Sine Mora EX im Test – Ein Nerd über den Wolken

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Wie zuletzt häufig wird es in meinem heutigen Test wieder etwas „oldschoolig“ und ausgefallen. Anfang der neunziger Jahre waren Shoot em Ups und deren häufige Arcade-Umsetzungen unter den Zockern noch ziemlich angesagt. Die schnelllebigen und meistens bockschweren Action-Spiele erfreuten sich, trotz eher simplen Gameplay, aufgrund der Highscore-Thematik außerordentlicher Beliebtheit. Bis auf einige kleinere Indie-Entwicklungen sieht es aktuell für Fans dieser Spiele, betreffend sogenannter Tripple-A-Titel, aber eher mau aus. Die japanische Traditionsschmiede Grasshopper Manufacture, unter der Leitung von Suda51 (bürgerlicher Name Gōichi Suda), versucht jetzt mit Sine Mora EX dem schwächelnden Relikt aus alter Tage wieder etwas auf die Beine zu helfen. Dabei muss erwähnt werden, dass Sine Mora bereits 2012 das Licht der Welt erblickte. Nun fünf Jahre später, feiert der Titel mit einer Art Ultimate Edition sein Comeback auf Xbox One, PlayStation 4 und Nintendo Switch. Ich habe mich für euch also ins Cockpit geschwungen und Dauerfeuer gegeben.

Von Zeitreisen und Poesie

Anders als sonstige „Shmups“ präsentiert euch der Entwickler ungewohnt viel Geschichte hinter all den Geschossen und Explosionen. Während der sieben Missionen in der Kampagne schlüpft ihr dabei in mehrere Rollen, bekommt vor dem Start die jeweilige Geschichte des Piloten erzählt und werdet während der Action mit reichlich Informationen in Form von Funksprüchen versorgt. Generell ist die Stimmung der Geschichte aber recht negativ und melancholisch, da alle Fliegerasse eher auf einer persönlichen oder schicksalhaften Vendetta sind. Die Story gehört bei Spielen dieser Art aber eben auch nicht zu den wichtigsten Aspekten, daher kann man sie als netten Zusatz einfach mitnehmen. Zumal sie auf keinen Fall störend wirkt und so manchen vielleicht auch beim Spielen motiviert. Die Intros lassen sich für Story-Muffel zudem jederzeit wegdrücken.

Kugel-Hölle

In Sine Mora EX startet ihr recht gemächlich ins von links nach rechts scrollende Abenteuer. Das Tutorial-Intro macht euch mit allen wichtigen Funktionen bekannt und ihr holt recht unproblematisch einige feindliche Flieger vom Himmel. Viele Angriffe oder Funktionen stehen euch nicht zur Verfügung, die Schwierigkeit liegt im Meistern der Level und dem Ausweichen der zahlreichen Geschosse (Bullet Hell). Trotzdem zeichnet sich Sine Mora EX durch einige Besonderheiten gegenüber seinen Genre-Kollegen aus. Das markanteste Merkmal stellt wohl die Lebensanzeige dar. Ihr habt nämlich eigentlich gar keine. Während eurer Mission läuft im Hintergrund ständig ein Timer, den ihr durch erfolgreiche Abschüsse in die Höhe treiben könnt. Im Gegenzug verliert ihr Zeit, solltet ihr es mit dem Ausweichen nicht ganz so genau nehmen und mal einen vor den Bug bekommen. Recht individuell ist zudem die Möglichkeit, die Zeit zu manipulieren. So könnt ihr sie zu Beginn stark verlangsamen (Achtung: Euer Timer läuft normal weiter), um der Kugel-Hölle besser ausweichen zu können. Später im Spiel lernt ihr sogar, die Zeit etwas zurückzuspulen, was euch allerdings auch reichlich Zeit kostet. Ansonsten verfügt euer Schiff noch über eine gewisse Anzahl an Spezialattacken, die ihr durch Aufsammeln von durch Level schwebenden Power-Ups erhöhen könnt. Die verschiedenen Schiffe bzw. deren Piloten verschießen somit beispielsweise Zielsuchraketen oder bildschirmfüllende Laserbeams. Wichtig ist vor allem die roten fliegenden Items zu erwischen, da diese euren Standardschuss aufwerten. Statt einzelner recht unwirksamer Schüsse, breiten sich bald mehrere Kugeln in einer Art Dreieck als Angriff vor eurem Schiff aus. Das bedeutet mehr Schaden und eine höhere Chance Feinde zu treffen. Aber auch hier gilt: Wart ihr selber unachtsam, verliert ihr eure Upgrades, könnt diese in einem kurzen Zeitraum jedoch gleich wieder aufsammeln, um nicht beinahe wehrlos dazustehen.

Technik des Steampunk-Fliegers

Optisch reißen Shmups in der Regel keine Bäume mehr aus. Die Wurzeln des Genres liegen einfach ein paar Jahre zurück und vermutlich will man mit charmanter Pixel-Optik die entsprechende Zielgruppe vergangener Tage ansprechen. Sine Mora EX hingegen bietet zum Oldschool-Gameplay ungewohnter Weise sehr moderne und aktuelle Optik. Wie ihr bereits auf den Bildern seht, ist das Spiel ein kleiner Augenschmaus und punktet neben der reinen Optik auch mit klasse umgesetztem Steampunk-Stil. Die fein ausgearbeiteten, knalligen und detaillierten Hintergrundgrafiken bilden eine traumhafte Leinwand für die zahlreichen und bunten Farbexplosionen, bestehend aus dutzenden tanzenden Geschoss-Perlen. In den späteren Missionen ist auf eurem Bildschirm darüber hinaus wirklich die (Kugel) Hölle los, was die Bildwiederholungsrate jedoch zu keinem Zeitpunkt stört. Die Soundeffekte eurer Waffen und die zahlreichen Explosionen könnten jedoch ein wenig mehr Wumms vertragen, da sie ein wenig schwach auf der Brust wirken. Für besonders frustrationstolerante Menschen hat der Entwickler vier Schwierigkeitsstufen implementiert, die es schon auf normal in sich haben. Auswendiglernen der Missionen ist Grundvoraussetzung, um die härteren Stufen zu bestehen, die selbst Genre-Fans vor eine gewaltige Geduldsprobe stellen. Sehr vorbildlich und darüber hinaus sehr spaßig ist die Nachricht, dass man die Kampagne gemeinsam lokal mit einem Freund zusammen durchspielen kann. In einer Zeit, in der Couch-Koop etwas aus der Mode zu kommen scheint, freuen wir uns besonders darüber.

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Sine Mora EX
Präsentation (Grafik, Sound) 84%
Gameplay 81%
Atmosphäre/Story 75%
Spielspaß 80%
Multiplayer 82%
80%
Readers Rating 0%
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Sine Mora EX macht deutlich, dass Genres aus älteren Tagen auch 2017 noch richtig Freude bereiten können. So ziemlich jeder Ü30iger wird in den Neunzigern mal das ein oder andere Shmup gespielt haben und sich bei Sine Mora EX sofort irgendwie vertraut heimisch fühlen. Trotz seiner 2D-Limitierung steckt erstaunlich viel Raffinesse und Taktik im Gameplay und sorgt somit für vergnügliche Stunden vor der Flimmerkiste. Falls euch die sonst häufig vorkommende Pixel-Optik vom Genre abgehalten hat, liefert euch Sine Mora EX mit seiner tollen modernen Grafik vielleicht einen guten Grund zum Einsteigen. Wer zudem auf der Suche nach einem Ballertrip für Couch-Koop ist, kann schon mal Chips, Bier und einen Kumpel klar machen.

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About The Author

Einen großen Teil meines Lebens verbringe ich nun an den Pads von allerlei Konsolen. Angefangen hat damals alles mit dem NES und zieht sich bis heute zur Xbox One. Gespielt habe ich in der Zeit auf allen gängigen Nintendo, Sony und Microsoft Konsolen. Am liebsten spiele ich Shooter, Rennspiele, Action-Adventures und Rollenspiele. Einmal im Monat werden aber auch die alten Kisten ausgepackt und es ist Retro-Abend in geselliger Runde.

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