The Station im Test – Weltraumspaziergang

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Walking Simulatoren – interaktives Erlebnis oder doch nur leichtverdiente Achievements respektive Trophies? Irgendwie stellt sich die Frage jedes Mal auf’s Neue. Das gilt wohl ganz besonders, wenn man im Science Fiction Szenario unter Wasser oder im All unterwegs ist. Letzteres ist beim Kickstarter-Projekt The Station vom gleichnamigen Entwickler der Fall. Ob hier ähnlich viel Story und Spiel lauern wie bei SOMA? Oder ist The Station doch nur ein „Spacehäppchen“ für Zwischendurch?

Erste Direktive

Jeder, der mal Star Trek geguckt hat, kennt das: Wird eine fremde Zivilisation entdeckt, die noch nicht im Warpzeitalter angelangt ist, dann gilt das Gesetz der Nichteinmischung. Untersucht werden entsprechende Spezies nur gut getarnt von versteckten Beobachtungsposten. Die Raumstation Espial dient in The Station genau diesem Zweck. Eine technisch schon entwickelte, aber noch ziemlich gewalttätige und zerstörerische Alienkultur wird mit ihr als Beobachtungspunkt untersucht. Dazu wurde die Espial unter anderem mit einer Tarnvorrichtung ausgerüstet, auf die selbst Romulaner stolz sein könnten. Die Besatzung besteht als Langzeit-Observationsteam, allerdings aus gerade mal drei Personen.

Als der Kontakt zur Espial abbricht liegt es an uns, die drei Kollegen zu retten und die Station entweder wieder flott zu machen oder aber zu beseitigen. Immerhin soll die Espial auf keinen Fall einer noch unterentwickelten Spezies in die Hände fallen.

Space-Kevin allein zu Haus

Haben wir die Station erstmal betreten fällt auf, dass keiner da ist. Der Weg aus dem Forum scheint auch erstmal versperrt. Immerhin finden wir neben ersten Audiologs auch einen simplen Schiebeschalter hinter einer ersten Klappe. Der gibt auch schon das Niveau der meisten Rätsel vor. Diese sind nämlich großteils simpel oder die Lösung ist, meist sehr offensichtlich, direkt in der Nähe versteckt. So gilt es kurze Zeit später etwa, einen Roboter wieder flott zu machen. Um die passenden Kisten per Greifarm zu finden kann man aber direkt auf eine Materialliste zugreifen und nachgucken, in welchem Fach man suchen muss.

Im gleichen Raum gilt es auch, ein Trackingarmband einzusammeln. Dafür muss nur herumliegendes Werkzeug wieder an Ort und Stelle einsortiert werden. Die Lösung ist direkt vor der Spielernase. Die meisten Rätsel, wenn man denn überhaupt von Rätseln sprechen kann, lassen sich locker im Vorbeigehen lösen. Einzige Ausnahme stellen drei Zeichenrätsel im Stil des Android Entsperrbildschirms dar. Hier kann man ggf. einige Zeit beschäftigt sein, bis man rausgefunden hat wie die zu verbindenden Punkte denn nachgezeichnet werden wollen. Allerdings kann man auch dazu Hinweise finden.

Da sich im Lauf des Spiels Abkürzungen auftun und man die meisten Räume tatsächlich völlig ohne Probleme direkt im ersten Anlauf komplett absolviert werden können, ist der Anspruch hier meist ziemlich gering.

The Station mag mehr Spiel sein als Dear Esther, bleibt aber gegenüber dem Ego-Abenteuer SOMA extrem blass. Auch Firewatch, das eigentlich nicht mehr Gameplaytiefe hat, spielt sich in vielen Punkten runder.

…aus einer (gar nicht) fremden Welt

Alles vielleicht nicht so wild, wenn die Story es denn rausreißen würden. Leider kann sie das bei The Station nur bedingt. Die Hinterlassenschaften der vermissten Crewmitglieder sind dabei nicht völlig uninteressant. So hatte Captain Mila z.B. irgendwann mal eine Beziehung zu Forscher Silas, die sie fast den Kapitänsplatz auf dieser Mission gekostet hätte. Mechaniker Aidan hat eine Ex-Frau, eine schwerkranke Tochter, die ihm alles bedeutet und wohl auch ein Alkoholproblem. Und die Firma, die die Mission bezahlt hat durchaus Hintergedanken. Obendrein will ein anderes Unternehmen gerne die Mission sabotieren, um an einen Wartungsvertrag zu kommen.

Also eigentlich immer noch alles wie gehabt im Science Fiction Weltraum. Und auch die untersuchte Spezies, der eigenen anscheinend gar nicht mal so unähnlich, aber allzu kriegerisch und selbstzerstörerisch, hat ihren erzählerischen Reiz. Klar, die eine Kultur ist höher entwickelt als die andere. Aber sind das eigene, hohe Weltbild und die geringschätzige Meinung gegenüber den selbstzerstörerischen Aliens eigentlich gerechtfertigt?

Leider kratzt The Station hier wirklich nur an der Oberfläche. Inhaltlich hätte deutlich mehr drin sein können. Man bleibt letztlich auf dem Niveau eines SciFi B-Movies. In der gleichen Spielzeit hätte deutlich mehr Inhalt untergebracht werden können. Erst recht, wenn die spielerische Komponente so stark im Hintergrund bleibt. Immerhin bietet The Station einige interessante Momente und einen gelungenen Storytwist zum Schluss, auch wenn jener für aufmerksame Zeitgenossen vorhersehbar ist.

Maschinenschaden

Blöderweise gibt es auch auf technischer Seite so einige Tücken. Obwohl das Spiel an sich und die Raumstation nicht besonders groß oder interaktiv sind, nimmt sich The Station gerne mal eine halbe bis mehrere Sekunden Bedenkzeit. Teilweise dachte ich, das Spiel hätte sich aufgehängt. Das ist tatsächlich nie passiert. Leider ist das aber nicht alles, auch die Bildrate kommt regelmäßig ins Stottern. Mit Blick auf die annehmbare, technisch aber wirklich nicht überragende Optik hat man da schon geistige Fragezeichen über dem Kopf schwirren. Etwas weiterer Feinschliff hätte dem Spiel jedenfalls nicht geschadet.

Davon abgesehen kann die Optik vom Design her meist überzeugen. Jedes Crewmitglied hat ein sehr eigenes Quartier. Forscher Silas hat hohe Holzregale voller Bücher und eine Wendeltreppe, während Aidan mit technischem Mannschaftsquartier daherkommt und Captain Milas Räumlichkeiten sehr stylish eingerichtet sind. Ein Konferenzzimmer mit Glasboden gewährt auch einmalige Ausblicke zu unseren Füßen. Gerade mit Anblick auf die technische Umgebung muss man dafür über einige sich besonders oft wiederholende Grafikelemente hinweg sehen.

Auch die Soundkulisse ist zumindest solide. Die englischen Sprecher gehören zwar wirklich nicht zu den besten, sind aber keine Totalausfälle und die Soundkulisse insgesamt wirkt unauffällig, aber passend

Außer Spesen…

…nix gewesen? Ganz so hart würde ich zwar nicht urteilen, aber nach schon ziemlich gründlichen knapp zwei Stunden mit gemächlich-gründlichem Tempo und 900 Punkten Gamerscore, werde ich The Station wohl nicht noch einmal spielen. Dafür bleibt das kleine Weltraumabenteuer dann leider doch zu blass. Eilige Spieler sollten obendrein keine Probleme haben, den Abspann nach weniger als einer Stunde zu sehen. Im ersten Anlauf wohlgemerkt.

Aus der Masse der Walking Simulatoren ragt The Station so leider gar nicht heraus, dabei hätte das etwas andere Szenario definitiv mehr hergeben können.

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The Station
Präsentation (Grafik, Sound) 63%
Gameplay 60%
Atmosphäre/Story 70%
Spielspaß 61%
63%
Readers Rating 0%
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Es sind tatsächlich Amtosphäre und Handlung, wegen denen sich The Station überhaupt lohnt. Auf spielerischer Ebene bietet der TItel nicht mehr als andere Walking Simulatoren. Auf technischer Ebene ist das Bild leider durchwachsen. Schade also, dass die Entwickler das volle Potenzial des Szenarios längst nicht ausgeschöpft haben und letztlich auch die Charaktere blass und klischeehaft bleiben. So bleiben ein annehmbarer Walking Simulator für zwischendurch und ein Stapel leicht verdienter Achievements.

About The Author

1986, ein strahlender Sommer, ein Freund mit VCS, Schwarzweißfernseher, Space Invaders und Pacman. Seitdem lässt mich das Thema Telespiele nicht mehr los, egal ob Game Boy, Amiga, PlayStation, Xbox oder Wii U. Nicht mal vor dem PC hab ich halt gemacht. Einzig von Sportspielen lass ich generell die Finger.

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