Vor ungefähr einem Jahr erfuhr das Bomberman- Franchise auf Nintendo Switch mit Super Bomberman R eine Wiedergeburt. Ein Titel, der, obwohl anfangs mit wenigen Spielmodi und Inhalten ausgestattet, seine Mission im Prinzip erfüllte: lustige Multiplayer-Schlachten in der Gesellschaft von Familie oder Freunden. Die Version für PlayStation 4 und Xbox, die wir uns hier näher anschauen, enthält alle Inhalte und Erweiterungen der Switch-Version. Hat der knuffige Bombenleger mit etwas Anlaufzeit auch auf den anderen Konsole das Zeug zum Partyspiel?

Kampf dem Invasor!

Seit über 30 Jahren gibt es die Spielereihe nun, und in diesen Jahrzehnten hat sich das Bomberman-Spielprinzip eigentlich jedem auch nur halbwegs spieleaffinen Menschen erschlossen. Wer bisher aber nichts davon gehört hat: Auf einem rechteckigen Spielfeld startet in jeder Ecke ein Spieler. Die Figuren haben die Fähigkeit, Bomben zu platzieren, die zeitverzögert explodieren. Ziel des Spiels ist es, als letzter Spieler übrig zu bleiben. Dabei kann man nicht nur vom Flammenstrahl gegnerischer Bomben vom Spielfeld gefegt werden, auch die eigene Feuerkraft kann das Rundenende bedeuten. Verschiedene Extras, die durch weggebombte Hindernisse auf dem Spielfeld freigegeben werden, können entweder unsere Spielfigur in mehrfacher Hinsicht verbessern oder die Feuerfähigkeiten unserer Bomben beeinflussen.

Ein Prinzip, das wie gesagt seit drei Dekaden für herrliche Multiplayer-Abende sorgt. Doch auch ein Einzelspielermodus hat es ins Spiel geschafft – der hat sogar eine (wenngleich eher obsolete) Story vorzuweisen: Der böse Buggler will die Kontrolle über die gesamte Galaxis übernehmen. Er hat bereits fünf Planeten erobert und will nun den Bomberman-Planeten übernehmen. Doch die acht Bomberman-Brüder nehmen den Kampf auf und versuchen, ihn um jeden Preis aufzuhalten. Dafür müssen sie fünf Welten mit jeweils acht Levels und einem Endgegner überwinden. Um ein Level abzuschließen, müssen mitunter verschiedene Aufgaben gelöst werden – so reichen die Ziele eines Levels von „töte alle Feinde“ über die Suche nach einem Schlüssel bis hin zur Eskorte hilfloser NPCs. Während diese Ziele oberflächlich betrachtet recht simpel erscheinen, erfordern sie in der Praxis viel Nachdenken. Die Kombination, in einem Level neben einem konstanten Bomben-Sperrfeuer noch mit Feinden eingeschlossen zu sein, steigert das Stressniveau beim Denken und führt dazu, dass Brachialgewalt oft die schwierigste Art ist, Dinge zu lösen.

Charaktersache

Als Bomberman kennt man hauptsächlich die Figur mit dem weißen Helm und dem angedeuteten Gesicht. Doch Konami weckt in Super Bomberman R den Sammlertrieb. Zunächst enthält die aktuelle Fassung alle Charaktere aus den Switch-Updates; einschließlich Simon Belmont und Dracula von Castlevania , Vic Viper und Option A und B von Gradius , Jehuty und Anubis von Zone of the Enders, Bubble Head und Pyramid Head von Silent Hill, Reiko Hinomoto von Rumble Roses, Shiori Fujisaki von Tokimeki Memorial, Prinzessin Tomato und Goemon. Zusätzlich gibt es konsolenexklusive Charaktere in dieser neuen Version, darunter Ratchet & Clank für die PS4-Version, Master Chief für Xbox One und P-Body von Portal 2 für die Steam-Version. Auf allen Systemen kann man als der professionelle Wrestler Xavier Woods spielen, was zumindest ein netter Gag ist.

Die fortwährende Freischaltung der zusätzlichen Charaktere macht ohnehin einfach Spaß, doch haben diese Extra-Figuren, die eigentlich nur Skins sind, jeder für sich eine besondere Fähigkeit. Zum Beispiel kann Simon Belmont mit seiner Peitsche Bomben und seine Konkurrenten zu sich ziehen, Ratchet kann schießen, was Bomben ablöscht und Gegner ausknockt, und Xavier Woods kann einen hilfreichen Schild einsetzen.

Battle Mode

Das Herzstück eines jeden Bomberman-Spiels ist und bleibt aber der Battle Mode – das klassische Multiplayer-Einzelspiel. Im lokalen Multiplayer- Modus können bis zu vier Controller an die gleiche PlayStation 4 angeschlossen werden. Im Online-Multiplayer können jedoch bis zu acht Spieler im selben Spiel spielen, zwei je Konsole. Die erstellten Matches können in ihren Regeln in vielen Aspekten eingestellt werden, um sie entweder schwieriger und herausfordernder oder simpler zu machen – gerade für Serieneinsteiger ein nützliches Feature.

Veteranen freuen sich dagegen über die Rückkehr eines Klassikers: Zum ersten Mal seit dem Jahr 2001 kehrt die „Bad Bomber“ -Fähigkeit mit dem Namen „Revenge Cart“ zurück. Immer, wenn ein Charakter im Kampf besiegt wird, wird er in einem Wagen am äußeren Rand des Spielfeldes platziert, wo er entlang der Spielfeldbegrenzung herumrutschen und Bomben zurück in die Arena werfen kann. Gelingt es einem Spieler im „Revenge Cart“, einen noch aktiven Spieler wegzubomben, kann er sich dem Match erneut anschließen. Diese Mechanik ist in vielerlei Hinsicht großartig. Sie stellt sicher, dass Spieler, die früh eliminiert werden, nicht nur rumsitzen und Däumchen drehen müssen, bis die Spielrunde vorbei ist. Wer sich mal zufällig zu Beginn eines Spiels selbst in die Luft gesprengt haben sollte, kann von diesem Problem ein Liedchen singen. Zweitens fügt der „Revenge Cart“ den Matches eine ganz neue Strategieebene hinzu. Wenn die Matches auf nur noch zwei Spieler reduziert sind, können die Dinge ein wenig langwierig werden, da es ziemlich schwierig sein kann, den Gegner zu erwischen. Die Zugabe der „Revenge Carts“ bedeutet, dass überlebende Spieler gezwungen sind, schneller zu spielen, was eine willkommene Abwechslung darstellt.

Was der Switch-Version erst per Update hinzugefügt wurde, liegt auf  PlayStation 4 und Xbox One schon vor: der „Grand Prize“-Modus. In diesem Modus kämpfen zwei Teams um die höchste Punktzahl. Das Spiel dauert zwei Runden und das Team, das die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt. Teams können aus bis zu jeweils drei Spielern bestehen. Es gibt zwei Möglichkeiten, Punkte zu erhalten: Im Kristallmodus wetteifern die Spieler um Kristalle, die über die gesamte Spielfläche verstreut sind. Einen Punkt gibt es für jeden gesammelten Kristall und wenn wir sterben, verlieren wir die Hälfte der Kristalle und damit eine große Anzahl von Punkten. Das Team mit den meisten Kristallen gewinnt das Spiel. Bei Remis gewinnt das Team, das am wenigsten Fehler gemacht hat. In „Basic Bomber“ erhalten die Teams einen Punkt für jede Eliminierung, die sie erzielen. Solange die Leben eines jeden Spielers nicht auf Null reduziert werden, kann derjenige wieder auferstehen.

Mehr off- als online

Technisch bietet der Titel solides Niveau, ohne zu glänzen. Das beginnt bei der Comicgrafik und geht bei der düdeligen Musik weiter, die typisch japanisch unaufdringlich, aber ohrwurmig daherkommt. Ein großes Manko ist der Onlinemodus. Zwar ist der technisch durchaus gut aufgestellt, doch in den Lobbys ist es schlichtweg noch einfach zu leer, um spontan eine zünftige Runde zu bomben. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieses Problem in den nächsten Wochen von selbst löst.

Fazit

Super Bomberman R ist ein sehr gelungener Teil der seit Jahrzehnten erfolgreichen Reihe und vermag sowohl Veteranen als auch Neulinge als Joypad zu locken. Das unverwüstliche Spielkonzept ist innerhalb von fünf Minuten erlernt und begeistert nach wie vor. Als Multiplayertitel eine Wucht, ist der Einzelspielerpart sehr glanzlos. Der Storymodus ist in vier Stunden durchgespielt, und wer online auf dem Sofa daddeln möchte, schaut mangels Kontrahenten momentan in die Röhre. Dafür ist das Ding mit mehreren Leuten vor der Konsole eine echte Wucht – spontane Wutausbrüche, Freundschaften, Feindschaften und viele Emotionen mehr sind garantiert. Der Mehrspielerpart ist dabei mit passenden Spielmodi verpasst worden, so dass sich eine Bomberman-Sitzung eigentlich immer abwechslungsreich spielen lässt. In der Summe bleibt es dann auch für seinen originären Zweck ein sehr gutes Spiel: mit mehreren Leuten auf dem Sofa. Wie seit fast dreißig Jahren.

Super Bomberman R
71%Gesamtpunktzahl
Grafik/Präsentation60%
Story/Atmosphäre44%
Gameplay79%
Multiplayer90%
Spielspaß80%
Leser Bewertung 0 Stimmen
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