World War Z von Saber Interactive wird in zahlreichen Tests und Berichten mit Left 4 Dead verglichen und als Ersatz für eine ausgebliebene Fortsetzung betitelt. Warum der Zombie-Shooter für mich aber ganz und gar nicht in die Fußstapfen von Left 4 Dead tritt, aber dennoch seine Daseinsberechtigung hat, lest ihr im folgenden Test.

Gemeinsam gegen die Horde

Koop mit vier Spielern, ein ansehnliches Waffenarsenal, unzählige Zombies und darunter auch die ein oder andere spezielle und hartnäckige Variante. Soweit liest sich World War Z wie das damalige Pendant. Wir werden ohne große Einführung in eine der aktuell vier Spielwelten geworfen. Neben New-York, Moskau und Israel müssen wir in Tokio gegen zahlreiche Zombie-Horden antreten. Die Spielwelten wurden von den Entwicklern dabei sehr abwechslungsreich und grafisch ansprechend umgesetzt. Mit teilweise zerstörbaren Barrieren bzw. Türen und Fenstern, welche wir wieder aufbauen oder schließen können, werden uns zudem taktische Elemente geboten, die anstürmenden Zombies kurzzeitig aufzuhalten. Leider hat man die vorhandenen Missionen in gut fünf Stunden durchgespielt und darf dann von vorne beginnen. Oder man wagt sich an einen höheren der insgesamt fünf Schwierigkeitsgrade.

Zombies brauchen keine Story

Eine wirkliche Story erhalten wir leider nicht. Teilweise erschließt es sich dem Spieler nicht einmal, warum er sich gerade durch die Horden schnetzelt, hätte es doch sicherlich andere Wege gegeben den angepeilten Ort zu erreichen. Auch die Atmosphäre, die bei einem Zombie-Spiel eigentlich immer einem Endzeit-Szenario entspringen müsste, lässt zu wünschen übrig. Wir werden zum Teil mit dem Helikopter im Einsatzgebiet abgesetzt oder versuchen eine Satelliten-Abwehr-Anlage zum Laufen zu bringen, dessen Funktionalität im besagten Szenario durchaus bezweifelt werden darf. Wer zudem mit Blick auf den gleichnamigen Film aus dem Jahr 2013 auf Brad Pitt hofft, den muss ich enttäuschen. Die Entwickler nehmen sich vielmehr die Buchvorlage zur Inspiration. Da ich das Buch nie gelesen habe, kann ich nicht sagen, inwieweit die Inhalte übereinstimmen. Ein wenig Tiefgang erhalten wir, wenn wir mit den diversen Charakteren eine Mission erfolgreich abschließen. Danach wird im Auswahlmenü nämlich ein kurzes Video zur Hintergrundgeschichte freigeschaltet. Eine gute Story kann dieses Feature aber leider nicht ersetzen.

Ohne die Horde wär‘ hier gar nichts los

Als Koop-Shooter liegt der Fokus aber nicht auf einer gut erzählten Geschichte, sondern vielmehr auf einem abwechslungsreichen und spaßigen Gameplay, welches wir am besten gemeinsam mit Freunden genießen. Und hier steht und fällt alles mit euren Mitspielern. Eine Mission kommt in Gänze ohne Checkpoints aus, soll heißen, wenn ihr sterbt, ist die Mission verloren und es geht von vorne los. Zwar erhält man einen gewissen Anteil an Erfahrungspunkten (auf diese kommen wir später noch zu sprechen), nichtsdestotrotz können euch unfähige Mitstreiter schnell einen Strich durch die Rechnung machen. Laufen diese nämlich unkontrolliert und ohne Absprache vor, werden die restlichen Gruppenmitglieder ab einem gewissen Punkt automatisch teleportiert. Eventuell zu beschützende NPCs sind hiervon ausgeschlossen und verbleiben, auf ihren sicheren Tod wartend, am vorherigen Punkt. Dadurch ist die Mission so gut wie verloren und muss komplett von neu begonnen werden. Umgehen könnte man dieses Problem, indem man auf zufällige Spieler, die das Spiel einem per Matchmaking zuweist, verzichten könnte. Leider waren die privaten Lobbies zum Test-Zeitpunkt noch nicht vorhanden, sollen laut jüngster Mitteilung der Entwickler aber nachgereicht werden. Nichtsdestotrotz ein „No-Go“ zum Release-Zeitpunkt. Findet das Spiel keine Mitspieler oder verlassen diese das Spiel, helfen uns Bots, die sich nicht ganz so blöd wie die menschlichen Zufallsspieler anstellen, aber eine gut abgestimmte Gruppe in keinster Weise ersetzen können.

Die Level leben davon, dass die speziell entwickelte „Swarm Engine“ zunächst unvorhersehbare Situationen schafft und durchaus dynamische Kampfsituationen. Die Zombies fallen von der Decke, orientieren sich kurz und laufen danach zielstrebig auf eure Gruppe zu. Oder sie klettern an Wänden hoch, indem sie sich zu einem riesigen Hügel aufeinander stapeln. Aufgabe eurer Gruppe ist es dann das Fundament zu zerstören und die unteren Stützen mittels Granaten, Spezialwaffen oder gezielten Schüssen zum Einsturz zu bringen. Leider bleiben die erledigten Zombies nicht liegen und verschwinden vom Bildschirm. Dadurch wirkt eine zuvor von Zombies überlaufene Spielszene und die durchaus erfolgreichen Eliminierungen absolut belanglos. Die Grafik ist bei World War Z, welches ihr zum Release für einen Preis von zirka 40,00 EUR erhaltet, absolut in Ordnung. Kopfschüsse, die bei Zombies von essenzieller Bedeutung sind, werden grafisch gut dargestellt, weshalb der Titel auch die Alterseinstufung von 18 Jahren erhalten haben dürfte.

Vorsicht vor den Großen!

Neben den zahlreichen Horden erwarten euch in World War Z auch spezielle Zombies, die den Spielern das Leben erschweren möchten. Diese speziellen Infizierten haben sich nachweisbar von Left 4 Dead inspirieren lassen. Der ehemalige Polizist in bulliger Uniform erinnert stark an den Charger und der Schleicher, der sich ab und zu auch hinter diversen Ecken versteckt und euch aus dem Nichts anspringt, kommt dem Hunter gleich. Auch beim Gasbeutel, ein ehemaliger Mitarbeiter im Chemiebereich mit entsprechendem Schutzanzug, musste ich direkt an den Boomer denken. Lediglich der Schreier, der mit lautstarkem Geschrei neue Zombiehorden anlockt, hebt sich spürbar vom Smoker ab. Auf weitere Besonderheiten wie Die Witch oder den Tank müssen wir bei World War Z (zumindest bisher) verzichten. Eine neue Zombiesorte soll mit dem kommenden, und vom Entwickeler angekündigten, Gratis-DLC dem Spiel hinzugefügt werden. Mit im Schlepptau hat die hungrige Zombieherde dabei auch eine weitere Mission für Tokio. Im Gegensatz zu den anderen Szenarien gibt es hier zu Release nämlich nur zwei statt drei Missionen zu bestreiten.

Diesen Zombies können wir mit verschiedenen Klassen entgegentreten. World War Z bietet nämlich ein sehr umfangreiches Upgrade-System. Jede der sechs Klassen verfügt über individuelle Eigenschaften, die ihr eurem persönlichen Spielstil anpassen dürft. Fortschritte und Level für die jeweilige Klasse werden freigespielt, wenn die entsprechende Klasse in den Missionen auch genutzt wird. Sobald man ein höheres Level erreicht hat, kann man mit verdienten Punkten die einzelnen Fähigkeiten freischalten. Im untersten Schwierigkeitsgrad erhält man pauschal bei erfolgreichem Abschluss einer Mission 150 Punkte. Die normalen Perks kosten genau diese 150 Punkte, spezielle (die sich bspw. bei Level 10 freischalten lassen) kosten 250 Punkte. Außerdem kann man bei der Nutzung einzelner Waffen ebenfalls dort Verbesserungen freischalten, die ebenso Punkte benötigen. So braucht man auf dem vorgenannten Schwierigkeitsgrad weit über 200 erfolgreiche Partien, um annähernd alle Fähigkeiten freizuspielen. Damit bringen die Entwickler von World War Z zwar einen gewissen Wiederspielwert ins Spiel, aufgrund der geringen Anzahl unterschiedlicher Missionen, dürfte die Abwechslung hier aber zeitnah entschwinden.

PvP gibt es auch

Wer den Vergleich mit Left 4 Dead sucht, wird einen PVP Modus wollen und diesen auch in World War Z finden. Leider können wir hier nicht in die Haut der Zombies schlüpfen, sondern können in bekannten Deathmatch- oder in Capture the Flag-Modi gegen menschliche Spieler antreten. Dabei dienen die Zombie-Horden als taktisches Element. Im PvPvE-Bereich müssen wir unsere Klassen nochmals getrennt von denen im herkömmlichen Modus hochspielen und die entsprechenden Fähigkeiten freischalten. Ganz ausgereift und ausbalanciert in Bezug auf die vorhandenen Karten wirkt der Modus aber nicht, sodass dieser bestenfalls eine nette Zugabe aber keinen dauerhaft motivierenden Spielinhalt bietet.

Fazit

World War Z tritt an den Fußstapfen von Left 4 Dead vorbei, bietet aber gelungene Zombie-Action für zwischendurch. Die ehemaligen Entwickler von Left 4 Dead haben mit Back 4 Blood eine inoffizielle Fortsetzung angekündigt und da bleibt ebenso abzuwarten, ob sie den Erwartungen gerecht werden. Saber Interactive macht mit World War Z einiges richtig und bietet ein grundsolides Shooter-Game guten Koop-Elementen. Spaß macht der Titel aber eigentlich nur gemeinsam mit drei Freunden. Auch die Auswahl an verschiedenen Waffen und deren Weiterentwicklung machen Spaß. Leider schwächelt der Titel aber auch an zahlreichen Stellen, sodass sich World War Z zum Release nicht wirklich fertig angefühlt hat. Lediglich, dass World War Z kein „Vollpreistitel“ ist, lässt bei mir so etwas wie „Verständnis“ für die ein oder andere Baustelle aufkommen. Zumindest können die angekündigten Änderungen, welche mit den kommenden Updates eingeführt werden sollen, einigen genannten Kritikpunkten entgegenwirken. Somit ist World War Z ein Titel den ihr euch durchaus mal anschauen könnt aber keinesfalls anschauen müsst.

World War Z
Toller SoundÜberraschende Schwarm-Momente16 unterschiedliche CharaktereUmfangreiches Upgrade-System
Schlechtes Matchmaking, teilweise mit AbbrüchenSehr geringer Umfang(gar) keine StoryKeine Möglichkeit Zombies zu spielenNPCs ruinieren die MissionenTeils nicht nachvollziehbare Missionszielekeine privaten Lobbies zum Release
61%Gesamtpunktzahl
Präsentation (Grafik/Sound)70%
Story/Atmosphäre60%
Gameplay60%
Multiplayer55%
Spielspaß60%
Leser Bewertung 0 Stimmen
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