders dem ersten Teil sein Alter einfach ansieht mittlerweile. Von aktuellen Titeln ist Bayonettas Optik ein gutes Stück entfernt. Es ist sicher kein hässliches Spiel, aber auch kein besonders schickes mehr. Im direkten Vergleich legt die Fortsetzung schon ein gutes Stück drauf. Der Unterschied ist aber sicher nicht gigantisch. Bayonetta 3 darf hier gerne noch mal zulegen. Trotzdem ist Bayonetta 2 das sichtbar hübschere Spiel. Etwas schade ist in beiden Fällen, dass man die Gelegenheit ungenutzt gelassen hat, die schwächsten und matschigsten Texturen auszutauschen. Etwas schwach wirkt auch, dass in beiden Spielen gut die Hälfte der Zwischensequenzen nur in Standbildern gezeigt wird.

Soundseitig machen beide Teile nach wie vor eine gute Figur. Auch wenn die Musik wahrscheinlich nicht jedem gefallen wird. Soundeffekte und Sprecher passen dafür wie der Pistolenabsatz aufs Auge.

Klassische Hack & Slays sind in der aktuellen Generation immer noch vergleichsweise Mangelware. Die Switch hat mit dem Bayonetta Doppelpack zumindest schon mal ein erstes Highlight. Xbox One und PlayStation 4 Spieler dürfen sich dafür im März auf die Devil May Cry HD Collection freuen. Und seien wir an der Stelle mal ehrlich, der weniger abgrehte und nicht so überzogene Dante wird es im Mainstream einfacher haben. Trotzdem gehört das Bayonetta Doppelpack immer noch zu den Genrehighlights. Wenn es auch was schräger sein darf, schlagt zu.

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Bayonetta 2
Präsentation (Grafik, Sound) 85%
Gameplay 89%
Atmosphäre/Story 86%
Spielspaß 88%
87%
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Ihr stört euch nich an oversexter Heldin mit gefühlt zwei Meter langen Beinen, schrägen Figuren und manchmal etwas abstruser Story? Ihr mögt Hack & Slays und ganz besonders Stylish Hard Action? Dann schlagt zu. Bayonetta gehört hier spielerisch immer noch mit zu den besten im Genre. Falls ihr es mit eher schräg japanischen Spielen, sexuellen Anspielungen und dergleichen aber nicht so habt solltet ihr entweder erst Probe zocken oder Abstand halten. Für jeden ist Bayonetta auch weiterhin nicht geeignet.

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About The Author

1986, ein strahlender Sommer, ein Freund mit VCS, Schwarzweißfernseher, Space Invaders und Pacman. Seitdem lässt mich das Thema Telespiele nicht mehr los, egal ob Game Boy, Amiga, PlayStation, Xbox oder Wii U. Nicht mal vor dem PC hab ich halt gemacht. Einzig von Sportspielen lass ich generell die Finger.

2 Kommentare on "Bayonetta 2 im Test – Hexen im Doppelpack"

  1. Ich habe Bayonetta selbst noch nie gespielt und nur wenig darüber gelesen/gehört. Ich hab mir jetzt deinen Artikel komplett durchgelesen. Klar die Switch will ich immernoch haben aber muss man Bayonetta gespielt haben? Wie lange ist da ca. die Spielzeit?

    Gruß

    • Spielzeit liegt so bei 10 bis 12 Stunden – Wobei du halt dann nur die Story einmal gemacht hast (mit DLC).
      Wenn du alles machen und erleben willst, dann hängst du natürlich bedeutend länger dran. Aber das hängt ja auch sehr stark davon ab wie sehr einem das Spiel gefällt.

      Grundsätzlich kannst du Bayonetta 2 eigenständig spielen – Ich sehe es bei Spielen genauso wie bei Filmen – Es ist immer besser auch den Vorgänger zu spielen / gucken.
      Aber es funktioniert grundsätzlich (insbesondere durch das spannende Gameplay) auch so.

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