Die Erstveröffentlichung von Okami für die PS2 liegt nun schon fast 12 Jahre zurück, doch dank der eifrigen Portierungsbemühungen seitens Capcom kamen nach dem ursprünglichen Release später auch Wii– und PS3- Besitzer in den Genuss des Spiels. Nun ist Okami seit kurzer Zeit auch für die aktuelle Konsolengeneration (PS4, One und PC) zu haben und das sogar in ultrahohem 4K! Kann das märchenhafte Abenteuer rund um die Göttin Amaterasu und ihren Koboldlehrling Issun auch nach über einem Jahrzehnt mit seinen einzigartigen Pinselstrichfeatures und dem individuellen Look überzeugen? Oder ist das einstige Meisterwerk der Clover-Studios über die Jahre verblasst wie ein altes Gemälde? Machen wir uns auf eine Reise in die Mythologie und Folklore Japans und betrachten das auf 4K restaurierte Meisterwerk unter heutigen Gesichtspunkten.

Japan stirbt

Die Bewohner Japans haben ihren Glauben verloren und damit zieht das Unheil über Nippon einher. Felder verdorren, Flüsse verfärben sich vor Schmutz, Bäume bluten und überall ziehen Dämonen durchs Land. In dieser wahrlich dunkelsten Stunde macht sich die Ahnengöttin Amaterasu in Gestalt eines Wolfes auf um sich der Wurzel allen Übels, dem Dämon Orochi, zu stellen und den göttlichen Segen wieder herzustellen. Begleitet wird Sie von dem exzentrischen Kobold Issun, der Ihr mit Rat und Tat zur Seite steht. Er ist es auch, der uns die Techniken und Fähigkeiten unseres mächtigsten Werkzeugs Stück für Stück erklärt, einem Pinsel.

Der Pinsel ist mächtiger als das Schwert

Ihr habt richtig gelesen. Zwar ist es uns in Okami auch möglich mit Fangzähnen und Klauen den Dämonenhorden entgegenzutreten doch stellen Pinselstriche die effektivste Methode der Monsterbekämpfung dar. Per Schultertaste haltet ihr die Zeit an, wodurch sich das Bild wie ein altes Pergamentpapier verfärbt und ihr mit einem großen Pinsel Striche in die Szene zeichnen könnt. So könnt ihr beispielsweise mit dem sogenannten Kraftstrich angeschlagene Gegner im Pinselmodus durch Zeichnen einer geraden Linie den Todesstoß versetzen und sie somit im Wahrsten Sinne von eurer Gefahrenliste streichen. Doch der Pinsel fungiert in Oakmi nicht nur als bloße Waffe, er ist die Lösung der meisten Probleme die euch auf eurem Abenteuer begegnen werden. Ihr wollt, dass die Sonne aufgeht? Malt sie! Eine Brücke ist zerstört? Zeichnet eine neue! Und seien wir mal ehrlich, fandet Ihr es nicht auch ein bisschen nervig für jede bröselige Wand in Zelda extra eure Bomben aus dem Inventar anzuwählen und zu benutzten? In Okami reicht es, wenn Ihr die Bombe einfach dort hinmalt, wo ihr sie haben wollt!

Insgesamt gibt es 13 Pinseltechniken zu erlernen die uns Issun beibringt. Die Möglichkeiten, Rätsel zu lösen sind durch dieses Feature so abwechslungsreich und kreativ, dass selbst ein vollblütiger Zelda-Fan ins respektable Staunen gerät. Trotz dieses mächtigen Werkzeugs stellt euch das Spiel noch andere nützliche Techniken zur Verfügung wie beispielsweise der immer hilfreiche Doppelsprung an Wänden.

Auch neue Kampfmanöver können in Dojos für kleines oder gern auch größeres Gold erlernt werden. Hierzu zählen unter anderemFähigkeiten wie schnelleres Zubeißen, Ausweichen oder Wirbelbewegungen. Im weiteren Verlauf des Spiels erhalten wir zudem noch einige Gegenstände die unsere animalische Göttin als Waffe benutzen kann. Diese wirken zunächst recht unspektakulär, handelt es sich dabei doch um eher harmlos anmutende Gegenstände wie einem Spiegel oder eine Gebetsperlenkette. Einmal ausgerüstet zeigt sich jedoch schnell, dass diese Gegenstände die Art unserer Attacken beeinflussen. So können wir mit dem Spiegel mächtige Nahkampfattacken ausführen, während wir mit der Kette eine Reihe von Schnellangriffen auslösen können. Praktischer Weise, lassen sich immer eine Haupt- und Nebenwaffe ausrüsten, was in den Kämpfen für eine gewisse Abwechslung und taktische Tiefe sorgt.

Zwei gehen rein, einer kommt raus

Die umherziehenden Gegner sind jeder Zeit sichtbar, sobald man sich ihnen jedoch zum Kampf stellen möchte, wird eine Art magische Barriere um euch und eure Feinde herum aufgezogen, so dass wir uns in einer Art Miniarena befinden. Wie sich anhand der vielen abwechslungsreichen Kampfmanöver und Pinseltechniken vermuten lässt, zahlt sich die richtige Taktik im Kampf aus. Anfangs lassen sich die meisten Feinde noch per bloßem Tastenhämmern besiegen, doch spätere Widersacher stellen durch diverse Angriffs- und Abwehrtechniken eine größere Herausforderung dar. Zudem findet nach jedem Kampf eine Auswertung eures Kampfes statt, wobei Zeit und die richtig angewendeten Techniken die wichtigsten Faktoren sind. Für besonders gute Kämpfe winken daher nicht nur mehr Punkte und Gold sondern auch gerne mal Bonusgegenstände.

Haste mal’n Pinsel!?

Okami hält neben seines abwechslungsreichen Kampfsystems auch noch viele andere Aufgaben für euch parat. Sobald ihr den ersten Siedlungen und Menschen begegnet, warten eine Fülle von kleineren und größeren Quests auf euch. Ein Händler vermisst seine Teetasse, eine Wäscheleine will gezeichnet werden. Ihr könnt unterschiedliche Tiere mit ihrer Lieblingsnahrung füttern und natürlich darf auch das Angeln in einem guten Japan-Adventure nicht fehlen. Es gibt Unmengen an Tausch- und Sammelgegenständen, Artefakten, Tränken und Schriftrollen. Sammelwütige Spieler kommen voll auf ihre Kosten und der kreative Lösungsansatz mit Hilfe des Pinsels sorgt für langanhaltende Motivation.

Klingt komisch, sieht aber schön aus!

Schon in der PS2-Urfassung fiel das Artdesgin von Okami vielen Kritikern und Spielern positiv auf. Daran hat sich auch in der neuaufgelegten 4K-Version nichts geändert. Wenn wir einen der Lebensbäume per Pinselkreis wieder aufblühen lassen, wodurch auch nahe Weiden, Flüsse und Wälder wieder lebendig aufblühen, dann sieht das dank des einzigartigen Aquarelllooks auch heute noch fantastisch aus. Wer es übrigens ganz klassisch will, kann das Bild auch in den 4:3-Modus umstellen. Auf Technischer Seite müssen wir allerdings mit 30fps vorlieb nehmen und hier und da fallen einige kleinere Popups auf wodurch das Gesamtbild jedoch nie wirklich gestört wird. Der Sound weiß ebenfalls durch seine fernöstlich angehauchten Musikstücke und Töne zu gefallen. Den vielleicht einzig wirklich nervigen inszenatorischen Schwachpunkt stellen die Sprachgeräusche der Spielfiguren dar. Okami verfügt über keine Sprachausgabe, dafür werden Textboxen leider mit monotonen und teils sehr schrillen Brabbellauten untermahlt. Gerade beim einleitendem Intro und den vielen Erklärungen zu Spielbeginn nerven diese Laute schon nach kurzer Zeit, was gerade den Einstieg zur Geduldsprobe werden lässt. Zum Glück lassen sich die Zwischensequenzen nun auch überspringen, wodurch man dann aber auch einen Teil der Geschichte verpasst.

Fazit

Okami
90%Gesamtpunktzahl
Grafik/Präsentation89%
Story/Atmosphäre89%
Gameplay92%
Spielspaß90%
Leser Bewertung 0 Stimmen
0%