Sky Rogue im Test – Roguelike a la Ace Combat

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Ach ja, die Neunziger, gerade in der ersten Hälfte des glorreichen Game Boy-Jahrzehnts feierten Flugsimulatoren und Flugzeugaction ihre größten Erfolge. Nebenbei waren auch Strategie-Tabletops und -Computerspiele mit Hexfeldern extrem populär. Zwei Sachen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Und doch weckt Sky Rogue von Fractal Phase ganz stark an beides? Wie das kommt?

Battle Isle

Die Sache mit der Hexfeld Strategie ergibt sich mit Blick aus unserem Jet ganz von selbst. Vom Ozean mal abgesehen, bestehen sämtliche Sky Rogue Landschaften aus Hexfeldern. Damit aber nicht genug, vom leichten Falcon Jäger über Drohnen bis zu den fliegenden Aircarriern könnten alle Flug- und Fahrzeuge auch aus 90er Tabletops und Computerstrategiespielen stammen. Eigentlich fehlen nur Mechs, Assoziationen, etwa an Battle Isle, weckt Sky Rogue aber mit Leichtigkeit. Das gilt bei Bodenzielen ganz besonders, denn hier spielen Terrainhöhe, Anflugwinkel und so weiter eine wichtige Rolle, aber das ist natürlich nur eine Seite.

Strike Commander

Die andere Seite ist natürlich die klassische Flugaction. Wobei Action hier auch Action bedeutet. Sky Rogue lässt uns die Wahl zwischen einer vereinfachten Arcadesteuerung und ‚richtiger‘ Flugzeugsteuerung. Beides erinnert sehr klar an den Actionprimus Ace Combat. Dazu kommt noch die Option, mit Bewegungssteuerung zu spielen. In dem Fall stellt ein Joycon unseren Schubregler und der andere den Joystick. Das mag gewöhnungsbedürftig sein und es hat auch nicht die Qualitäten, die Thrustmaster Joysticks für den PC früher mal hatten. Es geht aber überraschend gut.

Sky Rogue Screenshot - Nintendo SwitchHaben wir uns für eine Eingabemethode entschieden (kann man jederzeit in den Optionen ändern), darf man sich auch schon in die Luft schwingen. Bis zu vier Waffen und ein Defensivsystem dürfen ausgerüstet werden. Da wären etwa die Micro-Lenkraketen, die man direkt zu mehreren abfeuern kann, einfache geradeaus fliegende Raketen mit hoher Schadenwirkung und eine Maschinenkanone. Andere Waffen wie ein MIRV-System, Mittel- und Langstreckenraketen spielen wir nach und nach frei. Natürlich unterscheiden sich alle in den Werten. Die Micros werden direkt zu mehreren abgefeuert, sind sehr beweglich, haben aber auch nur kurze Reichweite und machen wenig Schaden. Die Javelin Mittelstreckenrakete ist bei Schaden und Reichweite zwar ein anderes Kaliber, lässt sich aber leicht ausmanövrieren. Natürlich gibt es ein richtiges Arsenal, das nach und nach freigespielt wird und zu dem auch andere Flugzeuge als unser Startvehikel gelten. Dabei ist praktischer Weise aber egal, ob wir wirklich weiterkommen, schließlich ist Sky Rogue ein klassischer Roguelike.

Combat Air Patrol

Das bedeutet natürlich, dass wir nach unserem Ableben immer wieder von vorne beginnen. Gekaufte Verbesserungen einzelner Waffen und Flugzeuge verlieren wir so leider auch, anders als beispielsweise bei Everspace. Immerhin kann man während einer Mission auch auf dem eigenen Aircarrier landen und seinen Jet teuer reparieren lassen. Die generierten Missionen können nämlich knallhart sein. Mal geht es gegen Bodenziele, mal muss ein Bomber erledigt werden, mal ein gegnerischer Träger. Wer nur das Hauptziel erfüllt, der verdient aber nicht wirklich viel. Das heißt natürlich, dass wir immer geneigt sind, mehr Drohnen, Jets und Bodenziele abzuschießen, als wir müssten. Und das wiederum erhöht unser eigenes Risiko. Die eigene Manövrierfähigkeit und unsere Flares zum Ablenken von Lenkwaffen sind dabei natürlich das höchste Gut. Dummerweise ist ein leichter Jäger aber nicht so robust wie schwerere Flugzeugtypen.

Gott sei Dank machen die Dogfights bei Sky Rogue wirklich Spaß. Eine gegnerische Drohne mag leichtes Futter sein, der typische Jägerpilot ist aber schon anspruchsvollere Beute. Immer wieder haben wir es auch mit ganzen Rotten oder besonders aufgeweckten Gegnern zu tun. Und auch Bodenziele können schwierig sein. Nicht zuletzt, weil sie oft durch Geschütze und Raketenstellungen geschützt sind.

Birds of Prey

Ein Roguelike ist ein Roguelike ist… Und Sky Rogue ist nunmal auch ein Roguelike. Das bedeutet hier einerseits, dass uns der Verlust sämtlicher Upgrades jedes Mal das Leben schwer macht und andererseits, dass alle Missionen generiert sind. Ausgefeiltere Layouts oder gar eine Rahmenhandlung sucht man vergebens. Das ist bei Sky Rogue tatsächlich eher schade. Auch wenn sich die kurze Kampagne theoretisch schnell durchspielen lässt, in Verbindung mit steiler Lernkurve und Verlust sämtlicher Verbesserungen kann es schnell passieren, dass die Lust am Spiel deutlich nachlässt. Das ist beispielsweise bei Everspace deutlich besser gelöst.

Gleichzeitig hätte ich mir einen ausgefeilteren und variantenreicheren Missionsaufbau gewünscht. Denn die Grundsubstanz von Sky Rogue ist wirklich gut. In vielen Dingen fühlt man sich positiv an Genreklassiker wie Ace Combat erinnert, die geradlinige aber stimmige Flugaction macht und an sich auch reichlich Spaß. Es fehlt allein an Dauermotivation.

Immerhin, die Möglichkeit zum lokalen Koop entschädigt teilweise, denn im Splitscreen kann Sky Rogue immer wieder für ein paar Runden zwischendurch gut sein.

Steel Talons

Visuell lebt die nackte Polygongrafik, nur das Meer ist einfach texturiert, vom Charme der frühen Neunziger. Die minimalistische Optik ist dabei aber jederzeit stimmig. Was tatsächlich fehlt, sind unterschiedlichere Umgebungen. Zwar sind manche Inseln umfangreicher und im Laufe des Spiels ändern sich die Lichtstimmungen, am maritimen Inselsetting hält Sky Rogue aber fest. Das ist schade, weil die minimalistische Optik sonst wirklich überzeugen kann, in sich ist der Stil einfach stimmig. Nicht ganz so positiv sieht es auf der Soundseite aus. Die Effekte gehen zwar alle in Ordnung, auch wenn sich hier nix Weltbewegendes auftut, dafür dudelt die Hintergrundmusik belanglos und vor allem zu repetitiv vor sich hin.

Sky Rogue bietet ein stimmiges Grundkonzept, das Gameplay an sich stimmt. Wer bereit ist, sich durchzubeißen oder einfach mit kurzer Action zwischendurch zufrieden ist, kann hier auf jeden Fall mal einen Blick wagen. Unterm Strich wäre mit gutem Missionsdesign aber ein richtig guter Oldschool Action Titel drin gewesen. Hinter seinem vollen Potenzial bleibt Sky Rogue deswegen deutlich zurück.

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Sky Rogue
Präsentation (Grafik, Sound) 74%
Amtosphäre/Story 66%
Gameplay 75%
Spielspaß 74%
Multiplayer 76%
73%
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Leider nur nett, bei Potenzial fürs Großartige. Sky Rogue macht viele Dinge richtig, aber leider nicht alles. Weil die Grundsubstanz, nämlich die Flugaction, mit Betonung auf Action, trotzdem stimmt, kann man trotzdem mal einen Blick wagen. Im Couch-Koop gewinnt Sky Rogue dann eh noch mal ein bisschen. Was bleibt ist das Gefühl, dass einfach mehr drin gewesen wäre.

About The Author

1986, ein strahlender Sommer, ein Freund mit VCS, Schwarzweißfernseher, Space Invaders und Pacman. Seitdem lässt mich das Thema Telespiele nicht mehr los, egal ob Game Boy, Amiga, PlayStation, Xbox oder Wii U. Nicht mal vor dem PC hab ich halt gemacht. Einzig von Sportspielen lass ich generell die Finger.

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