Am dritten Tag der Gamescom wurde es schon irgendwie sehr emotional für mich. Ich konnte 22 Jahre, nach meiner ersten Berührung mit Final Fantasy VII, meinen ewigen Traum von einer Remake-Liebe tatsächlich erleben. Ich konnte die Gamescom Demo von Final Fantasy VII anspielen. Ich kann nicht leugnen, dass ich seit der Ankündigung 2016 immer noch ein bisschen skeptisch war. Klar, optisch zündete das Spiel damals ein ordentliches Feuerwerk und sorgte für extrem viel Hype. Doch dann kamen die Infos mit der Episoden-Veröffentlichung und dem „neuen“ Kampfsystem was mich dann doch wieder nervös machte. Das liegt sicher daran, dass ich halt älter bin und auch wirklich 2019 noch gerne japanische Rollenspiele mit rundenbasierten Kämpfen spielen würde. Egal, sei es drum. Nun stehe ich also vor dem Bildschirm und habe den PS4-Controller in der Hand und der Startbildschirm eines meiner absoluten Lieblingsspiele grinst mich feixend an.

Tradition trifft auf Moderne

Nur schon mal so viel – wirklich lang geht die Demo leider nicht, vermittelt aber einen Eindruck von dem was Käufer erwarten wird. Kenner des Erstlings werden die Szenerie der Demo selbstverständlich sofort erkennen. Wir sind mit Barret und dem Rest von Avalanche unterwegs, um Mako-Reaktor Nr.1 in die Luft zu sprengen. Ähnlich wie bei Final Fantasy XV übernehmt ihr die Rolle der Hauptfigur, in diesem Falle also Cloud, und der Rest der Truppe folgt euch auf Schritt und Tritt. Nachdem wir die obligatorischen Leitern heruntergeklettert sind, warten auch schon die ersten Shinra-Söldner auf uns und ich verspüre wieder diese Nervosität obgleich der Skepsis ob das Kampfsystem gut geworden ist. Hier geht es nämlich nun in Echtzeit zur Sache. Zumindest die meiste Zeit über. Die Kämpfe laufen im Final Fantasy VII Remake nun ähnlich wie bei quasi allen modernen japanischen Rollenspielen ab. Ihr bewegt euch frei durch die entsprechende Kampfarena und nehmt Feinde live mit gezielten Hieben aufs Korn oder weicht Feinden mit einer Ausweichrolle aus. Den Charakter könnt ihr in den Kämpfen übrigens auch jederzeit von Cloud auf Barret und zurück wechseln. Während ihr also munter auf eure Feinde einprügelt solltet ihr unten rechts im Bild eure ATB-Leiste im Auge behalten. ATB steht für „Active Time Battle“ und hat seinen Ursprung natürlich im Original aus 1997.

Zaubern, Items und „Fertigkeiten“ lockern den Alltag auf

Aktionen wie Items, Magie oder Fertigkeiten nutzen kosten bei Benutzung im Remake dann eben genau diese Punkte. Fertigkeiten sind eine Neuerung und bringen neben den normalen Standard-Angriffen etwas Abwechslung in die Kämpfe. So nimmt Barret beispielsweise mit seinem Kugelhagel gleich mehrere Gegner ins Visier oder Cloud teilt mit einem Dreifachschlag ordentlichen Schaden aus. In der Demo hatte ich je Charakter zwei Balken zur Verfügung, ob diese Zahl durch Materie oder sonstige Skills erweiterbar ist, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Während die Nutzung der Items nur einen Balken benötigt, verbrauchen die wirksameren Dinge wie eben Fertigkeiten oder Magie gleich beide Balken, welche sich aber relativ schnell im Kampf wieder füllen. Aktiviert ihr also eure ATB-Leiste, pausiert die Kampfhandlung und ihr habt erst einmal eine Verschnaufpause, um euch Gedanken über eure nächsten Schritte zu machen. Dass bedeutet, dass ihr unterm berühmten Strich eigentlich immer abseits der normalen Angriffe beschäftigt seid. Eine weitere tolle und sinnvolle Neuerung ist die sogenannte „Schockleiste“. Trefft ihr Feinde mit einem gegen sie besonders wirkungsvollen Zauber oder Angriff, füllt sich deren Schockleiste. Ist die Schockleiste komplett gefüllt, wird der Gegner eine Weile wehrlos. Dieses Feature kommt wohl vor allem bei Boss-Kämpfen zum Einsatz, weil normale Standard-Feinde in der Regel über nicht genügend Lebensenergie verfügen werden, um mehrere Zaubersprüche oder Attacken verkraften zu können.

Das Wiedersehen mit dem Skorpion-Wächter

Mich hat die Demo also in dem Sinne beruhigt, dass Square Enix das Kampfsystem mit Respekt an seinen Ursprung behandelt hat und ihm mit dieser Mischung aus Moderne und Tradition schon irgendwie Tribut zollt. Zu diesem Tribut passt dann auch die recht schnell erreichte Stelle mit dem Sprengsatz und dem ersten Bossgegner – dem Robowächter Skorpion. Dieser Kampf ist in drei kleinere Phasen unterteilt, in denen ihr euch zwischenzeitlich auch mal heilen solltet, da die große Blechdose euch mit ordentlich Flächenschaden eindeckt. Dem obligatorischen Schwanzlaser entgeht ihr übrigens in dem ihr euch hinter heruntergefallenen Trümmerbergen versteckt. Zum Schluss des Kampfes packt die Demo dann noch die beiden Limit-Breaks von Cloud und Barret aufs Tablett und ich bin vollends überzeugt. Final Fantasy VII Remake wird im März 2020 schon sehr viel Spaß machen. Bleibt nur abzuwarten, wie letztlich der Umfang ausfallen wird. Square Enix bestätigte bereits, dass Episode 1 sich lediglich um Midgar drehen wird, aber durch einige Zusatzinhalte den Content schon gut gestreckt werden wird. Was und wie viel Neues uns schlussendlich im Spiel erwarten wird, steht leider wieder auf einem anderen Blatt.

Ungeduld bekämpfen bis März 2020

Ungewohnt war natürlich auch die Tatsache, dass die Gespräche von Cloud, Tifa und Co. nun vollständig vertont sind. Während Clouds Stimme im ersten Moment etwas gewöhnungsbedürftig wirkt, konnten mich Barret und Tifa gleich überzeugen. Skeptiker können ihre Panik meiner Meinung nach also ruhig etwas runterfahren. Es wird natürlich sicher auch wieder Puristen und Mecker-Experten geben, die an den Neuerungen und dem modernen Einfluss etwas auszusetzen haben, richtigen Grund zur Beschwerde konnte ich jedoch nicht entdecken. Nun gilt es also bis zum 03. März geduldig zu bleiben, um dann endlich wieder in eins der traumhaftesten Spiele aller Zeiten zu entschwinden.