Riptide GP2 – Das Wellenrennen im Test

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Woran musst du bei Jetski denken? Wave Race? Dann bist du hier richtig. Das letzte Wave Race kam vor 14 Jahren raus? Stimmt schon. Aber wofür gibt es eigentlich Downloadspiele und Indie Entwickler? Das haben sich anscheinend auch die Mannen von Vector Unit gedacht und Xbox One wie Playstation 4 Spieler mit Riptide GP2 beglückt. Wer sich jetzt fragt, wo der erste Teil abgeblieben ist, die Riptide Reihe stammt aus der Smartphone Ecke. Aber keine Angst, vom gleichen Entwickler stammte bereits Hydro Thunder Hurricane auf der Xbox 360. Erfahrung mit Rennen auf dem kühlen Nass ist also gegeben.

Riptide-GP2 (4)Dennoch bringt die Handyherkunft Vor- und Nachteile mit sich. Und zwar primär technischer Natur. Das fängt bereits beim Download an, verglichen mit vielen anderen Arcadetiteln bringt Riptide gerade mal magere 204 MB auf die Waage. In Zeiten Gigabytes großer Patches schon fast eine Wohltat, zumindest wenn man nicht die aller dickste Leitung hat. Weiter geht es mit der Grafik, die zwar in sauberen 1080p mit 60 frames läuft aber nicht gerade ein Wunder an Details ist und durchaus ordentlichem Soundtrack, der sich aber allzu schnell wiederholt. Dazu aber später noch mehr, die wichtigste Frage ist schließlich, wie gut sich die Spielmechanik und das Renngeschehen auf der großen Konsole machen.

Startet ihr das Spiel finden sich die drei Modi Career, VR Challenge und Riptide-GP2 (11)Splitscreen. Letzterer ist selbsterklärend und erlaubt bis zu vier (PS4) bzw. sechs (One) Spieler an einer Konsole. Hinter VR Challenges verbirgt sich ein Ranked Mode, wobei hier leider nur Freunde abgefragt werden. Besonders interessant ist wohl erst mal der Karrieremodus, in dem insgesamt neun, natürlich immer länger werdende, Cups darauf warten freigespielt und dann siegreich beendet zu werden. Keine Überraschungen also so weit. Das erste Rennen darf dabei, natürlich, mit einem geliehenen Jetski bestritten werden das ihr, natürlich, nach errungenem Sieg behalten dürft. Neues oder innovatives bietet Riptide hier tatsächlich nicht. Neben den, Überraschung, in vier Kategorien zu je vier Stufen upgradebaren, aber sicher, immer teureren Jetskis bekommt ihr auch XP, die in neue Tricks, längeren Boost und dergleichen investiert werden dürfen. Das ganze muss, ja, natürlich, erst mit entsprechendem Level freigeschaltet werden. Der Clou dabei, (soll ich es noch mal sagen?) ist natürlich, dass ihr mit Tricks euren Boost aufladet um schneller ans Ziel zu kommen oder einfach mehr Airtime für aufwendigere Tricks zu haben. Nachdem ein bestimmtes Wort nun massiv überstrapaziert wurde, es gibt, na klar, mehrere Rennmodi, namentlich Race, Freestyle, also mit Stunts Punkte sammeln, Hot Lap, eine Einzelrunde als schnellster beenden und Elimination, klassisches der letzte fliegt.

Riptide-GP2 (9)Die Struktur bietet also nicht wirklich neues, Spaß machen kann das ganze trotzdem noch. Das liegt zum einen am sehr arcadigen, nachvollziehbaren aber simplen Fahrverhalten und dem schnell durchschauten Stuntsystem, bei dem man Tricks mit beiden Sticks ausführt, dafür aber keine wirklich komplizierten Muster erlernen muss. Zum anderen auch schlicht daran, dass Riptide es als ganzes schafft, eine klassisch arcadige Stimmung zu vermitteln. Hilfreich ist aber auch, dass man für hintere Ränge ein bisschen Kleingeld und vor allem XP bekommt, denn für jedes Level Up gibt es auch ein wenig Bares, gerade am Anfang hilfreich. Die Kohle für Upgrades oder ein neues Fahrzeug ist so recht fix zusammen. Besonders gut gefahren bin ich dabei mit dem Lancer. Das hat zwar keine Kettensäge in der Ausstattungsliste, dank guter Basiswerte und starker Upgradebarkeit ließen sich die Gegner in den meisten Cups aber zersägen. Leider kommen wir damit aber auch ziemlich schnell zu ersten Kritikpunkten. Das Balancing etwa ist nicht das Gelbe vom Ei. Sehen die Statuswerte des voll gepimpten Start-Jetskis mindestens so gut aus wie die vom Lancer fährt sich letzterer trotzdem bereits überlegen. Mit ein paar Upgrades schafft man so Rennen locker, bei denen man mit dem Scorpion ernsthaft hängen kann. Mit steigendem Tempo machen sich auch Negativpunkte des simplen Fahrverhaltens bemerkbar. In der Luft ist euer Kleinstboot praktisch nicht lenkbar, anders als bei Wave Race kann man sich auch nicht vor- oder zurücklehnen, so dass man weder die Landung noch das Gleiten durch Wellen großartig beeinflussen kann. Ein paar Kanten an Streckenrändern können in Riptide-GP2 (3)den oberen Cups schnell zu schaffen machen. Auch das Stuntsystem hat so seine Tücken, denn während manche sehr einfach ausführbar sind, geben sich andere zickig. Fatal wenn statt eines großen Stunts zwei kleine gemacht werden und der zweite kurz vor der Landung erfolgt. Auch Kombos sind nicht wirklich möglich, einen Multiplikator dafür sucht man erst recht vergebens. Auch die Gegner ziehen eher stur ihre Nummer ab, wobei nicht immer klar ersichtlich ist, warum man gerade überholt wurde oder plötzlich doch vorbeiziehen konnte.

Schließlich und endlich, es hätten ruhig ein paar Wellen mehr sein können. Zwar wirbeln alle Jetskis ordentlich Kielwasser auf, was hinten liegenden Fahrern das Leben etwas erschwert, Wellen gibt es aber längst nicht auf allen Strecken und wenn doch nur an bestimmten Positionen. Hier hätte es ruhig etwas mehr Wave Race sein dürfen.

Bei allem Genörgel, tatsächlich kann Riptide überraschend viel Spaß machen. Mit entsprechendem Feintuning wäre aber mehr drin gewesen. Besonders schade, dass es umso mehr für die Multiplayer Modi gilt. Warum verzichten beide Konsolen Fassungen komplett auf Online Multiplayer? Die Smartphoneversionen haben das schließlich. Wieso nur Ranked Mode gegen Freunde? Und schließlich, warum gibt es im Coop immer nur eine Runde und keine freie Streckenauswahl? Leider hat Vector Unit hier effektiv Potenzial verschenkt, was zukünftige Fortsetzungen wie das bereits angekündigte Riptide Renegade hoffentlich besser machen.

Riptide-GP2 (8)Um den Kreis zu schließen noch mal zur Präsentation. Tatsächlich erlaubt sich Riptide hier wenige echte Schnitzer. Auch wenn es seine Abstammung nicht verleugnen kann und größtenteils eher schlicht aussieht, bis auf einige wirklich eher unschöne Streckenelemente sorgen Umgebungen aber auch Objekte wie an Command & Conquer Orcas erinnernde Helikopter für klassisches Arcadefeeling. Das größte Problem auf visueller Seite ist letztlich ein gewisser Baukastenlook. Sich wiederholende Elemente findet man zwar auch anderswo, Riptide übertreibt hier aber. So ergeben sich wenig echte Highlights, dafür auf Dauer ein arg generisches Feeling. Das sollte bei effektiv nur 12 Strecken besser gehen. Dass Wasser mal Bergauf fließt, Schwamm drüber. Die Strecken werden auch mal rückwärts befahren. Das kühle Nass ist sogar etwas, das fast immer eine gute Figur macht.

Auch der Sound ist nicht schlecht, Wasser und Jetskis passen schon, auch wenn ersteres akustisch ruhig mehr hätte bieten können. Letztlich ist es eher die Musik, die auf Dauer, mangels Abwechslung, sogar nervig werden kann. Schlecht sind die Technotracks dabei nicht, auch wenn mich nix nur im Ansatz so mitreißen konnte wie Zvil Raceway aus FAST Racing Neo. Auf Dauer hört man zu wenige dann doch zu durchschnittliche Tracks aber schlicht zu oft.

Um abschließend noch mal zu etwas positiverem zu kommen, wer möchte darf seine Gefährte lackieren aber auch das Fahreroutfit verändern. Dabei ist auch das Fahrergeschlecht für jedes Jetski einzeln frei wählbar.

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Riptide GP2
Präsentation (Grafik, Sound) 62%
Gameplay 67%
Spielspaß 71%
Multiplayer 59%
64%
Readers Rating 0%
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Eigentlich hat Riptide GP2 (fast) alles was es bräuchte. Sicher, ein richtiger Onlinemodus wäre noch schön gewesen, aber auch kein Muss. Über die visuellen Schattenseiten kann ich sogar insgesamt hinweg sehen, auch weil es immer sauber läuft. Die kleinen und großen Mängel in der Spielmechanik sind es letztlich, die eine höhere Wertung verhindern. Wer darüber hinweg sehen kann bekommt zum kleinen Preis trotzdem ein feuchtfröhliches Renngeschehen das tatsächlich Spaß machen kann. Perfektionisten werden mit Riptide GP2 aber nicht glücklich. Wer einen richtigen Onlinemodus will sollte schließlich direkt auf den Nachfolger warten. Der ist bereits offiziell angekündigt und soll genau das bieten.

About The Author

1986, ein strahlender Sommer, ein Freund mit VCS, Schwarzweißfernseher, Space Invaders und Pacman. Seitdem lässt mich das Thema Telespiele nicht mehr los, egal ob Game Boy, Amiga, PlayStation, Xbox oder Wii U. Nicht mal vor dem PC hab ich halt gemacht. Einzig von Sportspielen lass ich generell die Finger.

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