Logitech G920 im Test – Mit Vollgas in den Reifenstapel

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Das hier von mir getestete Lenkrad Logitech G920 ist, im Gegensatz zu vielen Spielen, die uns freundlicherweise von den Publishern zur Verfügung gestellt werden, keine Teststellung. Es handelt sich um ein von meinem Geld privat erworbenes Gerät. Da ich in der Vergangenheit modernere Spiele hauptsächlich am PC spielte und auch dort bereits die eine oder andere Runde in einem Rallyeboliden drehte, war es für mich nur praktisch, dass ich damals beim Kauf der PlayStation 3 mein bereits vorhandenes Logitech G25 dank der vollen Kompatibilität direkt weiterbenutzen konnte. Mit seiner hervorragenden Verarbeitung, der grandiosen Pedalerie und dem bereits beim Kauf enthaltenen 6-Gang-H-Schalter bot sich mir in meinem PlaySeat Evolution somit an der PlayStation 3 ein ähnliches Fahrgefühl, wie ich es bereits schon vom PC gewohnt war. Immerhin gab es Colin McRae’s DiRT-Reihe auch auf der PS3, genauso wie die Need for Speed Shift-Teile oder Sonys Rennsimulations-Platzhirsch Gran Turismo 5.

Als die Xbox 360 in meinen vier Wänden einziehen durfte, wurde ich sofort von einem großen Problem geplagt: es gab (und gibt weiterhin) keine guten Lenkräder. Allenfalls sind es – mit Verlaub – Plastikspielzeuge, die kein wirkliches Rennfeeling aufkommen lassen und mich, durchaus auch wegen meiner diesbezüglich gehobenen Ansprüche, nicht einmal mit der Wimper zucken lassen. Es gibt natürlich Exoten wie zum Beispiel die wirklich, WIRKLICH teuren Lenkräder von Fanatec… aber damit sollte schon genug gesagt sein. Hier kosten die Bases (das Teil, in dem die Force Feedbackmotoren sitzen und wo das Lenkrad aufgesteckt wird) allein schon 1.000,- Euro. Die günstigeren Sets für den „Zwischendurch-Enthusiasten“ wie zum Beispiel das Fanatec Porsche 911 Turbo S Wheel war seinerzeit zwar genauso teuer wie das Logitech G25 bzw. das kurz darauf erschienene G27, konnte es qualitativ allerdings mit keinem der beiden mithalten.

Endlich gibt es Lenkräder!

Logitech G920 Xbox One 2Nungut, ich fand mich mit der Tatsache ab, dass die Xbox 360 bei mir lenkerlos bleibt. Schließlich steht mittlerweile auch die Xbox One neben der Leinwand und mit Forza Horizon 2 sowie Forza 6 sind endlich hochkarätige Rennspiele auf Microsofts aktuellem Flagschiff zu bekommen. Auch Project Cars soll mittlerweile (mit all den Patches) sehr spielbar geworden sein, leider kann ich dies mangels Spiel noch nicht selbst beurteilen. Es kam schließlich, wie es kommen musste: die Demo von Forza 6 wurde angespielt, ein Freund brachte überdies noch sein Horizon 2 mit, um mir die dem sechsten Teil sehr ähnliche „Open World-Version“ zu demonstrieren und mir war klar: „Für diese beiden Xbox One-Exklusivtitel brauche ich ein Lenkrad“.

Erfahrungsgemäß orientierte ich mich budgetseitig ungefähr dort, wo damals auch mein heißgeliebtes Logitech G25 angesiedelt war – etwa um die 300-350 Euro. Und siehe da, Logitech bietet seit etwa Mitte 2015 seine neuen Lenkräder für die Xbox One sowie auch die PlayStation 4 an. Beide unterscheiden sich lediglich in Details, so z.B. den Knöpfen, die einmal mit den Microsoft- und einmal mit den Sony-typischen Beschriftungen daher kommen. Ein weiterer Unterschied ist, dass das G29 (das PS4-Pendant) eine über LEDs signalisierte Drehzahlanzeige sowie einen Schaltblitz (ein LED-Signal, das das Schalten in den nächst-höheren Gang signalisieren soll) verfügt. Warum man diese Features nicht auch beim G920 übernommen hat, ist mir ein wenig rätselhaft, denn abseits der jeweils festgeschriebenen Konsolen sind beide Lenkräder mit dem PC kompatibel. Dazu später mehr.

Der Lieferumfang des G920 ist recht mager. Waren beim G25 wenigstens noch ein kleines Handbuch sowie der nette 6-Gang-Shifter mit im Paket, findet man beides bei Logitech’s jüngstem Lenkradspross nicht. Stattdessen befindet sich ein eher traurig anmutendes Blättchen im Karton, auf dem kurz angerissen wird, wie die Kabel der Pedalerie mit dem Lenkrad, sowie das Netzteil mit der Steckdose zu verbinden ist – Wow! Wenigstens von der technischen Seite her möchte Logitech überzeugen: Zwei Force Feedback-Motoren, die über ein querverzahntes Ritzel direkt auf die Lenkstange wirken, ein komplett mit Leder bezogenes Lenkrad sowie ein Pedalset mit Kupplung, Brems- und Gaspedal mit jeweils unterschiedlichem Dämpfungsfaktor und mit Aluminiumbeschlägen.

Der erste Rückschlag

Logitech G920 Xbox OneIn der Praxis wirken sich diese Dinge leider nicht so beeindruckend aus, wie Logitech sich das vielleicht wünscht. Das Leder des Lenkrades ist nicht sehr hochwertig genäht. Stellenweise gibt es große Nahtknoten und zu allem Überfluss wirft das Leder an manchen Stellen starke Wellen, was nicht nur in den engen Stellen, wo das Leder umschlägt, der Fall ist. Somit fühlt man diese schlecht vernähten Stellen auch, wenn man das Lenkrad ganz normal in der Hand hält. Die Knöpfe und Schaltwippen sind hingegen gut gelungen. Eine weitere Neuerung für mich im Vergleich zum G25 ist der in der oberen Mitte des Lenkrads befindliche Alu-Ring, der die Mittelstellung zeigt. Bei einem Lenkrad mit 900° Einschlagwinkel macht das durchaus Sinn, vorausgesetzt, man spielt Spiele, die solch weite Einlenkungen ermöglichen.

Das Force Feedback ist zumindest an der Xbox One eher mit „verhalten“ einzustufen. Zwar reagiert das Lenkrad schnell auf wechselnde Untergründe in Forza Horizon 2, wo es an der Tagesordnung ist, von der ordentlich asphaltierten Autobahn runter in die Stadt und über Kopfsteinpflaster zu rattern, kurz bevor man in einen Feldweg einlenkt und nur noch losen Schotter unter den Reifen spürt. Das Force Feedback reagiert stets flott und dem Untergrund entsprechend angepasst, allerdings würde ich mir ein klein wenig mehr Gegendruck sowohl durch die Bodenbeläge, als auch durch das generelle Lenken bei höheren Kurvengeschwindigkeiten wünschen. Auch Forza 6 bot hier keine stärkeren Effekte, trotz der maximalen Force Feedback-Einstellung im Spielmenü.

Das Lenkrad selbst lässt sich sehr exakt und gleichmäßig bewegen, hier stören die beiden, an der Lenkradnabe querverzahnten Force Feedback-Motoren keineswegs. Es entsteht zwar ein gewisses Surren beim Lenken, das einen an die verbaute Mechanik erinnert, allerdings befindet sich hier alles in einem erträglichen Rahmen.

Keine Leuchte unter den Lenkrädern

Schlimmer ist die mittig in der unteren Lenkradspeiche verbaute, weiße LED, die den Fahrer permanent mit gefühlten 5000 Lux anleuchtet. Was um alles in der Welt hat Logitech sich dabei gedacht? Diese LED hat keine sinnvolle Aufgabe, außer eben jener, dort rum zuleuchten. Sie signalisiert dem Fahrer nichts, außer, dass sie leuchtet und dabei ungemein stört. Sicher, man kann das Lenkrad öffnen und die LED einfach abknipsen, aber wer tut das schon? Andernfalls kann man die LED einfach überkleben… einfach? Ich habe es mit Malerkrepp versucht, ganze VIERZEHN Lagen Krepp übereinander, dann war in einem komplett abgedunkelten Raum nur noch „ein bisschen“ der LED zu sehen. Zudem hatte ich dann schlichtweg keine Lust mehr, weiter zu kleben und zu zählen, wie viele Lagen noch nötig sind. Außerdem: Wer möchte schon irgendwelche LEDs an seinem für über 300 Euro erworbenen Lenkrad abkleben? Hier muss dringend mit einem Firmware-Update nachgeholfen werden, falls die LED sich somit überhaupt ansteuern lässt.

Genug vom Lenkrad, kommen wir zu den Pedalen. Wer das G25 oder G27 kannte, dem werden die Pedale bekannt vorkommen. Bis auf die Tatsache, dass die Federummantelung von rot zu schwarz gewechselt hat, sieht die Pedalerie den Vorgängern zum Verwechseln ähnlich. Auch der 9-polige Anschluss (D-Sub 9) ist den Vorgängern entliehen. Ebenfalls stimmen die Gewinde zur Befestigung in einem Rennsitz, wie auch bei der Lenkrad-Base, mit denen der Vorgänger überein. Somit war es mir schnell und einfach möglich, das G920 auf meinem PlaySeat (Evolution) zu befestigen.

Bremspedal für Bodybuilder

Logitech G29 G920 Pedal Xbox OneNach kurzer Justage des Sitzabstandes trat ich ordentlich in die Pedale… und meine schlimmsten Befürchtungen wurden wahr: das Internet hatte mal wieder recht! Ich wollte es ja nicht glauben.Wovon ich rede? Nun, im Netz, hauptsächlich auch im hauseigenen Logitech Supportforum, häufen sich die Beschwerden, dass das Bremspedal schlichtweg versaut wurde und einer Fehlkonstruktion gleich kommt. Dass die drei Pedale unterschiedliche Druckpunkte aufweisen sollen, ist nicht mehr als richtig und wird jedem aktiven Autofahrer bekannt sein. Das Gaspedal hat einen von vorn bis hinten gleichmäßigen, eher geringen Widerstand. Die Kupplung wird nach hinten hin leicht im Widerstand erhöht und das Bremspedal sollte linear (also gleichmäßig) zum Ende hin ansteigen, sodass man nicht aus Versehen eine Vollbremsung hinlegt. Logitech nahm sich dies ein wenig zu sehr zu Herzen und stattete das Bremspedal nicht nur mit einer sehr starken Feder, sondern auch mit einem Gummipuffer am Endanschlag aus. Das Resultat ist ein Bremspedal, das sich nur mit äusserster Krafteinwirkung und Anstrengung zu 100% durchtreten lässt. Forza 6 bietet analoge Anzeigen im HUD für Brems- und Gaspedal, womit sehr genau beobachtet werden konnte, dass das Bremspedal bis etwa 75% noch halbwegs gut zu bedienen ist, es danach aber so stark im benötigten Kraftaufwand anstieg, dass eine Vollbremsung mitten im Renngeschehen schlichtweg gar nicht erst möglich war.

Abhilfe kann man sich in einigen Spielen verschaffen, in denen die sogenannten „Deadzones“ einzustellen sind. Damit kann man den analogen Weg des Pedals so einstellen, dass die maximale Wirkung im Spiel bereits bei z.B. 60% oder 70% durchgetretenem Pedal erreicht wird. Eine weitere Lösung ist auch hier wieder das Öffnen der Pedalerie, um anschließend den Gummipuffer komplett zu entfernen oder ihn aber durch die bereits im Internet angebotenen „Tuning-Ersatzteile“ auszutauschen. Es hat nicht lange gedauert, bis aus dieser scheinbaren Not erneut Profit geschlagen wird. Ich kann es garnicht deutlich genug betonen, ich übertreibe nicht! Mit meinen ca. 115kg auf 180cm Körpergröße bin ich kein Leichtgewicht und dennoch musste ich mich am Lenkrad selbst herunterziehen und mit aller Kraft in die Bremse treten, um einen 100%igen Bremsausschlag zu erreichen. Das kann es einfach nicht sein!

Tatsächlich gab es in meinem Fall eine weitere Lösung für dieses nicht von der Hand zu weisende Problem: wie ich bereits erwähnt habe, sind die Steckverbindungen der Pedalsets seit dem G25 unverändert geblieben. Es dauerte also nicht lange und ich stöpselte das G25 testweise an die Base des G920 und was soll ich sagen: ES FUNKTIONIERT! Somit konnte ich wenigstens das Lenkrad ansich endlich einem richtigen Test mit Spielen unterziehen, denn – und das meine ich toternst – mit dem originalen Bremspedal und der Einschränkung des Bremsweges über die Spiele wäre das Lenkrad noch am gleichen Abend wieder zum Händler zurückgegangen. Übrigens habe ich im gleichen Atemzug auch den Gearshifter des G25 versucht, am G920 in Betrieb zu nehmen – jedoch ohne Erfolg. Es ist mir rätselhaft, warum er nicht funktioniert, scheinbar hat Logitech hier auf elektronischer Seite etwas verändert, womit man gezwungen wird (wieder schlau von Logitech), den NEUEN Shifter zu kaufen, sofern man ihn denn benutzen möchte.

How hard can it be?

Logitech G920 Cutaway Xbox OneKommen wir zum eigentlichen Sinn und Zweck des G920, dem Renneinsatz. Doch die Probleme hören leider nicht auf. Das Logitech G920 wollte sich zu Beginn (auch mit dem originalen Pedal-Set) einfach nicht an der Xbox One in Betrieb nehmen lassen. Zu erst ging gar nichts, nach der Kalibrierfahrt des Lenkrades verweigerte es schlichtweg jede Funktion an der Xbox One. Erst mit einem eher fragwürdigen Trick aus dem Internet konnten erste Erfolge erzielt werden. Im ausgeschalteten Zustand der Konsole werden am Lenkrad die Knöpfe „LSB“, „Ansicht“ (mit den zwei Fenstern) sowie der XBox Home-Button gedrückt gehalten. Sobald die Konsole einschaltet und das Lenkrad nun seine Kalibrierungsfahrt startet, wird es von der Xbox One auch als Controller erkannt und man konnte wenigstens im Dashboard mit dem Steuerkreuz des Lenkrades umhernavigieren, aber im Spiel wollte das Lenkrad weiterhin nicht funktionieren.

Guess what: man muss das Spiel aus dem Dashboard heraus mit dem Lenkrad starten! Sobald man es mit dem A-Knopf des Controllers startet, wird das Lenkrad, in welchem Spiel auch immer, schlichtweg ignoriert. Das hätte man besser lösen können. Genauso hätte Logitech einfach eine gescheite Bedienungsanleitung beilegen können. Aber auch online findet man nur in Foren von Endbenutzern entsprechende Informationen dazu, nicht jedoch von offizieller Seite. Okay, das mit dem Starten des Rennspiels über das Lenkrad ist definitiv eine Eigenheit der Xbox One. Was jedoch keinesfalls der Norm entspricht, ist die Tatsache, dass sich das Logitech G920 dermaßen zickig bei der ersten Inbetriebnahme verhält. Mittlerweile wurde das Thrustmaster TX Racing Wheel Leather Edition gegengetestet (der Review hierzu folgt ebenfalls in Kürze) und ratet mal: es funktionierte direkt nach dem ersten Anschließen – eine absolute Selbstverständlichkeit.

Was lange wehrt…

Logitech G29 G920 Pedal 2 Xbox OneOkay, sämtliche Hürden wurden genommen, funktioniert das Lenkrad nun auch ingame? Die Antwort lautet glücklicherweise „JA“! Begonnen wurde die Testfahrt mit Forza Horizon 2, welches sich schnell als absolutes Spaßspiel entpuppt. Es ist ein großartiger Funracer, der einem den ein oder anderen Fahrfehler durchaus verzeiht. Das Lenkrad in Verbindung mit dem G25-Pedalset erweist sich hier als gelungener Controller. Kleinste Lenkkorrekturen werden gut umgesetzt und das Force Feedback arbeitet sehr schnell und dynamisch – nur eben nicht allzu kräftig, aber in einem eher arcadelastigen Rennspiel geht das durchaus in Ordnung.

Forza 6 profitiert deutlich mehr vom Lenkrad, als dies bei Horizon 2 der Fall ist. Hier kommt richtiges Fahrfeeling auf und auch das Force Feedback scheint ein wenig stärker und direkter einzuwirken, wenngleich ich vom G25 am PC mehr gewohnt bin. Auch die unterschiedlichen Fahreigenschaften der Fahrzeuge kommen hier besser zur Geltung, als dies noch bei Horizon 2 der Fall war. Ausserdem lässt sich Forza 6 mit im Spielmenü aktivierter „Simulationslenkung“ besser steuern, womit klar wird, dass – für Konsolenstandards – Forza 6 im Sinne einer möglichst realistischen Umsetzung einige Schritte nach vorn gewagt hat. Einen Test mit Project Cars sollte ich daher umgehend nachholen. Weiteres Futter bekommt die Xbox One 2016 mit dem kompromisslosen Simulationsspiel „Assetto Corsa“, welches sich bereits am PC unter Enthusiasten größter Beliebtheit erfreut. Auch Rallyeseitig werden mit den beiden Spielen „Sébastien Loeb Rally Evo“ sowie „DiRT Rally“ zwei regelrechte Dynamitstangen gezündet.

Ein weiterer Grund, der mich zum Logitech G920 greifen ließ, ist die angepriesene PC-Kompatibilität ab Windows 7. Schließlich möchte ich ungern permanent Lenkräder wechseln müssen, wenn ich mal von der Xbox One zum PC schwenke. Zudem sind die einzigen Spiele, die ich auf der PS3 wirklich gern mit dem G25 gespielt habe, eben jene, die es sowieso auch für Windows gibt, das wären unter Anderem „Colin McRae DiRT“ und „DiRT 2“. Also wurde der PC gebootet und das Lenkrad an den im Wohnzimmer befindlichen Spiele-PC angestöpselt. Windows meldet mit seinem typischen „Es wurde ein USB-Gerät angeschlossen“-Ton das Erkennen des Lenkrades und dieses fährt direkt seine Kalibrierungsfahrt an, bei dem das Lenkrad einmal komplett nach links und einmal komplett nach rechts einschlägt. Doch auch hier währt die Freude nicht allzu lange: nach Abschluss der Selbstkalibrierung trötet der Windows-Ton, den man beim Entfernen eines Gerätes zu hören bekommt. Was ist denn nun kaputt? Die weiße LED des Lenkrades blinkte fortan im Sekundentakt – dabei dachte ich zuvor schon, dass sie gar nicht noch mehr nerven könnte.

Auch hier half wieder Tricksen und Hilfesuchen im Internet. Natürlich wurde Logitech’s hauseigene „Gaming Software“ installiert, die praktisch den Treiber und die Konfigurierungssoftware des Lenkrads darstellt. Auch wurde zuerst die Software gestartet und danach erst das Lenkrad angeschlossen, doch auch das half nichts. Erst, nachdem ich die komplette „Logitech Gaming Software“ wieder deinstallierte, wurde das Lenkrad faszinierenderweise von Windows erkannt, sogar mit richtigem Logo in der Systemsteuerung. Mein mit 64 Bit Windows 7 Professional ausgestatteter PC ist generell sauber eingerichtet, keine störende Software, lediglich ein paar Spiele – mehr nicht. Es ist mir erneut ein Rätsel, warum Logitech nicht in der Lage ist, die einfachsten Dinge gescheit umzusetzen, zumal wir hier weiterhin nicht von einem Billig-Lenkrad eines kleinen Drittherstellers sprechen. Im Übrigen könnte man Logitech auch einen Strick daraus drehen, dass dem Lenkrad gar keine Software beiliegt. Denn auf der Verpackung wird nirgends erwähnt, dass zur Inbetriebnahme an einem Windows-PC eine Internetverbindung benötigt wird, um die Software von Logitech herunterladen und installieren zu können.

Genug herum geplänkelt, mein Lieblingsspiel aus dem Rallye-Sektor „Colin McRae DiRT“ sollte die Kompatibilität mit dem PC und somit den gesamten Test des Lenkrades zum bereits lang ersehnten Ende bringen. Auch hier machte sich schnell Ernüchterung breit. Im Spiel konnten zwar die Knöpfe und Lenk- bzw. Pedalachsen korrekt zugeordnet werden, beim Fahren verhalten sich die Lenk- und Pedalachsen jedoch nicht analog, sondern digital. Das heisst, dass beim Einlenken bis zu einem gewissen Punkt gar nichts geschieht und beim Überschreiten dieses Punktes der volle Lenkeinschlag erzielt wird. Gleiches gilt für’s Gasgeben und Bremsen. Zu allem Überfluss war keinerlei Force Feedback vorhanden. Gleiches traf auch auf DiRT 2 zu. Logitech hat es schlichtweg nicht auf die Reihe bekommen, einen Treiber zu schreiben, der sich entsprechend kompatibel zu alten Rennspielen verhält. Das wäre zum Beispiel möglich gewesen, indem die Achsen des Lenkrades sich wie jedes andere analoge Eingabegerät über die Microsoft-eigene DirectX-Schnittstelle „DirectInput“ ansprechen lassen würden. Logitech hielt es jedoch für angebrachter, die Verantwortung an die Softwareentwickler der Spiele abzuschieben. Somit sind tatsächlich nur neuere Rennspiele, die das Logitech G920 nativ unterstützen, auch voll zu diesem kompatibel. Das ist nicht nur traurig, sondern geradezu armseelig.

…wird doch nicht gut!

Logitech G29 G920 Shifter Xbox OneFortan beschäftigte ich mich, es war bereits später Abend eines Freitags, zwei weitere Wochenendtage intensiv mit den einzigen beiden Spielen, in denen das Lenkrad bisher gut funktionierte: Forza 6 und Forza Horizon 2. Generell verbrachte ich also einige Stunden hinter dem Steuer und konnte mir somit die Eigenheiten der Spiele sowie auch des Lenkrads einverleiben. Auch folgende Aussage ist nicht frei erfunden, sondern entspricht der traurigen, bitteren Wahrheit: am Sonntagabend war es dahin! Das Lenkrad erlitt einen plötzlichen „halbtot“, der – durch erneutes Konsultieren des Internets – leider nicht nur bei mir aufgetreten ist. Mitten in einer gemütlichen Online-Session von Horizon 2 verlor ich plötzlich die Kontrolle über den Wagen. Ich drückte die Start-Taste und die Karte öffnete automatisch. Zugleich bewegte sich der Cursor wie von Geisterhand nach links oben und schob die Karte an den äußersten Rand.

Das Problem sind schlecht verbundene bzw. nicht zug-entlastete Kabel im Inneren des Lenkrads, die sich beim Lenken komplett mit bewegen und irgendwann den Belastungen nicht mehr standhalten können. Im offiziellen Logitech-Forum häufen sich Threads mit diesem Problem und schnell wird klar, dass auch das PlayStation 4-Pendant, das G29, unter diesen Qualitätsmängeln leidet. Auf der dritten Seite des zu erst verlinkten Threads zeigt ein bastelfreudiger G920-Besitzer mit einem Detailfoto die Schwachstelle der elektronischen Verbindung zwischen Lenkradelektronik und Knöpfen. An diesem Punkt war meine Geduld entgültig ausgeschöpft und das Lenkrad wurde schweren Herzens an den Händler returniert mit genauem Hinweis auf die Qualitätsmängel sowie den zuletzt aufgetretenen Defekt und natürlich mit der Bitte um Rückerstattung des Kaufpreises.

Auch verstehe ich die vielen, durchaus positiven Testergebnisse im Internet zu diesem Lenkrad nicht – egal, ob sie von ähnlich kleinen Seiten wie der unseren oder gar von deutlich größeren, sehr bekannten Magazinen stammen. Die helle LED und das Bremspedal werden zwar gelegentlich erwähnt, aber keinesfalls als wirkliches Problem geoutet. Dabei handelt es sich definitiv um Einschränkungen, die das Lenkrad als solches schlichtweg unbrauchbar machen. Im Gegensatz zu den erwähnten Tests renomierter Quellen steht wiederrum die enorm große Anzahl an negativen Kundenrezensionen zum Beispiel auf Amazon oder Geizhals. Beim Lesen einiger Kommentare kommt mir – wie bereits zuvor im offiziellen Logitech-Forum – die Erkenntnis, wenigstens nicht allein zu sein.

Was spricht letzten Endes für und was spricht gegen den Kauf eines Logitech G920 bzw. G29? An dieser Stelle erlaube ich mir einfach, beide Lenkräder in einen Topf zu werfen, denn auch G29-Interessenten von der PS4-Sparte sollten hier wirklich äusserste Vorsicht vor dem Kauf walten lassen.

Pro:
+ Gewohnte Logitech-Optik
+ Pedalerie inklusive Kupplung
+ Hochwertiges Leder, Alu sowie Edelstahl an vielen Bauteilen
+ Leiser Force Feedback-Antrieb

Contra:
– Schlechte Verarbeitungsqualität bei Leder und Nähten
– Stets leuchtende, störend helle LED in Lenkradmitte
– Werksseitig nahezu unbrauchbares Bremspedal
– 6-Gang-Schalthebel nur gegen Aufpreis erhältlich
– PC-Kompatibilität lässt sehr zu wünschen übrig
– Schwachstellen der Verkabelung können zum Defekt führen
– Offizieller Support schweigt sich zu Problemen aus
– Für die gebotene Qualität deutlich zu hoher Preis

 

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Logitech G29
Optik 75%
Verarbeitung 35%
Handling 65%
Force Feedback 55%
Zuverlässigkeit 15%
49%
Readers Rating 15%
1 votes

"Logitech, what have you done?" Mehr fällt mir an dieser Stelle kaum noch ein. Der Glanz des großartigen G25 sowie das nochmals deutlich verbesserte G27 konnten Logitech nicht dazu verhelfen, einen würdigen Nachfolger auf die Next Gen-Konsolen zu bringen. Die meiste Zeit in der mit drei Tagen doch eher kurzen Testphase, sorgte das G920 eher für Frust anstelle von Spaß. Der hohe Kaufpreis in Verbindung mit der nicht ausreichenden Verarbeitungsqualität - das Teils schlecht bezogene und vernähte Leder - sowie den vielen störenden Eigenheiten wie der stets grell leuchtenden LED oder dem verhunzten Bremspedal sorgen am Ende leider dafür, dass dem Lenkrad in diesem Zustand auf gar keinen Fall eine Kaufempfehlung ausgesprochen werden kann. Der mehr als frühzeitige Defekt des Lenkrads, der zudem auf einen Serienfehler hinzudeuten scheint, setzt dem Ganzen noch ungewollt das Tüpfelchen auf das "i". Fairerweise möchte ich in Erwägung ziehen, dass die anfänglichen Schwierigkeiten zur Inbetriebnahme an der Xbox One sowie die nicht zufriedenstellende Installation am PC durchaus auf einen bereits vorhandenen Defekt am Lenkrad zurückzuführen sein könnte. Falls ein Logitech-Mensch, der etwas zu sagen hat, diese Zeilen hier liest, darf er sich gern dazu geneigt fühlen, mir über unsere Redaktion ein neues Lenkrad zur Teststellung zukommen zu lassen. Ich werde gewiss kein zweites Mal zu einem G920 greifen. Liebe Leserinnen und Leser, an dieser Stelle möchte ich erneut erwähnen, dass der Test des Thrustmaster TX Racing Wheel in der "Leather Edition" in Kürze folgen wird. So viel sei vorweg verraten: bisher habe ich keine müde Sekunde daran gedacht, es wieder zurücksenden zu wollen - trotz eines höheren Anschaffungspreises ;)

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About The Author

Ob Konsole oder PC - solange es Spaß macht, darf das Spiel gern über meinen Bildschirm flimmern. Seit 1989, als mein Vater seinen C64 bekam, bin ich aus der digitalen Spielwelt nicht mehr wegzudenken. Mein Spezialgebiet sind dabei hauptsächlich Retro-Spiele und die zugehörige Hardware. Neben Videospielen höre ich leidenschaftlich gern Musik.

1 Kommentar on "Logitech G920 im Test – Mit Vollgas in den Reifenstapel"

  1. der_w

    Mit den Pedalen hat es ja Logitech schon irgendwie immer. Kann mich noch an ein PS3 Wheel von denen erinnern wo bei regelmäßiger Nutzung man einen Jitter in das Gaspedal bekam welcher sich über die Zeit noch verstärkte. Hauptursache war hier die Plastikhaltung für das Gaspedal selbst. Der Kunststoff hat auf Dauer die Belastung nicht ausgehalten und es gab spiel in der Pedalachse. Ansich zur damaligen Zeit ein top Lenker und wurde sehr oft empfohlen in der Sim-Comunity, da es auch nicht zu teuer war. Mich selbst hat der Defekt 3 mal getroffen. Konnte das problemlos bei Logitech reklamieren, nur der Kundendienst soll dort auch nicht mehr das sein was er schon war.

    Generell muss man sagen, dass die Preise für Lenkräder in den letzten Jahren unglaublich angezogen haben, ohne dass die Qualität mitging. Als ich nach längerer Simracerpause nach einem neuen Wheel schaute, war ich darüber sehr erstaunt. Hatte ich doch damals meine G25 & G29 für unter 200 EUR ohne speziellen Angebotspreis bekommen. In der Preisklasse bis 300 EUR gibt es quasi absolut nichts empfehlenswertes. Selbst die Lenker in der Preisklasse zwischen 300 und 500 EUR haben so ihre Kinderkrankheiten welche man in der Preisklasse eigentlich nicht erwartet. T500RS mit feststehenden Schaltwippen oder eben jetzt den Designfehler der Pedale beim Logitech als Beispiel. Man kann sich teilweise nur fragen, ob die Entwickler jemals ein Sportlenkrad in der Realität gesehen haben.

    Dein Erlebnisbericht zum G920 / G29 ist evtl etwas arg harrsch, aber auch verständlich. Mein Eindruck war schon damals bei der Produktankündigung, dass hier Logitech einfach einen ‚Refresh‘ des G27 auf den Markt drückt um durch die aufkeimende neue Racerwelle vorallem auf den Konsolen ein paar EUR zu machen. Es wäre so einfach gewesen zumindest auf der PS4 passende Treiber für das G25 & G27 zu schreiben, so dass man die alte Hardware an der PS4 nutzen könnte. Das hat übrigens Thrustmaster mit dem T500RS getan hat. Nur damit verdient man ja kein Geld. Lieber einen halbgaren Refresch für viel Geld auf den Markt werfen. Logitech ist bei mir ziemlich unten durch, dabei habe ich deren Hardware früher quasi blind gekauft.

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