Normalerweise startet die jährliche Formel 1 Saison im März. Einige Monate später, wenn sich bereits abzeichnet, dass Mercedes wieder allen davon fährt, bringen Codemasters dann ihren jährlichen Ableger des offiziellen F1-Spiels auf den Markt. Aufgrund der Corona-Pandemie begann die Formel 1 Saison dieses Jahr unter besonderen Bedingungen erst am vergangenen Wochenende mit dem Großen Preis von Österreich. Damit gelingt Codemasters mit dem Release von F1 2020 am 10. Juli 2020 (Deluxe Edition am 7. Juli 2020) quasi eine Punktlandung. Ob Codemasters mit F1 2020 den konsequent positiven Weg der vergangenen Jahre weitergeht oder ausgebremst wird, lest ihr in unserem Test.

Nicht nur ein Update

Es gibt einige Spiele-Reihen, insbesondere Sport-Titel, die mit jährlichen Updates aufwarten. Dass es sich hierbei meist gefühlt lediglich um Lizenz-Updates handelt und wenig wirklich „neue“ Features vorhanden sind, darf man an dieser Stelle ruhig mal erwähnen. Codemasters sticht hier mit der F1-Reihe aber deutlich heraus. Seit Jahren fühlen sich die Titel immer anders an. Sie halten an Bewährtem fest, ergänzen sinnvolle Features und alle paar Jahre erhalten wir sogar neue Modi. Das ist bei einem Rennspiel nicht unbedingt selbstverständlich und dass sich die Entwickler sogar direkte Unterstützung aus dem aktiven Fahrerfeld holen, zeigt, dass sie die Weiterentwicklung ihres Spiels ernst nehmen. So wurde bspw. dieses Jahr Lando Norris, Fahrer bei Mclaren, mit eingebunden, der den Entwicklern die Funktionsweise des ERS näher erläuterte und nach einem Test des Spiels den Hinweis gab, dass man doch einen „Überholknopf“ einbauen sollte, da die Fahrer in den echten Boliden nicht dauerhaft Zugriff auf das Energierückgewinnungssystem hätten, sondern lediglich Teile der Energie für ein anstehendes Überholmanöver abrufen könnten. Auch Charles Leclerc, Teamkollege von Sebastian Vettel bei Ferrari, gab nach zahlreichen Teilnahmen an E-Sports-Events während der letzten Monate ein Feedback zu Strecken und dem Fahrverhalten der Fahrzeuge. Die Liebe zum Detail und der stetige Wunsch der Entwickler nach Verbesserung zeigt sich auch wieder in F1 2020.

Auch wenn der tatsächliche Renn-Kalender deutlich abgespeckt wurde und auf einigen Strecken sogar zwei Rennen abgehalten werden, enthält F1 2020 alle 22 Rennstrecken. Mit dabei sind daher auch der Hanoi Circuit in Vietnam und der Circuit Zandvoort in den Niederlanden. Auch die 10 Teams und die Fahrer sind wie gewohnt enthalten. Ob Codemasters das vor dem ersten Rennen neu vorgestellte Design des Mercedes W11 noch nachreicht, konnte mir auf Nachfrage noch nicht final beantwortet werden, es ist aber damit zu rechnen.

Natürlich sind auch wieder die nostalgischen Classic-Cars mit dabei. Diese werden aufgrund des 70-jährigen Jubiläums der Formel 1 mit weiteren Modellen ergänzt. Wer eine größere Auswahl möchte, der greift zur 70 Jahre F1 Edition, die mit einigen In-Game-Extras aufwartet. Noch mehr Extras erhaltet ihr mit der Schumacher Deluxe Edition, die nicht nur schon am 7. Juli 2020 erscheint, sondern die Karriere des 7-fachen Weltmeisters mit weiteren Goodies feiert.

Mein eigenes Team – Nerd Racing

In F1 2020 steht der neue My-Team-Modus über allem. Neben den bekannten Karriere-Modi, in denen wir als Fahrer in der letztes Jahr eingeführten Formel 2 oder direkt in der Formel 1 starten können, können wir in diesem Jahr unseren eigenen Rennstall gründen, managen und uns natürlich auch wieder selbst hinters Steuer setzen. Im neuen Modus stellen wir den ersten Fahrer und suchen uns erst einmal einen Team-Namen aus. Nerd Racing ist geboren. Natürlich benötigen wir auch noch ein Fahrzeug-Design, eine Team-Farbe und ein Abzeichen bzw. Logo für unser Team. Bei den Designs können wir aus vorausgewählten Designs wählen und die Farben anpassen, außerdem stehen in der Schumacher Deluxe Edition zusätzliche Designs zur Verfügung, die von Michael Schumacher inspiriert sind. Als großer Schumi-Fan muss es natürlich eine dieser Lackierungen sein. Das Design können wir während der laufenden Saison beliebig oft anpassen, sind also zu Beginn nicht dauerhaft an unsere Wahl gebunden. Da ein eigenes Formel 1 Team ein teures Hobby ist, benötigen wir zahlungskräftige Sponsoren, von denen wir ebenfalls einen zu Beginn aussuchen. Später erhalten wir die Möglichkeit die Anzahl an Sponsoren zu erweitern, um so weiteres Geld in die klammen Team-Kassen zu spülen. Geld benötigen wir zum einen um das Gehalt des zweiten Fahrers zu bezahlen, zum anderen aber auch für die einzelnen Entwickler-Teams unseres Rennstalls, die frisches Geld für notwendige Verbesserungen unseres Boliden benötigen.

Durch den Team-Gedanken im My-Team-Modus nehmen wir den zweiten Fahrer in unserem Team nochmal anders wahr. In der „normalen“ Karriere ging und geht es grundsätzlich immer nur darum, zur Nummer 1 im Team zu werden und den Konkurrenten hinter sich zu lassen. Im neuen My-Team-Modus ist der langfristige Erfolg des Rennstalls von zwei starken Fahrern abhängig, sodass wir auch die Weiterentwicklung des zweiten Fahrers im Blick behalten und im Rennen nochmal genauer darauf achten, wo unser Kollege sich platziert. Zum Management des Rennstalls gehört nun auch die Vertragsverhandlung mit dem zweiten Fahrer. So kann man sich dazu entscheiden, den zu Beginn aus der Formel 2 verpflichteten Nachwuchsfahrer mit auf dem Weg nach oben zu nehmen, oder bei fortwährendem Erfolg des Teams irgendwann einen Top-Fahrer zu verpflichten. Das nötige Kleingeld für die Vertragsunterschrift vorausgesetzt.

Im Karriere-Modus ist nach wie vor ein aktiver Fahrer-Markt vorhanden, soll heißen, dass Fahrer nach und nach die Teams wechseln und es sogar sein kann, dass ausgewählte Fahrer in die Formel 2 absteigen und starke Nachwuchsfahrer ein Cockpit in der Königsklasse besetzen. Dies hält einiges an Abwechslung bereit und sorgt dafür, dass sich nicht jede Saison „gleich“ anfühlt.

Die Story, die ich im vergangenen Jahr noch positiv herausgestellt habe, fehlt dieses Jahr komplett. Ich vermisse diesen Punkt aber auch nicht, weil dieser in F1 2019 noch sinnvoll zur erstmaligen Einbindung der Formel 2 genutzt werden konnte, dieses Jahr aber entbehrlich ist. Die Formel 2 ist nun fester Bestandteil der Karriere und verdient diese Wertschätzung auch.

Spiel, wie du es magst

Erwähnenswert ist zudem, dass man zwischen unterschiedlichen Saison-Längen wählen kann. So muss man für eine gesamte Saison nicht alle üblicherweise vorhandenen 22 Rennen absolvieren, sondern kann auch zwischen 16 und 10 Rennen wählen. Dadurch ist man nicht mehr gezwungen sehr lange Saisons zu spielen, sondern kann auch weniger Spielzeit investieren, um in den Genuss mehrerer Saisons zu kommen. Auch wurde ein neuer Casual-Modus eingeführt, der zusätzliche Fahrhilfen aktiviert und somit jedem Spieler eine gelungene Performance ermöglicht. Natürlich unterstützt F1 2020 auch wieder ausgewählte Lenkräder. Eine Auswahl findet ihr am Ende dieses Tests. F1 2020 schafft es mit den zahlreichen Individualisierungsmöglichkeiten bei den Fahrhilfen, dass sich das Fahren auch mit Pad angenehm anfüllt und das Fahrzeug entsprechend auf der Strecke gehalten werden kann. Die Entwickler haben auch ein Feature eingeführt, dass die automatische Aktivierung des DRS zur Folge hat, sodass man (wenn gewünscht) sich voll und ganz aufs Fahren und Überholen konzentrieren kann.

Ein Wunsch vieler Spieler war in den vergangenen Jahren ein virtueller Rückspiegel, der es nun auch in das fertige Spiel geschafft hat. Ich persönlich nutze ihn nicht und genieße den realistischen Ausblick aus dem Cockpit, finde es aber gut, dass individuelle Wünsche der Community berücksichtigt und die Möglichkeit zur Auswahl eingeräumt wird.

Der Split-Screen ist zurück

Das gemeinsame Spielen findet seit Jahren eher Online statt, sodass der lokale Koop immer mehr ins Hintertreffen gerät. Codemasters interessiert das wenig und spendiert uns neben zahlreichen Online-Modi auch einen Split-Screen-Modus, der sich sehen lassen kann. Die zwei Spieler können sich individuelle Fahrhilfen einstellen, sodass erfahrene mit unerfahrenen Spielern um die Top-Positionen im Rennen kämpfen können. Auch die KI ist mit von der Partie, sodass echtes Renn-Feeling aufkommt.

Technische Stolpersteine

Zu Beginn meines Tests konnte sich zunächst der Eindruck verfestigen, dass F1 2020 an die technische Sauberkeit des Vorgängers anknüpfen könnte. Damals hatte ich die Kommentierung bemängelt und die Interview-Fragen, denen oftmals der Bezug zum tatsächlichen Renn-Geschehen fehlte. Der uns vorliegenden Test-Version fehlt selbstverständlich noch der Day-One-Patch und mir ist durchaus bewusst, dass die nachfolgend genannten Fehler sicherlich noch behoben werden. Da diese meinen Test aber erheblich erschwert haben, möchte ich sie nicht unerwähnt lassen. In F1 2020 ist positiv hervorzuheben, dass das Interview und die Menü-Kommentare (u.a. Tutorial, etc.) vollständig deutsch vertont wurden. Wie im Vorgänger haben sich aber auch hier wieder kleinere Fehler eingeschlichen, die nicht weiter stören, aber doch mal zu Verwirrung führen können. So formuliert unsere Off-Stimme im My-Team-Menü, dass wir nun einen neuen Sponsor auswählen können, dies entspricht aber dann nicht der Wahrheit und scheint eine Wiederholungsschleife vom vorherigen Rennen zu sein, als wir bereits einen neuen Sponsor ausgewählt hatten.

Viel schlimmer war da die Beschädigung meines Spielstandes und der mehrmalige Spielabsturz. F1 2020 speichert immer automatisch nach einem erfolgreichen Event und überschreibt dabei den vorher automatisch angelegten Spielstand. Leider kam der Spielstand auf meiner Xbox One X dann mit einer Aktualisierung nicht klar, sodass ich den Hinweis bekam, den Spielstand zu löschen und ihn aus der Cloud erneut herunterzuladen. Das klappte dann auch nach zwei Versuchen, jedoch musste ich mehr als eine Stunde Spielzeit nachholen. Die Spielabstürze erfolgten glücklicherweise nur im Menü und nicht während eines Rennens, was deutlich ärgerlicher gewesen wäre. Es bleibt zu hoffen, dass mit einem Day-1-Patch nachgeholfen wird, um die letzten Kinderkrankheiten zu beseitigen. Außerdem wäre eine manuelle Speicher-Option wünschenswert.

Podium-Pass und Multiplayer

Codemasters führt in diesem Jahr den Podium-Pass ein, der mit dem Battle-Pass bekannter Shooter vergleichbar ist. Dabei wird auch in F1 2020 in Seasons gedacht. Während des Test-Zeitraums ist der Podium-Pass noch nicht verfügbar. Den allgemeinen Informationen, die bereits veröffentlicht worden sind, ist aber zu entnehmen, dass man in jeder Season einige Inhalte freischalten kann. Mit der Erledigung bestimmter Aufgaben schaltet man dann neue Rennanzüge, Fahrzeuglackierungen, Podiums-Posen und einiges weitere frei. Wer jedoch mehr bzw. alles freischalten und auch zusätzliche VIP-Aufgaben erhalten möchte, der muss zum VIP-Upgrade greifen, was selbstverständlich nur gegen Echtgeld zu bekommen ist. Die Spieler, die F1 2020 vorbestellt haben, erhalten das erste VIP-Upgrade dazu, müssen ab der zweiten Season aber ebenfalls in die Tasche greifen. Da sich der Podium-Pass größtenteils auf den Multiplayer auswirken und die Spieler in den Singleplayer Modi nicht einschränken wird, kann man den Pass als Karriere-Fan gekonnt ignorieren.

Der Multiplayer wurde unabhängig vom Podium-Pass nicht großartig geändert und wird auch weiterhin nervige Crash-Kiddies enthalten. Hier sollten weiterhin für ernsthafte Sessions die Ligen oder private Matches gewählt werden. Der lokale Split-Screen Modus ist zudem eine nennenswerte Verbesserung, die sich positiv auf die Wertung auswirken muss.

Fazit

F1 2020 kann der Corona-Pandemie trotzen und serviert uns die Formel 1 Action, die wir dieses Jahr im Live-TV wohl nur in abgespeckter Variante erhalten werden. Der neue My-Team-Modus kam für mich überraschend und füllt eine Lücke in meiner Wunsch-Liste, von der ich vorher noch nicht einmal was wusste, dass sie existiert. Der Modus fügt sich dabei gut in die vorhandene Infrastruktur ein und ergänzt das Spiel fabelhaft. Den Podium-Pass mit kostenpflichtigem VIP-Paket kann ich nicht gut heißen und werde ihn wohl links liegen lassen. Für engagierte Multiplayer-Spieler dürfte hier aber für die gesamte Saison eine gewisse Langzeit-Motivation generiert werden.

Unterstützte Lenkräder in F1 2020 (ohne Gewähr)

PlayStation 4

Lenkräder für die PlayStation 4 sind bei Amazon.de erhältlich.

  • Buttkicker
  • Fanatec ClubSport Shifter SQ v1.5
  • Fanatec ClubSport Steering Wheel F1® Esports
  • Fanatec ClubSport Steering Wheel Formula v2
  • Fanatec CSL Elite PS4
  • Fanatec Podium Racing Wheel F1®
  • Logitech Driving Force Shifter
  • Logitech G29
  • Next Level Racing Motion Platform
  • Pace Wheel
  • Thrustmaster Ferrari 458 Rim
  • Thrustmaster Ferrari F1 Rim
  • Thrustmaster Ferrari GTE Rim
  • Thrustmaster GT Rim
  • Thrustmaster Leather 28 GT Rim
  • Thrustmaster LED Display
  • Thrustmaster PS Rim
  • Thrustmaster T150
  • Thrustmaster T300
  • Thrustmaster T500
  • Thrustmaster T80
  • Thrustmaster T-GT
  • Thrustmaster TH8A Add-On Shifter
  • Venom Hurricane

Xbox One

Lenkräder für die Xbox One sind bei Amazon.de erhältlich.

  • Buttkicker
  • Fanatec ClubSport Shifter SQ v1.5
  • Fanatec ClubSport Steering Wheel F1® Esports
  • Fanatec ClubSport Steering Wheel Formula v2
  • Fanatec ClubSportWheel
  • Fanatec CSL Elite
  • Fanatec CSL Elite McLaren GT3
  • Fanatec Podium
  • Logitech Driving Force Shifter
  • Logitech G920 Racing Wheel
  • MadCatz Pro Racing
  • Thrustmaster Ferrari 458 Rim
  • Thrustmaster Ferrari F1 Rim
  • Thrustmaster Ferrari GTE Rim
  • Thrustmaster GT Rim
  • Thrustmaster Leather 28 GT Rim
  • Thrustmaster PS Rim
  • Thrustmaster TH8A Add-On Shifter
  • Thrustmaster TMX
  • Thrustmaster TS XW RACER
  • Thrustmaster TX

F1 2020
Der neue My-Team-Modus ist fantastischCasual-freundliche EinstellungsmöglichkeitenSehr gute Grafik zum finale der aktuellen KonsolenOptimierte FahrphysikAlle Strecken und Fahrer (auch der Formel 2)
Technische Hürden (Savegames, Synchronistation)Kostenpflichtige VIP-Pakete im Podiums Pass
89%Gesamtpunktzahl
Grafik/Präsentation84%
Story/Atmosphäre90%
Gameplay95%
Multiplayer85%
Spielspaß90%
Leser Bewertung 62 Stimmen
48%