Test: Giana Sisters: Twisted Dreams auf der Xbox One

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Giana Sisters rufen bei mir eine Menge Erinnerungen hervor. Stunden habe ich mit dem damaligen Super Mario-Klon am Amiga 500 eines Schulfreundes verbracht. Recht schnell nach Release verschwand das Spiel allerdings wieder aus den Händlerregal. Man vermutet, dass Nintendo dahintersteckt und ihnen die frappierende Ähnlichkeit mit „Super Mario Bros.“ nicht passte. Das Kind war allerdings schon in den Brunnen gefallen. Jeder spielte es, es war kein großes Problem eine Diskette mit dem spaßigen Jump’n’Run zu bekommen. Irgendein großer Bruder hatte es immer und die Schulhof-Tauschbörse brummte. Jetzt schaffen die Giana Sisters auch den Sprung auf die Xbox One und PlayStation 4. Black Forest Games spendiert uns einen Directors Cut des preisgekrönten „Giana Sisters: Twisted Dreams”, welches bereits für die Vorgängerkonsolen erhältlich ist.

Traumwelt hopping

Gianas Schwester Maria wird in eine Traumwelt entführt und dort von einem riesigen roten Drachen gefangen gehalten. Es liegt jetzt an Giana sie wieder aus den Fängen des Drachens zu befreien.

Der lange Weg zu Marias Rettung führt Giana durch verschiedene liebevoll gestaltete Welten mit zahlreichen Leveln. „Giana Sisters: Twisted Dreams” entpuppt sich dabei als Jump’n’Run-Adventure der alten Schule. Es gilt, wie der Name schon sagt, hüpfend und laufend verschiedenste Hindernisse und Gegner zu überwinden und dabei so viele Diamanten einzusammeln, wie es nur geht. Ab und zu werden diese klassischen Jump’n’Run-Passagen durch kleinere Puzzle unterbrochen, die es zu lösen gilt. Teilweise muss man einzelne Level öfters spielen, um alle Diamante einzusammeln, da es mehrere Wege gibt, auf denen man ans Level-Ende gelangen kann.

Anfangs klappt alles noch gut und als geübter Jump’n’Run-Spieler spaziert man förmlich durch die Levels, aber mitnichten bleibt das so. Im Spielverlauf werden die Levels zum Teil ziemlich schwer und ich benötigte bei einigen Passagen mehrere Anläufe, bis ich sie überwunden hatte. Als ungeduldiger Spieler wird man schnell frustriert sein, Durchhaltevermögen und Präzision ist gefragt. Hat es mal nicht hingehauen, gibt es im Verlauf der Level mehrere Checkpoints, zu denen man nach dem sterben zurück gebeamt wird. Das ist teilweise auch bitter nötig.

Kann Giana denn noch mehr als hüpfen und laufen? Ein entschiedenes JA! Denn hier kommt das wichtigste und zugleich schönste Feature ins Spiel. Giana hat gelernt ihre Träume zu manipulieren und kann so per Knopfdruck zwischen der blonden, selbstbewussten und der rothaarigen, rebellischen Giana wechseln. Diese Fähigkeit ist notwendig, um das Spiel überhaupt überstehen zu können. Je nach Traumwelt werden Objekte verändert oder überhaupt erreichbar. Diese Tatsache muss man geschickt einsetzen und zu seinem Vorteil nutzen. Teilweise ist zusätzlich gutes Timing im Wechsel der Welten notwendig, um nicht in den Abgrund zu stürzen.

Beide Gianas haben dabei spezielle Fähigkeiten. Als blonde Giana könnt ihr den Wirbelsprung einsetzen, bei dem ihr euch so lange dreht, wie ihr den entsprechenden Knopf gedrückt haltet und dabei langsam zu Boden gleitet. So können zum Beispiel größere Abgründe überwunden werden. Die rebellische Giana hat dagegen die Dash-Attacke im Repertoire. Damit könnt ihr mit einem Kopfstoß, bei dem sich Giana kurz in eine Art Feuerkugel verwandelt, entweder Umgebungs-Gegenstände wie Steinblöcke zerstören, oder enge Level-Passagen ähnlich wie ein Flipper-Ball überwinden.

Liebevoll gestaltete Traumwelt

Black Forest Games serviert uns mit „Giana Sisters: Twisted Dreams” ein wirklich hübsch anzusehendes Jump’n’Run. Die verschiedenen Welten und die dazugehörigen Level sind liebevoll gestaltet, in denen man viele kleine Details entdecken kann. Besonders hübsch daher kommt der Effekt, wenn Giana zwischen zwischen den Traumwelten wechselt. Da wird im Handumdrehen aus einem satten, grünen und lebendigen ein trostloses und nahezu ausgestorbenes Level. Niedliche Eulen werden zu kleinen Teufeln und gerade noch umher flatternde Schmetterlinge sind verschwunden.

Auch technisch macht das Spiel einen guten Eindruck. Der in der Level-Auswahl auftretende Tearing-Effekt bleibt zum Glück dort und tritt nicht in den Levels selbst auf. Allenfalls habe ich teilweise kleine Ruckler bemerkt, die aber kaum auffallen. Eher negativ ist mir nur eins aufgefallen. Sobald man sich mal auf einen von Gianas Gegner wie die Eulen konzentriert, fallen einem die etwas abgehackten und nicht ganz flüssigen Animationen auf. Fällt zwar während des spielens nicht ins Gewicht, aber das kennt man beispielsweise vom großen Vorbild Super Mario anders.

Der Umfang des Spiels ist ebenfalls ordentlich. Neben den normalen Welten und den dazugehörigen Leveln, gibt es als Extra spezielle Halloween- und Weihnachts-Bonus-Level. Im weiteren Spielverlauf werden ausserdem noch die Spielmodi „Score Attack“ und „Time Attack“ freigeschaltet. Die ebenfalls später freizuschaltenden Schwierigkeitsgrade „Hardcore“ und „Über-Hardcore“, die einem die respawn Checkpoints wegnehmen beziehungsweise man nach dem sterben das komplette Spiel von vorne beginnen muss, sorgen für weitere Würze. Ausserdem hat es die Erweiterung „Rise of the Owlverlord“ in den Directors Cut von „Giana Sisters: Twisted Dreams” geschafft, welche es auch bereits für die Xbox 360 und PlayStation 3 gab.

Chris Hülsbeck at his best

Für besondere Begeisterung hat bei mir allerdings der Soundtrack des Spiels gesorgt. Dafür verantwortlich sind Chris Hülsbeck und die Band Machinae Supremacy. Besonders Chris Hülsbeck feiere ich immer noch für den genialen Soundtrack der Turrican-Reihe ab. Aber auch in „Giana Sisters: Twisted Dreams” erkennt man seinen unverwechselbaren Stil. Genau wie grafisch, ist der Wechsel der Traumwelt und der dazugehörige Wechsel der Musik absolut stimmig und passend. Die Umgebungsgeräusche wirken sich zudem nicht störend auf die Musik aus und wirken stimmig. Einzig was man kritisieren kann ist, dass der Sound nicht in 5.1, sondern in Stereo aus den Boxen zu kommen scheint.

Datasheet

Publisher: Black Forest Games
Entwickler: Black Forest Games
Release: 12. Dezember 2014
Genre: Jump’n‘Run
Konsole: Xbox One, PlayStation 4
Spieleranzahl: 1
USK: 6

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PRÄSENTATION (GRAFIK, SOUND) 78%
GAMEPLAY 70%
ATMOSPHÄRE/STORY 70%
SPIELSPASS 80%
74%
Readers Rating 81%
3 votes

Jump’n’Run-Fans sollten auf jeden Fall zuschlagen. Für 14,99 Euro bekommt ihr im Xbox Live Store ein wirklich sehr gut gestaltetes und abwechslungsreiches Spiel. Giana Sisters hat auch nach all den Jahren ihren Charme nicht verloren und besonders in Verbindung mit dem Soundtrack von Chris Hülsbeck sorgte es bei mir für unverwechselbare Stunden mit zahlreichen Erinnerungen von damals. Das Level-Design ist zudem herausfordernd und wird im weiteren Spielverlauf wirklich schwer. Besonders das wechseln der Traumwelt ist für mich das Killer-Feature des Spiels. Der Wechsel der Umgebung sieht nicht nur hübsch aus, sondern ist auch eine absolute Bereicherung für das Gameplay.

About The Author

Videospiele-Fan seit vielen Jahren. Alles hat damals mit dem guten alten Game Boy angefangen. Seitdem begleitet mich das Thema, was in einer in meinen Augen ansehnlichen Nintendo Retro-Sammlung endete. Neben dem alten Nintendo-Kram bin ich aber auch seit der ersten Generation der Xbox treu.

4 Kommentare on "Test: Giana Sisters: Twisted Dreams auf der Xbox One"

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