Kick & Fennick – Zwei Freunde, zwei Sticks, ein Test

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Stell dir vor, du wächst alleine und verlassen auf und niemand ist mehr da. Das ist entweder eine prima Ausgangssituation für einen Zombiefilm oder aber der absolute Alptraum eines kleinen Kindes. Wer an der Stelle auf Zombies hofft, wird enttäuscht werden, denn der Protagonist ist tatsächlich ein kleiner Junge. Und der muss sich auch noch durch ein dystopisches Szenario voller Roboter kämpfen. Wer wissen will, wie das alles mit einer USK-Freigabe ab 6 zusammenpasst, sollte jetzt dringend unseren Test lesen.

Ziemlich beste Freunde

Kick-&-Fennick (2)Niederländer sind halt einfach nett. Nach den ersten paar Metern lassen die Jungs von Jaywalker den kleinen Kick nämlich schon auf seinen zukünftigen „Robokumpel“ Fennick treffen und er erhält noch dazu eine ziemlich dicke Knarre. Niederländer sind aber auch einfach schräg, denn Kick & Fennick kommt nämlich als Twin Stick Puzzle-Platformer daher. Spielerisch liegt das Hauptaugenmerk dabei auf Kicks großer Kanone, die allerdings primär gar nicht zur Beseitigung von Gegnern dient, sondern eher der Fortbewegung. In der Praxis heißt das folgendes: Nach vorne zielen bedeutet schießen, nach hinten wird wiederum gesprungen. Solange man sich nicht gerade unter Wasser befindet, lässt sich dieser Rückstoß zwei Mal hintereinander einsetzen und kann somit zu einem Doppelsprung ausgeführt werden. Besonderer Clou ist dabei: Je nachdem wie weit der Stick nach hinten gezogen wird, ändert sich die Stärke des Sprungs. Anfangs noch weniger wichtig wird dieses Feature im Spielverlauf immer elementarer, um zielgenau durch Hindernisse zu kommen. Und davon gibt es nach und nach immer mehr. Dabei wird während des Zielens in Zeitlupe geschaltet, was gerade im späteren Verlauf knifflige Sprungpassagen etwas entschärft.

Kumpel Fennick hilft dabei immer wieder. Wenn wir an eine Kick-&-Fennick (8)Elektroabsperrung kommen, holt er Kick blitzartig an den Absprungpunkt, solange die Energie reicht. Unter Wasser dient er als Atemmaske und sollte Fennicks Akkustand doch mal gegen Null gehen, wird nicht etwa gestorben, sondern zurückgespult.

Auf Seite der Hindernisse stehen neben dem klassischen Abgrund, Strombarrieren und bewegten Plattformen noch Trampoline und Portale zur Verfügung. Gerade letztere tauchen aber erst Richtung Spielende auf. In Kombination entstehen dabei nach und nach allerdings anspruchsvolle Parcours.

Leider ergibt sich hier auch schon ein erster, dafür aber grundlegender Kritikpunkt an Kick & Fennick. Die Lernkurve ist leider suboptimal. Die erste Welt, nur halb so lang wie die anderen, ist kinderleicht. Auch die zweite fordert nichts Nennenswertes. Ab der dritten Welt steigt der Schwierigkeitsgrad dafür sprunghaft. Wenig hilfreich ist dabei, dass auch langsam die Anzahl ungünstiger Kamerawinkel zunimmt. So ist manches Level auch dank reichlich trial & error erst nach einer Reihe Versuchen samt kurzer Blindflüge geschafft, während andere auch im fortgeschrittenen Spiel recht fix erledigt sind.

Denn so richtig schwer haben es unsere beiden Helden auch nie. Kick-&-Fennick (4)Gerade wenn, wegen fehlender Übersicht, eine Sprungpassage Fennicks ganze Energie kostet, kann das leider trotzdem nervig sein. Das gilt gerade für Trampolinabschnitte oder aber auch für die Bossfights am Ende jedes Kapitels. Das eine Mal gibt das Spiel einen klaren Hinweis für die Reihenfolge, wie man vorgehen muss oder ist zumindest mit wiederholten Wegen verbunden. Das andere Mal darf man selbst herausfinden, wie der Boss nun gerade zu besiegen ist, auch wenn sich die Lösung eben nicht wirklich schwierig darstellt.

Das kommt mir alles so vertraut vor

Bei Design, Grafik und Sound leistet sich Kick & Fennick im Prinzip wenige Fehler. Der Detailgrad kann die Vita Herkunft nicht verschleiern, dennoch wirken eine menschenleere SciFi Stadt, ein dynamisches Duo und viele Gegner an sich optisch sympathisch. Auf Dauer fehlt es aber leider schlicht an Abwechslung. So sind verschiedene Tageszeiten und Wetter auch erzählerisch nett. Die wortlose Erzählweise samt nett animierter Zwischensequenzen sind sympathisch ohne übermäßig kitschig zu werden. Insgesamt hätten es aber gerne ein paar Assets mehr sein können. Das gilt auch für die Gegnertypen, abzüglich des wiederkehrenden Bossgegners sind das nämlich gerade mal zwei, auch wenn einer davon in schwächerer und stärkerer Version daherkommt. Inhaltlich mag das sogar sinnvoll sein, weil man sich nun mal die ganze Zeit durch die gleiche Stadt bewegt und es auch keine dutzenden Robotervarianten braucht. In der Praxis fehlt hierdurch aber einfach visuelle Abwechslung. Kick-&-Fennick (10)Wenig verwunderlich, dass das gleiche letztlich auch für die Musik gilt. Es könnte einfach etwas mehr sein, denn gelungen ist die akustische Untermalung allemal.

In Verbindung mit den Portalen kann das letzte Kapitel hier noch mal ein wenig aufdrehen. Diese sind nicht nur spielerisch fordernd, auch optisch kommt hier noch mal ein wenig Abwechslung ins Spiel.

Stille Reise durch die Nacht

Kick & Fennick ist kein schlechtes Spiel. Im Gegenteil, stellenweise kann es richtig gut sein. Etwa wenn man für genug Schwung bei bewegten Portalen noch die Schwerkraft und damit die Abstände berücksichtigen muss. Oder auch bei der ein oder anderen ’schnellen‘ Sprungpassage, die präzises Timing erfordert. Auch die Twin Stick-Steuerung funktioniert nach etwas Eingewöhnung ziemlich gut.

Leider schafft es Jaywalker nicht, konstant auf dem Niveau zu bleiben. So fand ich ausgerechnet den letzten Bosskampf spielerisch am schwächsten. Sicher, das Spiel setzt keine Schwerpunkte auf Bossfights. Zusammen mit manch unausgegorener Sprungpassage und ungünstigen Kamerawinkeln zeigen sich hier einfach die verbliebenen Baustellen. Wer mit dem Mangel an Feintuning und bisweilen auch Abwechslung keine Probleme hat, kann allerdings wirklich Spaß mit Kick & Fennick haben.

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Kick & Fennick
Präsentation (Grafik, Sound) 67%
Gameplay 67%
Atmosphäre/Story 64%
Spielspaß 65%
65%
Readers Rating 0%
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Hätte Kick & Fennick mehr Abwechslung, hätte ich sofort eine höhere Wertung vergeben. Sieht man mal von der nicht ganz idealen Lernkurve ab, ist das eigentlich das Einzige, was den beiden Freunden fehlt. So bleibt am Ende ein ganz nettes Spiel, das aber Potenzial zu einem richtig guten Titel gehabt hätte. Freunde von Platformern sind trotzdem ganz gut mit Kick & Fennick bedient, auch weil es recht eigenständig daherkommt.

About The Author

1986, ein strahlender Sommer, ein Freund mit VCS, Schwarzweißfernseher, Space Invaders und Pacman. Seitdem lässt mich das Thema Telespiele nicht mehr los, egal ob Game Boy, Amiga, PlayStation, Xbox oder Wii U. Nicht mal vor dem PC hab ich halt gemacht. Einzig von Sportspielen lass ich generell die Finger.

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