Toy to Life ist tot, es Lebe Toys to Life. So oder so ähnlich muss es in der Ubisoft-Zentrale geklungen haben, als man sich dazu entschlossen hat mit Starlink: Battle for Atlas einen neuen Versuch auf dem derzeit eher brach liegenden Toys to Life-Markt zu versuchen. Disney Infinity und LEGO Dimension sind eingestellt worden und die Skylanders machen ganz offiziell nur eine Pause auf unbestimmte Zeit. Wie sich das Weltraum Szenario von Starlink auf dem Toys to Life-Markt schlägt, erfahrt ihr in unserem Test.

Weltraum-Geschichte nach Schema-F

Dass Starlink einem möglichst breiten Publikum zugänglich gemacht werden soll, konnte man schon an den ersten Trailern erkennen, die uns Ubisoft vorgesetzt hat. Die eher comichaften Charaktere und Flora und Fauna auf den Planeten mit der nötigen Priese Realismus sorgen dafür, dass sowohl Jung und Alt mit dem Titel angesprochen werden. Echte Hardcore-Gamer, die sich ein tiefgründiges Weltraum-Abenteuer erhofft haben, dürften in die Röhre gucken.

Wir sind als Crew-Mitglied auf der Equinox Teil der Starlink-Initiative und bewegen uns zunächst friedlich durch das Atlas-Sonnensystem, bis wir plötzlich von der feindlichen Legion angegriffen werden und der Kapitän und Wissenschaftler Victor St. Grand von Bord der Equinox entführt und verschleppt wird. Weil St. Grand der einzige zu sein scheint, der die Kunst der Rohstoffveredelung beherrscht und so kostbare Energie herstellen kann, ist er für Legion-Anführer Grax zur Zielscheibe und zum Schlüssel geworden, um die Schlacht um Atlas für sich zu entscheiden.

Im nächsten Augenblick befinden wir uns auch schon in der ersten Weltraum-Schlacht, die mit dem Absturz der mächtigen Equinox auf einem der sieben Planeten im Sonnensystem endet. Ab da ist es das Ziel der Crew, St. Grand aus den Fängen der Legion und somit auch das Atlas-Sonnensystem vor dem bösen Anführer Grax zu retten, damit die Ausbeutung und Besetzung der einzelnen Planeten ein Ende hat.

So unspektakulär sich die Story mit ihrer klaren Verteilung von Gut und Böse anhört, ist sie dies irgendwie auch. Wendungen sucht man leider vergeblich und somit mutet die ganze Geschichte eher wie ein zweitklassiger Science-Fiction-Film an, bei dem man zwischenzeitlich hofft, dass wenigstens das Popcorn nicht ausgeht oder man gleich ausschaltet und sich was Neues sucht. Doch zum Glück ist Starlink kein Film, sondern ein Videospiel aus dem Hause Ubisoft, die es verstehen Geschichten zu erzählen und in Szene zu setzen. Die Zwischensequenzen haben Kinoqualität und so habe zumindest ich mich trotz der unaufgeregten und Standard-SciFi-Kost unterhalten gefühlt.

Kein Tiefgang, macht aber trotzdem Spaß

Da die Equinox auch als Energiequelle für die kleineren Kampfschiffe der Piloten dient, muss das Mutterschiff natürlich erstmal wieder Fit gemacht werden. Dazu müssen wir auf dem Planeten, auf dem die Equinox abgestürzt ist, mit den eher skeptisch auf die Erdlinge eingestellten Bewohner zusammenarbeiten. Da die Starlink-Piloten aber nicht so fies aussehen wie die roboterartigen Widersacher der Legion, dürfen wir bereitwillig unsere Hilfe anbieten, um wichtige Ressourcen als Gegenleistung zu bekommen. Egal ob Observatorium, Raffiniere, Werkstatt oder Waffenfabrik, die Aufgaben die wir für den jeweiligen Außenposten zu erledigen haben, unterscheiden sich nur wenig. Mal müssen wir wichtige Bauteile transportieren oder besorgen, mal Einrichtungen oder Städte von der Legion befreien oder aber auch Bereiche des jeweiligen Planeten erforschen. Netter Nebeneffekt, die erhaltenen Ressourcen bekommen wir jetzt regelmäßig, da sich der Bewohner direkt ein Starlink-Banner an seinen Außenposten gehängt hat und ganz offiziell als Unterstützer gilt.

Mehrere solcher Unterstützer können wir auf jedem Planeten im Atlas-Sonnensystem finden und es ist ratsam dies auch zu tun. Zwar können wir die nötigen Ressourcen auch so auf den Planeten finden, aber generell gilt, je mehr Unterstützer desto mehr Ressourcen stehen zur Verfügung und umso schneller kann man sich und die Equinox aufrüsten. Denn um die Legion von den Planeten zu vertreiben, reichen irgendwann die Waffen in der Standardausführung nicht mehr aus und man muss diese mittels erhaltenen oder weiterentwickelten Mods aufrüsten.

Leider sind die Missionen der Hauptstory und auch diese, die man nebenbei erledigen kann nicht besonders abwechslungsreich. Das zerstören der Legion-Extraktoren, das lösen der Rätsel an den auf den Planeten verteilten Türmen oder das Plündern von abgestürzten Raumschiffen wiederholt sich immer und immer wieder. Auch die Varianz der Gegner hätte größer sein dürfen, gefühlt sind es zu Land als auch zu Luft bzw. Weltraum nie mehr als vier verschiedene Gegnertypen. Ein bisschen Abwechslung bringen da nur die mächtigen Primes, die quasi als Endgegner des jeweiligen Planeten dorthin geschickt werden und durch die verschiedenen Ausführungen, ein gewisses taktisches Vorgehen in den mehrphasigen Kämpfen fordern. Hat man in der Zwischenzeit das riesige Dreadnought Raumschiff nicht zerstört, können von dort aus allerdings wieder neue Primes auf die Planeten entsandt werden, auch wenn man bereits einen zerstört hatte.

Hier kommt das zwar einfache, aber sehr gut von der Hand gehende Kampfsystem zum Einsatz. Sofern wir uns nicht gerade in einem Sandsturm bzw. in einer Art Schutznebel befinden, durch den einige Extraktoren geschützt sind, können wir die Legion per Luft oder Land angreifen. Einfacher ist es tatsächlich dies per Land zu tun. Dabei schwebt das Raumschiff knapp über dem Boden, lässt sich aber wendiger und präziser Steuern. Angreifen kann man mit den rechts und links angebrachten Waffen, die mit den jeweiligen Schultertasten abgeschossen werden können. Feuerrate, Abkühlzeit, Schaden und die Art des Schadens unterscheiden sich dabei teilweise stark. Im physischen Standardpaket sind eine Kälte, Hitze und Kinetische Waffe enthalten, daneben gibt es noch Wirbel, Stasis und Gravitations-Waffen. Je nach Gegner sind diese gegen verschiedene Schadensarten resistent und man sollte sein Raumschiff mit anderen Waffen bestücken, was durch die Toys to Life Auslegung des Spiels wirklich viel Spaß macht. Steckt man die Waffen um, so erscheinen diese direkt im Spiel und sind einsatzbereit. Standardmäßig ist eingestellt, dass bei einem dieser Wechsel automatisch ins Pausenmenü gewechselt wird, kann man allerdings auch ausstellen, was ich jedem nur empfehlen kann. So werden die Kämpfe nicht unterbrochen und man kann direkt mit der neuen Waffe drauflos ballern. Der Schwierigkeitsgrad bewegt sich dabei eher am unteren Rand, geübte Gamer sollten auf jeden Fall einen höheren Grad nehmen, ansonsten kann es schnell langweilig werden.

Ein weiterer Pluspunkt und warum es trotz der sich schnell wiederholenden Aufgaben nie wirklich langweilig wird, sind die fantasievoll gestalteten Planeten, die zum Entdecken einladen und es auch Spaß macht einfach umher zu fliegen und die Flora und Fauna zu erforschen. Vom Look und auch den Kreaturen erinnert es fast ein wenig an Hello Games‘ No Mans Sky, die mit ähnlich fantasievollen Planeten und Kreaturen daherkommen.

Grafisch ein Hingucker

Insgesamt kann die Präsentation des Spiels überzeugen. Der etwas comichafte Grafikstil lässt es zu, eine gewisse Ernsthaftigkeit an den Tag zu legen, so dass eine breite Spielerschaft angesprochen wird. Die sieben Planeten sind allesamt sehr unterschiedlich und laden nicht nur deswegen zum Erkunden ein. Trotz des hohen Detailgrades und den vielen Effekten während der Kämpfe, konnte ich zumindest auf der Xbox One X zu keinem Zeitpunkt Einbrüche bei der Framerate feststellen. Auch beim Sound hat sich Ubisoft mal wieder nicht lumpen lassen, nur die deutsche Synchronisation kann nicht immer überzeugen. Ab und zu wirken die eingesprochenen Texte etwas steif und abgelesen, das geht auf jeden Fall besser, sorgen aber nur zu einem kleinen Abzug in der B-Note.

Die Nintendo Switch muss zwar bei der grafischen Darstellungen Einbußen hinnehmen, aber auch auf der portablen Nintendo Konsole sieht Starlink trotzdem noch hervorragend aus. Allerdings kann man die Toys to Life nicht im mobilen Modus nutzen, da die Halterung dafür am Grip befestigt wird. Schade, dass diese am Pro Controller nicht befestigt werden kann, was aber auch logisch ist, weil dieser im Gegensatz zum Grip eben nicht standardmäßig bei der Konsole dabei ist.

Die Extrawurst Fox McCloud für die Nintendo Switch

Nicht selten habe ich während des Testens auf der Xbox One X gedacht, dass Starlink eigentlich die perfekte Umsetzung für ein neues Starwing-Abenteuer gewesen wäre und habe daher nicht selten neidisch rüber auf die Nintendo Switch Umsetzung geschielt, die eben Fox McCloud und seinem Arwing als exklusiven Charakter mit dabei haben. Kurzes Studium auf YouTube hat auch ergeben, dass die Einbindung der Nintendo-Figuren gut in die restliche Story von Starlink eingebaut wurden und sogar ein paar Extramissionen mit im Gepäck haben.

So ist es, dass Switch Spieler neben den fünf Raumschiffen, fünf Piloten und fünfzehn Waffen etwas mehr vom Spiel haben, als Gamer auf der Xbox One und PlayStation 4. Macht auf den beiden Konsolen dadurch nicht weniger Spaß, aber Nintendo-Jünger können sich glücklich schätzen, dass Big N und Ubisoft so einen guten Draht zueinander pflegen. Bin jetzt schon gespannt, was die beiden Branchengrößen noch für uns Parat haben.

Insgesamt ist der Umfang der verschiedenen Raumschiffe, Piloten und Waffen aber ordentlich, auch auf der Xbox One und PlayStation 4. Besonders zusätzliche Waffen bringen einen im Spiel deutliche Vorteile und es macht zusätzlich auch noch Spaß diese am Controller befestigten Raumschiffmodell zu wechseln. Wer allerdings kein weiteres Geld für zusätzliche Waffen, Piloten oder Raumschiffe ausgeben möchte, kann das Spiel auch mit der im Starter Pack enthaltenen Ausrüstung beenden. Mir ist kein Gegner untergekommen, der sich mit den vorhandenen Waffenkombinationen nicht hat besiegen lassen. Einzig einige Rätsel lassen sich ohne Gravitationswaffe nicht lösen, ist aber an den Stellen nur optional und hat keine Auswirkung auf die Hauptstory des Spiels.

Plastik oder doch eher digital?

Das Toys to Life kann für jedes Spiel schnell ein Stolperstein werden, da dadurch meist um im Spiel weiterzukommen, Folgekosten auftreten. Nicht jeder ist dazu bereit und so kann ein Spiel, für welches man bereits Geld ausgegeben hat, schnell um ein vielfaches teurer werden. Irgendwie liegt ja auch der Reiz darin durch die haptischen Figuren und Modelle ins Spiel einzugreifen, allerdings scheint Ubisoft auch die Gefahr darin gesehen zu haben und hat das Spiel so designed, dass man auch ohne zusätzliche Käufe das Spiel durchspielen kann. Auf der anderen Seite verlieren die Zusatzpacks auch ein wenig den Reiz, weil man sie nicht unbedingt braucht, mal abgesehen von der Gravitationswaffe für ein paar Rätsel. So macht es sich Ubisoft zumindest nicht leicht, die Zusatzpakete im Handel an den Mann zu bringen.

Ein weiterer Stolperstein könnte der Preis sein, denn alle Zusatzpakete gibt es auch digital im Shop, die jeweils deutlich weniger kosten. So zahlt man für ein neues Raumschiff samt Pilot und Waffe im Laden 23,99 Euro und digital 14,99 Euro, das Waffenpaket mit zwei Waffen 5,99 Euro statt 11,99 Euro und ein neuer Pilot 3,99 Euro statt 6,99 Euro. Auch wenn das Erlebnis die Waffen an der Controllerhalterung zu wechseln wirklich Spaß macht und schon deswegen ein Mehrwert bietet, ist der preisliche Unterschied zwischen digital und Toys to Life einfach ein wenig zu groß. Wobei man unterm Strich sagen muss, dass es durchaus positiv zu bewerten ist, dass Ubisoft die Möglichkeit bietet Starlink auch ohne zusätzliche Kosten genießen zu können.

Fazit

Starlink ist wahrlich nichts für Hardcore-Gamer, was weniger an der comichaften Grafik liegt, sondern am recht einfachen Gameplay und niedrigen Schwierigkeitsgrad. Auch die Story hat wenige Kniffe und ist vorhersehbar, eine tiefgründige Geschichte sucht man vergebens. Trotzdem macht Starlink Spaß, weil es leicht zugänglich ist und das Kampfsystem zu gefallen weiß. Starlink ist ein Spiel welches man gut einfach so wegspielen kann, was nicht so negativ gemeint ist, wie es vielleicht klingt. Wer ein Spiel sucht, welches man Abends auf dem Sofa entspannt zocken kann, der ist hier genau richtig. Wer herausfordernde Kämpfe und eine tiefgründige Weltraum-Geschichte haben will, der sollte sich den Kauf nochmal überlegen.

Auch wenn Ubisofts Preispolitik auf dem ersten Blick nach der digitalen Variante schreit, kann ich jedem das Toys to Life-Erlebnis nur ans Herz legen. Zum einen weisen die Modelle die übliche hohe Ubisoft-Qualität auf, zum anderen sorgen sie für ein rundes Gesamtpaket im Starlink-Universum. Es macht Spaß mit den Modellen zu hantieren und die Umsetzung ist wirklich gelungen.

Starlink: Battle for Atlas
Fantasievolle WeltenÜberzeugendes KampfsystemToys to Life-Erlebnis
Zu einfache StoryWiederholende AufgabenPreispolitik Toys to Life
76%Gesamtpunktzahl
Grafik/Präsentation75%
Story/Atmosphäre70%
Gameplay80%
Spielspaß78%
Leser Bewertung 0 Stimmen
0%