Wenig überraschend, kaum hat Microsoft die Master Chief Collection für den PC angekündigt, da kommen die ersten Schwarzseher hervor, die mal wieder mindestens den Tod der Xbox weissagen, vielleicht aber auch gleich aller Konsolen. Gut, das letztere eher nicht, immerhin geht es um Microsoft und die sind bekanntlich etwas böser als die anderen Konsolenhersteller. Lassen wir das immer noch schlechte Image der Redmonder mal weg. Denn auch wenn der Xbox Hersteller sich immer mal wieder etwas dumm angestellt hat, die letzten Jahre gab es auf der Serviceseite so gar keinen Grund zur Kritik. Wie sehr sägt Microsoft wirklich an der Xbox? Wenn man überhaupt daran sägt.

Ein Markt im Umbruch

Mit Konsolen verdient man kein Geld. Das ist schon lange so. Gerade Xbox 360 und PlayStation 3 waren wegen der subventionierten Hardware sogar lange Verlustgeschäfte. Die aktuelle Generation war da vom Start weg anders ausgelegt, trotzdem war und ist sie nicht gewinnträchtig. Geld machen die Hersteller vor allem mit dem Verkauf von Spielen und mit Services wie PlayStation Network und Xbox Live. Gleichzeitig ist der Spielemarkt im Dauerwandel. Wenn man sich heute anschaut, wo global das meiste Geld gemacht wird, dann ist das nicht der klassische Vollpreismarkt. Selbst im spielerisch konservativen Deutschland werden laut GAME Jahresreport 45% des Umsatzes mit Abos, Mikrotransaktionen und DLCs gemacht. In weiten Teilen des asiatischen Marktes sind das sogar die Haupt-Umsatzbringer, mit Abstand.

Obendrein spielen deutlich mehr Deutsche am Smartphone als auf Konsolen. Reine Handhelds spielen sogar eine völlig untergeordnete Rolle. Auch hier gilt, anderswo sind die Unterschiede noch deutlich krasser. Dabei geht die Tendenz immer weiter in Richtung Smartphone und Co., was allerdings nicht mal daran liegt, dass Konsolen oder der PC wegsterben. Die klassischen Gamingplattformen stagnieren einfach. Von reinen Handhelds mal abgesehen, jene sind tatsächlich ziemlich tot.

Allerdings ändert sich auch nicht alles. Während man auf Smartphone und Tablet eigentlich nur mit In-App-Käufen Geld macht und der Markt viel stärker von Casualgamern durchsetzt ist, findet man die kaufkräftigen Coregamer gerade auf Konsolen und PC. Zumindest bisher. Denn gerade die jüngere Generation scheint sich immer weniger um Plattformen in Form von Hardware zu kümmern. Wer Fortnite spielt, will das womöglich auf iPhone, PlayStation 4 und Switch gleichermaßen. Oder einfach per Stream auf Fernseher und Tablet?

Harte Plattform, weiche Plattform

Streaming. Bei Musik mittlerweile längst Standard, bei Filmen aktuell groß im Kommen. Im Fall von Videospielen stört hier schon alleine jede Millisekunde Input Lag. Zumindest fast. Auch wenn es auf zehn Millisekunden mehr oder weniger in der Realität meist auch nicht so sehr ankommt, Spiele sind als aktive Anwendungen sehr viel kritischer gegenüber Lags als andere, passive Medien. Trotzdem kommen viele Nutzer mit Services wie PlayStation Now mittlerweile relativ gut klar. Natürlich arbeiten auch alle anderen an Streaming. In Japan kann man mittlerweile erste Spiele auf der Switch per Streaming zocken. Aber auch Google und Microsoft arbeiten an Game-Streaming. Was bleiben soll, ist die Software Plattform, das eigene Ökosystem. Und mit Blick auf den stagnierenden Konsolenmarkt kann damit, mehr noch als mit Xbox Spielen für den PC, der Markt nur größer werden. Gerade in Zeiten, in denen die klassischen Segmente nur noch stagnieren.

Die eigentliche Frage ist wohl eher, ob klassische Hardware, also unsere geliebten Konsolen, deswegen verschwinden. Auf absehbare Zeit wird das wohl erst einmal nicht der Fall sein. Ob nun rein aus technischen Gründen, weil die Infrastruktur für lag-armes, hochwertiges Streaming längst nicht überall existiert. Oder weil echte Hardware immer noch ein Premium Service ist, also garantiert lag-frei, mit bester Bild- und Tonqualität, als Markt für Sammler und so weiter. Gerade PlayStation 4 Pro und Xbox One X zeigen ja sogar, dass es auch für Konsolen einen Premium Markt gibt. Gleichzeitig zeigen PlayStation Now, Xbox Play Anywhere und natürlich auch Project xCloud ganz klar, dass es nach und nach weg geht von der Plattform in Hardwareform. Die Frage, ob das nun gut oder schlecht ist, die muss am Ende jeder für sich selbst beantworten.