RIVE im Test – Altmetall im Weltall

726 0

Eine Hommage, ein Abschiedsgenschenk, ein Erbe? Two Tribes, das holländische Indie Studio schließt nach 15 Jahren Spieleentwicklung seine Pforten, aber nicht ohne am Ende noch mal das Mikrofon fallen zu lassen. Geschlossen, vernagelt und in alle Winde verstreut, hat das Studio uns RIVE hinterlassen. Aber was ist das? Eine Mischung aus Twin Stick Shooter und Plattformer Action? Hört sich eigentlich nach einer funktionierenden Symbiose an. Was RIVE tatsächlich kann, möchte ich euch im Test beschreiben.

Roughshot, unser Protagonist, fliegt in seinem Spinnenpanzer durch ein Asteroidenfeld, um zu einem unbekannten Raumschiff zu gelangen. Dort angekommen, merken wir schnell, dass wir in ein in sich geschlossenes Maschinensystem eingedrungen sind, welches ohne jeglichen Einfluss von Menschen funktioniert. Schnell begrüßt uns eine KI, die den Laden hier zu schmeißen scheint. DLL versucht uns möglichst schnell wieder los zu werden, während wir uns in dem vierbeinigen Spinnenpanzer auf die Suche nach Beute machen. Dabei hinterlässt Roughshot eine immer größere werdende Spur der Verwüstung. Na ja und wie hätte es auch anders sein können, entpuppt sich DLL als recht unangenehmer Zeitgenosse, vor allem kommt der kleine nervige Flugbot immer wieder meckernd und mit Schild zurück, nachdem wir ihn via Maschinengewehr für den Müll sortiert haben. Irgendwo muss sich dieser drecks 3D-Drucker befinden, na warte mal ab, dich kriege ich auch noch. DLL geht uns aber nicht nur mit seinen lästigen Klagen auf die Nerven, sondern hetzt uns auch immer wieder seine verschiedenen Bot-„Kreationen“ auf den Hals und macht uns das Leben schwer, wenn er seine freien Rechenkapazitäten nutzt, um irgendwelche „Videospiele“ zu spielen. Entpuppen sich diese „Videospiele“ aber doch recht schnell als überdimensionale Varianten ihrer selbst. So weichen wir in einem Raum gekonnt diversen Tetris Steinen aus, während wir die angreifenden Bots zurückschlagen oder schießen uns im „Old School“-Style nur nach rechts schießend durch das All. Solche kleinen Anekdoten an vergangene Spiele finden sich immer wieder.

Während des gesamten Spiels sitzt Roughshot in seinem Spinnenpanzer, den er durch die gesammelten Bolzen und Schrauben, die bei der Zerstörung der Bots überall auf dem Boden verteilt liegen, aufrüsten kann. Während der Kampagne sammelt Roughshot immer mehr Hacks oder wie DLL sagen würde, Viren ein, die es ermöglichen gegnerische Bots zu hacken und zu übernehmen. So kann man sich die Funktionen der Reparaturdrohnen zu eigen machen oder kurzerhand einen Geschützturm übernehmen, der mit uns dann seinen eigenen metallenen Kameraden an den Kragen geht. Natürlich treffen wir auch immer wieder auf Bosskämpfe und die haben es in sich. Generell ist der Schwierigkeitsgrad ein wenig gehobener und man wird im leichteren der beiden Schwierigkeitsgrade trotzdem des Öfteren einmal virtuellen Tod erleiden. Dadurch dass RIVE wirklich rasant ist, heißt es ständig in Bewegung zu bleiben oder möglichst genau die Flugbahn der Gegner zu berechnen. Unser Laufpanzer ist mit dem linken Stick dabei wirklich agil und kann währenddessen mit dem rechten Stick in alle Richtungen ballern, was das Zeug hält, unabhängig in welche Richtung wir gerade laufen oder springen. Sollte es uns dann doch mal erwischen, sind die Checkpoints schon fast zu fair gesetzt. Sogar während Arenakämpfen werden Checkpoints gesetzt, das gilt sogar für den letzten Bosskampf, wodurch die Frustgrenze tief gehalten wird. Nach jeder erfolgreich abgeschlossenen Mission feiert unser etwas plumper Protagonist sein Tun mit einem kleinen Feuerwerk. Dazwischen wird die Story mit einer Art Logbuch von Roughshot vorangetrieben.

Wie bereits erwähnt, sammeln wir während des Spiels diverses Material, was uns an einem Shop als Währung dient. An dem Shop rüsten wir uns mit neuen Upgrades aus, sei es ein Magnet, um das Aufsammeln zu erleichtern oder holen wir uns eine der vier Zusatzwaffen oder direkt alle. Neben dem munitionsfreien Maschinengewehr als Hauptwaffe, können wir uns mit einem Raketenschwarm, einer Schrotflinte, einer EMP Granate und einer fliegenden Minenwand ausrüsten. Egal welche der Zusatzwaffen wir via der vier Tasten ausrüsten und per Analogtrigger abfeuern, müssen wir danach frische Munition dafür aufsammeln. Alle der vier genannten Waffen nutzen dabei dasselbe Munitionspaket, es ist also nicht möglich von einer Waffe zur nächsten zu wechseln, um eine Welle von Spezialattacken loszulassen. Wofür wir keine oder nur wenige Upgrades brauchen, sind die Plattform-Elemente in RIVE. Der Spinnenpanzer besitzt einen Doppelsprung, kann sich via Schubdüsen aber auch ohne Gravitation bewegen und legt bei den Dingen eine Geschwindigkeit an den Tag, welche das Militär vor Neid erblassen lassen würde. Die Mischung aus Plattformer und Twin Stick Shooter macht einfach Laune und funktioniert hervorragend. Immer wieder gerät Roughshot in Fallen und wir müssen ihn mit viel Geschick aus seiner misslichen Lage führen. Hierbei ist Timing häufig ein probates Mittel. Müssen wir einen Schalter hacken, um eine Tür zu öffnen oder einen Roboter Hund, welcher uns ein Hindernis aus dem Weg räumt. Schalten wir in den Hacking-Modus, färbt sich der Bildschirm in ein Konsolen-Grün und eine Bullet Time startet, um es dem Spieler zu erleichtern, dass richtige Timing zu finden. So hacken, ballern und springen wir uns durch die verschiedenen Missionen, die uns immer wieder durch das Raumschiff führen und teilweise an bereits bekannte Orte führen. Mittels Warp-Feld in einer Art Hub-Bereich, erspart man dem Spieler lange Laufwege. Insgesamt auf jeden Fall ein rundes und durchdachtes Konzept, welches gut funktioniert.

Möchte man sich mit Freunden messen, ist dies zwar nicht Auge in Auge möglich aber mittels Highscore. Je schneller und besser wir uns durch die Missionen schlagen, desto mehr Punkte erhalten wir. Diese können wir noch einmal erhöhen, indem wir auf einem höheren Schwierigkeitsgrad spielen, wollen wir es dann wirklich wissen, können wir uns aber auch im Nur-ein-Versuch-Modus oder im Speedrun-Modus versuchen. Erst genannter ist vom Namen her eigentlich selbst erklärend, da wir hier nur ein einziges Leben haben. Im Speedrun-Modus geht es vor allem um Zeit. Wollen wir dann auch noch etwas anderes sehen, als die verschiedenen Kampagnenmissionen, können wir uns auch in den verschiedenen Herausforderungen messen.

Der gezeichnete Stil der einzelnen Elemente funktioniert super und greift stimmungsvoll ineinander. Der weiße Spinnenpanzer hebt sich vom Design der Gegner ab, wodurch wir auch bei hektischen Situationen problemlos die Übersicht behalten können, was wirklich wichtig ist, da das Spiel butterweich und so rutschig schnell verläuft, so dass wir uns kaum Fehler erlauben dürfen. Lediglich die Bullet Time ermöglicht uns gelegentlich mal eine Verschnaufpause. Auch wenn auf dem Bildschirm mal überall etwas passiert, läuft RIVE auf der PlayStation butterweich. In der Vertonung hatten die Entwickler sichtlich ihren Spaß, haut Roughshot doch einen Gassenhauer nach dem anderen heraus und entwickelt sich DLL doch zu einer Art Sidekick im Verlaufe des Spiels. Die Dialoge zwischen den beiden sind lustig geschrieben und vermitteln an keiner Stelle, dass sich das Spiel in irgendeiner Art und Weise versucht ernst zu nehmen. Dabei zu erwähnen ist, dass RIVE lediglich eine englische Vertonung hat, wer eine deutsche Übersetzung benötigt, muss mit den Untertiteln vorlieb nehmen. Die musikalische Untermalung orientiert sich durchaus an das Geschehene und finden wir auch hier kleine Hommagen an vergangene Videospiele. Sind im Soundtrack beispielsweise beim Klettern in bereits erwähnter Tetris Halle auch leichte Jingles von Tetris zu erkennen. Ein gewisses Nostalgiegefühl kommt dabei schon hoch und macht einfach Spaß zuzuhören.

Total 0 Votes
0

Tell us how can we improve this post?

+ = Verify Human or Spambot ?

Rive
Präsentation (Grafik, Sound) 82%
Gameplay 85%
Atmosphäre/Story 78%
Spielspaß 86%
82%
Readers Rating 0%
0 votes

RIVE entpuppt sich als herrliche Hommage vergangener Spiele. Two Tribes hat einen spannenden und spaßigen Mix aus Platformer und Twinstick Shooter hinterlassen, der mich auf der PlayStation 4 wirklich überzeugen konnte und ich bin mir sicher, dass selbiges für die Wii U Fassung gilt. Jeder Plattformerfan sollte hier einen Blick riskieren.

About The Author

Von klein auf eigentlich ein PC-Jünger, bis er sich dann von seinem ersten Geld eine Konsole kaufen konnte. Viel verpasst bis zum N64 aber auch vieles nachgeholt. Heute hauptsächlich an der XBOX One, Xbox 360 und am PC zu finden. Spezialisiert auf FPS, Roleplay und Indie Games

Keine Kommentare on "RIVE im Test – Altmetall im Weltall"

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.