Gamescom 2019 unter dem Leitthema „Gemeinsam sind wir Games“ geht nun in das 11. Jahr. Die Indie Booth Arena geht in diesem Jahr zum 4. Mal an den Start und dieses Mal nicht alleine. Um die mit blauem Teppich ausgelegte Arena auf der sich über 100 Spiele tummeln ist das Indie Village mit noch weiteren Spielen. Christian und ich haben uns auch in diesem Jahr wieder hauptsächlich um die Indie Spiele gekümmert und was sollen wir sagen. Da uns die schiere Masse an hochwertigen Titeln die Auswahl dieses Jahr schwer machte, haben wir gleich zwei Artikel. Einen für die Indies, die in diesem Jahr oder Anfang nächsten Jahres erscheinen sollen, im zweiten teil dann alles danach.

Blasphemous

10. September | PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch | Angespielt von Dominik

Thematisch, wie optisch düster wurde es ebenso beim Termin zu Blasphemous aus dem Entwicklerhaus The Game Kitchen. Ihr schlüpft in die Haut eines spanischen Inquisitoren-Ritter, mit dem es eine bedrohliche Welt zu erforschen gilt. Spielerisch gibt es hier 2D-Metroidvania-Kost mit einer großen Prise Dark Souls-Feeling. Letzteres merkt man vor allem am Schwierigkeitsgrad. Die Kämpfe verlangen von euch bei den meisten Gegnern mehr als einfach nur sinnloses Gekloppe. Bei den Duellen mit den finsteren Gegner-Horden ist blocken und kontern äußerst essentiell. Besiegte Gegner hinterlassen wie beim Vorbild von From Software ebenfalls Seelen, die auch bei Blasphemous als Währung herhalten müssen und die ihr natürlich auch vorläufig verliert, solltet ihr das Zeitliche segnen. Schafft ihr es nun wieder bis zum Punkt, wo ihr gestorben seid, könnt ihr sie aber auch wieder einsammeln. In der rund einstündigen Demo kämpfe ich mich durch eine karge und finstere Berglandschaft und erreiche schließlich nach guten 50 Minuten eine dunkle Festung mit einem neuen Altar, die in Blasphemous die Leuchtfeuer darstellen. Auf dem Weg dorthin gab es Metroidvania-like einige Items zu finden, die meine Mana–sowie Lebensleiste vergrößern und die Möglichkeit geben neue Fertigkeiten freizuschalten. So lernte ich einen „stampfenden“ Schwertangriff aus der Luft um damit Feinde auf dem Boden unter mir zu attackieren und einen besonders schweren Schlag, der eine kleine Aufladezeit benötigt. Bestes Gimmick war jedoch die Investition in einen Fernangriff. Dieser kostet Manakraft, schleudert aber eine scharfe runde Klinge auf eure Feinde. Gerade bei den fliegenden Feinden auf dem Weg nach oben zur Feste, war diese Waffe Gold wert. Wer auf anspruchsvolle und düstere 2D-Spiele der alten Schule steht, wird mit Blasphemous sicher sehr glücklich werden. Der Charakter fühlt sich schwer und kräftig an und die Steuerung geht einem gut von der Hand. Die verschiedenen Gegnertypen erfordern jeweils sehr unterschiedliche Taktik und sind optisch hervorragend designed. Ich freue mich jedenfalls schon auf den Test der fertigen Version, welcher ja bereits in zwei oder drei Wochen bei uns in der Redaktion eintrudeln sollte.

Mosaic

2019 | PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch | Angespielt von Philipp

Der ein oder andere kennt es. Fest eingefahrene Tagesabläufe. Morgens aufstehen, erster Blick ob es neue Nachrichten auf dem Handy gibt. Zähneputzen, Waschen und ab zur Arbeit. Nach Hause kommen, schlafen gehen. Zwar wandelt sich in der jüngeren Gesellschaft aktuell das Bild von Leben um zu arbeiten in Arbeiten um zu leben, dennoch trifft das Spiel vielleicht genau deswegen einen Nagel der Zeit. Denn auch das Handy kann der Spieler zu jeder Zeit zücken um Neuigkeiten oder Nachrichten zu lesen oder eben seinen Punktestand im Handyspiel BlipBlop zu erhöhen. Das Spiel im Spiel gibt es im übrigen sowohl für iOS als auch für Android bereits kostenlos zum Download. Das Spiel ist eine komplett Narrative Exploration und unser Protagonist schweift dabei immer wieder in Tagträumereien ab. Der Titel wird mit voraussichtlich 3 Stunden eine Erfahrung für einen schönen Abend sein und kommt für alle aktuellen Plattformen Ende des Jahres in die digitalen Stores. Wer es aber nicht abwarten kann, kann das Handyspiel BlipBlop bereits auf dem eigenen Smartphone herunterladen.

Tunic

Ende 2019 | Xbox One | Angespielt von Philipp

2018 bekam Tunic durch die Pressekonferenz von Microsoft Xbox auf der E3 einen besonderen Platz und damit extreme Aufmerksamkeit. Was viele vielleicht nicht wissen, dass hinter dem schwertschwingenden Fuchs in grünem Gewand größtenteils nur eine einzelne Person namens Andrew Shouldice steckt. Das recht offensichtlich durch Shigeru Myamotos The Legend of Zelda inspirierte Tunic soll dem Spieler ein Gefühl vermitteln, welches man vielleicht in der Kindheit hatte, als man sich vor ein Spiel gesetzt hatte, dass Handbuch beiseite geschmissen hat und versucht hat die Regeln und Grenzen des Spiels selbst heraus zu finden. Im Spiel selbst findet man immer wieder alte Schriftrollen die im Design alter Videospielhandbücher gehalten sind, was mir sehr gut gefallen hat und ein witziger Kniff ist. Tunic spielt sich in einer isometrischen Perspektive und kommt in einem Low-Poly Look daher, der aber nie leblos wirkt. Durch viele kleine Animationen wirkt die Welt unheimlich lebendig und detailreich. Andrew hat sich auf seine Stärken besinnt und beim Design eben nicht versucht alles in einem hohen Auflösungsgrad zu stecken, sondern durch liebevolles Polishing den Titel aufzupeppen. Für das Sounddesign hat Andrew sich an Power Up Audio gewandt, die unter anderem auch schon Awards mit dem Sounddesign von Celeste gewonnen haben. Mit Finji hat er ein fähiges Entwickler- und Publishing-Team gefunden, welches die richtigen Impulse nach draußen bringt. Der grüne Fuchs erscheint konsolenexklusiv für die Xbox One, allerdings ist bis jetzt noch kein Releasetermin in Aussicht.

Necrobarista

Ende 2019 | Nintendo Switch, PlayStation 4 | Angespielt von Philipp

Der australische Entwickler Route 59 lädt zum Kaffeeklatsch. Aber kein gewöhnliches Zusammentreffen, sondern ein geselliges Kaffeekränzchen mit den Toten. Denn diese müssen in Necrobarista 24 Stunden in dem Coffee Shop ausharren, bis es auf der anderen Seite weiter geht. Als Betreiberin versuchen wir möglichst viel über die Verstorbenen heraus zu finden, bevor diese auf die andere Seite überwechseln. Die Visual Novel birgt einen Mix aus Spiel und Anime/Film Ästhetik der vollständig in 3D animiert ist. Der Spieler bestimmt in dem Spiel das Pacing komplett selbstständig in dem er per Knopfdruck durch die verschiedenen Szenen schaltet. Wer mehr von den Geschichten hören will, hat die Möglichkeit durch in den Dialogoptionen hervorgehobene Wörter, tiefer in die einzelnen Erzählungen vorzudringen, was aber immer komplett optional bleibt. Gerade der Look und die Idee mit dem Kaffeeladen haben mich mehr als überzeugt, auch wenn es spielerisch vermutlich kein Highlight wird, wird es definitiv eine nette Abwechslung für beispielsweise einen Filmeabend.

Pacer

Winter 2019/20 | PlayStation 4, Xbox One | Angespielt von Michael

Wie würde Wipeout 2097 eigentlich heute aussehen? Ganz einfach, so wie Pacer. Und wie würde es sich spielen? Genau so wie Pacer. Die Musik wäre übrigens auch wie bei Pacer. Warum? Nun, vielleicht weil es das Ziel der Entwickler war, ein Spiel zu machen, das sich so anfühlt, wie die richtig guten, alten Antigrav Racer in unserer Erinnerung sind. Statt Matschtexturen und Klotzgleitern gibt es also 4K Grafik mit hochauflösenden Texturen, 60fps und allem was man heute so braucht. Gleichzeitig gibt es aber Designs von Designers Republic, die schon für Aspekte der ersten drei Wipeout Episoden verantworteten. Obendrein gibt es einen Soundtrack vom ehemaligen Psygnosis Hausmusiker CoLD SToRAGE alias Tim Wright. Aber auch einige R8 Games Mitglieder waren mal an Wipeout Episoden beteiligt. Obendrein erinnert auch der teils dreckig düstere, teils neonlastige Look von Pacer, einfach an die alten Wipeouts. Wie übrigens auch die Streckenführung und das Gleitergefühl. Wer in den Neunzigern mit Psygnosys‘ Antigravitations-Racern groß geworden ist, fühlt sich ganz schnell heimisch. Sogar das Gefühl von Gewicht, das die einzelnen Gleiter vermitteln, erinnert frappierend an 2097. Oh, und vier Geschwindigkeitsklassen gibt es natürlich auch. Ganz anders als bei Wipeout funktioniert dagegen das Waffensystem. Denn hier müssen wir uns für bestimmte Loadouts entscheiden, auch wenn die von der Elektro Schockwelle bis zum Schnellfeuergeschütz einiges bieten. Nutzbar sind unsere Waffen aber trotzdem erst, nachdem wir ein Power Up eingesammelt haben. Gerade mal 14 Strecken erscheinen heutzutage nicht allzu viel, weil es die aber auch gespiegelt, rückwärts und rückwärts gespiegelt gibt, sowie in Tag- und Nachtform mangelt es unterm Strich doch nicht an Abwechslung. Und weil wir eben nicht mehr 1996 haben, sondern 2019 gibt es natürlich auch Online-Multiplayer, Spectator-Mode, Ranglisten und dergleichen, aber auch freispielbare Cosmetics und Waffen sowie einen umfangreichen Editor. Wer SciFi Racer mag, der darf sich jedenfalls für den Winter auf einen wirklich interessanten Titel freuen.

El Hijo

Anfang 2020 | Xbox One, PlayStation 4, Nintendo Switch | Angespielt von Philipp

Wenn es sich um das Setting Wilder Westen dreht, denkt man instinktiv an Hüte, Pferde und Pistolen. Was die Punkte Hüte und Pferde betrifft, trifft auf El Hijo zu. Letzteres wird man in dem Spaghetti Western nicht finden. Oder irgendeine andere Form von Gewalt. Das Stealth Adventure, indem wir einen kleinen Jungen spielen, geht es um den namensgebenden sechsjährigen Jungen auf der Suche nach seiner Mutter. Mit Steinen, Pfiffen und einer Schleuder versuchen wir Erwachsene abzulenken um uns an ihnen vorbei zu schleichen. Sollten wir doch einmal geschnappt werden, werden wir zu unserem Raum oder den letzten Checkpoint zurückgebracht. Das Spiel ist gespickt von lustigen Spaghetti Western Cliches. Aber sicherlich werden nicht nur Pazifisten mit dem Spiel ihren Spaß haben. Der Titel ist durchaus fordernd und hat eine Reihe von tollen Designideen, welche El Hijo abwechslungsreich gestalten. Das Berliner Indie Studio Honig Studios bringt gemeinsam mit HandyGames den Indie Titel auf alle gängigen Plattformen.