Nachdem mein Beyerdynamic Custom One von einer höheren Macht (aka. Frau) annektiert wurde und das Logitech G633 ständig knarzte wie ein olles Piratenschiff kurz vor dem Abwracken, musste was Neues zum Zocken her. Geschlossen bitte und gerne mit fest eingebautem Mikro. Blöd nur, dass mich viele Gaming Headsets einfach nicht überzeugen wollen, oder können. Soundmäßig sind viele, gemessen am Preis, nur geht so bis ganz nett. Dazu kommt ziemlich oft eine gewisse Spielzeugoptik, auch wenn es hier Ausnahmen gibt. Eine solche Ausnahme ist das Kingston HyperX Cloud, das obendrein auf einem Monitorkopfhörer eines asiatischen Herstellers basiert. Ob das vielleicht sogar für Games und Musik gleichermaßen taugt?

Nette Packung, schicker Inhalt

Einmal den Karton geöffnet, lächelt das Cloud uns von einem weichen Schaumstoffbett entgegen. Im Fall des Cloud Silver (PS4) und CloudX (One) gehören ein Tragebeutel und ein Adapter für PC ins Paket, das abnehmbare Mikro natürlich sowieso. Andere Varianten enthalten übrigens von nur Mikro bis zu zusätzlichen Veloursohrpolstern und USB-Soundkarte, recht unterschiedliche Zubehöre. Es lohnt sich also, nicht nur auf den Preis zu schauen. Die beiden Konsolenfassungen Cloud Silver (PS4) und CloudX (One), die sich im Weiteren nur durch die offizielle Lizenz entscheiden, bieten auch eine Kabelfernbedienung für Lautstärke und Mikrofonstummschaltung. Laut Onlinebewertungen kann eben jene Fernbedienung ein Quell für Probleme sein, im Test konnte ich davon allerdings nichts feststellen. Falls ihr sie nicht braucht bietet es sich aber an, eine Version ohne die Kabelregler zu nehmen.

Das Cloud selbst wirkt, zumindest in Schwarz-Silber, eher unauffällig und vergleichsweise edel. Die Gabeln der Ohrhörer sind aus silbern lackiertem Alu, die Kunststoffteile mit mattem Softlack überzogen und auch die Qualität der Softskin Polster überzeugt. Der Logo-Aufdruck auf den Metall-Inlays der Ohrmuscheln, sowie die weiße Ziernaht am Kopfpolster, sind hier noch am Auffälligsten. Dabei ist das Kopfband auch noch mit einem HyperX Schriftzug bestickt, allerdings in schwarz. Die blitzsaubere Verarbeitung muss sich dabei kein bisschen vor teureren Headsets (oder Kopfhörern) verstecken. Dazu tragen auch die gelungene Kabelführung, Knickschutz beim gewebeummantelten Kabel und andere Details bei. Natürlich sind die Softlack Oberflächen nicht ganz unempfindlich und verglichen mit einem Beyerdynamic gibt es beim Cloud auch etwas schlechtere Verarbeitung und Materialwahl, wir reden da allerdings auch von 150-200,-€ Kopfhörern bzw. Headsets gegenüber 60-80,-€ beim HyperX Cloud.

Passt das?

Natürlich bringt das alles nix wenn die Ergonomie nicht stimmt. Und leider lauern hier gewisse Fußangeln. Die haben allerdings fast ausschließlich mit der Größe zu tun. Die ovalen Ohrpolster passen bei kleinen bis mittleren Ohren gut, für große oder weit abstehende Ohren könnte es allerdings schnell eng werden. Ein bisschen lässt sich zwar durch Unterfüttern der Ohrpolster tricksen, aber hier wäre etwas mehr Platz wünschenswert gewesen. Reicht der Raum für die Ohren ist das Cloud allerdings ziemlich bequem. Und auch die Kopfgröße sollte nicht unbedingt riesig sein. In meinem Fall, mit eher großem aber keineswegs riesigem Kopf, steht das Cloud bereits auf maximaler Größe. Sowohl Beyerdynamic als auch Logitech bieten hier mehr Platz. Dafür kann, erneut, das Kopfpolster punkten, das auch nach Stunden bequem sitzt.

Anders als etwa beim G633 bietet das Cloud auch ein klassisches Schwanenhalsmikrofon, das sich gut einstellen lässt. Einmal eingestellt ist es auch kein Problem, das Headset mal ab- und dann wieder anzulegen. Es verstellt sich so leicht halt nix. Die ovalen Cups erleichtern es auch, das Cloud mal kurz um den Hals zu tragen, wobei es so immer noch mehr einschränkt als manche Headsets mit klappbaren Ohrmuscheln. Gar kein Problem ist es, das Cloud mal auf einer Seite vor oder hinter dem Ohr zu tragen, es hält trotzdem sicher am Kopf. Geschlossenes Headset heißt natürlich auch, dass es früher oder später zum Wärmestau kommt. Da macht das Cloud keine Ausnahme, Velourspolster sollten auf Dauer aber etwas weniger warm sein.

Und wie klingt’s?

Widmen wir uns erstmal kurz dem Mikrofon. Das kann insgesamt definitiv überzeugen, bietet aber auch, abhängig von der genauen Tragweise, eine gewisse Schärfe bei S-Lauten und kann ggf. Atemgeräusche auffangen. Das lässt sich zwar durch Ausrichten gut beeinflussen, ein stärkerer Popschutz wäre aber nicht verkehrt gewesen. Überzeugen kann das Mikro wiederum bei der Richtwirkung. Dank nierenförmiger Richtcharakteristik werden nur wenige Umgebungsgeräusche aufgenommen. Störquellen bleiben so in einem sehr engen Rahmen.

Auf der anderen Seite steht natürlich der Klang des HyperX Cloud. Für die meisten wohl die wichtigste Kategorie. Die immerhin 53mm großen Treiber können dabei beachtlich laut spielen, ohne zu verzerren. Hier liegt auch ein Problem, man merkt eventuell gar nicht, wie laut (und ggf. gehörschädigend) man eigentlich hört. Natürlich kein Fehler des Headsets, aber man sollte sich darüber im Klaren sein. In Stereo kann die Breite der Darstellung schon wirklich punkten. Gerade als geschlossenes Headset leistet das Cloud hier sehr gute Arbeit. Alleine an Tiefe mangelt es etwas. Allerdings bieten andere geschlossene Headsets hier keineswegs mehr. Ziemlich gelungen ist die Darstellung bei Kopfhörer Surround, also etwa Dolby Atmos for Headphone oder Windows Sonic. Viel Leistung um laut zu spielen braucht das Headset auch nicht.

Die Basis Monitorkopfhörer lässt natürlich auf gute Klangeigenschaften hoffen. Und die bringt das HyperX Cloud auch mit sich. Trotzdem könnte der ein oder andere im ersten Anlauf enttäuscht sein. Denn im Bass sind viele andere Headsets erstmal lauter. Dabei ist das Cloud keineswegs bassschwach. Der Vergleich mit neutralen Kopfhörern zeigt sogar, dass es eigentlich etwas zu viel Bass macht. Allerdings erst ab zirka 100Hz abwärts, und dann auch bis in die unteren Lagen. Dabei bleibt der Tiefton immer sehr präzise und recht knackig. So einigeandere Headsets heben den Bass einfach noch mehr an, und teils bis deutlich in den Oberbass. Die Abstimmung des HyperX hat hier aber einige Vorteile. So verschmiert der Tiefton die Mitten nicht, wie es teils bei anderen Kopfhörern der Fall ist. Im Gegenteil, der mittlere Frequenzbereich gibt sich sehr durchhörbar und detailliert. Auch der Hochton macht insgesamt einen sehr ausgewogenen Eindruck, empfindliche Zuhörer werden hier vielleicht feststellen, dass S-Laute teils überbetont sind. Tatsächlich hat das Headset auch eine schmale Spitze im Hochton, die aber meist nicht störend auffallen dürfte.

Tatsächlich kann das HyperX Cloud sogar sehr gut bei Musik überzeugen. Auch hier geht die akustische Bühne eher in die Breite als in die Tiefe, die saubere Darstellung gerade mittlerer Frequenzen und das Auflösungsvermögen können hier aber echt überzeugen. Gleichzeitig kann, gerade bei Musik, der Tieftonpart wirklich mitreißend sein, weil das Cloud hier nie aus dem Tritt kommt. Je nach Musikrichtung kann sich hier aber auch bemerkbar machen, dass das HyperX eigentlich etwas zu viel Bass macht. In den allermeisten Fällen dürfte das aber nicht stören. Etwas kritischer ist da der Hochtonpeak. Dieser könnte empfindliche Zeitgenossen eventuell doch nerven, zumindest auf Dauer. Allerdings gilt das im Vergleich mit Kopfhörern, die eher von 100,-€ aufwärts kosten. Im Bereich Gaming Headsets dürfte es wenig geben, das hier nennenswert besser ist.

Eierlegende Wollmilchsau Reloaded

Gaming-Headsets sind in der HiFi-Ecke ziemlich verschrien. Nicht ganz zu unrecht. Kingstons HyperX Cloud schafft es dabei aber, eine saubere Brücke zwischen Musikwiedergabe und Gaming zu schlagen. Natürlich kann man damit auch super Filme schauen, beziehungsweise hören. Auch optisch kommt zumindest die silberne Variante deutlich erwachsener daher als die meisten Spieler-Headsets, während die rote auffälliger aber ebenfalls wertig wirkt. Genau deswegen ist es allerdings auch schade, dass die Ohrpolster nicht eine Nummer größer ausfallen und sich das Kopfband auch nicht so weit stellen lässt wie etwa beim Logitech G633. Denn Spieler mit großen Köpfen und/oder Ohren bleiben so außen vor.

Fazit

Die Onlinekritik zur Kabelfernbedienung können wir nicht bestätigen. Im Zweifelsfall greift einfach zu einer Variante ohne diese. Denn sofern es auf euren Kopf passt ist das Kingston HyperX Cloud ein wertiges, gut verarbeitetes und wirklich ausgewogen klingendes, definitiv musiktaugliches Headset. Nicht nur für Gaming empfehlenswert.

Kingston HyperX Cloud
86%Gesamtpunktzahl
Klang86%
Verarbeitung87%
Mikrofon85%
Tragekomfort84%
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