Wenn Corona mir in einem Punkt besonders auf den Keks geht, dann ist es in sportlicher Hinsicht. In den letzten drei Jahren hab ich ziemlich viel dafür getan, wieder fit zu werden und dann zu bleiben. Im Frühjahrslockdown ging das alles in allem ganz gut, zuhause konnte man sich bei gutem Wetter besser ausweichen, draußen ging mehr und auch generell gab es da keine Probleme. Trotzdem hatte ich mir Fitness Boxing zum Auflockern meines Trainings im Angebot geholt. Einige Monate später sind wir nicht nur erneut im Lockdown, sportlich am Ball zu bleiben war für mich in den letzten zwei Monaten auch aus familiären Gründen schwerer, das Wetter ist sowieso Mist und überhaupt! Praktischerweise gibt es seit kurzem aber zumindest ein neues Fitness Boxing. Warum also nutzen wir die Gelegenheit nicht direkt, um etwas Bewegung zu bekommen und zu schauen, was sich verbessert hat?

Jab, Straight, Duck, Hook

Was erwartet einen eigentlich bei Fitness Boxing? Schließlich gibt es nicht mal einen Sandsack. Die Antwort kann man als rhythmisches Schattenboxen bezeichnen. Dabei halten wir in jeder Hand ein Joycon und unser/e virtuelle/r Trainer/in zeigt uns vor bunten Hintergründen, was zu tun ist. Wie bei anderen rhythmusbasierten Spielen sehen wir schon im Voraus, was wir machen werden müssen, wenn die jeweiligen Symbole auf den Timingmarker zuwandern. Den Anfang machen dabei Jab und Straight, also kurzer und langer gerader Schlag. Nach und nach wird das Repertoire dann um Hook, Uppercut, Ducken, Weaves (seitliches Ducken) und komplexere Kombinationen erweitert, sowie um Schritte vor und zurück. Für spätere Übungen braucht es also auch ein gutes Stück Platz, während man die Anfangsübungen alle auf der Stelle machen kann.

Jede Übung wird dabei erst als Links- und dann als Rechtsausleger absolviert. Mit dem primären Ziel der Fitness macht das natürlich ohnehin Sinn, da so auch gleichmäßig trainiert wird.

Sowohl im freien Training als auch beim Tagesworkout lässt sich die Geschwindigkeit wählen, wobei hohe Geschwindigkeit bei manchen Übungen wirklich schnelle Schlag- und Bewegungsfolgen verlangt. Beim Tagesworkout kann man auch eine Dauer von zehn, zwanzig, dreißig oder vierzig Minuten wählen. Dabei wird immer eine Reihe von Übungen absolviert. Nach und nach spielen wir natürlich weitere Übungen, aber auch Songs, Coupons für Traineroutfits und so weiter frei. Das gilt übrigens für freies Training wie für Tagesworkout gleichermaßen.

Davon ab gibt es einen launigen Zweispielermodus, bei dem sich dann die Mii-artigen Avatare der beiden Spieler beharken.

Bye Couch, Hi Coach

Wie schon im Vorgänger können wir mit einer Reihe von Trainern und Trainerinnen üben. Die meisten davon nerven auch tatsächlich nicht. Natürlich lassen die Klamotten der einzelnen Trainer wie auch die Haut- und Haarfarbe anpassen. Euer gewählter Coach gibt euch nicht nur die Übungen vor, er oder sie analysiert auch am Ende euer Training, spricht euch in manchen Menüs positiv zu und führt auch durch das Stretching. Anders als im Vorgänger gibt es hier auch ein langes Stretching, das mit einigen etwas anspruchsvolleren Übungen aufwartet. Die Anpassung auf euer persönliches Fitness Level ist dabei aber relativ rudimentär. Was dagegen Auswirkung hat sind Trainingsziele wie Vollkörper oder Arme. Denn beispielsweise die Beintechniken kommen entsprechend unterschiedlich zum Einsatz.

Wer beispielsweise Probleme mit dem Timing hat, der darf mit Teil zwei nun Anpassungen im Menü für Zeitfenster und andere Dinge vornehmen, bekommt aber unterm Strich das gleiche Programm vorgesetzt, wie fittere Personen.

Einige grundlegende Unterschiede bietet das überarbeitete HUD. Die Standposition zeigt uns nun auch den Rhythmus an, in dem wir uns vor- und zurückbewegen sowie Pausenmomente, in dem wir mit der Balance vorne oder hinten bleiben. Auch der neue Highscore könnte den einen oder anderen motivieren. Davon ab stechen vor allem die bunteren Hintergründe ins Auge.

Aber ich hab doch geschlagen

Ein grundlegendes Problem, das der Vorgänger bereits hatte, ist die Schlagerkennung. Denn die schein komplett über die Gyroskope der Joycons zu erfolgen und ist nicht gerade präzise. Den Unterschied zwischen Jab und Hook erkennt das Spiel nicht, im Prinzip reicht sogar Schütteln. Bei Weaves und vor allem wenn es zu den Schritten geht kann es auch schnell mal passieren, dass die Switch eure Bewegungsfolgen nur teilweise erkennt und ihr entsprechend viele Misses hab, obwohl ihr mindestens ok, wenn nicht perfekt scoren müsstet. Das ist bei Ring Fit Adventure zum Beispiel deutlich besser umgesetzt und von Spielen wie Power Beats VR oder Beat Saber ist Fitness Boxing beim Bewegungstracking ganz weit weg. Hier bleibt nur sich selbst gegenüber ehrlich zu sein und bei den Schritten die Joycons noch ein wenig zu schütteln oder fast schon vor und zurück zu springen.

Nicht schön aber fit

Auch wenn die Präsentation mit dem zweiten Teil weniger nüchtern daher kommt, technisch gibt sich Fitness Boxing 2 – Rhythm & Exercise immer noch eher schlicht. Die Trainer/innen können eher mit dem Comiclook punkten als mit feinen Details, die Hintergründe sind zwar netter geworden, könnten aber auch von einem Wii-Spiel stammen. Und ja, auch die Animationen sind gelegentlich etwas hölzern. Alles in allem klar geht die Musikauswahl. Die Handvoll für das Spiel erstellte Musikstücke sind eher langweilig, aber je mehr man aus der Songliste freispielt, desto mehr Lieder sollte man finden, die einen motivieren können. Dass die Arrangements für das Spiel angepasst sind und klanglisch praktisch nie auf dem Level der Originale sind lässt sich dabei gut verschmerzen.

Fazit:

Eines direkt vorweg, wenn man mit den Mängeln beim Bewegungstracking leben kann, dann ist Fitness Boxing 2 gar nicht verkehrt. Ringfit Adventure kommt sicher spielerischer daher, damit verglichen wirkt Rhythm & Exercise immer noch ähnlich trocken wie der Vorgänger. Trotzdem kann man hier mal eben sechs Minuten frei trainieren oder auch einfach mal ein halbstündiges Tagesworkout absolvieren und ja, mit der passenden Songauswahl kann das eben doch Spaß machen. Dank der vielen Detailverbesserungen sollte man als Neukäufer auch direkt zu Fitness Boxing 2 – Rhythm & Exercise greifen. Wie anstrengend das Training dann wird, das hängt nicht zuletzt von gewählter Dauer und Intensität ab.

Schwierig wird es, wenn ihr den Vorgänger schon habt. Euer Trainingsstand wird zum Beispiel nicht übernommen, ihr fangt also bei null an. Es gibt auch kaum neue Übungen, so dass primär die verbesserte Präsentation und die neue Songliste übrig bleiben. Und das reicht in meinen Augen einfach nicht, um von Fitness Boxing auf den Nachfolger zu wechseln. Mit beiden Spielen kann man, wenn man will, relativ ernsthaft trainieren. Auch wenn Fitness Boxing eher eine Trainingsergänzung darstellt, zumindest für sportlichere Menschen, kann es ganz sicher dabei helfen, wieder auf Trab zu kommen und fit zu bleiben. Und das gilt aktuell vermutlich noch mal besonders.

Fitness Boxing 2 Rhythm and Exercise
Gut für Zwischendurch geeignetÜbungsanspruch vernünftig einstellbarInsgesamt gelungener Musikmix
Ungenaue SchlagerkennungVisuell mäßig präsentiertWenige echte Neuerungen
73%Gesamtpunktzahl
Präsentation (Grafik, Sound)69%
Story, Atmosphäre65%
Gameplay75%
Multiplayer79%
Spielspaß75%
Leser Bewertung 0 Stimmen
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