Früher war nicht (nur) alles besser, sondern vor allem auch schwieriger. Kinder der Achtziger und Neunziger, wie ich es bin, wissen davon ein Liedchen zu singen. Durch die viel beschränktere und kleinere Auswahl und das ohnehin knappe Kleingeld kam man, als heranwachsender Nerd, eher selten in den Genuss eines neuen Spiels. Die Informationspolitik war früher darüber hinaus eher bescheiden und so investierte man sein hart erspartes Taschengeld ab und zu ins unermesslich Ungewisse. Meistens war das Cover und die Screenshots hinten auf der Packung der ausschlaggebende Punkt sein Geld auszugeben oder nicht. Zurück im Kinderzimmer angekommen, musste man mit der Entscheidung leben. Wieso erzähle ich das eigentlich alles? Nun ja, mein heutiger Test hat ein Spiel zum Vorbild, in dem ich meine Entscheidung im Nachhinein doch etwas bereut habe. Nicht weil das Spiel selber an sich schlecht war, nein – es war nur einfach sauschwer. Die Rede ist von Super Ghouls and Ghosts auf dem Super Nintendo. In die berüchtigten Fußstapfen des Helden Arthur, tritt 2018 bzw. 2019 die eher freundlich aussehende Madelyn. Die Probleme sind jedoch die gleichen wie 1992.

Krieger-Prinzessin Madelyn

Die Geschichte rund um das Abenteuer der wehrhaften Prinzessin ist schnell erzählt. Diese Option gibt es im Spiel übrigens tatsächlich. Wer keinen Wert auf die Geschichte legt, startet einfach den Arcade Modus und vergnügt sich in strikt aufeinanderfolgenden Leveln, die sich thematisch an denen des Story-Mode orientieren. Wählt ihr jedoch den besagten Story-Mode, ändert sich das Gameplay dezent und die Erzählweise. Madelyn ist ein junges Mädchen, was ihren Handy-Bildschirm viel zu häufig vor der Nase hat. Als ihr Opa zu Besuch ist, erzählt er seiner Enkelin Madelyn die Geschichte einer sagenumwobene Prinzessin, wodurch das junge Mädchen sofort Feuer und Flamme ist und fortan nur noch an die spannende Geschichte denkt. Die Handlung spielt also in der Handlung. Oder so ähnlich. Der restliche Krempel ist schnell erzählt: Euer Königreich wird von einem finsteren Magier überfallen und euer liebster Gefährte Terrier Fritz begleitet euch nach dem dämonischen Angriff fortan in Geisterform. Madelyn sinnt auf Rache und greift zu Speer, Messer und Schwert.

Monster, so viele Monster – Und Fledermäuse!

Auf eurer beschwerlichen Reise trefft ihr dabei auf viele Arten von fiesem Gesocks. Die meisten sind tatsächlich auch wieder eine Hommage an die ehemaligen Ghouls and Ghosts Spiele und dem typischen Klischee-Gegnerdesign der Neunziger. So graben sich Zombies plötzlich aus dem Boden oder es beschießen euch monströse fleischfressende Pflanzen. Wie in jedem Oldschool Sidescroller wurden selbstverständlich auch die obligatorischen Fledermäuse aus der Kiste geholt und auf euch losgelassen. Zum Glück ist die holde Madelyn eine recht wehrhafte junge Dame. Wie schon bei Ghouls and Ghosts ist eure Primärwaffe zu Spielbeginn ein Wurfspeer bzw. ein Wurfdolch. Nahkampf-Waffen sucht ihr zunächst vergebens bzw. müsst euch eine Weile gedulden. Das Gameplay ist zudem ohnehin eher auf Fernkampf ausgelegt. Euer Geisterhund Fritz lernt im Verlauf des Abenteuers ebenso wie ihr aber noch einige neue Angriffe und Fertigkeiten. Etwas entspannter gestaltet sich im Gegensatz zum Vorbild der Schwierigkeitsgrad und die Steuerung. Die Zeiten der Hilflosigkeit nach Arthurs (Doppel)Sprung, der sich in der Luft quasi so flexibel wie ein geworfener Stein verhielt, sind Gott sei Dank vorüber. Madelyn lässt sich auch im Sprung noch präzise und spaßig steuern.

Rücksetzpunkte nicht aus 1992 sondern aus 2018

Weitaus fairer und moderner schicken euch die Rücksetzpunkte nach eurem Ableben wieder ins Rennen. So habt ihr vier Leben auf eurem Konto und steckt immerhin zwei Treffer ein. Seid ihr „Game Over“, beginnt ihr lediglich vom Startpunkt des aktuellen Dungeons oder Gebiets. Hier muss man allerdings auch anmerken, dass dieser Umstand ein wenig notwendig ist, da ihr doch recht häufig ins Gras beißen werdet. Das Spiel ist auch eher darauf ausgelegt. Teilweise ist die Platzierung der Gegner etwas „provokant“ um es mal freundlich zu formulieren. Dabei jetzt von Trial and Error zu sprechen wäre etwas übertrieben, aber für mich legt mir der Entwickler zu viele Steine in den Weg. Die Level fühlen sich dadurch etwas holprig an und ein sauberer und flüssiger Spielflow oder gutes Pacing bleiben etwas auf der Strecke. Dafür gibt es viel zu entdecken. Geheime Wände können zerstört und unsichtbare Wände durchschritten werden. Hier findet ihr allerhand Items womit ihr im späteren Verlauf eure Ausrüstung verbessern könnt. Nach einiger Zeit des schweren Reisens gelangt ihr nämlich jeweils in Dörfer, in denen es einige Sidequests zu absolvieren gibt. Oft müsst ihr verschwundene Gegenstände finden oder einfach nur optionale Bosse erledigen.

Bitte werfen Sie eine Münze ein

Anders geht es im Arcade-Modus zu. Hier verbessert ihr Madelyns Ausrüstung durch hohe Punktzahlen um die abgeänderten Level des Abenteuer-Modus zu bewältigen. Eine Save-Funktion gibt hier leider nicht. Euer Spielstand bleibt so lange erhalten, bis ihr den Arcade-Mode wieder beendet. Im Klartext heißt das, ihr müsst das Spiel auf diese Weise in einem Rutsch durchspielen. Trotzdem ein sehr netter Nebeneffekt, da ihr somit auch zwei verschiedene „Spiele“ in einem bekommt. Entwickler Casual Bit Games integriert jedoch noch zwei nette Features im Spiel. Zum einen lassen euch die Briten bei der Musik die Wahl zwischen Classic Retro (Midi) und Orchestral.  Zum anderen könnt ihr entscheiden, ob ihr mit künstlichen Scanlines zocken wollt, oder doch lieber etwas moderner in glatter Optik.

Künstlerisch wertvoll – zumindest meistens

Optisch hauen die Nerds von der Insel für Pixel-Liebhaber schon einiges raus. Artworks, Level-Umgebungen, Gegnerdesign und Animationen sind herrlich gelungen und zeigen wie auf retro gemachte Spiele im Jahr 2018 aussehen sollten. Um so bedauerlicher, dass es mir so selten gelingt mit voller Fahrt voraus durch die Welten zu preschen, da immer ungünstig platzierte Gegner die Geschwindigkeit rausnehmen. Audiovisuell kann man Battleprincess Madelyn aber keine Vorwürfe machen. Denn auch die Musikstücke verharren wie Ohrwürmer nach kürzester Zeit in euren Gehörgängen. Die Entscheidung je nach Stimmungslage eher Retro-Gedudel oder glasklaren Orchester-Sound zu hören, kann man nur begrüßen.

Fazit:

Battleprincess Madelyn richtet sich vor allem an Liebhaber richtiger Oldschool Action-Plattformer. Der geistige Nachfolger der Ghouls and Ghosts-Saga portiert das Gameplay-Vermächtnis gekonnt ins Jahr 2018 und überzeugt mit toller Steuerung, Optik und Sound. Ob der etwas holprige Spielflow gewollt ist, kann ich nicht so richtig abschätzen. Man ist jedoch als erfahrener Spieler stets geneigt „perfekt“ durchs Level huschen zu wollen. Hier macht einem der Titel leider einen Strich durch die Rechnung. Teilweise stecken größere Gegner zu viele Treffer ein oder ihr müsst aufgrund der Position eines Feindes stark auf die Bremse treten. Wenn ihr dann öfter durch Treffer gestoßen werdet und dadurch ein unrühmliches Ende in einem Abgrund findet, sorgt die eigentlich spaßige Pixelnummer teilweise für Frust. Alles in allem ist Battleprincess Madelyn aber eine durchaus gelungene Hommage an die guten alten Zeiten.

Battle Princess Madelyn
Tolle authentische 2D-OptikAnspruchsvolles GameplayViel zu entdeckenOldschool Gameplay mit modernen Elementen vereint
Teilweise bremst das Leveldesign euch ausManche Passagen ein wenig Trial and ErrorWegfindung ohne Erklärungen
75%Gesamtpunktzahl
Grafik/Präsentation81%
Story/Atmosphäre74%
Gameplay74%
Spielspaß72%
Leser Bewertung 0 Stimmen
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