Star Trek: Frontiers – Galaktischer Brettspiele-Test

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Ein Wurmloch zu einem unbekannten Sektor des Weltraums wurde entdeckt. Die Vereinigte Föderation der Planeten und das Klingonische Reich entsenden ihre Forschungsschiffe und bauen Raumstationen. Als die Kommunikation zum Sektor abbricht, schicken die Föderation und die Klingonen ihre besten Captains, um herauszufinden, was passiert ist und die Kontrolle über den Sektor zurück zu erlangen: Captain Jean-Luc Picard auf der USS Enterprise D, Commander Benjamin Sisko auf der USS Defiant, General Martok auf der IKS Negh’Var und die Duras Schwestern Lursa und B’Etor mit ihrem Bird-of-Prey.

Übersicht

foto-star-trek-frontiers-03Star Trek: Frontiers von WizKids ist ein semi-kooperatives Strategie- und Deck-Building-Spiel für ein bis vier Spieler. Die Spielzeit beträgt, je nach Anzahl der Spieler und deren Erfahrungsgrad, zwei bis vier Stunden. Erschienen ist das Spiel im Juni 2016 und ist zur Zeit nur in englischer Sprache erhältlich. Es kostet ca. 80 €.

Das Spiel ist eine erweiterte und veränderte Neuauflage von Mage Knight 2011. Die Fantasy-Welt von Mage Knight wurde hier durch das Star Trek-Universum ersetzt.

Regeln

Das Regelwerk ist fürchterlich umfangreich: ein 20-seitiges Walkthrough-Heft, ein 24-seitiges Haupt-Regelheft und dazu ein Stapel an Regel-Referenzkarten. Das Walkthrough-Heft soll die Spieler durch das erste Spiel führen, macht dabei aber keinen sonderlich guten Job. Es ist immer noch sehr umfangreich, verweist öfter auf das Hauptregelwerk und man muss viel hin und her blättern. Oft sind die Informationen über beide Hefte verstreut.

Diese Art von Teilung der Regelwerke in ein Hauptregelwerk und ein Regelwerk für Einsteiger – meist mit einem speziellen Einsteigerszenario – ist mittlerweile sehr beliebt, hat man aber bei anderen Spielen schon besser gesehen (z. B. bei Legenden von Andor).

Wenn man es aber endlich durch das erste Spiel geschafft hat, erkennt man, wie elegant die Spielmechanismen im Grunde sind. Die Aktionen und Zusammenhänge sind stringent und ziehen sich durch das ganze Spiel, so dass einem die Abläufe schnell vertraut vorkommen. Auf allen Spielmaterialien finden sich hilfreiche Symbole, die einem erfahrenen Spieler schnell sagen, was Karten oder Token bewirken. Referenzkarten ermöglichen es einem mal eben schnell nachzuschauen, welches Spielereignis welches Setup erfordert, ohne gleich das Regelheft heranziehen zu müssen.

Aufbau

foto-star-trek-frontiers-06Jeder Spieler bekommt sein jeweiliges Raumschiff, einen Stapel an Aktionskarten und Skill Tokens für seinen Captain.

Der Spielplan besteht aus Hexagon-Raumfeldern, die zufällig ausgelegt und aufgedeckt werden, wenn die Raumschiffe tiefer in den Sektor vorstoßen. So sieht das Spielfeld von Spiel zu Spiel unterschiedlich aus. Auf den einzelnen Feldern können Planeten, feindliche Raumschiffe, freundliche und feindliche Raumstationen, Nebel oder Asteroidenfelder abgebildet sein. Die meisten davon sind bekannt aus Star Trek, z. B. romulanische Warbirds, Sternenbasen des Dominons und Borgkuben.

Das Spiel kommt mit zehn verschiedenen Szenarien, von denen manche kooperativ, manche kompetativ und manche solo gespielt werden können. Die Szenarien bestimmen neben der Anzahl der Spieler auch die Art und Anzahl der verwendeten Raumfelder und das Ziel des Spiels, z. B. den Borg-Kubus finden und zerstören, Forschungsstationen befreien oder die meisten Raumfelder besetzen.

Ablauf

Das gewählte Szenario gibt die Anzahl der zu spielenden Runden vor. Eine Runde endet, sobald ein Spieler sein Aktionskartendeck erschöpft hat. Bis dahin wechseln sich alle Spieler mit Zügen ab.

Pro Zug darf jeder Spieler sein Schiff bewegen und anschließend mit Objekten auf dem Spielfeld interagieren, etwa auf einer foto-star-trek-frontiers-08Raumstation neue Crew-Karten anwerben oder ein feindliches Raumschiff angreifen. Bewegung und Interaktionen erfolgen über Handkarten, Crew-Karten und Skill Tokens. Die Spielstärke der eingesetzten Karten kann durch die sogenannten Data Core Dice (die einzigen Würfel im Spiel) und Datenkristalle erhöht werden. Hier kommt es darauf an, die richtige Kombination aus Karten, Würfeln und Tokens einzusetzen, um die teils echt schwierigen Herausforderungen, die einem das Spiel stellt, zu bewältigen.

Durch erfolgreiches Bewältigen von Interaktionen lassen sich weitere Karten erwerben, die bessere Eigenschaften aufweisen als die anfänglichen Aktionskarten. So lässt sich das eigene Kartendeck spezialisieren (Deck Building) und ein eigener Spielstil entwickeln.

Das Spiel arbeitet mit einem Erfahrungspunktesystem. Die Spieler erhalten Erfahrungspunkte (z. B. für Entdecken von weiteren Weltraumfeldern, Zerstören von feindlichen Raumschiffen und Interaktion mit fremden Zivilsationen und Planeten) und können so in höhere Level aufsteigen. Höhere Level bringen wiederum bessere Karten, spezielle Fähigkeiten und eine höhere Handkartenanzahl.

Spielmaterial

Das Spielmaterial ist solide. Karten und Tokens haben eine ordentliche Dicke. Die Druckqualtität ist gut, die Bilder wirken aber oft etwas dunkel und teilweise sind Symbole sehr klein gedruckt, so dass sie schwer über das Spielfeld hinweg zu erkennen sind. Die Miniaturen sind okay; keine besonderen Hingucker, aber sehen nett auf dem Spielfeld aus.

Wenn Englisch ein Problem ist, sollte man von dem Spiel Abstand halten. Die Regeln sind komplex und die Spielkarten voller Text. Der Vertreiber des Spiels in Europa sagt, es gäbe im Moment keine Bestrebungen, das Spiel auf Deutsch heraus zu bringen.

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Star Trek: Frontiers
UMFANG 75%
Spielspaß 85%
Optik 70%
EINSTEIGERFREUNDLICH 40%
LANGZEITMOTIVATION 90%
72%
Readers Rating 60%
1 votes

Fazit Sebastian: Für Star Trek-Fans vorweg: Star Trek dient hier hauptsächlich als Namens- und Fotogeber. Die Spielmechanismen stehen eindeutig im Vordergrund und die Handlungen der Spieler sind von diesen getrieben und nicht von Hintergrund- oder Charaktermotivation. So wird es vom Spiel z. B. nicht bestraft, wenn ein Föderationsspieler friedliche Planeten angreift oder unprovoziert Sternenbasen zerstört, um sich einen spieltechnischen Vorteil zu verschaffen. Ein besonders atmosphärisches Spielerlebnis darf man von Star Trek: Frontiers nicht erwarten. Die Stärke des Spiels liegt für mich ganz klar in der Spielmechanik. Darüber zu grübeln und auszuprobieren, mit welcher ganz speziellen Kombination an Karten, Skills, Würfeln und Token man doch noch gerade so die teilweise echt happigen Herausforderung des Spiels bewältigen kann, macht mir einfach Spaß und sorgte schon für manchen triumphalen Spielmoment. Wer nach einem taktisch herausfordernden Spiel mit Weltraum/Star Trek-Flair sucht, ist hier genau richtig. Wenn man mehr auf Fluff, Story und Atmosphäre steht eher nicht. Der Kaufpreis ist hoch, dafür bietet das Spiel aber auch einiges an Umfang und besitzt einen hohen Wiederspielwert.

Fazit Lotte: Star Trek: Frontiers hat die erfreulichen Packmaße 36x25x8 cm und nimmt damit auch nicht mehr Platz weg als ein Paar rosa Stiefeletten. Spielfertig passt es ziemlich genau auf den Küchentisch, deswegen gab es nicht die üblichen Beschwerden darüber, dass wir keinen Acht-Personen-Esstisch haben – wie sonst, wenn ein neues Spiel im Haus ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Spielen mit Raumschiffminiaturen ist kein weiteres Material (wie z. B. selbsthergestellte Weltraumsimulationsunterlage oder „Asteroidenfelder“ aus Lavagestein) mehr erforderlich, gebastelt werden muss also nicht, die Wohnung bleibt weitestgehend unverwüstet. Ebenfalls erfreulich: Es handelt sich um ein komplettes Spiel, zu dem nichts mehr dazugekauft werden muss, von Zubehör oder Erweiterungssets ist mir jedenfalls zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichts bekannt. Auf der Minusseite: Das Spielmaterial kommt bereits ausgestanzt, die zusätzliche Stunde „Spaß“ des Präparierens und Sortierens fällt damit leider weg. Das ist sonst ein viel zelebrierter Höhepunkt der Spielvorbereitung und eine angenehme Pufferzone zwischen Besitzerstolz und erster Verzweiflung über das missverständliche Regelwerk – ein Zeitraum, der üblicherweise für eine Gesichtsmaske und eine Pediküre ausreicht. Auf der Plusseite: Das Spielmaterial kommt bereits ausgestanzt und passt daher auf alle Fälle in die dafür vorgesehene Box, das ermüdende Herumstehen in Baumärkten, während er nach Aufbewahrungsmöglichkeiten für Tokens, die sowieso nie vorkommen, sucht, fällt also weg. Zeit für mindestens eine Gesichtsmaske und eine Pediküre. Hurra.

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About The Author

Sebastian ist der Überzeugung, dass Erwachsensein in dem Moment beginnt, in dem man seinen Spielkonsum selbst finanzieren kann. Damit Lotte die PlayStation anbekommt, wenn er mal nicht da ist, hat er ihr ein Piktogramm an die Unterhaltungselektronik getackert. Wenn er da ist, benutzt er sie selber, während Lotte auf ihrem Handy Neko Atsume spielt. Sie sind seit 2008 befreundet und haben keinen Hamster.

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