Neben vielen Spielern lädt die gamescom auch jedes Jahr eine Unmenge an Profis in die Rheinstadt Köln ein. Da im Rahmen der regulären Gamescom-Tage aber wenig Zeit neben der Messe, den Presse- und Businessterminen bleibt, liegen die meisten der Events schon in den wenigen Tagen vor der gamescom.

Anders als die gamescom sind die Veranstaltung der devcom, des gamescom congress und der SPOBIS aber keine Messen sondern Konferenzen, also Tagungen in denen Entwickler, Designer und viele weitere Fachleute ihre Arbeiten und Erkenntnisse vorstellen und mit anderen über diese diskutieren, insbesondere mit dem Ziel sich gegenseitig voranzubringen oder sogar neue Erkenntnisse aus diesem Diskurs zu schließen. Dies führt auch dazu, dass bedeutend weniger Zuschauer und Gäste diese Veranstaltungen besuchen als die anschließende Messe.

Für den Bereich Esport lud der führende deutschsprachige Informationsdienstleister für Sportbusiness, SPONSORs, in das Kongress Center Nord der Köln Messe zur SPOBIS Gaming & Media ein. Über drei Etagen wurde am Montag über das Thema Esport und Sport diskutiert. Gerade Gespräche wie mit Ralf Reichert, Geschäftsführer von Turtle Entertainment, der Firma hinter der bekanntesten Esport-Liga, der ESL (Electronic Sports League), sind zwar auf der einen Seite sehr interessant, wirkten aber leider im gleichen Zug sehr wiederkehrend und ohne große neue Erkenntnisse. Viel mehr wurde über den ganzen Tag hinweg immer wieder der Punkt angesprochen, dass Esport ohne die Anerkennung als Sport sehr stark in seinen Möglichkeiten eingeschränkt sei, was durchweg aber schon seit vielen Jahren ein großes Thema auf allen Esport-Veranstaltungen ist.

Sehr bedauerlich ist hier, dass der Nachwuchs, für den viele der Themen durchaus neu sein könnten, doch außen vorgelassen wurde, da hier keinerlei Studentenrabatte angeboten werden und sich so wirklich nur etablierte Professionals, aus Sport, Esport, Marketing, Management und Politik eingefunden haben.

Ein paar wenige Vorträge findet ihr auf dem offiziellen Youtube-Kanal von SPONSORs:

https://www.youtube.com/user/sponsorschannel/videos

Zum Beispiel das Gespräch zwischen Dr. Rainer Koch, Präsident des bayrischen Fußballverbandes und Interimspräsidenten des DFB, und Marcel Sandrock, Managing Director bei Stark Esports, über das Thema:

Masterplan eFootball: Wie der DFB den eSport erobern möchte

Anders dagegen die devcom. Hier gab es neben den klassischen Businesstickets auch Conference Tickets und Tickets für Studenten, mit denen man dadurch den ersten Zugang für die Zeit nach dem Studium oder ein bevorstehendes Praktikum sammeln konnte.

Die devcom fand nun zum dritten Mal statt und wurde ins Leben gerufen um den Weggang der GDC Europe, dem europäischen Ableger der weltgrößten Videospielentwicklerkonferenz, die jährlich in San Francisco stattfindet, zu kompensieren. Während der Auftakt 2017 sich durchaus gelungen anfühlte, wirkte die Veranstaltung 2018 zu redundant mit der im Frühjahr stattgefundenen Quo Vadis-Konferenz. 2019 wurden die beiden Events aber durch unterschiedliche Firmen betreut, was dem Inhalt der Veranstaltungen durchaus zugutekam.

Hier sprachen Producer wie Cristian Pana von Ubisoft Massive über die Entwicklung von Tom Clancy’s The Division 2 oder Crytin Cox von Microsoft über das Thema LiveOps. Aber auch Panels, mit mehreren Teilnehmern, die sich untereinander ergänzen sollten oder andere Positionen hatten, fanden statt und so diskutierten Dr. Sabine Hahn, mit der Esportmoderatorin: Melek „m3lly“ Balgün, David Smith, Gründer von Women in Games, Ekaterina Dolgova, COO von Redhill Games, und Catharina Due Bøhler, CEO von Sarpeta Studio, über die aktuellen Strategien um erfolgreiche Videospielentwickler und generell Professionals anzuwerben.

Das besondere Highlight in diesem Jahr dürfte aber der Hero Award sein, der das erste Mal auf der devcom vergeben wurde. Hier wurden besondere Personen aus der Gamesbranche geehrt, die sich durch unterschiedliche Herangehensweisen außergewöhnlich hervorgetan haben. Eine Vielzahl der Vorträge findet ihr auf dem offiziellen Kanal des Dev-Teams von Twitch, die als Sponsoren vor Ort waren und viele der Vorträge Live ins Internet gestreamt haben:

Last but not Least gab es aber auch noch den gamescom Congress. Dieser fand in diesem Jahr, genau wie die gamescom selbst, zum elften Mal statt und richtet sich insbesondere an Kulturschaffende, Pädagogen und Politiker aus Deutschland.

Hier diskutierten unter anderem Lena Falkenhagen, freischaffende Autorin, und Nina Kiel, mit den Moderatoren Melek Balgün und Marcus Richter, über das Thema Krieg, Religion und Demokratie. Im Rahmen der Debatt(l)e Royale diskutierten die Generalsekretäre der FDP (Linda Teuteberg), CDU (Paul Ziemiak), SPD (Lars Klingbeil) mit dem Bundesgeschäftsführer der Linken (Jörg Schindler) und dem politischen Bundesgeschäftsführer der Grünen (Michael Kellner) unter anderem mit Peter Smits (PietSmiet) über Gaming und Digitalisierung.

Der Kongress hatte auch einen besonders kontroversen Gast und zwar Axel Voss, Europaabgeordneter der CDU, der bei dem Thema: „Don’t kill the messenger – Netzpolitik und politische Kommunikation im Zeitalter von YouTube und Co“ erneut Frage und Antwort zum Thema „Europäische Urheberrechtreform und zu den Artikel 13 bzw. 17“ halten durfte.

Eine Vielzahl der Vorträge des gamescom Congresses findet man ebenfalls auf Youtube.

Fazit

Wer nicht einfach nur gameaffin ist und nicht nur das neuste Videospiel antesten will, sondern sich vielleicht irgendwo in einem Digitalberuf wiederfindet, für den bieten Veranstaltungen, die im Rahmen der gamescom angeboten werden, vielleicht einen besonderen Mehrwert. Sowohl für Entwickler, als auch Designer, für Esportler, Marketeers und auch Lehrer bieten Konferenzen viel Freiraum für Diskussionen und Networking.