Test: The Escapists für die Xbox One

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Gefängnisausbrüche üben seit jeher einer gewisse Faszination aus, besonders wenn man im nachhinein hört, was alles dafür nötig ist und welche Hindernisse dafür überwunden werden mussten. In der preisgekrönten Gefängnisausbruch-Simulation „The Escapists“ von den Worms-Machern Team 17 und dem Ein-Mann-Studio Mouldy Toof Studios, darf man jetzt seine eigenen Ausbruchs-Künste unter Beweis stellen.

Ab ins kalte Wasser!

Bei vielen Spielen muss man, bevor es wirklich losgeht, ellenlange Tutorials über sich ergehen lassen, welche einem erklären sollen, wie das Spiel funktioniert. Bei The Escapists ist das anders, zwar hat man auch hier eine Tutorial-Mission, allerdings ist diese sehr kurz. Dem Spieler werden nur die grundlegendsten Funktionen und Möglichkeiten des Spiels näher gebracht. Videospiele-Veteranen werden damit keine Probleme haben, denn damals wurde man fast immer dem Spiel komplett ausgeliefert, bis man es irgendwann raus hatte.

Bei The Escapists ist das ganz ähnlich. Es geht direkt los und findet sich in der erste von ingesamt sechs Haftanstalten „Center Perks“ wieder. Zur Eingewöhnung gar nicht schlecht, so ist dieses Gefängnis das lascheste aller Anstalten und bietet den Häftlingen viel Platz für persönlichen Freiraum und natürlich dafür Ausbruchspläne zu schmieden. Das sollte doch ein Kinderspiel sein da raus zu kommen. Denkste, denn anfangs habe ich mich etwas überfordert gefühlt und wusste gar nicht so recht, was ich machen sollte. So strichen die ersten Tage in Haft nur so vorüber und ich folgte wie ein Lemming dem Gefängnisalltag. Morgen-Appell, Frühstück, Freizeit, etwas Arbeiten, Mittagessen… und so weiter und so fort. Ein nützlicher Nebeneffekt war, ich kannte das Gefängnis mittlerweile wie meine Westentasche. Ich wusste blind wo der Arbeitsbereich, Fitness-Raum, Duschen die Bibliothek bzw. Internetraum oder der Speisesaal war.

Und wie komme ich jetzt hier raus?

Doch wie soll man so auf dem Gefängnis ausbrechen? Also habe ich angefangen zwischendurch meinen Mithäftlingen kleinere Gefallen zu tun. Das alles natürlich gegen Geld, damit ich mir auf dem Schwarzmarkt die Gegenstände kaufen kann, die ich für meinen Ausbruchsplan benötige. Allerdings muss man sich ganz genau überlegen was man braucht. Denn wie man im kurzen Tutorial gelernt hat, kann man die insgesamt 200 versteckten Gegenstände miteinander kombinieren, so dass man daraus neue Gegenstände erhält, welche einem für einen Ausbruch nützlich sein können. Die Möglichkeiten dafür sind sehr vielfältig und die benötigten Gegenstände teilweise schwer aufzutreiben und teuer. Eine weitere Möglichkeit neben dem Schwarzmarkt, sind Schlägereien und deren KO-Geschlagenen Opfer zu durchsuchen, um an weitere versteckte Gegenstände zu kommen. Allerdings sollte man sich dabei nicht erwischen lassen, ansonsten findet man sich schneller auf der Krankenstation wieder, als einem lieb ist. Auch zieht man sich so schnell den Unmut der betroffenen Häftlinge auf sich und bevor man sich versieht, ist das ganze Gefängnis hinter einem her und man kann nicht mehr zum morgendlichen Appell gehen, ohne dass einen auf der Schnauze zu bekommen. Hier wären wir auch bei einem kleinen Kritikpunkt von mir. Auch ohne zutun sind die Mithäftlinge teilweise so sauer auf einem, dass man ohne einen offensichtlichen Grund etwas aufs Maul bekommt. Auch sind meiner Meinung die Möglichkeiten mit den anderen Häftlingen zu interagieren etwas zu kurz geraten. Zwar kann man mit ihnen sprechen, um sein Ansehen wieder etwas zu steigern, aber das wars auch schon fast. Gemeinsam Pläne schmieden oder sie zum Komplizen machen funktioniert leider nicht. Euer Ausbruch wird demnach ein Alleingang werden, ob ihr es wollt oder nicht. Hilfe habt ihr nicht zu erwarten.

Dabei sollte man sich allerdings nicht zu sehr auf eine Sache versteifen. Man kann die besten Gegenstände zusammen sammeln, die in einem Gefängnis so aufzutreiben sind, wenn man aber ein Schwächling oder einfach zu langsam zu Fuß ist, kann einem das zum Verhängnis werden. Auch die Bibliothek beziehungsweise der Internet-Raum sind nicht zu unterschätzen. Um einige Gegenstände miteinander kombinieren zu können, braucht man einen gewissen Intellekt. Kurz gesagt, wenn ihr zu blöd seid, könnt ihr euch nicht das Werkzeug zusammen bauen, dass ihr für euren Ausbruch benötigt. Heißt also trainieren und lesen, um euch im Gefängnis behaupten zu können.

Seit euch aber generell in eurem Tun nicht zu sicher. Denn die Wärter können einem ordentlich den Plan vermasseln. Wenn sie zum Beispiel ausgerechnet dir bei einer unangekündigten Kontrolle der Zelle oder einer Leibesvisitation, die hart erarbeitete oder teuer erkauften Gegenstände einfach weg nehmen, kein euch ein Plan B den Arsch retten. Wieso nicht einfach ein paar Gegenstände an anderen Orten wie zum Beispiel im Schreibtisch des ungeliebten Mithäftlings oder dem Ausübungsort von einem der zehn Knast-Jobs? In späteren Anstalten können euch zudem auch Detektoren in Eingängen zu Gebäuden eure verbotenen und umso nützlicheren Gegenstände kosten. So kann sich ein gut durchdachter und womöglich erfolgreicher Fluchtplan ganz schnell in Luft auflösen und man beginnt quasi von neuem.

Der Retro-Trend setzt sich fort

Grafisch kommt The Escapists in einem Mix aus NES Retro-Grafik und der Draufsicht, wie sie mich stark an den ersten Grand Theft Auto-Teil von 1997 erinnert, daher. Die Präsentation ist wahrlich kein Leckerbissen, man muss sie schon mögen, aber dafür ist sie umso liebevoller gestaltet und ausgearbeitet. Fans der zuletzt aufkeimenden und nicht nachlassenden Retro-Welle, dürften daran ihre helle Freude haben.

Die Soundeffekte und musikalische Untermalung finde ich dagegen eher Eintönig und irgendwann auch störend. Zwar passt sich die Musik den jeweiligen Situationen an. Während des morgendlichen Aufstellen und Durchzählen auf dem Hof erinnert die Musik eher an ein Militär-Camp, während sie sich während des Essens oder der Freizeit natürlich weitaus freundlicher anhört. Aber spätestens nach ein paar Tagen, wenn man die Musik und auch die Soundeffekte zu den verschiedensten Aktionen wie Schlägereien, der Ausübung eures Jobs oder der Essensausgabe immer und immer wieder hört, werden diese schnell eintönig und wie bereits gesagt, störend. Da hätte zumindest ich mir vielleicht mehr Abwechslung gewünscht.

Datasheet

Publisher: Team 17
Entwickler: Mouldy Toof Studios
Release: 13. Februar 2015
Genre: Puzzle, Action
Konsole: Xbox One, PC
Spieleranzahl: 1
USK: 12

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PRÄSENTATION (GRAFIK, SOUND) 58%
GAMEPLAY 75%
ATMOSPHÄRE/STORY 69%
SPIELSPASS 72%
68%
Readers Rating 0%
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Insgesamt ist The Escapists ein wirklich schönes Spiel, wenn man es mag verschiedensten Möglichkeiten herauszufinden, wie man aus dem Gefängnis ausbrechen kann. Die Vielfalt und Umfang ist aufgrund der insgesamt sechs verschiedenen Ausbruchsmöglichkeiten, vom klassischen Graben bis zur Revolte, gar nicht so gering, wie die Zahl von sechs Haftanstalten vermuten lässt. Das Spiel lädt ein die Gefängnisse immer und immer wieder zu spielen, um vielleicht mal einen anderen Weg aus dem Gefängnis zu nehmen. Störend ist nur, dass scheinbar völlig logische Aktionen nicht klappen wollen oder der Programmierer nicht vorgesehen hat. Auch die Häufigkeit und teilweise sehr willkürlich wirkenden Wutausbrüche der Mithäftlinge, haben mich immer wieder ratlos zurück gelassen. Die grafische Präsentation muss man mögen, ich tue das, aber beim Sound tue ich mich eher schwer. Die Steuerung ist ebenso leicht zu erlernen, wie das Prinzip des Spiels. Nur die angesprochene Vielfalt lässt einen anfangs etwas verzweifeln.

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About The Author

Videospiele-Fan seit vielen Jahren. Alles hat damals mit dem guten alten Game Boy angefangen. Seitdem begleitet mich das Thema, was in einer in meinen Augen ansehnlichen Nintendo Retro-Sammlung endete. Neben dem alten Nintendo-Kram bin ich aber auch seit der ersten Generation der Xbox treu.

3 Kommentare on "Test: The Escapists für die Xbox One"

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