Far Cry 5 im Test – Von Predigern und Propheten

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Ubisoft’s neuester Streich der Far Cry-Reihe hat am 27.03.2018 das Licht der Welt erblickt und läd auf Playstation, Xbox und Windows 10 zum fröhlichen Sektenvernichtungszug quer durch die fiktive Stadt „Hope County“ ein. Ich habe mich in mein „Widerstandsoutfit“ gezwängt und mich durch die Open-World geballert. Ob mir der Kampf gegen die durchgeknallten Kultisten Spaß gemacht hat, verrate ich euch im Test.

Oh, Montana

In der wunderschönen Landschaft Montana’s hat sich der durchgeknallte Sektenführer Joseph Seed, dargestellt von Schauspieler Greg Bryk, mit seiner Sekte unter dem Namen „Eden’s Gate“ mitsamt seiner drei Geschwister breitgemacht und terrorisiert die Bewohner der Region. Der selbsternannte Messias und Vater ist fest davon überzeugt, dass die Welt kurz vor dem Untergang steht und manipuliert die Bewohner mit Hilfe der selbst hergestellten Droge „Bliss“. Jeder der drei Geschwister herrscht über ein eigenes Gebiet, in dem dann fröhlich vor sich hin terrorisiert wird. Na das kann ja heiter werden. Zum Glück müssen wir nicht alleine gegen die Seed’s kämpfen. In Hope’s Bevölkerung regt sich vereinzelt Widerstand, der natürlich unsere Unterstützung fordert.

Als Rookie machen wir und ein paar Marshalls uns auf den Weg, den Sektenführer zu verhaften. In seiner eigenen Kirche steht der von seinen Jüngern umgebene Prediger und Prophet, mit nacktem Oberkörper in hellem Licht und versichert uns „Gott wird das nicht zulassen“. Wir nehmen ihn dennoch fest und machen uns auf zum Helikopter, mitten durch seine Anhänger, die natürlich versuchen, sich uns in den Weg zu drängen. Entgegen aller Erwartungen geraten wir hier nicht sofort in einen Schusswechsel. Das Joseph trotzdem recht behalten wird, wird uns dennoch schnell klar, als unser Hubschrauber nach dem Start direkt wieder abstürzt und wir kopfüber in unseren Sitzen hängen. Mit einem trockenen „Ich hab’s euch doch gesagt“ steigt er aus und lässt sich von seinen Jüngern feiern. Verletzt und unbewaffnet befreien wir uns aus unserem Sitz und laufen völlig planlos ins Dunkel der Nacht. Nachdem wir ein paar Gegner mit Ast oder auch Baseballschläger ihrer Waffen beraubt haben, sind wir dann endlich einigermaßen startklar für den Widerstandskampf.

Hey, Jungspund!

Zunächst finden wir uns auf einer kleineren Insel wieder, die uns sozusagen als Trainingscenter dient. Hier finden wir erste Missionen und Waffen und können Außenposten erobern. Mit dabei ist Deputy Dutch, ein Verbündeter, der uns während des ganzen Spiels via Funk hilfreiche Tipps liefert. Haben wir die Insel von den Kultisten befreit, geht es raus in die wilde Landschaft Montana’s. Jeder der drei Seed Geschwister kontrolliert ein bestimmtes Gebiet der Open-World: Bruder Jacob im Norden, John im Südosten und die kleine Schwester Faith kontrolliert den Westen. Unser Ziel ist es, die Regionen zurückzuerobern und sie den Bewohnern zurückzugeben. In gewohnter Far Cry-Manier ist die Karte zunächst noch bedeckt und liegt unter dichtem Nebel verborgen. Die Karte ist zum ersten Mal in Far Cry in 3D animiert und kann in alle möglichen Richtungen gedreht werden. Leider ist der Animation wohl die Minimap am linken Bildschirmrand zum Opfer gefallen, schade.

Haben wir einen der Außenposten befreit, wird die Karte immer weiter aufgedeckt und die Bewohner kehren zurück. Diese stehen dann für einen kleinen Plausch zur Verfügung und können von uns angequatscht werden. Welcher der Bewohner eventuell unsere Hilfe benötigt, wird uns über ein kleines Icon über dessen Kopf angezeigt. Hier erhalten wir mal mehr mal weniger nervige Nebenmissionen. Überhaupt gibt es in Hope County richtig viel zu tun. Ist man auf dem Weg zu seinem nächsten Ziel, egal ob Story- oder Nebenmission, muss man hier und da noch einen Zivilisten aus den Fängen der Kultisten befreien oder Konvois zerstören. Damit die Bewohner der Regionen auch weiter schön nach der Nase der Sekte tanzen, wird von dessen Droge „Bliss“ so einiges benötigt. Und so führt uns unsere Reise öfters mal zu Erntesilos, die es zu sprengen gilt, um der Sekte richtig schön eins reinzuwürgen. Das bleibt natürlich nicht ohne Folgen für uns. Je mehr Widerstandspunkte wir sammeln, desto aggressiver treten uns unsere Widersacher gegenüber. Wir werden verfolgt, gejagt und beschossen. Aus diesem Grund habe ich mich auch eher für den Fußweg entschlossen und bin querfeldein zu meinem nächsten Ziel gelaufen. Auch wenn es sich bei dem Titel natürlich um einen Shooter handelt, war es mir einfach irgendwann zu anstrengend alle Nase lang in ein Gemetzel zu geraten. Für die ganz faulen Widerstandskämpfer unter uns gibt ja auch noch die Möglichkeit die Silos und Konvois bequem per Flugzeug, und entsprechend ratterndem Gunfire, zu zerstören. Das Geballer aus der Luft hat mir auch richtig Spaß gemacht.

Schleich dich

Die Storymissionen führen uns früher oder später automatisch zu den zu erobernden Außenposten, die wir von jeder Menge Kultisten säubern müssen. Das Alarmsystem des Camps gehört mittlerweile zum festen Bestandteil der Far Cry-Reihe und sollte hinlängst bekannt sein. Tipp für die Neulinge in der Welt von Far Cry: Aufmerksamkeit vermeiden – Alarm abschalten und zwar so schnell wie möglich. Nicht immer sollte man hier wie Rambo mit geladener Waffe auf die Gegner losstürmen. Hat man den Alarm erstmal ausgelöst und Verstärkung naht, kann es schon mal richtig ungemütlich werden. Sich anzuschleichen und einen Außenposten unentdeckt zu erobern, dauert zwar etwas länger, bringt mir persönlich aber mehr Spaß als einfach alles niederzumetzeln, zumal es in Sachen Gegner in Far Cry 5 nicht wirklich neues zu entdecken gibt. Die schlechte KI und das öfter mal nicht authentische Verhalten unserer Feinde tun dem Spielspaß leider nicht gut. Neben den normalen Söldnern gehören die Scharfschützen auf Dächern und Typen mit Flammenwerfern zum altbekannten Repertoire. Leider ist die Luft beim Erobern sehr schnell raus. Und auch wenn Ubisoft sich hier gekonnt selbst auf die Schippe nimmt, finde ich es fast ein bisschen schade, dass man im aktuellen Titel keine Funktürme mehr besteigen muss. Mehr Abwechslung als die Außenposten bieten die sogenannten Prepper-Verstecke. Der Eingang liegt uns nicht sofort offen und muss erstmal freigelegt werden. Hier gerät man durchaus mal ins Rätseln. Zu Erbeuten gibt es mitunter richtig gutes Zeug, wie Widerstandspunkte und massig Kohle, die man in Fähigkeiten oder Waffen investieren kann. Die Prepper-Verstecke gehören eher zu den Nebentätigkeiten und sind neben Angeln oder Zeitrennen ein netter Zeitvertreib für all diejenigen, die auf Minigames stehen. Zumindest das Angeln fand ich wirklich gut inszeniert.

Eierfeier, Kühe schubsen

Ganz unbeachtet lassen kann man die Nebenmissionen nicht, wenn man wertvolle Punkte sammeln und sie in den Talentbaum investieren möchte. Auch das gesammelte Geld kann man gut in bessere Waffen investieren. Die einzelnen Fähigkeiten im Talentbaum sind teilweise richtig teuer und verschlingen pro Stück gerne mal 6 Punkte. Man sollte die Kühe also einfach mal schubsen. Was? Ja richtig gehört. Scheinbar auf’s Tier gekommen, gibt es unzählige Quests, in denen es um Tiere geht. So sollen wir für ein Barbecue ein paar Stierhoden besorgen oder müssen Kühe per Klaps auf den Allerwertesten wieder in ihren Stall treiben. Hier wird sich kräftig an den „Hinterwäldlerklischees“ bedient. Die meisten Nebenmissionen sind aber schnell erledigt und bringen uns den Dank des Bewohners ein. Bitte, gern geschehen.

Außerdem haben wir die Möglichkeit einige der Bewohner anzuheuern und in unser Team aufzunehmen. Unseren Begleiter können wir zum Auskundschaften losschicken oder direkt auf bestimmte Gegner hetzen. Sobald Gegner in der Nähe sind, quatscht unser Begleiter uns aber unentwegt voll, welchen Weg er jetzt geht und das er eine bessere Stelle gefunden habe. Das „USA USA“-Gebrülle passt dann auch ganz gut in das vor Patriotismus tropfende Spiel. Das Gequassel unserer angeheuerten Kameraden kann auf der einen Seite hilfreich sein, hat man selbst den Gegner nicht im Visier, auf der anderen Seite aber eben auch ziemlich nervig. Manchmal ist unser Begleiter auch recht ungeschickt und macht sich zu früh bemerkbar. Und so findet man sich schneller auf dem Weg diesen wiederzubeleben als einem lieb ist . Schafft man es nicht innerhalb einer bestimmten Zeit diesen wiederzubeleben, ist er für mehrere Minuten gesperrt. Dies gilt auch für unsere tierischen Begleiter, die wir ebenfalls durch Erledigung von Missionen freischalten. Der Hund Boomer sowie der Bär Cheeseburger sind ja schon im Vorfeld zu einiger Berühmtheit gelangt und auch ich bin Fan von der Möglichkeit eines tierischen Begleiters.

Ich bau mir die Welt, wie sie mir gefällt

Neben der Open-World in Far Cry 5 gibt es da noch die, die man sich selbst erschaffen kann und zwar in Far Cry Arcade. Der Map-Editor bietet unzählige Möglichkeiten Maps zu gestalten und wird mit jedem Update mehr Items erhalten, die verbaut werden können. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ob wir nun in einer Wüsten, Eis- oder Unterwasserlandschaft spielen wollen, alles ist möglich! Neben der Optik können wir, egal ob Solo- oder Koop-Modus, auch den Modus der Map, das Missionsziel, Waffen oder Fahrzeuge bestimmen. Auch designte Maps anderer Spieler stehen uns in Arcade zur Verfügung. Manch einer wundert sich vielleicht, warum er nach dem um die Ecke biegen auf einmal in einer Assassin’s Creed oder Watch Dogs ähnlichen Welt steht. Ubisoft lässt sich nicht lumpen und bietet uns aus den verschiedenen Ablegern ebenfalls Items zur Gestaltung unserer Map an. Ähnlich wie in normalen Kampagnen steigen wir auch in Arcade Stufen auf und erhalten dadurch Ingame-Währung, die wir beispielsweise in neue Klamotten oder Waffen stecken können. Wer würde denn nicht gern eine wunderschön verzierte Schaufel sein Eigen nennen?

Willst du mit mir gehen?

In einer etwas abgespeckten Version ist auch der Koop-Modus in Far Cry 5 wieder mit am Start. Hier lässt sich die Kampagne mit einem Kumpel erkunden, allerdings wird der Missionsfortschritt nur beim jeweiligen Host gespeichert. Läd euch euer Buddy also zur Erkundungstour ein und meistert Missionsziele, müsst ihr die Missionen wiederholen, solltet ihr diese nicht schon solo gemacht haben. Zieht der eingeladene Spieler also irgendwann wieder alleine los, beginnt der ganze Spaß für ihn eventuell von vorne. Anders sieht es aus, wenn beide Spieler von Anfang an zusammen losziehen. Hier wird sowohl der Kontostand als auch der Stand der Perk-Punkte gespeichert. Außerdem kann sich auch Munition geteilt werden. Ich habe selbst ein paar Missionen mit einem meiner Buddys gespielt und hatte durchaus Spaß. Möglicherweise haben wir auch sehr viel Quatsch gemacht, uns gegenseitig über die Map gejagt und ins Gesicht geschossen oder Boxkämpfe ausgetragen. Denn man kann im Koop den sogenannten „Friendly Fire-Modus“ aktivieren. Da kann die AK schon mal mit einem durchgehen. Trotz der etwas eingeschränkten Möglichkeiten bringt der Koop-Modus mit einem Kumpel Spaß. Kennt ihr also einen guten Buddy, der Lust auf eine Reise nach Montana verspürt, nehmt den ruhig mit.

The end is near

Haben wir uns dann quer durch die Regionen geballert, Ernten und Konvois zerstört und einen Haufen Zivilisten befreit, werden wir in einen fulminanten Kampf mit dem jeweiligen Herrscher der Region geschickt, das dachte ich zumindest. Die Geschwister sind leider schneller platt gemacht als gedacht und die Kämpfe irgendwie lieblos inszeniert. Jede Hetzjagd, von durch Bliss durchtränkten Kultisten, fand ich spannender. Auch die Dialoge der dahinscheidenden fand ich nicht wirklich spannend. So blieb am Ende nur ein jammerndes Etwas und ich irgendwie sprachlos vor dem Bildschirm zurück. Leider bleibt in Far Cry 5 die Gelegenheit ungenutzt selbst politisch Stellung zu beziehen. Das Spiel bietet an sich eine ganz hervorragende Plattform, um beispielsweise der Waffenlobby den Stinkefinger zu zeigen. So wirkt die ganze Story irgendwie flach und holt mich einfach nicht ab. Auch wenn man von einem Shooter grundsätzlich eher keine Tiefe der Charaktere erwarten kann, die Story hätte es durchaus hergegeben. Das unser Widerstandskämpfer während des ganzen Spiels nicht einen einzigen Satz spricht, verleit unserem eigenen Charakter leider auch keine Tiefe, schade.

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Far Cry 5
Präsentation (Grafik, Sound) 80%
Athmosphäre/Story 70%
Gameplay 80%
Spielspass 70%
Multiplayer 80%
76%
Readers Rating 81%
1 votes

Leider hat Ubisoft es verpasst, politisch Stellung zu der Story zu beziehen und somit vor allem den Charakteren mehr Tiefe zu verpassen. Die Dialoge sind flach und lieblos. Obwohl einige Neuerungen, wie tierische oder menschliche Begleiter, etwas Abwechslung in den 5. Teil der Reihe bringen, wollte der Funke bei mir einfach nicht überspringen. Mir fehlte sogar das sonst Far Cry typische Besteigen von Funktürmen. Was mir gefallen hat, waren die Prepper-Verstecke und das Lösen der kleinen Rätsel. Auch das man keine Tierfelle zur Herstellung von Beutetaschen oder ähnlichem sammeln musste, fand ich äußerst angenehm. Trotzdem bietet mir Far Cry 5 zu wenig, für das was ich angeblich bekommen sollte. Da hat Ubisoft sich mit seiner Werbestrategie leider selbst ins Bein geschossen, schade.

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About The Author

Ansprechpartnerin bei Twitter @GamingNerdDe // Angefangen hat alles mit einem Amiga500. Bis auf einen kurzen Stopp beim Desktop-Computer, inkl. Casemodding & LAN-Party’s, aber durch und durch Konsolengamerin. Xbox-Fan seit der 1. Generation. Guckt gerne über den Tellerrand, Fussball, Eishockey und Motorsport. Bingewatchingfan & Filmjunkie. Nonazis.

2 Kommentare on "Far Cry 5 im Test – Von Predigern und Propheten"

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