Nach 25 Jahren ist ein fast fertiger Resident-Evil-Port für den Game Boy Color aufgetaucht – als „Final Build“, der laut Preservation-Scene zu rund 98 Prozent komplett ist.
Für Fans ist das mehr als nur eine Kuriosität, weil der „unmögliche Port“ offenbar erstmals so weit ist, dass ein kompletter Durchlauf realistisch wirkt.
Warum dieser „unmögliche“ Game-Boy-Color-Port überhaupt existiert
Dass Capcoms Survival-Horror-Klassiker überhaupt auf den Game Boy Color kommen sollte, klingt aus heutiger Sicht verrückt: winziger Speicher, schwache Hardware, trotzdem 3D-ähnliche Bewegung und das ganze Herrenhaus-Feeling. Genau deshalb hatte der Port schon damals Kultstatus – und er passt perfekt zur aktuellen Resident-Evil-Welle rund um Resident Evil Requiem.
Der Hintergrund: Ende der 90er wurde das Projekt offiziell angeschoben, kam aber nie in den Handel. Über Jahre gab es nur Gerüchte, alte Screens und einzelne Prototypen – genug, um den Mythos am Leben zu halten, aber zu unfertig für einen sauberen Durchlauf.
Entwickelt wurde der Port laut Berichten von britischen Studios (unter anderem HotGen/Fluid), bevor Capcom das Projekt um die Jahrtausendwende stoppte. Das erklärt, warum diese Version heute so spannend ist: Sie wirkt wie ein Stand „kurz vor Release“, der damals einfach in einer Schublade verschwand.
Dass so ein Port überhaupt möglich wirkte, zeigt, wie ehrgeizig die GBC-Ära war. Wenn du dir in Erinnerung rufen willst, wie eng die Hardware-Grenzen damals wirklich waren, lohnt sich unser Retro-Rückblick: 30 Jahre Game Boy.
Was im 98%-Build steckt – und was vermutlich noch fehlt
Das jetzt aufgetauchte Build gilt als deutlich „später“ als frühere Fassungen: mehr Präsentation, weniger Debug-Charakter, dazu Hinweise auf vorhandene Endsequenzen. Genau diese Mischung ist der Grund, warum diesmal nicht nur Retro-Foren, sondern auch große Gaming-Seiten anspringen.
Der Fund wurde über bekannte Preservation-Kanäle veröffentlicht, die sich seit Jahren auf „Lost Builds“ spezialisiert haben. Dort heißt es, man könne in dieser Version sogar End-Inhalte triggern – und für den Fall, dass der normale Spielfortschritt doch irgendwo hakt, wurden interne Test-Hilfen vorbereitet, um bestimmte Abschnitte sichtbar zu machen.
Inhaltlich soll der Port die ikonischen Räume, Schlüssel-Items und den grundlegenden Ablauf des Originals erstaunlich konsequent nachbilden – nur eben stark angepasst an die GBC-Perspektive. Auch das Kampfsystem wirkt wie ein Kompromiss, der die Atmosphäre retten soll, ohne die Konsole zu überfordern.
Wichtig ist trotzdem die Einordnung: „98% fertig“ heißt nicht „fertig“. Bei solchen Builds sind Hänger, kaputte Trigger oder fehlende Politur normal – gerade, wenn das Projekt damals abgebrochen wurde. Der spannende Punkt ist deshalb, ob Story-Fortschritt und Boss-Events stabil genug sind, um den Port wirklich bis zum Abspann zu spielen.
Warum das Thema gerade jetzt so groß wird
Der Zeitpunkt ist ideal: Im Dezember laufen Retro-Funde traditionell stark, und gleichzeitig ist Resident Evil durch neue Trailer, Remaster- und Remake-Debatten wieder dauerpräsent. Dadurch bekommt sogar ein Handheld-Prototyp plötzlich Mainstream-Reichweite, weil er direkt in eine Marke einzahlt, über die gerade ohnehin jeder spricht.
Für die Preservation-Szene ist das auch ein Statement: Nicht jeder Leak ist nur Clickbait, manchmal ist es echte Archivarbeit, die ein Stück Spieleentwicklung rettet. Gerade bei Projekten, die offiziell nie erschienen sind, bleibt sonst oft nur die Legende – und damit gehen auch Design-Entscheidungen, Technik-Tricks und Produktionsrealität verloren.
Und trotzdem gilt: Das ist keine offizielle Veröffentlichung. Wer den Fund spannend findet, sollte ihn als Zeitkapsel sehen – als Blick darauf, wie Entwickler Ende der 90er versucht haben, ein riesiges Konsolenspiel in Cartridge-Form zu pressen. Für Capcom ist es Randnotiz, für Retro-Fans ein echter „Holy Grail“-Moment.

