Das moderne Zeitalter. Unaufhörlich bricht es über uns hinein. Mit all seinen Neuerungen und technischen Wundern. Neue Konsolen, oder alte, die neu gemacht werden. Ein hübsches kleines handliches Format, dass die Jüngeren genauso erfreut wie die alten Hasen. Als solcher habe ich meine grauen Zellen mal etwas angestrengt und mir über das damals und heute, Belohnungen und neurologische Verknüpfungen im Gehirn Gedanken gemacht.

Es war einmal …

Als ich im zarten Alter von fünf Jahren meine Videospielkarriere begann, saß ich auf dem Schoß von meinem Papa vor einem großen Kasten, einem riesigen Röhrenmonitor und erfreute mich an dem was ich sah. In der Hand ein kleiner schwarzer Kasten mit rotem Joystick und zwei roten Knöpfen. Die Spiele hat man sich aus einem Diskettenkasten rausgesucht in dem man, ähnlich wie im Schallplattenladen durchgeblättert hat. Disketten, ihr wisst schon, diese viereckigen Dinger, die damals als Speichermedium dienten. Dieser magnetische Datenträger bot immerhin 256kB Speicherplatz. Nochmal in Worten – Zweihundertsechsundfuffzich! Für mich war es damals das Größte, wenn ich vor dem C64 oder dem Amiga 500 sitzen durfte. Es gab wenig, was ich cooler fand als Battleships und Golf. Als dann noch die leicht suizidalen Lemminge kamen, war ich verloren. Da ich auf einem Dorf aufgewachsen bin, mit vielen anderen Kids in meinem Alter, war ich natürlich auch viel draußen. Habe aber immer gehofft, dass es mal einen…ok, gern auch zwei oder drei Tage richtig fies regnet, damit ich drinnen zocken durfte. Einfach nur etwas spielen, war also damals schon genug. Ein Schiff versenken, auf dem digitalen Grün putten, Ball einlochen.

Now and then

Im Jahr 2018 geht es um Throphäen, Gamerscore und besondere seltene Belohnungen. Im Jahr 1997 saß ich mit meinen besten Buddies vor der guten alten Röhre und habe Mario Kart, Sonic und Co. gezockt. Gerade Mario Kart haben wir gespielt bis zum Umfallen. Alle Cups rauf und runter, noch und nöcher. 150cc und alles auf Gold. Und dann bitte noch mal alles im Reverse. Das war für uns schon Belohnung genug, wenn wir nach endlosen Stunden des im Kreis Fahrens endlich alle Cups durch hatten. Weit entfernt von Trophäen und Gamerscore. Tatsächlich haben meine Eltern mir damals keine Konsole gekauft. Meine erste eigene Konsole war ein Nintendo64 das ich mir für 250 Mark gekauft habe. Stolz wie Bolle, sag ich euch. 1998 kam dann The Legend of Zelda: Ocarina of Time. Ein Spiel, was ich auch heute noch so liebe wie Schokoriegel. Bohnen einpflanzen, Pferd erhalten, Lieder lernen, Erwachsen werden. Hell yeah! Richtig gut! Noch immer weit entfernt von einem digitalen Belohnungssystem. Und noch immer völlig ausreichend für mich.

Jedem sein Laster

Was ich Daheim nicht an Konsolen stehen hatte, hatten zum Glück die Schulkameraden. Sega Megadrive. Mein schon drittes Videospiellaster in meinem noch so jungen Leben. Da ist man doch nach der Schule gerne zu Lasse gefahren. Zum „Hausaufgaben machen“ ihr wisst schon. Ich mochte Lasse nicht mal richtig gerne. Aber wie sollte ich sonst an meinen Stoff kommen. Kurzer Gruß an alle, die das verrückte Mädchen bei sich haben Daddeln lassen. Das kennt auch der Chef – Des Chefredakteurs schlimme Kindheit Das bloße Spielen an sich hat mich damals schon so zufrieden gemacht, wie einen Raucher der sich nach dem Essen eine ansteckt. Spielfortschritt und das Erreichen bestimmer Ziele, worauf das Spiel eben ja auch ausgelegt ist, war eine absolut ausreichende Belohnung für mich. Da saßen wir Jungspunde vor unseren, wie meine Mutter sie nennt Daddelkisten, und haben uns gebattelt. Also so richtig in echt nebeneinander sitzend, von Angesicht zu Angesicht. Das Trainieren von Combos in Tekken und sich gegenseitig ordentlich auf die Mütze geben, war für uns also auch da noch immer genug. Einen echten Kommentar, der einem deutlich aufzeigt, dass man gerade total gelost hat, finde ich wesentlich erfrischender als ein „Ha, ich habe schon Trophäe XY“ oder „Ich habe 1000 Gamerscore mehr als du“. King of Iron Fist ist man auch ohne Trophäen. Bruce Lee hat sich ja auch keine unzähligen Medaillen um den Hals gehängt. Er war einfach so ein cooler Typ.

Jäger und Sammler

Machen wir einen Zeitsprung in das Jahr 2005. Mit Einführung der Xbox 360 kamen diverse Neuerungen für Xbox Live. Der Gamertag wurde eingeführt und im Userprofil tauchte nun der Gamerscore, das Total der Erfolgspunkte auf. (Seit Anfang August 2017 wird übrigens gemunkelt, dass das Gamerscoresystem überarbeitet wird. So sollen Spieler die vielleicht nur wenige Spiele spielen, dafür aber sehr gut, ebenso Scorerpunkte erhalten, wie Spieler die viele Spiele spielen.) Sony zog mit der Playstation 2008 nach. Auf einmal gab es für’s Daddeln auf der Playstation Trophäen. Mit Einführung der Firmware 2.40 kam dann das Playstation Network. Wenn man da in Burnout mit seiner Karre seine Kreise zog machte es auf einmal *Pling*. Huch? Da ist es also, das digitale Belohnungssystem. Neu und furchtbar aufregend. So kann man nun seine Erfolge mit denen der Freunde online vergleichen. Statt sich zum Zocken zu verabreden und nebeneinander zu sitzen, zockte man jetzt online. Und weil wir Menschen Jäger und Sammler sind, ist da bei einigen ein richtiger Wettstreit ausgebrochen. A la „Mein Haus, mein Auto, mein Boot.“ So sind einige Spieler ständig auf der Jagd nach Trophäen und Gamerscore. Es ist also wenig verwunderlich, dass wir in unserer aller liebstem Nachschlagewerk, dem Internet, etliche Listen von Spielen finden, die uns innerhalb kurzer Zeit größtmöglichen Erfolg versprechen. Die Spiele sind oftmals für nur ein Paar Euro zu Erwerben und bieten einem dann, nach kurzer Investition von Zeit, was sich andere Spieler mühsam erarbeiten. Das Verlangen und die Aussicht auf Belohnung als Handlungsmotivation.

In der Redaktion wird auch kräftig gesammelt.

Als kleine Wissenschaftlerin ist mir natürlich klar, was wir als Kind nicht kannten, wie zum Beispiel das digitale Belohnungssystem, das juckt uns auch nicht. Aber kommt man dann in den Genuss von den vielen Endorphinen die durch unseren Körper Rasen, wenn wir 100+ Gamerscore oder die Platintrophäe errungen haben, müssen wir das immer wieder haben. Ist die Verknüpfung im Gehirn erst mal hergestellt, kommen wir davon mitunter so schnell nicht wieder los. So entstehen im Übrigen Süchte meine Damen und Herren. Da wären wir also. Die elementaren Bedürfnisse des Menschen wie Essen und Trinken, treiben unser Handeln an. Ist der Hunger erstmal gestillt, stellt sich also dieses wundervolle Glücksgefühl ein, dass wir alle kennen und lieben.

Crew love is true love

Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass mich das Jagen nach Trophäen und Gamerscore null reizt. Es ist eher so, dass ich mich freue, wenn ich mal zufällig in einem Spiel „pling“ höre und eine Meldung lese, in der mir ein Erfolg bescheinigt wird. Zufriedener als der Onlinevergleich machen mich Spieleabende, an denen ich mit meinen Freunden auf der Couch hocke, und alles mögliche an Spielen spiele. Mit der Freundin Mario Kart spielen, und sich beim Ablosen gegenseitig Auslachen, ist doch irgendwie mehr Balsam für meine Seele. Bevor ihr also einfach so alleine vor eurer Daddelkiste hockt, Ladet euch doch mal ein paar Freunde ein. Ich verwette meinen Hintern darauf, dass die Endorphinausschüttung euch auch am nächsten Tag noch glücklicher macht, als schon wieder alleine Trophäen hinterher zu jagen.