Test: The Crew für die Xbox One

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MMOs gibt es viele. Aufgaben und Herrausforderungen absolvieren und so seinen Charakter stärken und mit erlangten Ausrüstungsgegenständen aufleveln. Eigentlich nichts weltbewegend neues, wenn Ubisoft nicht auf die Idee gekommen wäre all diese für ein MMO typischen Komponenten in ein Rennspiel zu packen. Statt Schwert und Rüstung gibt es Auspuff und Reifen. Wie gut der Spagat zwischen Rennspiel und MMO geklappt hat, erfahrt ihr in unserem Test.

Erinnerungen werden wach

Erinnert ihr euch noch an „Need for Speed: Most Wanted“ aus dem Jahre 2005? Dort wurde man zu Beginn als Neuling böse reingelegt und verlor dadurch alles. Man musste sich von ganz unten an die Spitze kämpfen, um Rache zu üben. Im großen und ganzen kann man auch so die Story von The Crew beschreiben.

Ihr seid Streetracer Alex und landet nach einem gründlich schief gelaufenen nächtlichen Treffen, bei der Alex‘ Bruder ums leben kommt, unschuldig im Gefängnis. Dank eines Deals mit der FBI-Agentin Zoe kommt Alex nach fünf Jahren wieder frei. Einzige Bedingung ist, dass Alex sich dazu bereiterklärt die berüchtigte und im ganzen Land aktive Racer-Gang 5-10s zu infiltrieren und einen korrupten FBI-Agenten, der auch für den Tod von Alex‘ Bruder verantwortlich ist und mit der Gang in Verbindung gebracht wird, zur Strecke zu bringen und gleichzeitig Rache für den Tod von Alex‘ Bruder zu üben. Man beginnt als Niemand, muss sich nach und nach einen Namen machen und vertrauen verschaffen, um innerhalb der Organisation nach oben zu steigen.

Bei diesem Vorhaben kommt ihr ziemlich rum. Zu jedem guten MMO gehört eine offene Welt, die erkundet werden will. Bei The Crew ist es die USA, die ihr komplett befahren könnt. Von Los Angeles nach New York oder von Miami nach Chicago. In The Crew ist das kein Problem. Natürlich ist die USA nicht originalgetreu nachgebaut worden, sondern ist in einer stark komprimierten Version in das Spiel integriert worden. Trotzdem ist man immer noch gut und gerne 45 Minuten unterwegs, wenn man von einer Ecke der USA zur anderen fahren möchte. Auch sind die Übergange der unterschiedlichen Regionen und ihre jeweiligen Eigenschaften fließend und authentisch.

Im Gegensatz zu Forza Horizon 2 nimmt die Story bei The Crew eine größere Rolle ein. Ich finde sie persönlich gelungen und habe sie gerne weiter voran getrieben und mich dazu motiviert gefühlt. Auch ist sie abwechslungsreicher als beim angesprochenen Forza Horizon 2, dessen Story eher belanglos war und keinen wirklichen Mehrwert lieferte.

Rennspiel, MMO oder beides?

Zu Anfang des Spiels sind eure Möglichkeiten begrenzt. Von Zoe wird euch ein Auto in Serienausstattung spendiert und oben drauf dürft ihr ein erstes Tuning-Paket montieren und das von euch gewählte Auto als Straßenrenner hochrüsten. Trotzdem ist euer Flitzer noch relativ schwach unter der Motorhaube. Verbessern könnt ihr es indem ihr eine der zahlreichen in der Spielwelt verteilten Veranstaltungen absolviert und so neben Geld, bessere Teile gewinnt. Möglich ist das mit Hilfe der 70 Story-Missionen, den auf den Straßen verteilten Fahrprüfungen oder eine der PvP- oder Fraktions-Veranstaltungen. Die gewonnen Teile können direkt an euer Auto montiert werden und man muss nicht den Umweg über einen Tuner gehen, wo ihr euer Auto auch gegen Geld hochrüsten dürft.

Neben den klassischen Checkpoint-Rennen, verbergen sich hinter den Story-Missionen noch Verfolgungsjagden, bei denen ihr ein anderes Auto rammen und so ausschalten müsst, und Kurierfahrten bei denen ihr beispielsweise ein Auto mit möglichst wenig Schäden an einem bestimmten Ort abliefern müsst. Wie es sich für ein MMO gehört, könnt ihr die Story-Missionen auch im Koop-Modus bestreiten und einen anderen Spieler um Hilfe bitte. Leider kommt es aber sehr oft vor, dass niemand auf die Missions-Einladungen antwortet und man sie letztendlich doch alleine versucht zu meistern.

Auch beim Versuch PvP- oder an Fraktions-Rennen teilzunehmen bekam ich den Eindruck, dass das Kernelement, mit oder gegen andere Spieler anzutreten, eher weniger genutzt wird. Es dauerte teilweise sehr lange bis ein Rennen überhaupt zustande kam. So habe ich zum Beispiel über 10 Minuten warten müssen, bis sich genügend Spieler gefunden hatten, die ein Fraktionsrennen spielen wollten, bei denen man in zwei Teams mit je 4 Spielern gegeneinander antritt. Dafür, dass The Crew als DAS Multiplayer-Rennspiel angekündigt wurde, fehlte mir bisher eben genau das. Zwar ist es schön, dass man die Story-Missionen auch alleine absolvieren kann, aber dass man leider oft dazu gezwungen ist, finde ich ein wenig enttäuschend. Ohne Koop beziehungsweise die Möglichkeit Crews zu gründen, hätte sich meine Erfahrung mit dem Spiel nicht großartig geändert. Ich muss zugeben, dass auch ich gelegentlich Einladungen zu Rennen nicht gefolgt bin, da ich gerade auf dem Weg zur nächsten Herausforderung war und mich dabei nicht unterbrechen lassen wollte.

Aber auch wenn ich mich bisher größtenteils alleine durch die USA geschlagen habe, ob freiwillig oder nicht, hatte ich sehr viel Spaß. Die Story und auch die verschiedenen Fahrprüfungen habe ich als sehr motivierend empfunden. Ich war immer bestrebt mein Auto weiter hochzuleveln indem ich Rennen oder Prüfungen wiederholte, um meine vorherige Zeit zu unterbieten und so noch besser Autoteile als Belohnung einzusacken.

Darüberhinaus macht es aber auch einfach sehr viel Spaß einfach ziellos durch die gigantische offene Welt zu rasen und die USA zu entdecken. Nebenbei kann man so auch Wrackteile von verborgenen Autos einsammeln, Sehenswürdigkeiten besuchen oder Datenstationen finden, mit denen man alle Elemente in der näheren Umgebung auf der Map sichtbar macht. Sammler bekommen also auch etwas geboten.

Gummibänder überall

Rennspiel-Simulations-Fans sollten sich beim spielen von The Crew allerdings etwas umgewöhnen. So ist das Fahrverhalten beispielsweise sehr weit von einem Forza entfernt. Bei einem Arcade-Racer zwar zu erwarten, aber das Auto reagiert ganz besonders am Anfang doch sehr schwammig. Zwar wird das Verhalten des Autos mit zunehmender Spieldauer und durch die gewonnenen Fahrzeugteile immer besser und direkter, aber an ein Forza Horizon 2 kommt es in Sachen Fahrphysik nicht ran. Man gewöhnt sich zwar relativ schnell daran und kommt auch sehr gut damit klar, aber wenn man anschließend den angesprochenen Konkurrenten Forza Horizon 2 startet und einige Kilometer zurück legt, ist der Unterschied auch nach zahlreichen verbesserten Autoteilen ziemlich groß.

Während man sich an die schwammige Fahrphysik gewöhnen kann, ist man dem leider vorhandenen Gummiband-Effekt hilflos ausgeliefert. In Rennen oder Herausforderungen gegen KI-Gegner hat man Rückstände schnell wieder aufgeholt, Vorsprünge herauszufahren ist aber ungleich schwerer. Zwar ist man diesen Effekt aus Arcade Rennspielen gewohnt und man nimmt ihn im falle eines Rückstandes auch gerne an, um schnell wieder ans Fahrerfeld aufschließen zu können, aber als Führender erschien mir die Stärke des Gummibandes oftmals als zu hoch. Dachte man, dass man sich mit 3 bis 4 Sekunden ein kleines Polster rausgefahren hat, so war dieser zum Ende des Rennens oder bereits nach der nächsten Kurve ohne erkennbaren Grund stark zusammen geschmolzen. Die Balance passt meiner Meinung nach nicht ganz und ich würde es begrüßen, wenn Ubisoft da noch ein wenig nachjustieren würde.

Gute Grafik mit Einbußen, super Soundtrack

Grafisch kann The Crew dagegen überzeugen. Klar, gegen ein Forza Horizon 2 oder DriveClub auf der PlayStation 4 kommt es nicht an, aber bei der unglaublich großen Map sind gewisse Einbußen nicht zu vermeiden. Die Map, bestehend aus der kompletten USA, kommt während des Spielens ohne Ladezeiten aus und kann auch in der Übersicht in mehreren Stufen so nah rangezoomt werden, dass man auf den Straßen einzelne Schilder oder Ampeln erkennen kann. Trotzdem, während der Fahrt entdeckt man zahlreiche Details wie umherlaufende Tiere oder Passanten. Zwar würde man innerhalb der Städte etwas mehr Leben erwarten, da man aber meist eh mit hohen Tempo durch die Straßen rast und weitere Passanten eh nicht wahrnehmen würde, wäre es vermutlich verschwendete Performance-Kapazitäten und würde zu Rucklern führen. Auch das Kantenflimmern und -glättung ist hinsichtlich der Größe der Spielwelt verständlich und sollte nicht mit konkurrierenden Spielen mit viel kleinerer Spielwelt verglichen werden.

Besonders positiv ist mir der Soundtrack aufgefallen. Natürlich ist es Geschmacksache und meiner wurde zufälligerweise genau getroffen, aber Bands wie Bloc Party, Arctic Monkey, The Kills oder We Were Promised Jetpacks passen meiner Meinung nach perfekt in die Story und Szenerie. Auch Motorengeräusche, Soundeffekte und Umgebungsgeräusche wirkten für mich zu jedem Zeitpunkt stimmig und passend.

Datasheet

Publisher: Ubisoft
Entwickler: Ivory Tower
Release: 2. Dezember 2014
Genre: MMO RennSpiel
Konsole: Xbox One, PlayStation 4, PC, Xbox 360
Spieleranzahl: 1
USK: 12

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PRÄSENTATION (GRAFIK, SOUND) 72%
GAMEPLAY 70%
ATMOSPHÄRE/STORY 80%
SPIELSPASS 75%
74%
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Für mich hat Ubisoft mit The Crew ein wirklich gutes Spiel abgeliefert, wenn auch es ein paar Schwächen hat. Die Story hat mich motiviert und nimmt einen größeren Stellenwert ein, als es bei anderen Rennspielen der Fall ist. Vom Verlauf und der Idee erinnerte mich diese an die gute alte Zeit, als die Need for Speed-Reihe noch eine Bank war. Auch wenn ich oftmals dazu gezwungen war die Story-Missionen alleine zu spielen, weil niemand meine Einladung angenommen hatte, habe ich viel Spaß mit The Crew gehabt. Meiner Meinung nach ist auch die Langzeitmotivation gegeben gegeben. Jemand der das Spiel mag, wird viele spaßige und herausfordernde Stunden mit The Crew erleben. Da aber die Kernidee, zusammen mit anderen Spielern als Crew das Spiel zu absolvieren, oft nicht erfüllt wird und Spieler, die mit dieser Erwartung in The Crew gehen, vermutlich anfangs ein wenig enttäuscht sein werden, gibt es Abzüge in der Gesamtnote. Zwar ist die Grafik wirklich gut und auch detailliert, aber auch aufgrund der riesigen Spielwelt nicht auf der Höhe von aktuellen Konkurrenten wie Forza Horizon 2 und DriveClub.

About The Author

Videospiele-Fan seit vielen Jahren. Alles hat damals mit dem guten alten Game Boy angefangen. Seitdem begleitet mich das Thema, was in einer in meinen Augen ansehnlichen Nintendo Retro-Sammlung endete. Neben dem alten Nintendo-Kram bin ich aber auch seit der ersten Generation der Xbox treu.

5 Kommentare on "Test: The Crew für die Xbox One"

  1. Pingback: The Crew - Review-Embargo - Xbox One - Seite 2

  2. Eine interessante Review.
    Leider kann ich mich deinem Fazit nicht anschließen, da ich mir das Spiel genau aus dem Aspekt, dass die Kernidee nicht gut umgesetzt wurde, nicht holen würde.
    Vor allem nachdem das einer der faszinierensden und spannensten Punkte am Spiel für mich war, muss ich diesen Titel wohl auslassen.
    So ist es für mich kein Racing MMO sondern nur ein „gewöhnliches“ Rennspiel, in dem man eben mit und gegen menschliche Gegner fährt.

    • Christoph Köckerling Christoph Köckerling

      Dann schließt du dich ja irgendwie doch an. Genau das schreibe ich ja. Allerdings hat es mir trotz der fehlenden Unterstützung der Mitstreiter Spaß gemacht. Das kann natürlich auch immer stark variieren, es gab auch Phasen, wo ich bei jedem Rennen jemand an meiner Seite hatte. Die Regel ist es aber leider nicht. Daher auch „nur“ drei Sterne.

  3. Pingback: Gewinnspiel: The Crew Fanpaket gewinnen - gamingnerd.de

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