Normalerweise würden wir uns jetzt durch die großen und kleineren Hallen auf dem Kölner Messegelände schieben lassen und bei ohrenbetäubendem Lärm die Neuheiten aus der Videospielebranche ansehen. Aber wie wir alle wissen, ist dieses Jahr vieles anders und so auch unsere geliebte Gamescom. Statt in stickigen Messehallen findet die größte Videospiele Messe der Welt digital an einem Ort unserer Wahl statt. Gestern startete die digitale Ausgabe mit der Opening Night Live, welche bereits im letzten Jahr eingeführt wurde, um eine größere Strahlkraft der Messe in die gesamte Welt zu erzeugen und der Gamescom einen angemessenen Start zu spendieren.

Geoff Keighley Live aus… LA

Statt aus dem Kölner Congress Centrum wurde die Opening Night Live aus einem Studio in Los Angeles produziert. Bevor es los geht, ist es aber wichtig die eigenen Ansprüche runterzuschrauben. Die Gamescom war nie die Leitmesse der Videospiel-Branche und daher wurden die großen Ankündigungen und Neuheiten immer woanders getätigt. Daran hat sich auch nichts geändert, obwohl die E3 in Los Angeles dieses Jahr wegen Covid-19 ebenfalls nicht stattfinden konnte.

Stattdessen hat uns Geoff Keighley in der zweistündigen Show zahlreiche Updates von bereits angekündigten Spielen und auch ein paar kleinere Neuankündigungen präsentiert und diese teilweise im Gespräch mit zugeschalteten Entwicklern oder Produzenten konkretisiert. So wurde beispielsweise neues Material zum einen Tag vorher angekündigten Call of Duty: Black Ops Cold War gezeigt, welches uns Einblicke in die Story des kommenden Action-Spektakels gewährt. Die filmische und durchaus spannend dargestellte Unterredung von US-Präsident Ronald Reagan mit seinen CIA-Leuten, um die Freigabe zu erteilen den sowjetischen Spion Perseus aufzuhalten kann sich sehen lassen. Ich persönliche habe noch keinen einzigen Call of Duty-Teil gespielt (ja ich weiß, Asche über mein Haupt), aber das bisher gesehene macht durchaus Lust auf das erste Mal.

Ebenfalls wurden Einblicke in die Entwicklung des vierten Teils von Dragon Age gewährt, welches bei BioWare in der Entwicklung ist. Neben Mitarbeitern, die zu Wort kamen, gab es auch neue Concept Arts zu bestaunen. In Erinnerung blieb auch der gefühlt endlose Trailer zur World of Warcraft Erweiterung Shadowlands, der Fans sicherlich zu Jubelsprüngen animieren konnte, mich aber fast in den Tiefschlaf getrieben hat.

Aha-Momente: Factor 5 bringt Turrican zurück

Neben den vermeintlichen großen Spielen, von denen es dieses Jahr auf jeden Fall mehr in die Show geschafft haben, als im letzten Jahr wo immerhin Hideo Kojima als Highlight auftrumpfen konnte, gab es aber auch diese Aha-Momente.

Eines war für mich persönlich die Rückkehr von Turrican. Pünktlich zum dreißigsten Jubiläum der Reihe, bringt das wiedervereinte Entwicklerstudio Factor 5 die Reihe zurück auf die PlayStation 4 und Nintendo Switch. Neben den Anthology Vol 1 & 2 mit insgesamt zehn unterschiedlichen Teilen der Reihe, kommen zur Überraschung auch neu aufgelegte Versionen auf Modul für den Super Nintendo und Mega Drive hinzu. Das setzt das Fan-Herz kurz aus und klickt ohne zu überlegen auf kaufen im Shop von Strictly Limited Games.

Etwas verrückt war auch der Auftritt von Christopher Lloyd in seiner Paraderollen als Emmet Brown aus Zurück in die Zukunft, der den Surgeon Simulator 2 angekündigt hat. Was der Doc damit zutun hat, blieb zwar offen, aber das Spiel sah aufgrund seiner Coop-Möglichkeit tatsächlich sehr lustig und vor allem Ideal für Streamer aus. Ähnlich verwirrt lies mich die Ankündigung des Die Sims 4 Star Wars: Reise nach Batuu-Gameplay-Pack zurück, welches bereits am 8. September erscheint und man seine eigene kleine Star Wars Geschichte spielen und gestalten kann. Die Sims und Star Wars? Okay.

Aufgrund seines unverbrauchten Settings blieb aber ganz besonders das Debütspiel Unknown 9: Awakening des kanadischen Entwicklerstudios Reflector Entetainment in meinem Gedächtnis hängen. Es geht um das kleine Mädchen Haroona, welches in den Straßen von Kalkutta, Indien aufwuchs und von Visionen ihres eigenen Todes verfolgt wird. Ihre mysteriösen Kräfte, mit der sie das Ungesehene und Unsichtbare manipulieren kann, versteht sie anfangs nicht und mit Hilfe eines Mentors kann sie schließlich diese Gabe meistern und bekommt Zugang zur ominösen versteckten Dimension namens The Fold. Das narrative Action-Adventure soll ein Teil eines größeren Content-Ecosystem sein. Was genau das heißt, ist noch offen, zumindest ist der Release für 2021 geplant und ich habe bereits jetzt Lust auf das Spiel.

Als großes Highlight spendierte Sony der Opening Night Live dann noch neues Gameplay Material zum kommenden PlayStation 5-Hit Ratchet & Clank: Rift Apart. Bereits das Remake auf der PS4 sah beeindruckend aus, was uns Sony aber hier präsentiert hat, lässt die Wartezeit bereits jetzt unglaublich lang erscheinen. Theoretisch könnte sie das auch werden. Zwar erscheint die Konsole noch in diesem Jahr, aber das vermutlich ohne Ratchet & Clank zum Launch. Denn alles was Geoff Keighley den zugeschalteten Entwicklern entlocken konnte war, dass das Spiel irgendwann im Release-Zeitraum der Konsole kommt. Das könnte irgendwann sein.

Dies und mehr

Darüber hinaus gab es natürlich noch mehr. Insgesamt wurden über dreißig Spiele in der zweistündigen Show gezeigt und es lohnt sich definitiv das ein oder andere näher anzuschauen. Die Rückkehr von Sam & Max wäre so eines, das Crossover zwischen Bridge Constructor und The Walking Dead von unseren Freunden von Headup Games oder das Spiel des schwedischen Wunderkindes, der einfach mal eine eigene Engine programmiert, um sein Spiel Teardown zu realisieren. Little Nightmares 2, Crash Bandicoot 4: It’s About Time, Godfall, Age of Empires 3 Definitive Edition, Hyperscape, Captain Tsubasa, Star Wars Squadrons und viele, viele mehr waren außerdem noch dabei.

In meinen Augen ist zumindest der Auftakt der digitalen Gamescom gelungen, ob es auch das ganze Event sein wird, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Neben dem offiziellen Gamescom Programm bieten auf jeden Fall auch zahlreiche andere große Publisher wie Bethesda oder Ubisoft Inhalte im Rahmen der Gamescom. Reinschauen lohnt sich definitiv.