Teure Grafikkarte hier, neuer Prozessor dort und immer mehr Arbeitsspeicher. Die Umkosten, die mit einem „aktuellen“ Spiele-PC einhergehen, trieben mich einst in die Konsolen-Welt. Immer höher, schneller, weiter. Wer im High-End-Bereich auf dem PC zocken möchte, muss regelmäßig Geld in die Hand nehmen und die entsprechenden Komponenten aufbessern. Den Investitionen sind dabei fast keine Grenzen gesetzt, insoweit man immer das Beste vom Besten bzw. das Neuste vom Neusten sein Eigen nennen möchte.

Da ich zu dieser Kategorie Mensch gehöre, kommt mir die technischen Einschränkung in der Hardware der aktuellen Konsolen-Generation sehr gelegen. Sie schonen nicht nur meinen Geldbeutel, sie vermeiden zudem den Frust, dass eines Tages ein neuer Top-Titel nicht auf meinem PC läuft oder zumindest nicht in der Auflösung, in der ich es gerne spielen würde. Natürlich können wir hier jede beliebige Master-Race Diskussion einfügen, nichtsdestotrotz bieten PlayStation 4 Pro und Xbox One X aktuell eine ansehnliche Grafik für einen annehmbaren Preis und schränken uns (bis auf Exklusivtitel) Spiele-technisch nicht ein.

Trotz meiner aktuellen Konsolen-Affinität habe ich das Interesse am PC-Gaming nie verloren. So nahm ich mit großen Interesse die Ankündigung der Blade Group wahr, mit Shadow einen Spiele-Streaming Dienst einzuführen. Einen ähnlichen Weg ist bereits Nvidia mit dem Nvidia Shield gegangen. Das in Frankreich ansässige Unternehmen bietet uns mit einem entsprechenden Abo den Zugriff auf einen virtuellen High-End-Gaming-PC, der alle aktuellen Spiele in hoher Grafik darstellen soll. Wir erhalten vollen Zugriff auf eine Windows 10 Plattform mit 256 GB (oder wahlweise 1 TB) Festplattenspeicher. Dort installieren wir, wie auf dem heimischen Rechner, via Steam, Origin und Co. unsere bereits erworbenen Spiele. Dies klappt dank Gigabit-Leitung in kürzester Zeit!

Auf Anfrage stellte uns die Blade Group einen Test-Account zur Verfügung. Natürlich musste als Stresstest der neueste Racing Play-Anywhere-Titel der Xbox One X Forza Horizon 4 herhalten. Nach einigen kurzen Anlaufschwierigkeiten mit den Windows Updates (der Shadow Support half hier innerhalb von 24 h) konnte der Titel in wenigen Minuten (ja Minuten!) heruntergeladen und installiert werden. Shadow empfiehlt übrigens eine Internetverbindung von mindestens 15 Mbit/s. Meine 400er-Leitung war daher ausreichend. Der angeschlossene Xbox One Controller wurde direkt ohne weitere Einstellung von meinem Shadow-Computer erkannt. Spiel gestartet und … halt, wieso ruckelt es? Sind die Grafikeinstellungen zu hoch? Lädt meine PlayStation 4 wieder Stabilitätsupdates? Nein, eine kurze Analyse der Verbindung zeigt, dass mein PC unangenehme Paket-Verluste hat, die sich durch ein Software-Update der Netzwerkkarte jedoch beheben ließen. Zwischenzeitlich habe ich Shadow auf dem Tablet gestartet. Ja ihr lest richtig, Shadow beschränkt sich nicht nur auf euren PC, sondern kann auch über iOS und Android-App aufgerufen werden. Für die Exoten steht zudem eine Umsetzung für Linux bevor. Der Zugriff per App klappt erstaunlich zügig und läuft fast ruckelfrei. Für Singleplayer-Titel eine echte Alternative für unterwegs oder die Couch. Am PC selbst lassen sich die Titel sehr gut spielen, wobei sich trotz guter Internetverbindung ab und zu Artefakte bilden, die einen dann doch wieder klar machen, dass man hier lediglich die Inhalte streamt und nicht auf seinen heimischen Rechner zugreift. Im Vergleich zur Xbox One X sieht Forza Horizon 4 auf dem 4K Monitor nochmal ein Stück schicker aus und läuft mit deutlich mehr als 60 FPS zudem deutlich runder.

Mit Counter-Strike Global Offensive habe ich zusätzlich einen Mehrspieler-Titel auf Shadow testen können. Selbstverständlich muss zugegeben werden, dass durch die Übertragung der Inhalte an euren Bildschirm eine zeitliche Verzögerung entsteht. Diese war für mich jedoch kaum bis gar nicht spürbar. Teilweise wird dies sogar durch den sehr geringen Ping (zwischen 7 und 11 ms) kompensiert. Feinfühlige Spieler werden hier aber wohl das Haar in der Suppe finden.

Aber warum habe ich mir als Konsolen-Spieler überhaupt Shadow für PC angesehen? Schaut man Richtung Sony findet man bereits einen entsprechenden Streaming-Service. PlayStation Now schimpft sich dieser und hatte hierzulande einen eher holprigen Start. Mittlerweile enthält der Service zirka 500 Spiele aus Zeiten der PlayStation 3, aber auch einige PlayStation 4 Titel lassen sich entweder streamen oder herunterladen und lokal spielen. Für PlayStation Now löhnt ihr entweder 14,99 EUR pro Monat oder 99,99 EUR im Jahresabo. Interessant dürfte der Service insbesondere für Spieler sein, die keine PlayStation besitzen, jedoch den einen oder anderen Titel auf dem PC zocken möchten. Sony bietet hier eine entsprechende App an. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass anders als beim Xbox Game Pass nicht alle exklusiven Konsolen-Titel enthalten sind.

Ich hatte den Service in der deutschen Beta-Phase angetestet und versucht Red Dead Redemption via Stream zu zocken. Damals ein absolutes Debakel, dürfte durch die Möglichkeit des Downloads nun abgeholfen worden sein. Via Stream hatte ich häufig Kachelbildungen und starke Verzögerungen in der Übertragung der Controller-Befehle. Ich gehe stark davon aus, dass sich dies zwischenzeitlich gebessert hat, zumal es sich damals um die Beta-Phase gehandelt hat. Weiterhin kann man diesen Umstand mit dem Herunterladen des Titels verhindern.

Einen Schritt weiter geht das aktuelle Projekt von Microsoft namens Project xCloud. Mit diesem Dienst wollen die Xbox Erfinder den Spielern einen plattformunabhängigen Zugang zu Xbox-One-Spielen ermöglichen. Damit wäre die stationäre Konsole nur eine von vielen Varianten. Zusätzlich sollen Smartphones, Tablets, Fernseher und PCs unterstützt werden. Dabei setzt Microsoft auf Rechenleistung in den zahlreichen Rechenzentren, die dem Unternehmen weltweit zur Verfügung stehen. Inhaltlich gibt es hierzu noch nicht so viele Informationen. Lediglich, dass in 2019 eine Testphase starten soll, ist bereits bekannt.

Zeitlich gesehen, steht die nächste Konsolengeneration quasi vor der Türe. Lediglich die einzelnen Ankündigungen lassen noch auf sich warten. Hierzu wird es wohl 2019 neue Informationen geben, traut man aber den kursierenden Gerüchten, könnte Streaming eine entscheidende Rolle in der nächsten Konsolengeneration spielen. Durch die vorgenannte Technologie wird es grundsätzlich möglich sein, eine Aufwärtskompatibilität für die aktuelle Konsolen anzubieten. Demnach stünde „Games as a Service“, wie Xbox Spieler ihn aktuell via Game Pass erhalten, ganz groß im Kurs und nicht mehr die schnell alternde Hardware in euren Wohnzimmern. Via Streaming-Technologie könnten die aktuellen Konsolen die notwendige Leistung für die neuen Titel aus dem Internet beziehen. Eine entsprechende Internetleitung vorausgesetzt. Aufgrund der mangelhaften Infrastruktur dürfte 2019 (und auch 2020) für die alleinige Umsetzung eines Streaming-Services jedoch zu früh kommen, sodass bei der nächsten Konsolengeneration noch mit neuer Hardware zu rechnen ist. Unter diesen Umständen kann ich mir vorstellen, dass die Konsolen-Hersteller mehrere Varianten anbieten, die sich unterschiedlich auf eure Geldbeutel auswirken werden.

Überraschenderweise bietet Nintendo diese Technik mit der Nintendo Switch bereits an. Via Cloud Gaming sollen Spiele, die die kleine mobile Konsole grundsätzlich nicht schaffen würde, zum laufen gebracht werden. Leider ist diese Technik aktuell nur in Japan verfügbar. Ob und wann die Möglichkeit nach Europa adaptiert werden soll, ist bisher nicht bekannt. Nichtsdestotrotz zeigt die Testphase in Japan, dass sich alle Branchengrößen mit dem Thema befassen und dies der Weg der Zukunft sein dürfte.

Streaming ist eine geile Sache, vorausgesetzt man verfügt über eine schnelle Internetverbindung. Mit Netflix und Co. nutzen die meisten Leute bereits monatliche Abonnements um ihren Durst nach neuen Serien zu stillen, warum dieses Angebot nicht auch auf die Gaming-Welt übertragen? Mit dem Xbox Game Pass bietet Microsoft bereits einen solchen Service an und auch Electronic Arts hat für PC-Spieler mit Origin Premier ein Abo eingeführt, welches euch vollen Zugriff auf alle neuen Titel des Publishers gewährt. Sammler dürfte dieser Umstand ein Dorn im Auge sein, schließlich würde man zukünftig kein Spiel mehr „besitzen“, sondern sich lediglich das Recht erkaufen, dieses zu spielen. Mich als Spieler, der viele Spiele zockt, aber keines wirklich lange und ausgiebig, ist diese Entwicklung jedoch fantastisch. Auch mein aktueller Internetanschluss spielt da mit, da Spiele (auch jenseits der 50 GB) in weniger als einer Stunde auf der Platte sind. Bis die Spieler aber flächendeckend auf diesen Service zugreifen können und ihn wirklich effektiv nutzen können, werden noch einige Jahre ins Land gehen, sodass ich für die nächsten Jahre Hybrid-Lösungen in unseren Wohnzimmern sehe. Wir dürfen gespannt sein, was Sony, Microsoft und Nintendo im kommenden Jahr präsentieren bzw. aus dem Hut zaubern werden.