Yooka-Laylee im Test – Alte Liebe rostet nicht

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Fast 20 Jahre nach Release des ersten Banjo-Kazooie Adventures erblickt ein Tribut das Licht der Welt. Als am 1. Mai 2015 die Kickstarter Kampagne von Playtonic Games an den Start ging, dauerte es nur 40 Minuten bis das erste Finanzierungsziel von 175.000 Britischen Pfund erreicht wurde. Nach 24 Stunden hatte man bereits einen Betrag von 1,2 Millionen Britischen Pfund erzielt. Schnell wurden Stretch Goals nachgereicht, die hoch bis auf zwei Millionen Pfund gingen. Am Ende erreichte das Projekt 2.090.104 Britische Pfund und somit mehr als das Zehnfache des ursprünglichen Ziels. Blickt man auf die Bilder und Trailer ist das aber auch verständlich. Als ich die ersten Bilder sah, konnte ich mich vor Vorfreude kaum halten. Ein Tribut an die 3D-Plattformer aus dem Hause Rare mit ehemaligen Mitarbeitern von Rare, das klingt schon fast zu gut. Nun ist Yooka-Laylee herausgekommen und ich hatte die Möglichkeit mich vorab bereits in meine Kindheit zurückversetzen zu dürfen.

Klischeetriefend

Allein der Name Yooka-Laylee bringt den Geist der vergangenen Videospiel-Reihe mit sich. Besteht auch hier wieder der Name aus den Protagonisten und zeitgleich auch aus Instrumenten (Ukulele). Die beiden Freunde Yooka und Laylee liegen in der Sonne, schlürfen Eistee und genießen ein sorgenfreies Leben. Währenddessen planen der fiese crowdfunding finanzierte Konzernfiesling Capital B und sein Handlanger und böser Sidekick Dr. Quack alle Bücher aus der Welt einzufangen, um an das eine magische Buch zu kommen, mit dem sie die Geschichte des Universums neu schreiben können. Natürlich ist das Buch zufällig im Besitz unserer beiden Freunde und sie haben eigentlich andere Pläne mit dessen goldenen Seiten. Als es dann ebenfalls verschwindet und sich in seine Seiten auflöst, machen sich das Chamäleon und die Fledermaus auf, um den magischen Einband mitsamt seinen Seiten wieder zurückzuholen. So beginnt unsere Reise durch verschiedene Welten und der Kampf gegen Capital B und seine Schergen.

Yooka-Laylee ist ein klassischer 3D-Plattformer, welcher auf die Collect-a-thon Mechanik setzt, die auch schon seine geistigen Vorgänger und Spiele wie Mario 64 oder Ratchet & Clank genutzt haben. In den Spielen heißt es: sammeln, sammeln, sammeln! Was in Mario 64 Sterne sind und in Banjoo-Kazooie Puzzleteile, sind in Yooka-Laylee eben jene verlorenen Buchseiten des magischen Einbands. Diese Seiten sind rund um die Hivory Towers, unserer Hub-Welt, und in Weltenbüchern versteckt. Aber nicht nur die Seiten wollen gesammelt werden, auch Federn um bei der hosentragenden Schlange Trowzer neue Fähigkeiten kaufen zu können oder Spielautomaten-Münzen, um die Spielautomaten von Rextro freizuschalten. Die verschiedenen Welten können wir mithilfe der Großwälzer bereisen, welche  wir per magischen Pagies freischalten. Haben wir genug Pagies gesammelt, können wir die Welten erweitern, um neue Gebiete freizuschalten und noch mehr der goldenen Seiten zu sammeln. So gibt es in jeder der fünf Welten 25 Seiten in ihrer erweiterten Form plus 20 Seiten in der Hub-Welt, womit es insgesamt 145 Seiten zu sammeln gibt.

Das komplette Spiel setzt auch genretypisch auf Backtracking, da wir bestimmte Seiten erst erreichen, wenn wir alle Fähigkeiten freigeschaltet haben. Wir kommen also auch in der Hubwelt nur weiter, wenn wir die benötigten Fähigkeiten freigeschaltet haben. Die meisten Fähigkeiten benötigen dabei Ausdauer. Die Ausdauerleiste lässt sich durch das Sammeln von Schmetterlingen wieder schnell auffüllen aber auch nach etwas Zeit füllt sich eben jene Leiste wieder auf. Mit den genannten Schmetterlingen können wir aber auch unsere Lebensenergie wieder auffüllen indem wir die geflügelten Insekten fressen. In jedem Großwälzer gibt es neben unterschiedlichen Rätseleien auch bestimmte Standardaufgaben, die jede Welt enthält. So gilt es in jeder Welt fünf Ghostwriter zu finden, einen Spieleautomaten mit jeweils zwei Aufgaben und ein Loren-Level, welches sogar ein Kickstarterziel war. So springen und wirbeln wir uns durch die Level. Lernen dabei neue Fähigkeiten, wie einen Bodenstampfer, durch die Luft zu gleiten oder Yooka’s Fähigkeit zu nutzen, Eigenschaften von Gegenständen zu übernehmen, wenn er sie frisst. So kann Yooka für eine begrenzte Zeit Feuer speien oder Eispfeile schießen. Man merkt wie häufig und wie fast schon dreist sich die ehemaligen RARE Mitarbeitern an den Elementen von Banjoo-Kazooie bedienen. So können sich Yooka und Laylee mithilfe einer Maschine in andere Formen verwandeln. In Glitzerfrostgletscher zum Beispiel in einen Schneepflug, mit dem wir dann die Schneehaufen in der Welt entfernen können. Für jede Welt gibt es eine andere Transformation. Die damit verbundenen Rätsel sind teilweise wirklich knifflig, manche liegen aber auch wirklich auf der Hand. Wenn man also mal überhaupt nicht weiter weiß, geht man an dem Rätsel erst einmal vorbei, in den meisten Fällen erkennt man dann später durch eine neue Fähigkeit, wie das Rätsel gelöst werden kann und kehrt zu der Stelle zurück. Das Spieldesign ist wirklich sehr gut durchdacht und das Gameplay hat mich in seinen Bann gezogen.

Ein altes Problem

Die Steuerung von 3D-Plattformen gehört wohl mit zu den größten Herausforderungen. Gerade das Springen im dreidimensionalen Raum ist nicht immer ganz einfach, wenn man kleinere Plattformen treffen muss. In Kombination mit der Kamera wird es dann häufig richtig kniffelig. Ob gewollt oder nicht gewollt, hat Yooka-Laylee dieselben Tücken wie schon Banjoo-Kazooi. So bleibt die Kamera beim Drehen mal an einer Kante hängen oder wir springen an einer Plattform vorbei, weil die Kamera sich verdreht und wir uns daraufhin in die falsche Richtung bewegen. Hier und da wechselt der 3D-Plattformer auch mal in eine Seitenansicht, was leider teilweise auch die Tücken hat, dass wir mal an einem sammelbaren Gegenstand vorbeirennen. In schnellen Passagen kann sowas schnell frustrieren. Ansonsten fühlt sich die Steuerung insgesamt ordentlich an, bei der ein oder anderen Transformation wirkt das Duo allerdings ein wenig schwammig und hat mich vor allem bei besagten Schneepflug schier zur Verzweiflung gebracht.

Als kleines Gimmick obendrauf gibt es noch einen lokalen Multiplayer Modus. Dieser lässt euch alle acht Minispiele von Rextros Arcadeautomaten mit bis zu vier Spielern spielen. Parcour, Rennen, Punktejagd oder eine wilde Klopperei bringen für kurze Zeit Abwechslung. Das Retrofeeling kommt dann nochmal auf, wenn man den Highscore mit seinen drei Buchstaben einträgt. Insgesamt sind die Spiele nett, aber verlieren schnell an Motivation, womit das Ganze nur eine nette Dreingabe bleibt. Natürlich könnt ihr auch alleine auf Punktejagd gehen, aber gemeinsam ist es einfach lustiger.

Alter Wein in neuen Schläuchen

Das altertümliche Quaken der Dialoge ist natürlich wieder mit dabei und ist wohl eines der größten Merkmale der Hommage. Wer den geistigen Vorgänger nicht kennt, muss sich das Ganze tatsächlich vorstellen als würde jemand anstatt des Textes vorzulesen nur „Blabla“ sagen. Die Texte dazu sind lustig geschrieben und man nimmt gerne mal das Abenteuer auf die Schippe. Die Charaktere sind nett geschrieben, aber hier und da auch schnell wieder vergessen. Auch die musikalische Untermalung passt in die verschiedenen Welten und machte mir unheimlich viel Spaß. Neben der Kamera fällt bei der technischen Umsetzung auf, dass die Unity Engine nicht wirklich ausgereizt wird. Im Vergleich zu Bildern von der PlayStation und PC scheint die Xbox One sogar noch Einbußen in der Darstellung der Schatten hinnehmen zu müssen. Die flackern nämlich nicht nur, sondern sind auch sehr grob dargestellt. In Gesichtern fällt das unangenehm auf. Auch ein leichtes Kantenflimmern macht sich immer wieder bemerkbar. Insgesamt läuft der Titel zwar recht stabil mit den 30 Bildern pro Sekunde, in seltenen Fällen kommen aber doch kleinere Einbrüche vor. Die Welten sind wenig detailreich und auch bei den Texturen ist noch Luft nach oben. Bei den Gegnern hat man sich in jeder Welt für den Standardtypen ein passendes Design ausgedacht, der Rest bleibt allerdings über das gesamte Spiel hinweg gleich. Insgesamt wirkt der Titel technisch etwas altbacken und könnte sich ruhig ein wenig an den aktuelleren Systemen orientieren. Aber vielleicht trägt auch die etwas veraltete Technik seinen Teil zum Nostalgie-Feeling bei.

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Yooka-Laylee
Präsentation (Grafik, Sound) 74%
Gameplay 82%
Atmosphäre/Story 80%
Spielspaß 84%
80%
Readers Rating 50%
2 votes

Da ist es nun und ich bin ein wenig hin- und hergerissen. Auf der einen Seite hab ich mich sofort in meine Kindheit zurückversetzt gefühlt und auf der anderen Seite würde ich am liebsten bei den technischen Details wegschauen, da diese dem heutigen Standard nur knapp gerecht werden. Trotzdem machte mir das neue Duo über die vollen 20 Stunden hinweg wirklich Spaß und ich werde noch auf die Suche nach den restlichen Seiten gehen. Mit einem Preis von rund 39,99 € können Genre Fans fast blind zugreifen, sollten aber nicht erwarten, dass Playtonic Games das Rad neu erfindet. Im Kern bleibt Yooka-Laylee alter Wein in neuen Schläuchen.

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About The Author

Von klein auf eigentlich ein PC-Jünger, bis er sich dann von seinem ersten Geld eine Konsole kaufen konnte. Viel verpasst bis zum N64 aber auch vieles nachgeholt. Heute hauptsächlich an der XBOX One, Xbox 360 und am PC zu finden. Spezialisiert auf FPS, Roleplay und Indie Games

1 Kommentar on "Yooka-Laylee im Test – Alte Liebe rostet nicht"

  1. Christoph Köckerling Christoph Köckerling

    Ich bin ja noch zwiegespalten, was das Spiel angeht. Einerseits ist es ein würdiger Banjo-Nachfolger und an vielen Ecken eine schöne Hommage an den N64. Andererseits, hätte man an vielen Ecken gerne modernisieren dürfen. Manchmal wirkt das Spiel etwas altbacken und insgesamt finde ich die Level sehr unübersichtlich. Richtig nerven tut mich allerdings die „Sprachausgabe“ der Figuren. Das ist sowas von N64-Style und hat mich schon früher genervt.

    Unterm Strich aber trotzdem ein schönes Spiel und wie gesagt eine nette Hommage an die gute alte N64-Zeit.

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