Battlefield 1 im Test – Die Vorherrschaft um die Multiplayer-Spitze?

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Es ist wieder soweit, die Frostbyte Engine hat ein neues Kind geboren. Dieses Mal eines aus der Vergangenheit, da es doch vor knapp 100 Jahren der menschlichen Geschichte spielt. Electronic Arts hat mit dem schwedischen Studio DICE einen geschichtlichen Ableger des ersten Weltkriegs auf den Markt gebracht. Nach Battlefield 4 und Battlefield Hardline steht nun also Battlefield 1 in den Regalen der Händler. Von Battlefield 4 auf Battlefield 1 ist es chronologisch gesehen mit Sicherheit erst einmal verwirrend. Der Namen macht durch das bereits erwähnte Setting des ersten Weltkriegs aber durchaus Sinn. Ist es DICE gelungen mit den neuesten Battlefield auch wieder dasselbe Gefühl hochkommen zu lassen? Das versuche ich euch im Test zu erklären.

Historisch gesehen…

battlefield1-8Besonders ist wohl am neuen Teil, dass es der erste Battlefield Teil seid Battlefield 1943 ist, welcher eine USK Freigabe ab 16 bekommen hat. – Aber warum überhaupt? Schließlich wird auch hier wieder Krieg thematisiert und First-Person Shooter werden bei uns doch per se als „schwierig“ bezeichnet. Wer jetzt Schnitte in der Darstellung befürchtet, kann sich beruhigt wieder zurücklehnen. Der Titel ist ab 16 und macht trotzdem keinen Rückzieher in der Darstellung. – Aber warum? Die USK gibt eine recht klare Antwort dazu. So ist die Einbindung der Kriegs- und Gewalthandlungen in eine epische, stets präsente und lineare Rahmenstory in einem für Jugendliche ab 16 Jahren erkennbar als historisches Setting ausschlaggebend. Hinzu kommt, dass es eine durchgängig kritische Reflektion des Kriegshandelns durch die Protagonisten gibt und auf eine detaillierte Darstellung von Wunden und Verstümmelungen verzichtet wurde. Ebenfalls kommt auch ein gesellschaftlicher Aspekt dazu, der den kompetitiven Modus betrifft, was aber durchaus für andere FPS-Titel, wie zum Beispiel Rainbow Six Siege gelten dürfte und somit wohl eher nicht direkt im Fokus steht.

„In der Luft fliegt der Paprika“

battlefield1-4Die Kampagne von der auch bei der USK die Rede ist, unterteilt sich in sechs verschiedene Schlachten in Europa und Nordafrika. Jede Schlacht wird dabei aus der Sicht eines Charakters erzählt, den wir meistens selbst spielen. Besonders ist dabei wohl gerade die erste Mission, da wir auf ein Schlachtfeld geworfen werden, bei dem wir immer wieder sterben. Der Name des Soldaten blendet samt Lebensspanne ein und prompt werden wir in den Körper des nächsten Kameraden gesetzt. Zwar ist die Mission kurz, macht aber durch die Ablebenden schnell klar, dass es im Krieg keine Helden gibt, sondern maximal Überlebende. Danach konzentriert sich aber jeder Storyabschnitt auf einen bestimmten Protagonisten. So spielen wir in der Schlacht um Cambrai den jungen Chauffeur Edward, welcher als Panzerfahrer an die Front geschickt wird. Später spielen wir dann als George Rackham, einen wagemutigen britischen Piloten, der sich gegen die Jagdstaffeln des deutschen Kaiserreiches in das Gefecht stürzt. Historisch treffen wir zwar dabei nicht auf den wohl bekanntesten Kampfpiloten Manfred von Richthofen des ersten Weltkrieges, dafür aber auf die Fokker-Dreidecker, welche für ihre Wendigkeit bekannt waren. Wenn man die ersten Storyabschnitte auf das Gameplay reduziert, können wir schnell durchblicken, wofür die Kampagne gedacht ist. So entpuppt sich das Ganze als ein großes Tutorial mit wirklich guten Inszenierungen. Doch es gibt hier und da auch offene Stränge und Fragen, die die Protagonisten ganz bewusst offen lassen oder das Geschehene gelegentlich in Frage stellen.

„Man nennt sie Arditi“

battlefield1-5Um aber auf dem Schlachtfeld später bestehen zu können, ist das auch bitter nötig, da in manchen Spielmodi doch häufig alle Aspekte der Kampagne in einen Topf geworfen werden und man sollte in der Hitze des Gefechts immer einen klaren Blick über die Funktionen und Steuerungen haben. Sei es beispielsweise bei Gasgranaten intuitiv die Maske aufzusetzen oder beim Aufschlagen eines Flammenwerfers instinktiv das Weite zu suchen, um zu verhindern, dass wir als Kebab enden. Aber wir lernen auch mit den verschiedenen Fahrzeugtypen umzugehen ob per Luft, zu Land oder zu Wasser, dabei gilt es aber auch auf unsere Umgebung zu achten. Sollten wir mit unserem Panzer doch die tiefen Schlammpfützen versuchen zu meiden, wollen wir nicht stecken bleiben und ein leichtes Opfer der Infanterie werden. Nie zuvor da gewesen bildet das Pferd in Battlefield 1 ein neues Transportmittel, welches vor allem auf Geschwindigkeit setzt, allerdings immer noch ein Tier bleibt und somit anfällig für Schaden ist. Zwar ist es möglich Feinde niederzutrampeln und einen Panzer schnell zu umkreisen, um währenddessen eine Panzerabwehrgranate zu platzieren, schlussendlich muss man dabei aber immer in Bewegung bleiben. Gelegentlich erscheinen auf dem Schlachtfeld aber auch Eliteklassen. Diese Ausrüstungen können wir während einer Schlacht aufsammeln und anschließend in einer Wachsoldatenrüstung mit einem Maschinengewehr über das Schlachtfeld marschieren, bekommen einen Flammenwerfer-Kit oder können mit einem T-Gewehr Panzerfahrzeuge unschädlich machen. Als eine Art Ritter laufen wir als Wachsoldat dann über das Schlachtfeld und können deutlich mehr einstecken als ein normaler Fußsoldat, was bei der Eroberung von strategischen Zielen durchaus entscheidend sein kann. Dabei stehen uns natürlich auch allerhand Waffen zur Verfügung, welche sich in die bekannten Kategorien einteilen lassen. battlefield1-6Shotguns, wie die Trench Shotgun, das Repitiergewehr Lee-Enfield oder die Maschinenpistole MP 18 lassen sich je nach gespielter Klasse auswählen und modifizieren. So dürfen wir als Sturmsoldat mit Maschinenpistole oder Schrotflinte in die Schlacht ziehen. Als Sanitäter nutzen wir eher Repitierbüchsen, während wir als Versorgung doch eher mit den schweren und unhandlichen Maschinengewehren eine Bresche in die Feindreihen schlagen. Zu guter Letzt darf aber auch der Scharfschütze die Gegner mit Einzelschuss-Hinterlader oder Kammerverschlussgewehren, wie das SMLE MKIII, aus der Distanz aufreiben. Alle vier Klassen haben neben der Hauptwaffe noch eine Seitenwaffe, welche aus einer Anzahl von Handfeuerwaffen, wie der halbautomatisch M1911 Pistole oder einem Bodeo 1889 Revolver bestehen. Natürlich hat jede Klasse neben der speziellen Bewaffnung auch noch zusätzliche Gadgets. Bekommt der Sturmsoldat panzerabwehrende Gadgets, kann der Späher hingegen mit dem Scharfschützen Stolperdraht-Fallen aufstellen, Feinde durch ein Leuchtsignal aufdecken oder als Sanitäter andere Soldaten wiederbeleben oder heilen. Das Waffenarsenal ist riesig und die einzelnen Waffen unterscheiden sich doch stark in der Handhabung, aber auch eine Anpassung eben jener ist möglich, ob nun ein anderes Visier mit aufgestecktem Bajonett oder in verschiedener Variation genutzt wird. So können wir beispielsweise die MP 18 auswählen in der Grabenausführung mit höhere Hüftfeuerpräzision oder in der Visier Variante mit geringerer Streuung und erhöhter Kimme-Korn Präzision. So gibt es für fast jeden Schießprügel drei verschiedene Varianten, die wir einzeln mit Kriegsanleihen freischalten können. Kriegsanleihen sind dabei die Ingame-Währung, mit der wir neue Aufsätze, Waffen und Gadgets kaufen können, sobald wir diese mit unserer Klasse freigeschaltet haben. Alternativ können wir aber auch sogenannte Battlepacks kaufen oder erspielen, in der zufällig ein Waffenskin, eine neue Nahkampfwaffe oder ein XP-Boost enthalten sein kann.

Das Schlachtfeld

battlefield1-2In gewohnter Manier tummeln sich auf dem Schlachtfeld bis zu 64 Spieler in einer Partie. Das ist für den normalen First-Person Shooter häufig erstmal eine deutliche Umstellung, da man doch viel eher Kämpfe 8 vs 8 gewohnt ist. Aber auch wenn wir hier das Vierfache an Spielern auf einer Karte haben, verläuft es sich in der üblichen Battlefield Manier. Die Karten sind groß und gerade bei Spielmodi, wie Eroberung entstehen schnell Hotspots auf der Karte, auf die sich die Spieler verteilen. Dadurch schränkt sich die Action immer auf zwei bis drei Punkte ein und ist gezielter zu erreichen. Gut funktioniert dabei aber auch die Einteilung in verschiedene Truppen. Möchten wir mit unseren Freunden einen Trupp erstellen, ist dies ohne weiteres möglich und kann sogar privatisiert werden, um fremde Teammitglieder außen vor zu lassen. Durch die Truppfunktion unterteilt sich das Gesamte also in kleine Squads, die als Einheit fungieren können. So ist der jeweilige Truppführer dafür verantwortlich seinem Team entsprechende Befehle zu erteilen, um zum Beispiel einen feindlichen Punkt anzugreifen oder eine Position zu halten. Durch das Aussprechen von Befehlen können die Truppmitglieder bei erfolgreichen Abschluss zusätzliche Punkte ergattern und mehr Erfahrungspunkte sammeln. Praktisch ist aber auch der Wiedereinstieg bei einem Truppenmitglied, wenn dieser gerade nicht unter Beschuss steht, dadurch erspart man sich häufig entstehende Laufwege von einem entfernten Punkt. Im Kriegstauben-Modus geht es darum, Tauben auf der Karte zu finden und diese fliegen zu lassen. Aber bevor ihr die Taube fliegen lassen könnt, müsst ihr erst an einen sicheren Ort, um in Ruhe eine Nachricht schreiben zu können. Dadurch fordert ihr einen Artillerieangriff auf die feindlichen Streitkräfte an. Hier ist das Vertrauen auf das Team besonders wichtig, da man während der gesamten Zeit recht schutzlos auf dem Schlachtfeld unterwegs ist. Im Spielmodus Rush muss das eine Team versuchen strategische Punkte einzunehmen, um den Feind immer weiter zurück zu drängen. Ist ein Punkt einmal eingenommen, ist er für den Feind verloren. Das Spiel endet entweder wenn der Angreifer alle Punkte eingenommen oder der Verteidiger es über die Zeit geschafft hat einen Punkt zu halten. Natürlich ist neben den Spielmodi auch der allseits bekannte Team-Deathmatch-Modus vorhanden, der aber auf kleineren Karten stattfindet. Spielmodi, wie einen Hardcore-Modus finden erst zu einem späteren Zeitpunkt den Weg in das Spiel. Im aktuellen Teil wird es auch wieder möglich sein, seinen eigenen Server zu mieten, diese werden aber nicht wie so häufig von Drittanbietern gehostet, sondern von EA selbst zur Verfügung gestellt. Wann der Service bereitgestellt werden soll und welche Kosten dabei entstehen, ist aktuell allerdings noch nicht bekannt.

„Ein guter Jahrgang“

battlefield1-11Zähflüssig und golden schimmernd scheint die Frostbyte Engine weiter im Fass gereift zu sein, präsentiert sie Battlefield 1 doch in einem so schönen Gewand. Animationen, Lichteffekte, Feuer und Rauch lassen jedes grafikangetriebene Herz noch schneller pumpen. Nach Star Wars Battlefront wusste man schon was einen erwartete, aber dennoch lässt die Darstellung einen immer wieder erstaunen. Auch Gebäude können durch Granaten- oder Artillerieschlägen wieder zerstört werden. Auf der Xbox One pumpt sich der Titel bei einer Auflösung von 720p durchweg mit guten Frameraten, hat aber noch Luft nach oben. Ruckler oder Glitches fanden sich während meiner Spielrunden keine. Im Vergleich dazu trumpft die leistungsstärkere PlayStation 4 mit einer Auflösung von 900p auf, was sich durch etwas schärfere Bilder bemerkbar macht, aber nur im direkten Vergleich zur Xbox One auffällt. Lediglich die Ladezeiten sind zwar für Battlefield normal, sonst aber doch eher etwas zu lang. Soundtechnisch weiß Battlefield 1 aber auch zu überzeugen. Schlägt im Menü einem mit dem Battlefield Classic-Theme eine doch sehr bekannte Melodie wieder um die Ohren. Aber generell ist die orchestrale Untermalung genauso wie die Synchronisierung der Protagonisten und Kameraden gut gelungen.

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Battlefield 1
PRÄSENTATION (GRAFIK, SOUND) 91%
GAMEPLAY 85%
ATMOSPHÄRE/STORY 83%
Multiplayer 87%
SPIELSPASS 85%
86%
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Ich muss gestehen, dass ich mich mit der gesamten Battlefield Reihe bisher nie so richtig anfreunden konnte. Der erste Weltkrieg ist als Setting aber doch interessant und die Umsetzung der Kampagne ist durchaus gelungen, mag es aber an der ein oder anderen Stelle auch ein bisschen zu Kinoreif für meinen Geschmack sein. Der Fokus liegt aber ganz klar auf dem kompetitiven Modus und genau da weiß der Titel zu überzeugen. Durch die Truppfunktion findet man sich auch schnell einmal zu zweit oder zu dritt zu recht. Für Solospieler ist der Titel aber gegebenenfalls nicht so geeignet, da der Großteil der Spielmodi doch eher auf Teamplay ausgelegt ist. Mit rund 4-5 Stunden im Singeplayer und vermutlich weit über 100 Stunden im Multiplayer bekommt man hier einiges für sein Geld geboten.

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About The Author

Von klein auf eigentlich ein PC-Jünger, bis er sich dann von seinem ersten Geld eine Konsole kaufen konnte. Viel verpasst bis zum N64 aber auch vieles nachgeholt. Heute hauptsächlich an der XBOX One, Xbox 360 und am PC zu finden. Spezialisiert auf FPS, Roleplay und Indie Games

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