Team Ico stand schon seit seiner Gründung für Spielerlebnisse der besonderen Art. Im Erstlingswerk Ico erforschten wir mit einem kleinen, gehörnten Jungen und einem Mädchen namens Yorda eine gigantische Burgruine. Erst vor etwas mehr als einem Jahr befreiten wir uns in The Last Guardian, wieder als kleiner Knirps, aus einer Tempeleinrichtung. Diesmal jedoch mit Hilfe des riesigen Tiers Trico. Aufmerksam wurden Spieler und Kritiker auf das Team rund um Fumito Ueda, mit dem zweiten Abenteuer Shadow of the Colossus. Hier machte sich ein junger Krieger mit seinem treuen Pferd Agro auf, um sechszehn Kolosse zu erlegen. Das Spiel wurde vor allem für seine beeindruckenden Kämpfe gegen die riesigen Ungetüme und seinen Mut zum spielerischem Minimalismus gelobt.

Mit tatkräftiger Unterstützung von Bluepoint Games hat Sony es sich zur Aufgabe gemacht, diesem denkwürdigen Abenteuer, zwölf Jahre nach seinem ursprünglichem Release auf der Playstation 2, ein denkwürdiges Remaster auf die Playstation 4 zu zaubern. Ob das Spiel die aktuellen technischen Ansprüche erfüllt und ob das Gameplay heute noch funktioniert, klären wir im folgenden Test für euch.

Ein Mann, ein Schwert und sein Pferd

Was würdet ihr tun, um den wichtigsten Menschen in eurem Leben von den Toten zurück zu holen? Wie Mutig, tollkühn und entschlossen wärt ihr, wenn ihr wüsstet, dass es tatsächlich möglich wäre? Unser namenloser Held jedenfalls würde sogar so weit gehen, sich in ein weit entferntes, verbotenes Land zu begeben um eine uralte Macht um Hilfe zu bitten, seine Geliebte zurück von den Toten zu holen. Nachdem wir den Leichnam unserer Freundin auf einen Altar gelegthaben, erklären uns die Götter dieses Ortes, dass wir die sechzehn Kolosse, die dieses Land beherrschen töten müssen, damit unser Wunsch in Erfüllung geht. Fest entschlossen steigen wir auf unser Pferd Agro und reiten hinaus in ein weites, mystisches Land, welches bis auf seine beeindruckende Landschaft, alten bewachsenen Ruinen und ein paar kleinen Tieren auf den ersten Augenblick nicht viel zu bieten hat. Wo sollen wir überhaupt nach diesen Kolossen suchen? Wo sollen wir hin? Das Schwert, welches wir neben einem Bogen als einzige Waffe mit uns führen, zeigt uns den Weg. Halten wir es hoch ins Sonnenlicht, weist uns ein Lichtstrahl die Richtung zum Ziel. Noch können wir keinen Koloss erblicken. Vorsichtig klettern wir eine steile Felswand hinauf und erreichen ein kleines Plateau. Hier begegnen wir unserem ersten Boss und uns wird schnell klar, diese Ungetüme haben den Namen Koloss redlich verdient…

Kampf der Titanen

Die Kämpfe gegen diese uralten Wesen, stellen das Herzstück von Shadow of the Colossus dar. Manche von ihnen sind so riesig, dass sie kaum Notiz von uns nehmen, manche bewegen sich auf zwei, einige auf vier Beinen fort und teilweise greifen sie uns sogar aus der Luft an. Im Prinzip stellt der Kampf gegen diese urzeitlichen Titanen ein Level im Level dar. Bloße Schwertschläge oder Pfeilschüsse werden meist nicht mal zur Kenntnis genommen. Verwundbar sind die Riesen nur an bestimmten Stellen ihres Körpers. Diese leuchten auffallend, sobald wir sie mit unseren Helden erstiegen haben. Es gilt daher erstmal überhaupt auf den Koloss rauf zu kommen, was gar nicht so einfach ist. Erklimmbar sind die Riesen nämlich nur an ihrem dichten Fell, welches jedoch nicht den vollständigen Körper bedeckt. Wie also kommen wir da hoch? Meist lohnt es sich die Levelarchitektur und das Gegnerverhalten genauer zu studieren. So können wir beispielsweise einen Koloss mit Pfeilschüssen auf uns aufmerksam machen. Ist er dann bei uns angekommen, schleichen wir am besten in eine enge Passage oder Grotte. Der Riese verändert nun seine Haltung um weiter nach uns zu suchen. Wenn wir nun schnell genug sind, können wir in dieser gebeugten Haltung eine Stelle am Körper entdecken, die wir nun mit einem geschickten Sprung erklimmen können. Das Ersteigen des Kolosses stellt die zweite Phase des Kampfes dar. Das Ungetüm hat uns nun endgültig zur Kenntnis genommen und wird versuchen uns mit aller Gewalt abzuschütteln. Hierbei müssen wir uns am Fell festhalten und hoffen, dass unsere Ausdauerleiste noch ausreichend gefüllt ist, um uns auf dem Riesen zu halten.

Hat sich der Koloss kurz beruhigt, Klettern und Laufen wir weiter bis wir ein bläulich schimmerndes Zeichen erkennen. Hier ist das Ungetüm verwundbar und genau hier kommt unser Schwert zum Einsatz. Wir halten uns an der Stelle fest und stechen mit unserem Schwert auf den Koloss ein. Mit jedem Stich wehrt sich das Wesen und schreit und wütet umher. Fortan wird noch mehr versucht uns wie eine lästige Fliege abzuschütteln. Hier ist es wichtig abzupassen, wie stark wir unseren Schwertstich aufladen und wieviel Ausdauer wir noch haben. Haben wir alle verwundbaren Stellen des Kolosses erloschen und seine Lebensleiste auf null gebracht, bricht das majestätische Wesen in einer beeindruckenden Zwischensequenz tot zusammen. Es entsteht ein unglaublich befriedigendes Gefühl von Erhabenheit ob unseres schwer erkämpften Sieges. Doch macht sich auch eine merkwürdige Melancholie in uns breit. Denn eigentlich haben uns diese urzeitlichen und meist auch friedlich anmutenden Wesen nichts getan. Spätestens nachdem ich den siebten Koloss zur Strecke gebracht hatte, kamen erste deutliche Zweifel in mir auf. Handel ich hier richtig? Bin ich wirklich noch der Gute? Es ist eben dieser Mix aus spannenden und actionreichen Kämpfen gepaart mit einer gehörigen Portion Wehmut, welcher Shadow of the Colossus zu einem ganz besonderen Spielerlebnis macht.

Die ruhe Zwischen den Stürmen

Abseits der Kämpfe gibt es in Shadow of the Colossus tatsächlich nicht viel mehr zu tun. Okay, wir können Eidechsen jagen und ihre Schwänze essen um unsere Ausdauer dauerhaft etwas zu erhöhen. Oder auch Früchte von Bäumen schießen um unseren Gesundheitsbalken temporär zu verbessern. Das ist zwar ganz nett, bleibt aber auf Dauer auch nicht mehr als eine kleine Nebenbeschäftigung.

Das alles ändert jedoch nichts daran, dass die Spielwelt rund im Shadow of the Colossus eine der Stimmigsten und interessantesten ist die ich je erkunden durfte. Und das völlig frei von Miniquests, NPCs und überflüssigem Sammelkram. Wenn ich mit meinem Pferd Agro einen Bergweg hinunterreite, und dabei unter mir auf einen mystisch anmutenden Wald blicke, während weiter am Horizont Wasserfälle unter sanftem Rauschen in einen großen klaren See fließen, ist das einfach nur schön anzuschauen. Oft ertappe ich mich dabei auch einfach mal inne zu halten, um mit der neu integrierten Screenshot-Funktion diesen Moment bildlich festzuhalten.

Auch die Soundkulisse trägt zur Stimmung entscheidend bei. Vom leisen Windwehen in einer Wüste, das Plätschern eines kleinen Baches oder selbst die plötzlich einsetzende Stille wenn wir einen dunklen Wald oder Tempel betreten. All diese Kleinigkeiten fügen sich mosaikartig zu einem wunderschönen Ganzen zusammen und bilden beim Suchen der Kolosse eine angenehm konträre Ruhephase.

Wenn alte Riesen neu erstrahlen

Oft müssen wir uns bei Remaster-Versionen bloß mit überarbeiteten Texturen und im Idealfall einer höheren Bildrate zufrieden geben. Bluepoint Games reicht das jedoch nicht. Hier wurden nicht nur einfach alle Texturen überarbeitet, sondern das Spiel sowohl grafisch als auch soundtechnisch stimmungsvoll erweitert. In Wüstenregionen sehen wir nun Sand aufwirbeln, unser Held und sein Pferd haben neue Animationen erhalten und wirken dadurch noch lebendiger. Stellenweise wurden sogar ganze Wälder, Felsen und Ruinentexturen neu ins Spiel integriert. Technisch holte Shadow of the Colossus damals alles aus der betagten PS2-Konsole raus, was sich oft in Framrateeinbrüchen und Slowdowns zeigte. Auch diese Mängel gibt es dank genug PS4-Power so gut wie gar nicht mehr. Zumindest wenn man auf der PS4-Pro den Performance-Modus aktiviert, wodurch die Framerate weitestgehend stabil bleibt. Der Kinomodus sorgt noch für eine etwas bessere Auflösung hat dann aber auch schon mit einigen Pop-Ups und Slowdowns zu kämpfen. Da die Unterschiede (Zumindest auf normalen HD-Fernsehern) nur marginal sind, würde ich das Spiel im Performance-Modus empfehlen.

Zudem gibt es auch noch verschiedene Filter, wodurch wir das Bild warm, klar, in mono und noch weiteren Einstellungen anschauen können. Das sind alles nette Gimmicks, die das Spielerlebnis jedoch nicht beeinflussen. Besonders erfreulich ist der alternative Steuerungsmodus wodurch sich unser Held im Vergleich zur sehr hakeligen PS2-Steuerung eine ganze Spur präziser Steuern lässt. Perfekt ist sie jedoch immer noch nicht ganz.

Fazit

Shadow of the Colossus ist eins dieser Spiele die ihren ganz eigenen Charme haben. Das ruhige Reiten durch weite Prärien hindurch durch imposante Felsformationen und Schluchten wechseln sich mit den harten, abwechslungsreichen und schweißtreibenden Kolosskämpfen wunderbar ab. Dem Spiel tut die Reduktion aufs Wesentliche unglaublich gut und wirkt gerade in heutigen Zeiten mit überladenen Steuer-, Items und Featuregedöns angenehm frisch. Dank der gelungenen Portierung auf die PS4 und der hervorragenden audiovisuellen Erneuerung macht das Remaster sogar noch mehr Spaß als es das Original damals schon tat. Da es nach Shadow of Colossus kaum etwas Ähnliches oder Vergleichbares gab, ist dieses Spiel in der neuen Fassung empfehlenswerter denn je.

Shadow of the Colossus
90%Gesamtpunktzahl
Grafik/Präsentation89%
Story/Atmosphäre90%
Gameplay90%
Spielspaß92%
Leser Bewertung 0 Stimmen
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